Dead Zone

(The Dead Zone, 1983)

Regie: David Cronenberg. Mit Christopher Walken, Brooke Adams, Martin Sheen, Tom Skerritt

 

Der Lehrer Johnny Smith (Christopher Walken) unterrichtet gemeinsam mit seiner Freundin Sarah (Brooke Adams). Nach einem fröhlichen Ausflug bringt Johnny seine große Liebe nach Hause. Das Angebot, bei ihr zu übernachten, lehnt er aber ab. Auf dem regnerischen Nachhauseweg kollidiert Johnnys VW Käfer mit einem Truck. Es kommt zu einem folgenschweren Unfall.

 

Johnny erwacht in einem Krankenhaus. Der Arzt Sam Weizak kümmert sich rührend um ihn. Erstaunt stellt Johnny fest, dass er trotz des schweren Unfalls keine sichtbaren Verletzungen hat. Er war fünf Jahre im Koma!

Erschüttert muss er erkennen, dass seine geliebte Sarah mittlerweile geheiratet und einen Sohn hat. Sein Lehrerjob ist weg und ihn plagt eine schwere Gehbehinderung.

 

Die größte Veränderung aber stellt der junge Lehrer aber an sich mental fest. Er kann nun durch Berührung einer anderen Person in deren Zukunft (und Vergangenheit) sehen. Diese besondere Gabe wird aber zunehmend zum Fluch, weil sie ihn körperlich auslaugt.

Als er den gewissenlosen Politiker Greg Stillson (Martin Sheen) kennenlernt, muß Johnny schließlich eine schreckliche Entscheidung treffen ...

 

Was ist das kreative Ergebnis, wenn die Horrorfilm-Regie-Legende David Cronenberg den Roman "The Dead Zone" von Horror-Ikone Stephen King verfilmt? Vielleicht nicht das, was man vermuten würde. Obwohl einige heftige Szenen vorhanden sind, ist das Label "Horrorfilm" hier grundsätzlich unpassend, weil es viel zu kurz greift. Die vordergründigen schockierenden Ereignisse werfen im Laufe des Films Fragen nach gesellschaftlicher Moral, persönlicher Schuld, Demagogie und politischem Vertrauensverlust auf.

 

"Dead Zone" (nach einem Drehbuch von Jeffrey Boam) ist ein trauriger Film, in dem die Einsamkeit der Figuren dominiert. Die tragische Liebe zwischen Johnny und Sarah ist entscheidend für die Geschichte. Die Schauspieler sind exzellent besetzt: Christopher Walken ist perfekt als von seinen Visionen Geplagter. Brooke Adams spielt die ehrliche und mitfühlende Partnerin wunderbar. Auch die Nebenrollen sind durchwegs großartig besetzt: Tom Skerritt ("Alien", "Picket Fences") als Sheriff Bannerman, Martin Sheen ("Apocalypse Now") brilliert als gefährlicher Populist Stillson und Herbert Lom als Dr. Weizak kennt man vor allem als Chefinspektor der "Pink-Panther-Filme".

 

Bereits der Vorspann stimmt durch Landschaftsbilder Neuenglands, die langsam bruchstückhaft schwarz werden auf eine unterkühlte, distanzierte Atmosphäre ein. Die genial passende Filmmusik von Michael Kamen verstärkt diesen Effekt.

 

"Dead Zone" ist nicht nur eine grandiose Schauspielleistung Christopher Walkens, sondern auch eine der besten Stephen King-Verfilmungen.

 

2018 veröffentlichte Koch Media ein sehr würdiges Mediabook mit einer Blu-ray und zwei DVDs. Neben einem sehr interessanten 24seitigem Booklet finden sich auf der Extra-DVD folgende Features (alle mit deutschen Untertitelungen):

  • Memories of the Dead Zone: Regisseur David Cronenberg, Darstellerin Sarah Brooks und der Autor Douglas E. Winter erzählen die Entstehung des Films. 12 Minuten.
  • The Look fo the Dead Zone: Kameramann Mark Irwin und David Cronenberg erzählen unter anderem wie der Künstler Norman Rockwell das Aussehen des Films beeinflusst hat. 9 Minuten.
  • Visions and Horror from the Dead Zone: Mark Irwin, David Cronenberg und Filmeditor Ronald Sanders erläutern bestimmte Szenen des Films, z.B. die herausragende Feuerszene. 9. Minuten.
  • The Politics of the Dead Zone: Schauspieler Martin Sheen, David Cronenberg und Mark E. Winter über den politischen Aspekt des Films. 11 Minuten.
  • Interviews: David Cronenberg, Martin Sheen und (die 2005 verstorbene) Produzentin Debra Hill über den Film. Leider schlechte Bildqualität und nicht ausblendbare japanische (!) Untertitel. 16 Minuten.
  • Interview mit Stephen King: In einem sehr kurzweiligen Interview sprach der Schriftsteller Tom Perrota am 7.11.2011 mit Stephen King. Thema dieses Gesprächs vor Publikum in der JFK Presidential Library and Museum war Kings Roman "Der Anschlag (11/22/63)" über einen Zeitreisenden. 48 Minuten.

Fazit: Unterschätzte Filmperle aus den 1980ern.

 

Harald Kloth

5 Sterne
5 von 5

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© 2018 Harald Kloth

Jens Henrik Jensen: Der dunkle Mann

Oxen-Trilogie, Band 2

Thriller

 

München ; dtv ; 2018 ; 512 Seiten ; ISBN: 978-3-423-26179-1

Niels Oxen, ehemaliger Elitesoldat, ist plötzlich wie vom Erdboden verschwunden. Er war noch bei einem  Empfang, hat sich dort aber vorzeitig verabschiedet und wurde nicht mehr gesehen. Der Chef des Inlandgeheimdienstes PET, Axel Mossmann, glaubt seiner Mitarbeiterin Magrethe Franck nicht, dass sie keinen Kontakt zu Niels Oxen hat, denn sie hatte zuletzt sehr intensiv mit ihm zusammengearbeitet.

Magrethe versucht alles, um Niels aufzuspüren, meist auf eigene Faust, denn sie traut ihrem eigenen Chef nicht. Niels ist derweil bei einem alten Fischzüchter untergekommen, dem er in der Silvesternacht das Leben gerettet hat. Die Abgeschiedenheit in Verbindung mit der harten körperlichen Arbeit sind genau das, was er jetzt braucht. Als plötzlich der Museumsdirektor Malte Bulbjerg ermordet im Danehof-Saal gefunden wird, ist klar, dass jahrhundertealte Seilschaften auch heute noch Bestand haben.

Ihrem Spürsinn folgend trifft Magrethe Niels, als dieser am Jahrtag seines besten Freundes an dessen Grab verweilt. Was sie nicht ahnt ist, dass sie längst beschattet wird. Doch auch die Beschatter werden beschattet und Niels entgeht nur knapp seiner Entführung. Geschickt von den dunklen Männern eingefädelt steht Niels nun unter Mordverdacht. Es wird landesweit polizeilich nach ihm gefahndet. Zeitgleich stirbt der Justizminister Ulrik Rosberg. Damit verliert Niels auch die Garantie, beim nächsten Angriff auf seine Person am Leben zu bleiben, denn ein Video des Justizministers war bislang seine Lebensversicherung.

Magrethe und Niels ist klar, dass alles wieder mit dem Danehof bzw. Consilium zusammenhängt. Doch wer steckt wirklich dahinter und wie kann dieses Netzwerk für immer ausgeschaltet werden? Ein Plan wird immer konkreter, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und der Erfolg ist zum Greifen nahe, doch auch die Gegenseite ist schlau, wenn nicht sogar schlauer.

Mit dem zweiten Teil "Oxen – Der dunkle Mann" liefert Jensen ein weiteres Glanzstück für das Thrillergenre. Mit vielen Wendungen, teils fast unglaublichen, dann aber doch nachvollziehbaren Szenen ist die Geschichte um den Elitesoldaten Niels Oxen sehr gute Unterhaltung. Leider müssen alle Oxen-Fans jetzt bis Semptember warten, bis der dritte und letzte Teil erscheint.

Fazit: Spannung auf hohem Niveau.

Matthias Wagner

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Marina Boos: Frühlingsglück und Gartenzauber

Jules Welt

Ein Kreativ-Roman

 

München ; Knaur ; 2018 ; 288 Seiten ; ISBN 978-3-426-52177-9

Das neue Jahr beginnt für Jolanda, die von allen nur Jule genannt wird, mit einem schönen Wiedersehen.
Ihre zwei besten Freundinnen Maike und Cora besuchen sie in Müggebach und machen sich ein Bild von Jules neuem Leben mit Café Lindenblüte und Freund Mirko. Während Maike mit ihrer Familie bald wieder abreist, entschließt sich Cora, länger zu bleiben. Als Architektin reizt es sie natürlich sehr, Milena zu beraten und beim Umbau des alten Dennighofs zu helfen. Nur Jule spürt, dass Cora etwas bedrückt, will ihr aber Zeit geben, selbst darüber zu sprechen.

Ein großes Ereignis wirft währenddessen schon seine Schatten voraus. Im Juni möchte Jule mit allen Bewohnern, Freunden und am allerliebsten auch mit ihrer Oma Wilhelmine das einjährige Bestehen des Cafés feiern. Aber obwohl die Oma das Projekt finanziell unterstützt hat, weigert sie sich vehement, in ihren früheren Heimatort zurückzukehren – und sei es nur für einen kurzen Besuch.

