Emmy Abrahamson: Wie ich mich auf einer Parkbank in einen bärtigen Mann mit sehr braunen Augen verliebte

Roman

 

München ; dtv ; 283 Seiten ; ISBN 978-3-423-43385-3

 

Manchmal schlägt das Leben sehr ungewöhnliche Pfade ein, auf denen die Vernunft chancenlos Ist und das Herz kurzerhand die Regie übernimmt.

Julia, Englischlehrerin in Wien - mit schwedischen Wurzeln - lebt in ihrer geregelten, durchgetakteten Welt, bestehend aus Job, mehr oder weniger ehrlichen Freundschaften sowie ihrer Katze Optimus. Sie erledigt ihren Job mit wechselnder Zufriedenheit – er ist einfach ein notwendiges Übel zur Sicherung des Lebensstandards

Die Suche nach dem Mann fürs Leben erwies sich bisher als sehr schwierig. Eines Tages lernt sie zufällig Ben kennen. Dieser lebt als Obdachloser in Wien in einer Hecke im Park. Er ist schmutzig, stinkt und in seiner völlig herabgekommenen Kleidung ist er alles andere, was sich eine junge Frau unter einer guten Partie für ihr Leben vorstellt.

Zwei völlig unterschiedliche Welten prallen aufeinander. Auf der einen Seite Julias spießige, oft verlogene und oberflächliche Welt in der Geld, Aussehen und Besitztümer die Hauptrolle spielen und die Menschen in ihrem Umfeld damit beschäftigt sind, sich gut zu präsentieren.
In Bens Leben hingegen spielen ganz andere Werte eine Rolle: Wie komme ich an etwas Essbares? Wo kann ich im Winter schlafen? Welche Plätze bringen beim Betteln den größten Ertrag? Die Befriedigung ganz existentieller, menschlicher Grundbedürfnisse stehen bei ihm im Vordergrund.

Doch die Liebe trifft die beiden wie ein Blitz.
Von nun an sind sie damit beschäftigt, ihre Gegensätze zu überwinden. Turbulenzen bleiben dabei nicht aus und treiben die frisch Verliebten durch alle Höhen- und Tiefenlagen der Gefühle. Eine einzige Frage steht offen: ist ihre zarte, junge Liebe zueinander stark genug oder scheitert die Beziehung an Wertvorstellungen und Gesellschaftsstrukturen ?

Es ist eine hinreißende Liebesgeschichte - schmutzig an der Geschichte sind nur Bens Füße (und Kleidung). Für mich war es eine unterhaltsame, leichte Lektüre zum Entspannen vom Alltag. Trotz aller Leichtigkeit fällt es schwer das Taschenbuch zur Seite zu legen – die Story besitzt Charme und schürt das Verlangen zu erfahren wie es mit den beiden weitergeht.

Fazit: Lesen und anschließend an einen lieben Menschen weitergeben, damit auch er in den Genuss dieser charmanten, rührenden Geschichte kommt. Eine Packung Taschentücher für den Notfall gehört unbedingt dazu.

Elisabeth Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2018 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Herfried Münkler: Der Dreißigjährige Krieg

Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618-1648

 

Berlin ; Rowohlt ; 2017 ; 974 Seiten ; ISBN 3-87134-813-9

 

Die Erinnerung vieler Deutschen und das historische Erbe Deutschlands reicht oftmals nur bis zur „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“, dem Ersten Weltkrieg, oder maximal noch bis zur Ära des Deutschen Kaiserreichs ab 1871 unter Wilhelm
I. und II. sowie seinem legendären Reichskanzler Bismarck. Dabei wurden wesentliche Weichen des heutigen Deutschlands bereits vor 400 Jahren gelegt, im Dreißigjährigen Krieg und seiner Friedensordnung, dem Westfälischen Frieden. Ein
beeindruckendes Buch zu diesem ersten großen europäischen Krieg hat nun der renommierte und aus Büchern wie „Die neuen Kriege“ oder "Imperien“ bekannte Politikwissenschaftler Herfried Münkler publiziert. Dabei zieht er diskussionswürdige Parallelen und Lehren zu und für die heutigen Konflikte und Kriege wie in Libyen und Syrien.