Auf dem Dennighof finden Jule und Cora beim Ausräumen ein geheimnisvolles Päckchen, das ganz offensichtlich bewusst versteckt wurde. Es enthält einige wunderschöne Pflanzenzeichnungen. Von wem die wohl stammen? Und warum wurden sie so gut versteckt?
Gibt es etwa eine Verbindung zu Wilhelmine und ihren Jugendfreundinnen? Liegt in den Ereignissen der Vergangenheit etwa der Grund, warum Wilhelmine Müggebach meidet?

Während Jule ein wenig Detektivin spielt und in die Vergangenheit ihrer Oma eintaucht, um deren Verhalten besser verstehen zu können, wird sie wie gewohnt von ihrer Nachbarin Gerta, dem Koch Jean und natürlich ihrem Freund Mika unterstützt wo es nur geht.
Nach und nach nehmen schließlich auch die Festvorbereitungen Gestalt an. Ob sich Jules größter Wunsch - ihre Oma als Gast bei der Jubiläumsfeier - am Ende doch noch erfüllt, bleibt allerdings fraglich.

Wie schon die vorherigen Bände ist auch dieses Buch wieder Roman und Bastelbuch zugleich. Dieses Mal dreht sich ja alles um das Thema Frühling und Garten.
Neben Bastelideen gibt es der Jahreszeit entsprechend auch viele Gartentipps.
Das Buch ist wieder sehr schön thematisch passend illustriert. Die gesamte Aufmachung macht das Buch zu einem, das man gerne in die Hand nimmt.

Am Ende des Buches gibt es den bewährten „Und so wird’s gemacht“- Teil. Hier werden viele Bastelideen, die in der Geschichte vorkommen erklärt. Schön wären hier allerdings bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen, um es den nicht ganz so Bastelbegabten leichter zu machen.

Fazit: eine schöne Geschichte über Freundschaft in die viele schöne Do-it-Yourself-Ideen eingebaut sind. Jetzt kann der Frühling kommen!

Sonja Kraus

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2016 Sonja Kraus, Harald Kloth

Sven Koch: Kalte Sonne

Thriller

 

München ; Knaur ; 2018 ; 349 Seiten ; ISBN: 978-3-426-52154-0

Maja Lundgren wohnt zusammen mit ihrer sechsjährigen Tochter Emma im eigenen Haus am Strand. Ihr Ehemann Erik starb kurz vor dem Bekanntwerden der Schwan gerschaft. Man fand in tot am Strand und alles deutete auf einen Suizid hin. Eines Tages sieht Emma im Fernsehen einen Bericht, bei dem eine Person durchs Bild läuft, die aussieht wie ihr toter Papa, den sie nur von Bildern kennt. Maja schenkt dem zunächst keine Bedeutung, aber als auch die Kindergärtnerin sie anspricht, sucht sie selbst nach dem Fernsehbeitrag und ist verblüfft, was sie sieht. Sie nimmt wieder Kontakt zum damals ermittelnden Polizeibeamten auf, der mittlerweile in Pension ist und als Hobbyornithologe viel unterwegs ist.

Er rät ihr, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Zeitgleich ist der Anwalt Aksel Olsen in Kopenhagen mit Arbeit gut eingedeckt, aber das Verhalten eines seiner Mandanten bereitet im zusehends Kopfzerbrechen. Vor mehr als sechs Jahren hat er sich auf etwas eingelassen, was durchaus das Potenzial hat, die Grundfesten des Staates ins Wanken zu bringen.

Maja Lundgren entscheidet sich schließlich nach dem Unbekannten im Fernsehen zu suchen. Was sie dabei nicht bedacht hat ist die Tatsache, dass ihr Entschluss letztlich ein Stich ins Wespennest ist. Nach und nach merkt sie, dass es manchmal besser wäre die Büchse der Pandora nicht zu öffnen.

Sven Koch legt einen sehr tollen Psychothriller vor, der alles hat, was sich der Leser in diesem Genre wünscht. Nach und nach entwickelt sich der Plot und die einzelnen Verstrickungen treten ans Licht. Was mit einem unscheinbaren Fernsehbericht beginnt, entspinnt sich bald als rasante Verfolgungsjagd.

Auch baut der Autor das Naturschauspiel Schwarze Sonne (Sort sol) , das sich in Dänemark immer im Frühjahr und Herbst zeigt, sehr geschickt in die Handlung ein.

Fazit: Ein äußerst vielversprechendes Thriller-Debüt - sehr zu empfehlen.

 

Matthias Wagner

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Alice Feeney: Manchmal lüge ich

Psychothriller

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2018 ; 379 Seiten ; ISBN: 978-3-499-27311-7

Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag des Jahres 2016 und Amber Reynolds liegt im Koma. Keiner weiß, was genau passiert ist. Amber kann die Menschen an ihrem Bett nur akustisch wahrnehmen.
Ihr Ehemann Paul und ihre Schwester Claire wechseln sich am Krankenbett ab, denn sie hoffen, dass Amber wieder aufwacht.

Nach und nach entspinnt sich die Geschichte und die Ereignisse an den Tagen vor dem Weihnachtsfest werden rekonstruiert. Amber hatte enormen Stress in ihrem Job als Radiomoderatorin, denn eine Kollegin machte ihr das Leben zur Hölle.
Zeitgleich hat sie einen alten Bekannten aus längst vergangenen Tagen im Trubel der Großstadt getroffen.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem, was erst vor kurzem passiert ist? Wie hängt dies alles mit Ambers eigener Vergangenheit zusammen?

Ans Bett gefesselt erlebt Amber ihre schlimmsten Stunden, denn ihr wird klar, dass sie nicht überleben wird, wenn sie nicht aus dem Koma erwacht. Alice Feeney legt einen Psychothriller vor, der auf verschiedenen zeitlichen Ebenen erzählt wird. So gibt es das „Jetzt“, in dem Amber komatös in der Klinik liegt und nur den Gesprächen der anderen lauschen kann.

In Rückblenden werden immer wieder die letzten Tage vor dem Weihnachtsfest rekonstruiert. Zwischendurch gibt es Tagebucheinträge aus den Jahren 1992 und 1993. Mit jeder Seite laufen die Erzählstränge ein bisschen mehr zusammen und es bildet sich ein schauerhaftes Szenario.

Fazit: Ein Thriller, der etwas hinter den Erwartungen zurückbleibt.

 

Matthias Wagner

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Fiona Barton: The Child

Du kannst die Vergangenheit begraben, aber die Wahrheit lebt weiter

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2017 ; 473 Seiten ; ISBN: 978-3-8052-5098-6

Bei Abrissarbeiten in New York wird das Skelett eines Babys gefunden. Dem Ganzen wird zunächst keine große Aufmerksamkeit geschenkt, denn das Kind wurde schon vor Jahrzehnten dort vergraben.  Lediglich eine kleine, unscheinbare, fast zu überlesende Nachricht in der Zeitung erzählt davon.

 

Die Meldung löst bei drei Frauen etwas aus. Die Reporterin Kate hat sich vorgenommen, die Geschichte des Babys genauer zu ergründen und begibt sich auf Spurensuche.  Angelas Baby Alice wurde vor vierzig Jahren einen Tag nach der Geburt aus dem Krankenhauszimmer entführt, als sie gerade beim Duschen war. Sie hat die Hoffnung, dass sie endlich Gewissheit erhält, denn die letzten Jahrzehnte waren alles andere als leicht.


Die dritte Frau ist Emma, die in diesem Straßenzug aufwuchs und seit Jahren ein Geheimnis mit sich herumträgt, das mit dem Auffinden des Babys ans Licht drängt. Emmas Mutter Jude hadert derweil mit ihrer großen Liebe Will.
Als die Polizei dann zwei DNA Proben hat, die zum gefunden Baby passen schleicht sich der Verdacht ein, dass eine Manipulation vorliegt.
Oder steckt am Ende doch ganz eine andere Geschichte dahinter?

Fiona Barton erzählt in ihrem Roman die Geschichten dreier Frauen, die miteinander verwoben sind. Sie stellt die Charaktere in Ich-Form vor, was dazu führt, dass von Kapitel zu Kapitel ein permanenter Perspektivenwechsel erfolgt.


Ausgehend von einer kleinen Meldung in der Zeitung entspinnt sich ein Plot, der neben Spannung auch den Einblick in menschliche Schicksale zulässt. Das Ende ist toll.

Fazit: Ein wunderbarer Roman!

 

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Duval/Pécau/Wilson: Shooter

Wonderball, Band 1

Szenario: Fred Duval, Jean-Pierre Pécau. Zeichnung: Colin Wilson. Farben: Jean-Paul Fernandez

 

Hamburg ; Schreiber und Leser ; 2016 ; 56 Seiten ; ISBN 978-3-946337-14-0

 

San Francisco, 1983. Ein Scharfschütze tötet innerhalb von 10 Sekunden neun Menschen auf offener Straße. Der von der Presse "Crazy Cop" genannte Inspektor Spadaccini ermittelt in diesem rätselhaften Fall. Die Spuren dieses, technisch eigentlich unmöglichen, Massenmordes führen den Cop zurück bis ins Jahr 1963. Denn auch beim Attentat auf John F. Kennedy wurde das gleiche Kaliber verwendet. Und auch dort waren die Umstände rätselhaft und Spadaccini am Tatort.

 

Wonderball (so genannt auch wegen seiner Vorliebe für Schokoladenspielzeug) beginnt seine Ermittlungen bei Sam Waklowski, einem Ex-Cop, der früher mit Drogen experimentierte. Spadaccini gerät ins Visier einer Geheimorganisation, die an der Entwicklung eine leistungssteigernden Substanz beteiligt ist und deren Einfluß bis ins San Francisco Police Department reicht. Plötzlich ist es nicht mehr nur ein beliebiger Fall, sondern Wonderball ist auch persönlich betroffen.

 

Dieser rohe und brutale Thriller fängt gekonnt das Westküstenflair von San Francisco in den 1980er Jahren ein. Zwischen dunklen Hinterhöfen, Surfern am Pazifik und wilden Verfolgungsjagden über die berühmten Hügel der Stadt jagt der Crazy Cop nach den Mördern und macht dabei "keine Gefangenen". Deutliche Bezüge finden sich zu Kultfilmen wie "Bullit" (1968) und "Dirty Harry" (1971), was diesen Comic für Fans von Krimis der 1970er Jahre sehr interessant macht (obwohl er zeitlich in den 1980er Jahren verortet ist).

 

Zeichner Colin Wilson hat schon mit Comicserien wie "Star Wars", "XIII" oder "Blueberry" Beeindruckendes geschaffen. Mit den Szenaristen Duval und Pécau zeigt er sich auch für die ausgezeichnete Zeitreiseserie "Tag X" verantwortlich. "Wonderball" bietet viel Detailreichtum und Action.

 

Fazit: Düsterer Cop-Thriller mit toller Atmosphäre.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2018 Harald Kloth

Ulrike Herwig: Das Leben ist manchmal woanders

Roman

 

München ; dtv ; 2018 ; 288 Seiten ; ISBN 978-3-423-26161-6

 

Die beiden Schwestern Judith und Marlene unterscheiden sich in ihrem Lebensstil völlig voneinander. Judith und ihr Ehemann Achim führen ein angepasstes, überschaubares, ja fast langweilig anmutendes Leben. Der Kontakt zu ihrem gemeinsamen Sohn Frank, der in Australien lebt, ist schon lange abgebrochen und macht den Eltern schwer zu schaffen. Die etwas schräge Marlene hingegen schlägt sich als Alleinerziehende mit ihrem 14- jährigen Sohn Gregor durchs Leben und kann eindeutig dem „Ökolager“ der Bevölkerung zugeordnet werden. Auch Gregor fällt durch die besondere Art sich zu Kleiden buchstäblich ins Auge. Außerdem zeigt er gravierende Verhaltensauffälligkeiten und wird von seiner Umwelt als behindert abgestempelt.

Diese Gegensätzlichkeit führt unweigerlich zu einem Spannungsfeld zwischen beiden Familien. Als Marlene während eines Besuchs bei Judith einen schweren Unfall erleidet und ins Koma fällt, findet Gregor bei Onkel und Tante ein vorübergehendes Zuhause.

Diese wohnen in einem Mehrparteienhaus welches von Anonymität, Tratsch, Spießigkeit und Vorurteilen geprägt wird, was Gregor jedoch wiederum völlig unbeeindruckt lässt.

Er strapaziert die Nerven seiner Mitmenschen anfänglich bis aufs Äußerste. Seine sachliche, von Logik gekennzeichnete Art, die unkonventionelle Spontanität, Beharrlichkeit und entwaffnende Ehrlichkeit jedoch vermögen die eingefahrenen Strukturen im Haus aufzuweichen.

So entsteht nach und nach aus einem Nebeneinander ein Miteinander und Füreinander - wovon letztendlich alle profitieren. Die Beziehung zwischen Judith und Achim bekommt ebenfalls wieder frischen Wind in die Segel und Gregor erfährt stetig mehr Zuwendung, Geborgenheit und Liebe von beiden in einer - besonders für ihn - so schwierigen und traurigen Zeit.

Fazit: Ein absolut lesenswerter Roman der zeigt, dass es möglich ist, im Kleinen Großes zu bewegen. Eine vermeintliche Behinderung kann zum Gewinn für die Mitmenschen werden.

Elisabeth Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2018 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Siina Tiuraniemi: Frischluftvergiftung bei Minus 20 Grad

Roman

 

München ; dtv ; 2018 ; 365 Seiten ; ISBN 978-3-423-26169-2

 

Der völlig chaotische, liebenswerte Student Miska kommt widerwillig der Bitte seiner Mutter nach, einer alten, ihm völlig unbekannten Frau einen Blumenstrauß ins Pflegeheim zu bringen. Diese alte Dame entpuppt sich sehr schnell als gerissene, raffinierte und mit allen Wassern gewaschene Persönlichkeit. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Beziehung zwischen den beiden. Miska taumelt in eine Geschichte, die völlig aus dem Ruder läuft. Ein Spiel zwischen Wagnis, Gewissenskonflikten und Illegalität beginnt, bedingt durch die jugendliche Naivität, Risikobereitschaft und Spontanität Miskas.

Im Zentrum steht die Frage was besser ist: Dem Leben um jeden Preis einige Tage mehr zu geben oder an den verbleibenden Tagen Leben und Genuss in den Mittelpunkt zu rücken.

Der Leser befindet sich von Beginn an mitten im Geschehen, keine langatmige Einführung verzögert den Lesegenuss. Dieses Buch besticht durch seine detailreichen Beschreibungen, die spritzig und erfrischend das Geschehen auf den Punkt formulieren. Die entwaffnend ehrlichen Selbstbekenntnisse Miskas verleiten einfach zum Lachen. Die Charaktere der Akteure sind gut herausgearbeitet. Zum besseren Verständnis der aktuellen Handlung fügt die Autorin rückblickende Geschehnisse aus dem Leben der Protagonisten ein.

Fazit: Die stellenweise urkomische Konstellation von Situation und Handlung bietet eine unterhaltsame Lektüre, welche bei genauerer Betrachtungsweise Anlass gibt, sich doch tiefere Gedanken zur vorliegenden Problematik zu machen.

Elisabeth Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2018 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Marina Boos: Vom Glück der winterlichen Dinge

Jules Welt

Ein Kreativ-Roman

 

München ; Knaur ; 2016 ; 331 Seiten ; ISBN 978-3-426-51968-4

Jolanda, die von allen außer ihrem Freund Mika nur Jule genannt wird, arbeitet noch immer daran, das Café Lindenblüte zu etablieren.
Teile der Dorfbevölkerung von Müggebach sehen es immer noch kritisch, dass ausgerechnet eine Auswärtige den früheren Gasthof gekauft und zum Kreativ-Café umgewandelt hat. So richtig gut läuft das Café deshalb auch leider nicht. Viele nutzen zwar die angenehme Atmosphäre, um sich dort aufzuhalten und zu basteln. Konsumiert wird dabei aber viel weniger als für den Umsatz gut wäre. Mika unterstützt Jule vor allem moralisch, denn in der Küche ist er ziemlich talentfrei.

Dafür unterstützt die Nachbarin Gerta Jule wo sie nur kann. Es wird vorweihnachtlich dekoriert und die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt laufen. Die Mitglieder der Handarbeitsgruppe sind fleissig am Basteln. Als der alljährliche Weihnachtsmarkt ganz unerwartet heimatlos wird, weil am geplanten Veranstaltungsort äußerst kurzfristig Bauarbeiten stattfinden, zögert Jule nicht lange und bietet den Platz rund um das Café als alternativen Veranstaltungsort an.

Auch wenn dieses Problem gelöst ist, hat Jule nebenbei noch mit einem aufdringlichen Immobilienmakler zu kämpfen, der ihr das Café samt Grundstück abkaufen möchte. Eine Bestätigung für Jules Mutter, die ohnehin immer darauf drängt, Jule solle sich das ganze Vorhaben doch noch einmal durch den Kopf gehen lassen und letztlich aufgeben. Ob das mit dem Weihnachtsfrieden wohl dieses Jahr noch klappen wird?

Dieses Buch ist wieder Roman und Bastelbuch zugleich. Die Aufmachung  ist sehr gelungen und der Innenteil sehr schön illustriert. Zwischen einzelnen Kapiteln finden sich immer wieder leere Seiten, die dazu dienen sollen, eigene kreative Ideen zu notieren.
Ganz am Ende des Buches gibt es einen „Und so wird’s gemacht“-Teil. Darin findet man alle kreativen Ideen, die im Roman erwähnt werden, genau erklärt. Schön wären vielleicht noch Fotos von den Endprodukten gewesen, aber solche fehlen leider. Das macht aber die insgesamt äußerst nette Geschichte wieder wett. Man darf gespannt sein, wie es mit Jule weitergeht.

Fazit: ein tolles Buch für die Vorweihnachtszeit, mit vielen Anregungen zum Nachmachen.

 

Sonja Kraus

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth

Spacewalker

(Vremya Pervyh, 2017)

Regie: Dmitry Kiselew

 

In den 1950er und 1960er Jahren lieferten sich die zwei Supermächte Vereinigte Staaten und Sowjetunion einen "Wettlauf ins All". Dieser sollte die Überlegenheit über den Gegner während des "Kalten Krieges" (1947 bis 1989) demonstrieren.

 

Der Spielfilm "Spacewalker" erzählt eine Episode dieses Wettrennens aus russischer Sicht: Den ersten Weltraumspaziergang in der Geschichte der Raumfahrt.