Der Dreißigjährige Krieg spielte sich im Wesentlichen in vier Phasen ab, die nach den jeweils beteiligten Ländern bzw. Gegnern des kaiserlich-katholischen Lagers benannt werden:

  1. Böhmisch-Pfälzischer Krieg (1618 - 1623)
  2. Niedersächsisch-Dänischer Krieg (1625 – 1629)
  3. Schwedischer Krieg (1630 – 1635)
  4. Schwedisch-Französischer Krieg (1635 – 1648)

Doch trotz seiner gesamteuropäischen Implikationen sowie seiner Dauer und obwohl gerade deshalb seine Auswirkungen noch heute spürbar sind, hat, so Münkler, der Zweite Weltkrieg den Dreißigjährigen Krieg in den Gedanken der Menschen ersetzt. Dies, weil dort in noch größerem Maße Menschen und ihre Umwelt planmäßig vernichtet wurden. Nichtsdestotrotz war der Dreißigjährige Krieg ein überaus komplexer europäischer Krieg, der nicht auf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation beschränkt war und auch heute noch mehr Beachtung verdient.

Eine diffuse Motivlage, Konfessionskonflikte, Hegemonialbestrebungen und Besitzansprüche, überwiegend divergierend aber auch gleichlautend, erschweren das Verstehen dieses Krieges. Gerade der Zerfall der Protestantischen Union ab 1621 führte dazu, dass der Protestantismus nur noch mit Hilfe anderer Staaten handlungsfähig blieb. Dies wirkte wie ein Sog für ausländische Kräfte und internationalisierte den Konflikt. Ebenso, wäre der Krieg bis 1624 ein rein „deutscher Krieg“ gewesen, wäre er wohl zu diesem vergleichsweise frühen Zeitpunkt beendet worden, nur die ausländischen Mächte sorgten für seine Fortsetzung. Erneut bestand dann 1629 die große Chance auf Frieden. Doch anstelle von Verständigung und Kompromiss, versuchten die siegreichen Habsburger in den protestantischen Ländern und Kreisen mit dem Erlass des kaiserlichen
Restitutionsedikts vom 6. März 1929 mit aller Macht die Rekatholisierung durchzusetzen. Dies, so Münkler, war der schwerste Fehler des Kaisers, weil damit die errungenen militärischen Siege politisch zunichte gemacht wurden. Anstelle durch einen klugen Friedensschluss politische Stabilität zu fördern, provozierte der Erlass das Eintreten Schwedens unter Gustav Adolf, der es sich zur Aufgabe machte, als „Retter und Beschützer“ das protestantische Bekenntnis in Deutschland zu verteidigen, und später Frankreichs mit Richelieu in den Krieg. Mit dem Kriegseintritt Schwedens war auch die Siegesserie der katholischen Partei und des Kaisers samt seinen Kriegsherren beendet: Wallenstein wurde „in die Wüste geschickt“ und Tilly, der 10 Jahre lang von Sieg zu Sieg geeilt war, verlor mit dem Desaster bei Magdeburg und spätestens mit der verlorenen Schlacht bei Breitenfeld seinen Nimbus als großer Feldherr.

Der Krieg setzte sich stattdessen noch über 15 Jahre fort, erst außerhalb, dann wieder innerhalb Deutschlands. 6 Millionen Tote, fast jeder dritte (sic!) Deutsche, und verwüstete Landschaften waren sein grausames Erbe. Erst als 1641 nach der verlorenen Schlacht von Rocroi Spanien auch als Unterstützung für den Kaiser keine Rolle mehr im Krieg spielen konnte, begann der steinige Weg von fast 7 Jahren bis zum endgültigen Friedensschluss. Steinig und langwierig deshalb, weil die Vielfalt an Gründen und Motiven für den Krieg zu einem ausgeprägten Misstrauen gegenüber dem Friedenswunsch der anderen Partei führte. Um ein derartiges Misstrauen zu überwinden fand sich in der Geschichte oftmals eine Nation, die vermittelte. Aufgrund der vielschichtigen Interessen und der Dauer des Krieges gab es allerdings eine solche Partei zum damaligen Zeitpunkt nicht. So schloss man, so Münkler, im Dezember 1641 mit den Hamburger Präliminarien zunächst ein Abkommen in der festen Absicht, den Krieg vorerst weiterzuführen, da es keinerlei Vereinbarungen über einen Waffenstillstand enthielt. Erst ab 1644 begann man dann ernsthaft um einen Frieden zu ringen. Mindestens vier Jahre dauerte es, bis der sogenannte Westfälische Frieden verhandelt war, der schließlich am 24. Oktober 1648 mit den Verträgen von
Münster und Osnabrück geschlossen wurde.