 

Der Film beginnt mit den Vorbereitungen der Astronauten. Schnell wird auch deutlich wie gefährlich diese Missionen sind. Selbst beim Test der Woschod-Raumkapsel am Boden gibt es einen Toten zu beklagen.

Der Kosmonaut Alexei Leonow wird als hochtalentierter und unkonventioneller Pilot dargestellt. Immer wieder läßt der Spielfilm traumartige Kindheitserlebnisse Leonows miteinfliessen, die sein Handeln während des Raumflugs beeinflussen.

Interessant ist auch die Zusamenstellung des Teams: Während Pawel Beljajew als zurückhaltender, fast zögerlicher Charakter dargestellt wird, so wird Alexei Leonow gegenteilig portraitiert. Aber genau dies könnte auch Grund für das Überleben der Männer gewesen sein. Denn mehrere massive Probleme während der Mission erforderten unkonventionelles Handeln, auch gegen Vorschriften.

 

Die Trickeffekte sind imposant umgesetzt. In beeindruckenden Bildern wird der Außenbordeinsatz dargestellt. Deutlich wird, dass die Woschod 2-Mission mehrmals katastrophal hätte enden können.

 

Wer die Weltraumfilme "Der Stoff, aus dem die Helden sind" (1983), "Apollo 13" (1995), "Space Cowboys" (2000) oder "Gravity" (2013) mochte, der sollte auch einen Blick auf "Spacewalkers" werfen.

Um sich näher mit diese Thema zu beschäftigen ist insbesondere auch die vierteilige Dokumentation "Space Race - Wettlauf zum Mond" (2005) sehr zu empfehlen.

 

Vom Label Capelight erschien "Spacewalker" als DVD, als Blu-ray (Amaray) und auch als Steelbook mit zusätzlicher Blu-ray 3D.

 

Auf der Blu-ray sind zwei Extras vorhanden: Im 25minütigen "Der erste Spaziergänger im Weltall" erzählt Alexei Leonow sehr sympathisch von seinen Erlebnissen. Ein beeindruckendes Zeitdokument eines mutigen Mannes. Deutlich wird hier auch, wie nah der Spielfilm an den realen Ereignissen ist. Die 25minütige "Die Geschichte hinter Spacewalker" beleuchtet sehr interessant die herausfordernden Dreharbeiten und das Bemühen um Authentizität in diesem spannenden Spielfilm.

 

Fazit: Ein fesselnder, 147minütiger Flug ins Jahr 1965.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4 bis 5 von 5

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© 2018 Harald Kloth

Rita Falk: Kaiserschmarrndrama

Ein Provinzkrimi

Franz Eberhofer, Band 9

 

München ; dtv ; 2018 ; 300 Seiten ; ISBN 978-3-423-26192-0

Zurück in Niederkaltenkirchen. Franz Eberhofer hat es wirklich nicht leicht. Sein Bruder Leopold, die Schleimsau hängt nur noch auf dem Hof herum, da der Bau des gemeinsamen Doppelhauses ja schließlich überwacht werden will. Allein der Gedanke, mit dem, der hochschwangeren Panida und der Sushi Wand an Wand leben zu müssen, lässt den Franz erschaudern. Und dann noch die vielen Entscheidungen, die rund um den Hausbau zu treffen sind.

 

Andererseits kann es natürlich auch keine Dauerlösung sein, dass die Susi und das Paulchen ausgerechnet in Leopolds altem Kinderzimmer wohnen müssen. Aber dann soll auch noch sein Rückzugsort, der geliebte Saustall abgerissen werden, damit an der Stelle eine Doppelgarage gebaut werden kann.
Das geht natürlich gar nicht und der Eberhofer wäre nicht der Eberhofer, wenn er das nicht zu verhindern wüsste.

Gerade als sich der Bürgermeister darüber aufregt, dass sich sein Kommissar fast nur noch um private Angelegenheiten kümmert und ansonsten wohl eine ziemlich ruhige Kugel schiebt, wird in den Wäldern rund um Niederkaltenkirchen die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die  junge Dame war zufällig die neue Untermieterin des Metzgerehepaars Simmerl  und hat wohl mit Stripshows am häuslichen PC ihr Geld verdient. Äußerst pikant ist, dass unter den Kunden auch der Simmerl selbst und der Flötzinger waren. Sie gehören also zum Kreis der Verdächtigen und Eberhofer muss ihre Fingerabdrücke nehmen.

Als wäre das alles noch nicht genug, geht es dem Ludwig, Eberhofers treuem vierbeinigen Gefährten sehr schlecht. Die Tierärztin zerstört alle Hoffnungen und kurz darauf stirbt der Hund. Ziemlich mitgenommen von der ganzen Situation muss sich Franz Eberhofer dann auch noch mit seiner Erzfeindin Thin Lizzy herumärgern. Die kommt mit zwei Kollegen als Soko nach Niederkaltenkirchen. Da mittlerweile eine zweite weibliche Leiche im Wald gefunden wurde, geht man nämlich von einem Serienmörder aus, der in den Wäldern rund um Niederkaltenkirchen sein Unwesen treibt.
Wie immer unterstützt auch dieses Mal der Birkenberger Rudi die Ermittlungen und sorgt für so manchen Brüller.

Im mittlerweile neunten Fall trifft es den Franz Eberhofer persönlich sehr hart, weil er sich für immer von seinem Hund Ludwig verabschieden muss. Ganz am Ende des Buches gibt es dafür aber quasi zum Trost noch die Geschichte, wie der Ludwig überhaupt zum Eberhofer kam.

 

Die etwas längere Pause zwischen dem achten Fall Weißwurstconnection und dem aktuellen Fall hat der Geschichte gut getan. Das Wiedersehen mit den Bewohnern Niederkaltenkirchens und dem anderen Stammpersonal ist absolut gelungen.
Zwar werden Liebhaber von Regionalkrimis nicht so ganz auf ihre Kosten kommen, weil das Zwischenmenschliche auch im neuen Band Kaiserschmarrndrama wieder im Vordergrund steht, aber die ein oder andere lustige Stelle macht das vielleicht auch wieder wett.

Fazit: Neues aus Niederkaltenkirchen: eine unterhaltsame Geschichte. Eberhofer-Fans werden auch im neuen Teil wieder ganz auf ihre Kosten kommen.

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth

Andreas Gößling: Wolfswut

True-Crime-Thriller

 

München ; Knaur ; 2018 ; 523 Seiten ; ISBN: 978-3-426-52132-8 

 

Lotte Soltau, die Tochter des vor kurzem verstorbenen Unternehmers Alex Soltau findet im Nachlass des Vaters einen Schlüssel für eine verlassene Lagerhalle.

Dort macht sie eine schreckliche Entdeckung: in mehreren Fässern lagern Leichenteile.

 

Die Kriminalhauptkommissarin Kira Hallstein vom LKA Berlin, von allen nur Hallstein genannt, wird zusammen mit ihrem vor kurzem aus Bayern versetzten Kollegen Max Lohmeier an den Fundort gerufen. Bereits nach Stunden ist klar, dass es sich in den fünf Fässern um fünf verschiedene Frauen handelt. Die einzelnen Körperteile sind in Formalin eingelegt, was die Ermittlung des Todeszeitpunkts enorm erschwert. Der Rechtsmediziner Dr. Hünfeld kann nur eine grobe Einschätzung abgeben. Fest steht, dass die Mordserie in den letzten beiden Jahrzehnten stattgefunden haben muss.

 

Kira, gerade wieder einigermaßen stabil, hat sie sich doch vor Jahren freiwillig in die Psychiatrie einliefern lassen, hadert mit sich und ihrem neuen Freund Niels, denn es scheint eine feste Beziehung zu werden. Aber seine psychologischen Tipps bringen sie erheblich weiter. Ihre Vorgesetzte, Kriminaldirektorin Franka Fundlandt ist nicht immer einverstanden mit den Ermittlungen von Kira Hallstein und nach und nach entsteht der Eindruck, dass sie die Ermittlungen aktiv behindert. Aber Kira Hallstein bleibt sich selbst treu und  schnell wird klar, dass viele Personen involviert sind.

 

Nachdem klar ist, dass Alex Soltau nicht alleine gehandelt hat, beginnt die Suche nach seinem Helfer. Doch dann wendet sich das Blatt und Kira steht einer der emotionalsten Momente ihres Lebens bevor.

 

Andreas Gößling legt mit Wolfswut einen soliden Thriller vor, der alles beinhaltet, was Thrillerfans mögen. Die detaillierte Schilderung der Berliner „Puff-Unterwelt“ lässt einen erschaudern. Das Ermittlerteam Hallstein/Lohmeier verspricht weitere spannende Bücher, kündigt Gößling doch im Nachwort bereits an, das er an einer Fortsetzung arbeitet.  

 

Fazit: Spannender Einblick in die Schattenwelt - absolut lesenswert!

 

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Christiane Tramitz: Harte Tage, gute Jahre

Die Sennerin vom Geigelstein

 

München ; Knaur ; 2017 ; 271 Seiten ; ISBN 978-3-426-21431-2

 

Die Biografie über Maria Wiesbeck, die Sennerin vom Geigelstein, handelt von ihrem arbeits- und entbehrungsreichen, aber dennoch zufriedenen Leben auf der Oberkaseralm in den Chiemgauer Alpen.

 

Von ihrer großen Liebe enttäuscht, verlässt die siebzehnjährige Mare 1941 den elterlichen Hof und zieht auf die Alm. Dort bleibt sie nicht nur wie vereinbart den Sommer über, sondern verbringt dort den Rest ihres Lebens.

 

Christiane Tramitz schildert die Lebensumstände auf der Alm in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und in den harten Nachkriegsjahren. Von deren Auswirkungen bleibt auch Mare trotz der Abgeschiedenheit ihrer Alm nicht verschont. Die Autorin wechselt in ihrer Erzählung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, in der Mare, vom hohen Alter gezeichnet, um ihr Wohnrecht und ihre Unabhängigkeit auf ihrer Alm kämpft. Durch die Erschließung der Almen mit Straßen kommen Autos und neue Hütten werden in der Nachbarschaft der Oberkaseralm errichtet. Auf dem Geigelstein macht Mare die Bekanntschaft mit bekannten Schauspielern, Politikern und Millionären und bleibt doch unbeeindruckt und zufrieden mit ihrem einfachen Leben.

 

Zäh und stur wie eh und je verbringt sie ihren Lebensabend dank ein paar hilfsbereiten Menschen unter einfachsten Wohnbedingungen, mangelndem Komfort und trotz harter Winter auf der Alm. Offen und schonungslos schildert die Autorin den Abbau des Körpers im Alter.

 

Christiane Tramitz gelingt dabei ein wunderbares und liebenswertes Portrait über eine beeindruckende Frau, die sich zeitlebens ihre Unabhängigkeit bewahrte und im Rhythmus der Natur und einem engen Verhältnis zu ihren Tieren lebte. Durch den häufigen Blick in Mares Gedankenwelt kommt man der Sennerin sehr nah.

 

Die Dialoge im Buch sind auf bayerisch, was die Biografie noch authentischer wirken lässt.

Dieses Buch schafft es zu bezaubern und nachhaltig zu beeindrucken.

 

Fazit: Eine wahre Hommage an eine Sennerin, die berührt und noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Katrin Hildenbrand

5 Sterne
5 von 5

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© 2018 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth

Matthew J. Arlidge: Eingeschlossen

Ein Fall für Helen Grace. Band 6

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2018 ; 382 Seiten ; ISBN:978-3-499-27369-8

Die Ermittlerin Helen Grace sitzt im Gefängnis Holloway und wartet auf ihren Prozess.

Am Ende des letzten Bandes "Kalter Ort" hatte sich alles gegen sie gewendet. Die Zeit im Knast ist alles andere als leicht, denn sie trifft dort auf Frauen, die sie selbst hinter Gitter gebracht hat. Ihre langjährige Kollegin Charlie Brooks ist die einzige, die an die Tatversion glaubt, die Helen ihr erzählt hat.

Sie versucht alles, um den wahren Täter zu finden und Helen zu entlasten. Hierfür setzt sie nicht nur ihr Privatleben und ihre Karriere bei der Polizei, sondern auch ihr Leben aufs Spiel.

In Holloway wird eines Morgens eine Insassin tot in ihrer Zelle aufgefunden. Alle Körperöffnungen sind zugenäht beziehungsweise mit Wachs versiegelt. Ab diesem Zeitpunkt ist nichts mehr so, wie es vorher war. Alle inhaftierten Frauen haben Angst und fürchten die nächste Nacht. Helen kann die Situation nicht einfach so hinnehmen und beginnt zu ermitteln. Die Skrupellosigkeit der Journalistin Emilia Garanita kommt ihr dabei erneut zur Hilfe.

Schon in der nächsten Nacht stirbt eine weitere Insassin und Helen glaubt, den Mörder nach der Tat gesehen zu haben. Zeitgleich ist Charlie Brooks Robert, dem Neffen von Helen und mutmaßlichen Täter auf der Spur. Dieser denkt aber nicht daran, sich so einfach festnehmen zu lassen.

Als in Holloway eine dritte Person stirbt, obwohl der mutmaßliche Täter in Arrest ist, bricht eine Gefangenenrevolte aus, die der wahre Täter nutzt, um Helen, die ihm auf der Spur ist, endgültig auszuschalten.

Mit dem sechsten Teil um die Ermittlerin Helen Grace ist dem Autor Matthew J. Arlidge wieder ein toller Thriller gelungen. Die kurzen Kapitel (insgesamt 142) mit den unterschiedlichen Erzählperspektiven und Erzählsträngen erzeugen einen Sog, der einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt.

Fazit: Wieder ein sehr spannnender Plot. Weiter so!

Matthias Wagner

4/5 Sterne
4/5 von 5

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  © 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Jojo Moyes: Mein Herz in zwei Welten

 

Reinbek ; Wunderlich ; 2018 ; 588 Seiten ; ISBN 978-3-8052-5106-8

 

Louisa Clark, die junge Frau aus der englischen Kleinstadt Stortfold mitten im Herzen New Yorks?

Lou kann es zu Beginn selbst noch gar nicht glauben, dass sie einen Neuanfang gewagt und das Jobangebot in der Stadt, die niemals schläft, angenommen hat. Nun lebt sie in der Wohnung ihrer Arbeitgeber, der Familie Gopnik im Haus 'The Lavery' direkt am Central Park und führt ein Leben zwischen Limousinen und High-Society-Veranstaltungen.

 

Als persönliche Assistentin von Agnes Gopnik ist sie Mädchen für alles und hat immer zur Stelle zu sein. Sogar die morgendliche Joggingrunde im Central Park bleibt der eher unsportlichen Louisa nicht erspart. Durch das Zusammenleben mit den Arbeitgebern erhält sie auch tiefen Einblick in die innerfamiliären Zerwürfnisse. Der superreiche Mr. Gopnik hat nämlich seine frühere Frau durch die wesentlich jüngere Agnes ersetzt, was nicht nur Tabitha, der Tochter des Hauses, gegen den Strich geht. Auch bei gesellschaftlichen Anlässen wird die neue Mrs. Gopnik von allen geächtet, was ihr sehr zu schaffen macht. Selbst die Haushälterin Ilaria ist nicht gut auf die Hausherrin zu sprechen. Auch Lou gegenüber verhält sich die Haushälterin äußerst feindselig. Dafür versteht sich Louisa auf Anhieb bestens mit Ashok, dem Pförtner des Hauses.

 

Privat kämpft Louisa immer noch mit dem Tod ihres geliebten Will. Auch die räumliche Trennung von Sam, dem Sanitäter, mit dem sie eine Beziehung führt, fällt ihr schwer. Dieser hat ebenfalls Schwierigkeiten mit der Situation umzugehen. Inmitten all der kühlen Menschen vermisst Louisa die Warmherzigkeit ihrer Eltern, ihrer Schwester Treena und ihres Neffen Tom umso mehr.

 

Lous Aufgabe ist es, Agnes Gopnik dabei zu helfen, sich in ihrer Funktion als reiche Gattin wohler zu fühlen. Mit der Zeit freunden sich die beiden an und es scheint mehr als ein Angestelltenverhältnis zu sein. Als Louisa ein Geheimnis erfährt und angefleht wird, es für sich zu behalten, tut sie dies. Kurze Zeit später wird ihr diese Diskretion und Loyalität gegenüber Agnes aber zum Verhängnis. Sie wird gefeuert und findet Zuflucht bei der etwas gebrechlichen Mrs. De Witt und ihrem Mops Dean Martin.

Auch in Louisas Privatleben geht es ziemlich hoch her und es ist fraglich, wie es mit ihrem Leben weitergehen wird.

 

Sie fühlt sich zerrissen - einerseits schlägt ihr Herz für das Leben in England, doch andererseits fühlt sie sich auch in New York wohl. Immer wieder muss sie an die Ratschläge denken, die ihr Will vor seinem Tod mit auf den Weg gegeben hat. Sind diese Ratschläge etwa der Schlüssel zum Glück?

 

Wer Louisa Clark bereits kannte, wird sich über diese Geschichte sehr freuen. Es ist einfach schön, die herzensgute und sympathische Hauptfigur ein weiteres Stück ihres Lebensweges begleiten zu dürfen.

Leser ohne Vorkenntnisse werden die Geschichte allerdings auch so verstehen.

 

Fazit: Jojo Moyes schafft es mit dieser schön erzählten Geschichte erneut, ihre Leser zu berühren. Leichte Kost, aber dennoch ein sehr unterhaltsames, gut lesbares und kurzweiliges Buch.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth

Roberto Saviano/Giovanni di Lorenzo: Erklär mir Italien!

Wie kann man ein Land lieben, das einen zur Verzweiflung treibt?

 

Köln ; Kiepenheuer & Witsch ; 2017 ; 264 Seiten ; ISBN 978-3-462-04971-8

 

Ca. 6 Millionen Deutsche verbrachten 2017 ihren Urlaub in Italien, einem Land, das gerade in der deutschen Öffentlichkeit und Teilen der Politik als chaotisch, korrupt, wenig strebsam und machohaft wahrgenommen wird. Unterstrichen wird diese Sichtweise dadurch, dass erst kürzlich der italienische Staatspräsident erneut das Parlament aufgelöst und damit den Weg für Neuwahlen am 4. März 2018 freigemacht hat.

Alleine in der derzeitigen fünfjährigen Legislaturperiode hat Italien drei Regierungen erlebt: 2013 kam der Sozialdemokrat Enrico Letta ins Amt; dieser wurde von Renzi abgelöst, der wiederum von Gentiloni. So oder so: Es wird die 65. Nachkriegsregierung in Italien – eine Zahl, die in Europa unübertroffen ist und so scheinbar sinnbildlich für Regierungschaos steht.