Münkler nimmt nicht lange Anlauf, sondern kommt nach einer kurzen Ein- und Hinleitung schnell zum Thema. Auch wenn es mit der Reformation ein neues Konfliktpotential gab, war für ihn die Kriegsursache nicht der Konflikt der Konfessionen, sondern es gaben vielmehr politische Gründe, divergierende politische Strategien, unklare Nachfolgeregelungen und Mächtegerangel den Ausschlag. Dies erklärt letztendlich auch die Dauer des Krieges. Es ging um die Frage, wer im Reich das Sagen hat, die Stände oder der Kaiser. Die eurozentrische Lage Deutschlands in Verbindung mit Glaubensfragen und
Souveränitätsproblemen zogen dann auch andere europäische Mächte wie Spanien, Frankeich oder Schweden mit in den Krieg hinein, so dass der Krieg erst nach drei größeren Runden beendet wurde. Der Dreißigjährige Krieg war deshalb sowohl ein innerstaatlicher- wie auch zwischenstaatlicher Krieg, den man, wie später erst wieder ab Mitte des Zweiten Weltkriegs, regional nur schwer eingrenzen kann.

Als paradox bezeichnet es Münkler, dass der „Prager Fenstersturz“ als Auslöser des Dreißigjährigen Krieges ohne Blutvergießen endete, jedoch eines der größten Blutvergießen der Geschichte in Gang setzte. Mit einer unglaublichen
Detailgenauigkeit zeichnet Münkler diese stufenweise Eskalation nach, stellt Verknüpfungen her und verbindet schlüssig die in Sachen Zeit, Raum und Ebenen verschiedensten Ereignisse. Im Dreißigjährigen Krieg verlor der Staat sein Monopol an den Kriegen, auch sind viele Gefechte ohne Kriegserklärung gefochten worden. So gesehen fallen wir laut dem Autor auch heute wieder in dieses Zeitalter zurück. Der Dreißigjährigen Krieg war aber auch der erste richtige Propagandakrieg, einerseits mit karikierenden Flugblättern anderseits durch das „Zuspielen“ von gefälschten Geheimdokumenten an den Gegner, um die wahren Absichten zu verschleiern. Auch wenn die Schlachten nicht im Mittelpunkt des Buches stehen, so sind sie doch mit großem erzählerischen Können jederzeit fesselnd beschrieben. Beeindruckend sind auch Münkler’s Analysen der Kriegswirtschaft, die von Zöllen angefangen bis zur „Ausquetschung“ der Bürger und Bauern reichte: Der Krieg musste bei fast allen Kriegsparteien den Krieg ernähren! Gerade auch ab 1635 war der große Krieg auch ein „Kleinkrieg“, ein Krieg der Söldnerheere gegen die Bauern. Einzig dieser Aspekt kommt in dem Buch etwas zu kurz. Wie standen sie zum, bzw. wie sahen sie den Krieg? wie sah ihr tagtägliches Überleben aus?

Münkler gibt sich auch nicht mit dem Geschehenen und seinem Verlauf ab, sondern fragt und sucht auch immer wieder nach Alternativen, beschäftigt sich intensiv mit Entscheidungen oder auch Nicht-Entscheidungen und ihre mittel- und
langfristigen Konsequenzen. Das „was wäre gewesen, wenn…“ nimmt einen großen Raum in seinen exzellenten Analysen ein. Der Autor erklärt so, ohne im Gegensatz zu vielen seiner Historikerkollegen mit der Weisheit des Rückblicks und unter Nutzung neueren Quellen besserwisserisch zu wirken, wer seine Chancen genutzt oder verpasst hat. Münkler bezeichnet den Dreißigjährigen Krieg als „Übungsplatz für strategisches Denken“ und beispielgebend für die Betrachtung von Erfolg und
Scheitern. Dabei bestimmten die Faktoren die Protagonisten des Krieges, diese waren aber auch selbst Faktoren. Natürlich widmet er sich auch den Kriegsherren: Gustav Adolf, der es exzellent verstand, Politik, Strategie und Taktik miteinander zu verbinden. Tilly der eher glühende Religionskrieger, Wallenstein der politisch motivierte Stratege, der in geopolitisch umfassenden Zusammenhängen dachte und Schwerpunktbildungen erkannte. Viele Soldaten, so Münkler, wechselten angesichts besserer Unterbringung, höherem Sold und der besseren Aussicht auf Belohnung und Karriere von Tilly‘s Heer der Liga zu Wallenstein. Nicht minderer Berühmtheit erlangte der Condottiere (Kriegsunternehmer oder Söldnerführer) Herzog Bernhard, der Nachfolger Wallensteins, den so Münkler die Fähigkeit auszeichnete, Niederlagen nicht als solche hinzunehmen, sondern sofort entschlossen versuchte, die Scharte auszuwetzen. So überraschte er nicht nur einmal seine Gegner.