In Deutschland gibt es seit 1945 acht Regierungschef, von Konrad Adenauer bis zur heutigen Kanzlerin Angela Merkel, in Österreich ist Sebastian Kurz der 13. seiner Art. In Grossbritannien gab es 14 Premiers, in den Niederlanden 16. Und im schönen Italien? Amtsinhaber Paolo Gentiloni ist bei 64 Regierungen «nur» die Nummer 28 seines Landes, denn unter den Männern, die sich im Palazzo Chigi in Rom in der Staatsführung abwechselten, kehrten viele wieder zurück – und wieder und wieder, weil das Wahlsystem des Landes Kleinparteien und Koalitionswechsel bis heute begünstigt. So führte der Christdemokrat Alcide de Gasperi bis 1953 ganze acht Koalitionen, er war insgesamt 2496 Tage im Amt. Ihm folgt der Parteikollege Giulio Andreotti, der zwischen 1972 und 1992 insgesamt 2.226 Tage als Premier erlebte. Doch den Rekord hält einer, der Italiens Politik trotz 81 Jahren noch immer beschäftigt: Silvio Berlusconi mit 3.297 Amtstagen.

Soweit zu den politischen Fakten. Aber warum ist dort alles anders wie im Rest Europas, gibt es dafür irgendwelche Erklärungen? Wer sind die entscheidenden Kräfte im Hintergrund? Was treibt die Deutschen das ganze Jahr über immer wieder über die Alpen in den Urlaub, trotz vermeintlichem Chaos dort? Dies versuchen Roberto Saviano und Giovanni di Lorenzo in ihrem ersten gemeinsamen Buch „Erklär mir Italien! Wie kann man ein Land lieben, das einen zur Verzweiflung treibt?“ aufzugreifen und im dialogischen Prinzip zu erklären.

Di Lorenzo, deutsch-italienischer Herkunft und „deutsch-sozialisiert“, Chefredakteur der Zeit und Autor mancher Bestseller ist der Interviewer und Fragensteller, Saviano, weltweit bekannt geworden durch seinen Weltbestseller „Gomorrha“, der Antwortgeber und Erklärer. Gemeinsam versuchte man sich so in mehreren längeren Gesprächen, die sich insgesamt über zwei Jahre erstreckten, dem „Problemkind Italien“ zu nähern. Italien ist wirklich ein Land zwischen wunderbar, sonderbar und Gomorrha. So berichten die Autoren von der Gastfreundlichkeit der Italiener, dem Reichtum an Geschichte und Kulturgütern und ganz aktuell dem Umgang mit der Flüchtlingskrise, aber auch über manch nette Charakterzüge eines trotz allem stolzen Volkes. Vor allem die Antworten Savianos sind teils komplex und so verschlungen wie eine große Portion Spaghetti, dann aber auch wieder so nah wie einfach. Allerdings schweift Saviano sehr oft in sein „Spezialgebiet“, die Mafia, bzw. das Leben in Italien unter dem Deckmantel mafiöser Strukturen mit Bezug auf seine persönliche Situation hin ab. Dies muss auch Teil eines derartigen Buches sein, nur sind die Einflüsse der drei Mafia Gruppierungen Camorra (Neapel und Kampanien), N’Drangheta (Kalabrien) sowie Cosa Nostra (Sizilien) verhältnismäßig zu lang und zu ausführlich, sie nehmen fast ein Drittel des Buches ein, werden vielleicht sogar überbewertet. Saviano unterstreicht die Machtlosigkeit bzw. auch den mangelnden Willen des Staates, gegen die Mafia vorzugehen. Erwähnenswerter couragierter Widerstand von Einzelpersonen und Gruppierungen bleiben von ihm unerwähnt. Sicher legt Saviano bewusst den Schwerpunkt seiner „Erklärungen“ auf den stärker mafiadurchzogenen Süden, da vor allem hier das Unlogische, Verständnislose, das Unordentliche in Form von Ignoranz gegen staatliche Obrigkeit, Chaos, Korruption und anderen Verbrechen lokalisiert sind. Hier ist der (rechts)staatsfreie Raum, aber die Grenzen in den Norden sind fließend.

Wir erfahren, dass Italien noch mehr als Deutschland ein Land der unterschiedlichen Regionen ist, Unterschiedlichkeiten nicht nur in Bezug auf Mentalitäten die oft auch in Neid und Missgunst ausarten. Aber wenn es gegen die Zentralregierung geht, wird oftmals auch „unter den Abtrünnigen koaliert“, gemeinsam agiert. Diese Art der Hassliebe findet sich auch im Bereich der Bürokratie im öffentlichen Dienst oder auch in der und mit der Kirche. Nur eines scheint Italien wirklich zu vereinen: Fußball! Politik, politische Autoritäten, außer vielleicht Aussagen des Präsidenten, niemanden interessiert oder respektiert dies so richtig. Familie, sei es verwandtschaftlich oder im weitesten Sinne auch Mafia, Vereine oder sonstige Gruppierungen sind die relevanten Taktgeber. Deren Regeln stehen über dem Gesetz. Derjenige, der das Gesetz am Besten unterminiert, über das Ohr haut, ist als „Leader“ oder „Capo“ anerkannt. Das gilt gleichermaßen für die Politiker, die man wählt, weil sie selbst gesetzeslos sind. Man wählt also Spiegelbilder oder Gleichgesinnte! Für den Mezzogiorno, also den Süden Italiens sieht Saviano sogar – und jetzt sollten die Anhänger der Rechtspopulisten in Deutschland am besten weghören – die Migranten als Hoffnung und Rettungsanker, würden sie doch die entvölkerten Regionen reaktivieren. Kann man daraus auch eine Lösung für die entvölkerten Regionen im Osten Deutschlands ziehen?

Ist es zu akzeptieren, dass viele Deutsche weder die italienische Sprache und schon gar nicht die Italiener bzw. das politische und gesellschaftliche Italien verstehen, sondern nur das gute Essen, die Unbeschwertheit, das angenehme Klima, die Kultur und die Schönheiten der Landschaften schätzen und genießen? Ein klares nein, wenn man das Gespräch zwischen Saviano und Di Lorenzo aufmerksam liest. Es ist ein klarer Appell auch an uns, den deutschen Touristen, sich mehr über das gesellschaftliche und politische Italien zu informieren und zu interessieren, dafür mehr Verständnis für „dieses oder jenes“ aufzubringen, bevor man den Brenner über- oder den Gotthard-Tunnel durchquert.

„Neapel liebt man oder hasst man, es gibt nichts dazwischen“, ist ein altbekannter Spruch. Meines Erachtens kann man das ganz allgemein auf Italien beziehen, zumindest auf den gesamten Mezzogiorno. Und ich für meinen Teil liebe Neapel, liebe Italien in all seinen Facetten. Die Mafia ist heutzutage für uns Normalbürger unerkannt, mit Taschendiebstahl oder Wohnungseinbrüchen gibt sich die Mafia nicht ab. Das ist anderen Gruppierungen zuzuordnen und wird von der Mafia selbst bekämpft, um den „big business“ nicht zu stören. Nichtsdestotrotz teile ich die Skepsis Savianos für die Zukunft des „Landes, wo die Zitronen blühen“. Wenn jährlich 100.000 Italiener, überwiegend aus den höheren und intellektuellen Kreisen, emigrieren, gleicht das einer Flucht vor der Zukunft im eigenen Land. Auch ist unbestritten die Mafia attraktiv für junge Leute, gerade bei einer derart hohen Arbeitslosigkeit. Es gilt immer noch als Männlichkeitsbeweis, für das, was man erreichen will ins Gefängnis zu gehen oder gar zu sterben. Die Idealisierung des Todes macht die Mafia unverändert interessant.

Das dem Buch zugrunde liegende Gespräch hat insgesamt mehr Höhen als Tiefen, für eine besseres Gesamtverständnis wäre der eine oder andere Blick in die italienischen Geschichte hilfreich gewesen wäre. Es bietet wahrlich einige nette Klischees, z.B., dass Komplimente über das Essen automatisch dazu führen, dass man von nun ab mit dem Koch befreundet ist, aber dies dazu führt, das jeder Italiener Tausende von („oberflächlichen“) Freunden hat. Trotz Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit, gespart wird nichts und nirgends, schon gar nicht am gediegenen 3-Gänge Menü im Restaurant. Man genießt wenigstens das, was man hat. Der Italiener handelt eher situativ, aus dem Bauch heraus, während wir alles planen möchten, am Liebsten von der Geburt, über eine erfolgreiche Schulzeit, Karriere machen und Familie gründen, über die Rente bis in den Tod. Aber auch ernste Themen immer noch vorhandener krankhafter Eifersucht, Stalking oder gar Feminizid bei Untreue werden zumindest kurz thematisiert. In Italien sieht man sich auch niemals direkt in die Augen, höchstens den Freunden, die einem die Erlaubnis dazu erteilt haben. Zweifelhaft sind so Pauschalisierungen, dass man in Italien nur mit Fleiß und Talent keine Karriere machen kann, sondern immer nur über Beziehungen weiterkommt. Es wird auch nur der gewählt, der mir persönlich weiterhelfen kann. Amüsant aber erschreckend sind auch Aussagen, dass niemand Gesetze respektiert, sondern nur Regeln. Regeln, die nicht der Staat, sondern die „Familie“ aufstellt, also Gruppierungen, wie Vereine, Interessensgruppen, Mafia.

Manche Aussagen in dem Buch, z.B. dass diejenigen, die sich für Politik engagieren wollen lediglich „Raubtierfutter“ sind für Presse und Bevölkerung, dass Politik nur die Bühne für Selbstdarsteller ist, der völlige Vertrauensverlust gegenüber staatlichen Einrichtungen, dass der Staat völlig teilnahmslos und fremdgesteuert ist, gehen meines Erachtens zu weit und sind zu sehr „/Schwarz-Weiß-Malerei“/. In der italienischen Politik wird offensichtlich auch nur gelogen, um kurz die volle Aufmerksamkeit zu haben. Wenn sich dann herausstellt, es war die Unwahrheit, interessiert es niemanden mehr, aber man war auf den Titelseiten. Die Leute vergessen schnell, werden gekauft, lassen sich verführen, werden neu belogen, aber sie verlieben sich auch immer wieder. 65 Regierungen, 28 Präsidenten, das kann ebenso keine Kontinuität bedeuten, es werden nur die größten Löcher gestopft. Auch Renzi wird durch Saviano ein schlechtes Bild ausgestellt: kein Charisma, fehlendes intellektuelles Format, trifft die Gefühle der Menschen nicht.

Nur am Ende erwähnt Di Lorenzo ganz kurz die positiven Seiten des Landes, z.B. das gemeinsame Anpacken bei Naturkatastrophen wie bei Erdbeben oder die Hilfsbereitschaft der Menschen der von Flüchtlingen überrannten Insel Lampedusa. Insgesamt ist er verliebt in das „Ästhetische“, das Italien bietet. Aber bei Saviano bleiben selbst die realen positiven Veränderungen im Verhalten der Mafia gegenüber weitestgehend unberücksichtigt. Immer wenn Di Lorenzo Positives anspricht, wird es durch Saviano schlecht geredet. Liegt es vielleicht an der Verbitterung über ein Land aus dem heraus Gruppierungen ihm den Tod androhen? Man hätte vielleicht nicht nur einen Dialog als Grundlage nehmen sollen, um Italien „zu erklären“. Hier wäre gegebenenfalls eine Gesprächsrunde besser gewesen, um das Thema umfassender anzugehen als nur mittels der Sichtweise eines Einzelnen. Eine Aussage Savianos würde ich allerdings blind unterschreiben: Italien ist bunt, elegant, und chauvinistisch, boshaft und verlogen. Wie bereits festgestellt, die Leidenschaft für Fußball hält alles zusammen. Leider war das Buch fertiggestellt, bis feststand, dass Italien die Qualifikation für die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 gegen Schweden verpasst hat. Wer weiß, vielleicht wäre Saviano’s Urteil dann anders ausgefallen. Aber trotz aller manch harschen Kritik, wird er für immer und ewig sein Italien, sein Neapel lieben und aufs engste verbunden bleiben.

 

Fazit: Italien ist bunt, elegant, und chauvinistisch, boshaft und verlogen.

 

Andreas Pickel

3 Sterne
3 von 5

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Giovanni de Lorenzo bei amazon.de

 

© 2018 Andreas Pickel, Harald Kloth

Ruth Ware: Woman in Cabin 10

Thriller

 

München ; dtv ; 2017 ; 384 Seiten ; ISBN 978-3-423-26178-4

 

Laura Blacklock ist eine erfolgreiche Journalistin, angestellt beim Reisemagazin „Velocity“. In Vertretung ihrer Chefin soll sie einen Reisebericht über die Jungfernfahrt des kleinen und sehr exklusiven Kreuzfahrtschiffes Aurora Borealis schreiben. Psychisch etwas angeschlagen, weil kurz vor der Fahrt bei ihr zu Hause eingebrochen wurde, begibt sie sich auf die Reise.

 

Bereits in der ersten Nacht nimmt sie Geräusche aus der Nachbarkabine 10 wahr.  Sie hört, wie etwas ins Wasser fällt und an der Reling entdeckt sie Blut. Doch am nächsten Morgen glaubt ihr keiner die Geschichte, denn sie hat zusammen mit den andern Gästen sehr dem Alkohol zugesprochen. Laura weiß nicht mehr, wem sie trauen kann und wer eventuell als Täter in Frage kommen könnte.  Hinzu kommt noch, dass auf dem Schiff keine Person fehlt. Die Kabine 10 ist leer, weil kurz vor der Reise ein Investor abgesagt hat.

 

Spielt ihr das Gedächtnis einen Streich?  Nachdem Laura Psychopharmaka nimmt, ist sie für die anderen immer weniger glaubhaft. Als ihr Handy verschwindet und sie kurze Zeit später die Frau aus Kabine 10 wieder an Bord entdeckt, überschlagen sich die Ereignisse und Laura muss um ihr Leben bangen.

 

Ruth Ware ist mit diesem Thriller ein toller Plot gelungen. Immer wieder bringt sie gute Wendungen unter, sodass der Leser auf neue Pfade geleitet wird.

 

Fazit: Ein unterhaltsamer Thriller.

 

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

 

Iny Lorentz: Die Widerspenstige

Roman

 

München ; Knaur ; 2017 ; 677 Seiten ; ISBN 978-3-426-66383-7

 

Wie so oft beginnt ein Roman von Iny Lorentz mit großem Unrecht für die Protagonistin. Johanna von Allersheim und ihr Zwillingsbruder Karl werden von ihrer intriganten Stiefmutter um ihr Erbe betrogen. Um einer ungeliebten Ehe zu entgehen, überredet Johanna ihren Bruder zur Flucht. Aus Furcht vor Entdeckung verkleidet sie sich als Mann. Die Geschwister schaffen es, sich nach Polen abzusetzen. In der Heimat ihrer Mutter hoffen sie auf den Einfluss ihrer Familie. Um diese zu finden, wenden Sie sich zunächst an den polnischen König Jan III. Sobieski. Der versucht die Zwillinge wiederum für seine eigenen Zwecke einzusetzen und schickt sie zu  Adam Osmanski, einem entfernten Cousin und Festungskommandanten im umkämpften Grenzland. Dort sollen sie sich als Kämpfer bewähren, um für den König in den Krieg zu ziehen. Johanna verpasst es unterdessen, ihr wahres Geschlecht zu offenbaren. Nun bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Posse zu spielen. Als selbstbewusste, junge Frau gelingt ihr das spielend und niemand schöpft Verdacht. Dabei ahnt sie nicht, dass  Adam Osmanski ihr wahres Geschlecht sehr wohl kennt.  Aus Neugier und um sie - als einzige Frau unter den vielen raubeinigen Männern - zu schützen, lässt er sie  gewähren. Er achtet jedoch darauf, Johanna nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Nach einer fulminanten Schlacht gegen das Türkenheer wendet sich das Schicksal der Zwillinge zum Guten.

 

Iny Lorentz bindet das Schicksal Johannas und Karls in die Geschehnisse der Türkenkriege im 17. Jahrhundert ein. Da das Thema nicht oft in historischen Romanen behandelt wird, erschließen sich in dieser Hinsicht für den Leser viele neue Einblicke. Die Autoren versorgen ihn mit reichlich gut recherchierten Informationen. Die Geschichte lässt sich durch den geradlinigen und flüssigen Schreibstil sehr gut lesen. Polnische Namen werden sparsam verwendet und bleiben dadurch im Gedächtnis. So weiß man stets, um welche Person es sich handelt. Durch die gute Bildsprache taucht der Leser problemlos in die Welt von Johanna und Karl ein. Jedoch verpasst es das Autorenduo leider, seinen Figuren die notwendige Tiefe zu verleihen, um sie für den Leser greifbar zu machen. So kann man sich nicht wirklich in sie hinein versetzen oder mit ihnen mitfühlen. Die überwiegend vorhersehbaren Handlungen nehmen zudem die Spannung aus den Geschehnissen.

 

Fazit: Das Buch ist dennoch lesenswert und bietet kurzweilige Unterhaltung für Leser, die auf große Dramen gern verzichten.

 

Cornelia Krellner

3 Sterne
3 von 5

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© 2018 Cornelia Krellner, Harald Kloth

Anja Jonuleit: Novemberasche

Kriminalroman

 

München ; dtv ; 2017 ; 299 Seiten ; ISBN 978-3-423-21703-3

 

Die beschauliche Bodensee-Region hat mehr Abgründe zu bieten, als man vermuten würde. Auf einem Friedhof wird die an einen Grabstein gelehnte Leiche eines jungen Mannes gefunden. Kommissar Andreas Sommerkorn ermittelt und schnell stellt sich heraus, dass die Tat etwas mit dem näheren Umfeld des Toten zu tun haben muss.

 

Zeitgleich ereignet sich eine weitere Tragödie, die auch Sommerkorn persönlich betrifft. Sein Schwager Erik, ein passionierter Fallschirmspringer kommt unter mysteriösen Umständen bei einem Sprung zu Tode. Sommerkorns Schwester Paula steht unter Schock.

 

Der treusorgende Ehemann scheint ihr so manches verschwiegen zu haben und sie steht nun vor den Trümmern ihres Lebens. Das ruft Paulas beste Freundin Marie Glücklich auf den Plan. Diese will der Sache auf den Grund gehen und 'ermittelt' im Fallschirmspringermilieu.