Da keine der Kriegsparteien es schaffte, den Gegner final zu besiegen, wurde der Krieg schließlich beendet, weil nach 30 Jahren alles und alle ausgebrannt, erschöpft waren. Dazu kam, dass es gelang, die Religion von der Politik zu trennen und man so eine langandauernde Friedensregelung finden konnte. Dies fordert Münkler auch um die heutigen Konflikte zu lösen oder zu beenden. Religion fungiert für ihn als Beschleuniger hegemonialer Konflikte, in denen man dann wiederum mit aller Grausamkeit die religiösen Konflikte ausfechten kann. Der schließlich zwischen dem 15. Mai und 24. Oktober 1648 geschlossene Westfälische Frieden hat den Krieg wieder reguliert und als wesentlichen Bestandteil nur Staaten das Recht auf Krieg zuerkannt. Wegweisend für die nächsten über 250 Jahren wurde mit dem Frieden Europa in Hegemonialzonen
aufgeteilt: Diese Pentarchie bestand zunächst aus Spanien, Frankreich, England, dem Habsburger Reich und Schweden, später wurden Spanien und Schweden durch Preußen und Russland als eine der fünf großen Mächte ersetzt.

Münkler ist Politikwissenschaftler und nicht Historiker. Deshalb liegt der Schwerpunkt des Buches von fast 1.000 Seiten auch nicht auf den üblichen ausführlichen Schlachtenbeschreibungen, sondern er widmet sich auch mit der gebotenen Länge Bereichen wie Kultur und Wirtschaft. Für Münkler fielen die Entscheidungen auch nicht auf den Schlachtfeldern und durch Kriegsherren wie Wallenstein oder Bernhard, sondern an den Kabinettstischen. Ebenso nimmt er interessanterweise den Dreißigjährigen Krieg als Blaupause für die heutigen Konflikte wie im Nahen Osten. Deshalb untersucht er den Krieg ausführlich hinsichtlich seiner Faktoren, Bedingungen und Motiven. Auch widmet er sich der Verwissenschaftlichung des Krieges, also die zentrale Rolle von Mathematikern und Ingenieuren z.B. bei der Einnahme von Festungswerken oder Schussberechnungen. Also insgesamt eine beeindruckend umfassende Betrachtung.

Wer Münkler kennt, den überrascht es nicht, dass er es nicht bei historischen Fakten und Analysen belässt. Gegen Ende zieht der Autor so einen Vergleich zu den heutigen Konflikten insbesondere im Nahen Osten, Syrien und Libyen. Waren für lange Zeit die Staaten wieder die Monopolisten des Krieges, so erleben wir nun wieder eine „unordentliche Form des Krieges“. Wie auch vor 400 Jahren werden wieder Kriege ohne Kriegserklärung geführt. Dies gestaltet die Unterscheidung zwischen Aufstand, Unruhen, Konflikt und Krieg schwierig. Auch heute vermengen sich religiöse mit politischen Beweggründen, lokale Kriegsherren mischen mit, die Zivilbevölkerung ist Oper von Grausamkeiten und jede Vermittlung oder Einmischung von außen ist schwierig. Allerdings macht die heutige „weltweite Gleichzeitigkeit von Informationen“ einiges anders. Die leidende Zivilbevölkerung wird einem via Bildschirm quasi direkt auf dem Teller beim Abendessen präsentiert, während vor 400 Jahren Mord und Plünderung, sofern nicht unmittelbar betroffen, erst lange Zeit später publik wurde. Aber auch trotz medialer Omnipräsenz ihrer Taten hält das Despoten nicht von weiteren Grausamkeiten ab – oder gerade deswegen machen sie weiter. Die Übertragbarkeit des Dreißigjährigen Krieges auf die heutigen Konflikte ist sicherlich diskussionswürdig. Meiner Meinung nach sind derartige Vergleiche rechtens, Schlüsse zu ziehen allerdings fragwürdig.

Fazit: Unabhängig von diesem letzten Teil, Herfried Münkler hat zweifellos ein Standartwerk über den Dreißigjährigen Krieg geschrieben. Es beinhaltet par excellence Kriegsgeschichte in all seinen Facetten inklusive Beschreibungen von Schlachten und diplomatischer Kunst, Wirtschafts-, Kultur-, Kunst-, Literaturgeschichte sowie Charakterstudien über die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts. Münkler erinnert an einen Krieg, der außer bei Geschichtsinteressierten längst in Vergessenheit geraten ist. Nicht nur wegen der großen zeitlichen Distanz von vier Jahrhunderten aber durch die zunehmende religiöse Gleichgültigkeit unserer Gesellschaft dient der Krieg nicht mehr als „politisch-kultureller Identitätsmarker“ der Deutschen. Nichtsdestotrotz eine sehr empfehlenswerte Lektüre für lange Sommerabende.

 

Andreas Pickel

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2018 Andreas Pickel, Harald Kloth

Eva Krötz: 111 Orte im Oberpfälzer Wald, die man gesehen haben muss

 

Köln ; Emons ; 2018 ; 240 Seiten ; ISBN 978-3-7408-0331-5

 

Von Altenstadt über Böhmischbruck, von Eslarn bis Falkenberg, von Grafenwöhr bis Hirschau, von Konnersreuth bis Mausdorf, von Nabburg bis Neunburg vorm Wald, von Parkstein bis Perschen, von Pfreimd bis Plößberg, von Schirmitz bis Schönsee, von Tirschenreuth bis Vohenstrauß, von Waidhaus bis Waldmünchen, von Weiden bis Windischeschenbach.

Das sind nur einige wenige Orte im Oberpfälzer Wald, an die uns die Autorin Eva Krötz führt.

 

Diese 111 ausgewählten Sehenswürdigkeiten haben eines gemeinsam: Sie sind ungewöhnlich und bringen den Besucher zum Staunen. Und so richtet sich dieser besondere Reiseführer sowohl an Einheimische, als auch an Urlauber. Ein wichtiger Fokus dieses 230seitigen Buches liegt dabei auf der Vergangenheit. Sowohl auf der jüngeren Geschichte (wie dem Kalten Krieg) oder sehr viel weiter zurückliegend (wie dem Mittelalter).

 

Neben der Burgruine Flossenbürg (Seite 44) findet sich ein paar Seiten weiter der Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Seite 48). Der Leser erfährt auf einer Doppelseite (Seite 62)  zum Schloß Kaibitz, daß dort das Drehbuch zum Kassenschlager "Die Mädels vom Immenhof" geschrieben wurde. Eine weitere Reise führt den Leser nach Perschen (Seite 122). An der Friedhofsmauer findet sich eine eigenartige, verwitterte Skulptur: Das Bärenfräulein.

 

Die Texte (immer auf der linken Seite) sind interessant beschrieben. Über den Bierkeller in Neuhaus (Seite 100) ist launig zu lesen: "Der Herr Bürgermeister gibt bekannt, dass am Mittwoch Bier gebraut wird und deshalb ab Dienstag nicht mehr in den Bach geschissen werden darf!". Rechts findet sich jeweils ein aussagekräftiges Foto mit den wichtigsten Angaben wie Adresse, Anfahrt, Öffnungszeiten. Ein sechsseitiges Inhaltsverzeichnis und eine doppelseitige Übersichtkarte ergänzen das handliche Buch.

 

Dieses Buch ergänzt die "111 ... die man gesehen haben muss-Reihe" aus dem Emons Verlag. Darunter z.B. "111 Orte in Regensburg, die man gesehen haben muss", "111 Orte im Bayerischen Wald, die man gesehen haben muss", "111 Orte in der Oberpfalz, die man gesehen haben muss".

 

Fazit: Ein besonderer Reiseführer zum Entdecken und Staunen.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2018 Harald Kloth

Celeste Ng: Kleine Feuer überall

Roman

 

München ; dtv ; 2018 ; 384 Seiten ; ISBN 978-3-423-28156-0  

 

Elena Richardson lebt ein Bilderbuchleben im kleinen Städtchen Shaker Heights, einem Vorort von Cleveland. Ein tolles Haus, ein als Anwalt erfolgreicher Ehemann und vier ganz unterschiedlich begabte Kinder. Noch dazu keinerlei finanzielle Nöte, denn neben ihrem Job als Journalistin vermietet Mrs Richardson das von den Eltern geerbte Haus an der Winslow Road. Doch das Vermieten ist eher ein wohltätiger Akt, da die Familie das Geld nicht wirklich benötigt. Die Mieter werden sehr sorgsam ausgewählt. Stets nimmt Mrs Richardson diejenigen, bei denen sie das gute Gefühl hat, diese seien besonders bedürftig und sie, Elena Richardson, tue damit etwas Gutes.

 

Als die alleinerziehende Fotokünstlerin Mia Warren und deren Teenagertochter Pearl als potentielle Mieter vor der Tür stehen, ist die Sache gleich klar - sie erhalten die Wohnung. Die beiden wollen sich nach dem nomandenhaften Leben, das sie bisher führten in Shaker Heights niederlassen und sesshaft werden.

 

Nicht zuletzt Mrs Richardson selbst leistet einen enormen Beitrag dazu, dass sich Pearl mit ihren Kindern anfreundet. Zwischen dem Sohn Moody und Pearl entwickelt sich bald eine innige Freundschaft und auch die Tochter Lexie nimmt die jüngere Pearl unter ihre Fittiche. Deren Bruder Trip, der auf cooler Typ macht, bleibt Pearl gegenüber vorerst reserviert und Izzy ist vielmehr von Pearls Mutter Mia Warren und ihrer künstlerischen Arbeit fasziniert und möchte gar nicht mehr von ihrer Seite weichen.

 

Das was Pearl bisher fremd war - ein normales Teenagerleben - wird von Tag zu Tag selbstverständlicher. Pearl muss aber auch bald die Schattenseiten des Teenagerseins erleben. Aufgrund der starken Anziehungskraft, die das Mutter-Tochter-Gespann auf ihre Kinder ausübt, erwacht der journalistische Eifer in Mrs Richardson und sie beginnt, in der Vergangenheit zu wühlen um mehr über ihre Mieterinnen herauszufinden. Dabei erfährt sie Dinge, die sie vorerst aber für sich behält. Innerhalb der Familie Richardson behält ohnehin fast jeder gerne gewisse Dinge für sich und verheimlicht sie vor den anderen.  

 

Diese Heimlichkeiten sind es dann letztlich auch, die das ganz heile Leben ins Wanken bringen. Wie kleine Feuer breiten sie sich überall aus. Sie entfalten ihre zerstörerischen Kräfte ausgerechnet dann, als es keiner erwartet - mit erschreckenden Folgen für alle Beteiligten. 

 

Nach "Was ich euch nicht erzählte" hat die Bestsellerautorin Celeste Ng mit "Kleine Feier überall" erneut einen sehr mitreißenden Familienroman geschaffen. Im Laufe der vielschichtigen Erzählung erhält man einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Existenz. Im Mittelpunkt steht immer die Frage danach, wie die Menschen zu denen wurden, die sie sind.   

 

Fazit: Ein grandios konstruierter Roman, der einen ab und an erschaudern lässt, weil er die menschlichen Abgründe so gut darzustellen vermag.

 

Sonja Kraus

5 Sterne
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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth

Jonas Bonnier: Der Helicopter Coup

Die Millionen Beute

 

München ; Piper ; 2018 ; 402 Seiten ; ISBN: 978-3-492-05847-6

Über Monate hinweg bereiten Niklas Nordgren, Michel Malouf, Sami Farhan und Zoran Petrovic ihren spektakulären Coup vor. Für den Tag im September 2009 muss alles perfekt sein, denn alle Beteiligten wollen sich nach diesem Ding zur Ruhe setzen.

 

Aber was gilt es alles zu beachten, denn der Plan lautet folgendermaßen: Drei maskierte und bewaffnete Männer lassen sich von einem gestohlenen Hubschrauber auf das Dach eines Gelddepots im Stockholmer Vorort Västberga absetzen. Sie schlagen die Scheiben der Dachkuppel ein und bahnen sich mit Sprengstoff den Weg durch das Gebäude. Dort liegen Millionen von Kronen, die im obersten Geschoss des Hauses gezählt werden. Nachdem alles in Säcken verpackt ist, fliegen sie weg und tauchen unter. Bei ihrer Flucht verschaffen sie sich einen entscheidenden Vorsprung: der Polizeihubschrauber muss am Boden bleiben.

Jonas Bonnier erschafft die einzelnen Charaktere und es entspinnt sich ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Behörden wurden gewarnt. Der Autor erzählt eine schier unglaubliche Geschichte, die sich tatsächlich am 23. September 2009 ereignet hat. Der Fall gilt als der spektakulärste in der schwedischen Kriminalgeschichte. Grandios ist die Idee, wo die Beute letztlich abgeblieben ist, denn das Geld ist in der Realität noch nicht wieder aufgetaucht.

Fazit: Tolles Lesevergnügen, man fiebert richtig mit den Räubern mit.

 

Matthias Wagner

4 Sterne
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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Ulrike Herwig: Oskar an Bord

Roman

 

München ; dtv ; 2018 ; 285 Seiten ; ISBN 3-423-21710-3

Die Zutaten für diese verrückte Geschichte: Man nehme den verzweifelten Familienvater Markus in Geldnöten und dazu Tina, seine eher brave, gesetzeskonforme Ehefrau als lebendes Gewissen, das voller voller Bedenken, Zweifel und Ängste ist.
Außerdem kommen je eine Prise Abgestumpftheit im Eheleben, Geldnot und berufliche Unzufriedenheit mit in die Handlung.
Füge eine „Schnapsidee“ in Form eines Raubüberfalls hinzu und lasse dabei jede Form von Brutalität aus dem Spiel.
Fehlt noch der zufällig gekidnappte, hochbetagten Oskar - der körperlich nicht mehr ganz so fit ist. Er entpuppt sich als unkomplizierter Zeitgenosse und zugleich als liebenswerter, raffinierter Gangster, der das Ganze als willkommene Abwechslung zu seinem tristen Heimaufenthalt betrachtet.

Genau genommen besteht das große Abenteuer aus vielen kleinen „Kriegsschauplätzen“, überraschenden Wendungen und Katastrophen. Die Hauptakteure durchleben dabei eine durchwegs positive Veränderung ihrer Persönlichkeit und Lebenseinstellung.

Den ganz gespannten Lesern verrate ich nur so viel: Es gibt ein Happy End für alle.

Dieses etwas schräge Fluchtabenteuer auf 285 Seiten im Taschenbuchformat eignet sich als lockere Unterhaltung ohne den Leser dabei mit Fremdwörtern, komplizierten Handlungsabläufen oder notwendigem Hintergrundwissen zu strapazieren. Auch nach längerer Lesepause lässt sich der Anschluss an die Geschichte problemlos finden.

Fazit: Ein Taschenbuch für Liebhaber leichter, unbeschwerter Unterhaltung. Ein bisserl was zum Schmunzeln und Abschalten ohne langen Nachhall und Schwere.

 

Elisabeth Gonsch

3 Sterne
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© 2018 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Heine Bakkeid: Und morgen werde ich dich vermissen

(Thorkild Aske, Band 1)

Thriller

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2018 ; 412 Seiten ; ISBN: 978-3-499-29055-8
 
Thorklid Aske ist gerade aus dem Gefängnis entlassen worden. Er saß dort wegen fahrlässiger Tötung ein. Zuvor war er in seinem Beruf als Polizist zuletzt als interner Ermittler tätig. Ohne Job aber mit viel Zeit weiß Thorklid zunächst nicht, was er machen soll, denn auch auf dem Arbeitsamt haben sie keine Verwendung für einen gelernten Polizisten. Als sein Psychiater Ulf ihm ein Jobangebot unterbreitet ist er anfangs skeptisch, lässt sich dann aber doch darauf ein.

 

Er soll im Norden nach einem jungen Mann suchen, der auf einer Leuchtturminsel ein neues Projekt gestartet hat, jetzt aber verschwunden ist. Die dortige Polizei unterstützt ihn, so gut es geht. Auf der Insel angekommen entdeckt er dann plötzlich die Leiche einer Frau, die vor seinen Augen wieder im Meer verschwindet. Thorklid Aske ist sich nicht sicher, was er gesehen hat, denn er steht unter dem