 

Derweilen verdichten sich die Hinweise, dass im Zusammenhang mit dem Mord an dem jungen Mann rechtsradikales Gedankengut und Mobbing eine Rolle spielten. Stück für Stück führen die Ermittlungen in die richtige Richtung.

Anja Jonuleit bleibt auch bei diesem Kriminalroman ihrer Erzähltechnik der sich abwechselnden Perspektiven treu. Dieser stetige Wechsel macht die Geschichte spannend. Die Autorin kann also auch Krimi.

Fazit: Ein solider Krimi.

 

Sonja Kraus

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth

Tausendundeine Nacht - Wie alles begann

Aus dem Arabischen von Claudia Ott

 

München ; dtv ; 2017; 704 Seiten ; ISBN 978-3-423-14611-1

 

Tausendundeine Nacht – den meisten Leserinnen und Lesern dürften die bezaubernden Geschichten aus dem Orient bekannt sein. Diese Neuausgabe, 637 Seiten voller arabischer Erzählkunst und zusätzliche vierzig Seiten umfassendes Nachwort, ist etwas ganz Besonderes:

Die vorliegende erstmalige Übersetzung ins Deutsche der Edition von Muhsin Mahdi geht auf die Galland-Handschrift, der ältesten erhaltenen arabischen Fassung, welche wahrscheinlich um 1450 zu Papier gebracht wurde, zurück.

Auffallend dabei ist, dass die Erzählungen bereits nach der zweihundertundzweiundachtzigsten Nacht enden. Warum? Darauf - und auf weitere Besonderheiten - hält das bemerkenswerte  Nachwort detailreiche Antworten parat, ist in meinen Augen unverzichtbar und sollte auf alle Fälle in die Lektüre mit einbezogen werden.

Zehn lange Geschichten, welche Schahrasad dem König Schahriyar Nacht für Nacht erzählte, entführen den Leser in den Orient – jede der zweihundertundzweiundachtzig Nächte bildet dabei ein Unterkapitel. Da diese Erzählungen im Lauf der Zeit immer wieder verändert wurden, neue hinzu bzw. einige davon in Vergessenheit gerieten, dürften auch für jene Leser, die mit den Märchen aus Tausendundeiner Nacht bereits vertraut sind, diese Texte auch inhaltlich Neues bieten.

Die Übersetzerin hielt sich eng an den Originaltext, so haben sich diese Erzählungen ihren ganz besonderen Charakter und Charme bewahrt. Auf Illustrationen wurde gänzlich verzichtet, lediglich Blattornamente schmücken dezent die Kapitelüberschriften. Im Nachwort kann sich der interessierte Leser an der Landkarte "Die Welt von Tausendundeiner Nacht" orientieren. Eine Seitenkopie aus der Galland-Handschrift lässt erahnen, welchen Aufwand und Mühe die Übersetzungs-Arbeit erforderte.

Fazit: Ein "must have" für alle Fans des bekannten Klassikers, ein berühmtes Märchenbuch in neuem Gewand vor allem für Jugendliche und Erwachsene.

 

Elisabeth Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Starke Typen - Welt der Tiere 2018

Wildlife Photography

 

Palazzi ; Bremen ; 2017 ; 14 Seiten ; ISBN 978-3-95938-023-2

 

Es gibt Kalender, die sind außergewöhnlich. Der jährlich erscheinende Kunstdruck-Kalender "Starke Typen - Welt der Tiere" ist einer der schönsten seiner Art.

12 wunderbare Tierfotografien lassen das Herz jedes Tierfreundes höherschlagen:

  1. Fallend oder fliegend? Den Naturgesetzen scheinbar ein Schnippchen schlagend zeigt "Base-Jumping" Pinguine in der Antarktis.
  2. "Ja, wo laufen sie denn?". Wachsam wie Soldaten und natürlich unglaublich putzig zeigen sich Erdmännchen in Namibia.
  3. Das Lachen dieses Affen in Indonesien wirkt auf uns Menschen erheiternd, dient aber einem Zweck. "Bitte recht freundlich!".
  4. "Achtung, jetzt komme ich!" zeigt einen Steinkauz in der Mongolei. Fliegen oder rennen - offensichtlich beherrscht dieser Vogel beides.
  5. Gesicht an Gesicht, Nase an Nase zeigen die Löwen in Botswana ihre Zusammengehörigkeit. "Dein ist mein ganzes Herz..."
  6. Solche Nagetiere, die im Wasser leben? Doch, die gibt es! "Und Nessie gibt es doch!" zeigt Wasserschweine in Brasilien.
  7. Die ungewöhnliche Hinteransicht eines Braunbärs in Alaska zeigt "Nahtlos braun!".
  8. Wie gut indische Elefanten schwimmen können zeigt "Bei schweren Knochen? Unterwassergymnastik!".
  9. Zwei rennende Strauße in Kenia zeigt "Links, rechts, Karambolage!".
  10. Mächtig erhebt sich ein Elch in den USA aus dem Wasser in "Einfach mal laufen lassen!".
  11. Die berühmten, die heißen Quellen liebenden, Schneeaffen in Japan zeigt "Schon wieder Hochbetrieb im Spa!".
  12. Den Abschluß bildet ein eingerollter Eisbär in Alaska "Yoga? Geht immer!".
Cover Kalender Starke Typen
Starke Typen - Welt der Tiere - 2018

Daß dieser Kalender ein echter Hingucker ist, liegt aber nicht nur an den 12 fantastischen Fotografien. Auch das große Format von 60 mal 50 Zentimeter ist Garant für ein besonderes Seh-Erlebnis.

 

Dieser Monatskalender ist auf Kunstdruck-Papier Seidenglanz gedruckt. Das Kalendarium ist auf Deutsch, Französich und Englisch verfügbar. Der Verlag Palazzi produziert zudem umweltschonend und nachhaltig.

 

Fazit: Ein fotografisch faszinierender, außergewöhnlich schöner und motivisch einmaliger Tierkalender.

 

Harald Kloth

5 Sterne
5 von 5

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Palazzi Kalender bei amazon.de

© 2017 Harald Kloth

Jungle

Regie: Greg McLean (2017)

 

1981: Der Rucksacktourist Yossi (Harry Potter-Star Daniel Radcliffe) trifft in Bolivien zwei Gleichgesinnte. Schnell werden aus den jungen Männern Freunde. Der Österreicher Karl (Thomas Kretschmann) preist den drei Abenteurern ein einzigartiges Erlebnis im Urwald an. Gemeinsam will man zu einem unerforschten Indianerstamm aufbrechen. Doch die Reise durch den dichten Regenwald wird für die Gruppe zu einem Kampf auf Leben und Tod ...

 

Der Film "Jungle" basiert auf dem Erlebnisbericht des Israelis Yossi Ghinsberg. Das verleiht diesem überaus spannenden Dschungeldrama eine große Wucht. Die schauspielerische Leistung des ehemaligen Zauberlehrlings Daniel Radcliff ist faszinierend. Man leidet mit dem anfangs sehr naiven Yossi regelrecht mit. Einige heftigere Szenen lassen die Herkunft des, bisher vor allem im Horrorgenre beheimateten, Regisseurs McLean erahnen. Dieser zeigte sich nicht nur für die "Wolf Creek-Reihe" verantwortlich, sondern auch für den unterschätzten Tierhorror-Streifen "Rogue - Im falschen Revier".

 

"Jungle" erschien 2017 als Blu-ray und DVD.

 

Fazit: Hochspannendes Dschungelabenteuer nach wahren Begebenheiten.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2017 Harald Kloth

Simon Pearce: So viel Weißbier kannst gar ned trinken

Wie ich als Schwarzer in Bayern groß geworden bin

 

München ; Knaur ; 2017 ; 220 Seiten ; ISBN 978-3-426-78917-9

 

Die Mutter eine allseits bekannte bayerische Volksschauspielerin, der Vater Nigerianer. Dazu noch drei Kinder und das alles angesiedelt in einem Münchner Vorortdorf in den 1980ern. Bei dieser Konstellation kann man sich im Vorfeld schon lebhaft vorstellen, dass es sich um eine turbulente Kindheit gehandelt haben muss.

 

Simon Pearce erzählt mit viel Humor von seinem Aufwachsen in der bayerischen Provinz und von dem oft heftigen Aufeinanderprallen der Kulturen. Viele der skurilen Begebenheiten, die Pearce schildert, haben sich sicher ganz genau so zugetragen, denn das Landleben ist manchmal wirklich so skuril. Damals - und sicher auch noch heute - fehlte vielen Leuten auf dem Land einfach eine gewisse Offenheit und Feinfühligkeit.

 

Dass eine weiße Frau Kinder mit einem schwarzen Mann bekam, passte einfach nicht ins engstirnige Weltbild. Simon erkennt letztlich, dass er Misstrauen und Rassismus mit Worten entgegentreten muss. Und mit ganz ganz viel Humor. So manches Mal bleibt einem als Leser aber bei so viel Misstrauen und offenkundigem Rassismus das Lachen im Halse stecken. Jedenfalls haben diese Kindheitserlebnisse sicher auch dazu beigetragen, dass Pearce sich dafür entschied, eigene Bühnenprogramme zu entwickeln und als Comedian aufzutreten.

 

Allein die Erlebnisse seiner Kindheit dürften noch genügend Stoff für weitere Comedy-Bühnenprogramme liefern.

 

Fazit: Eine lesenswerte Autobiographie.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth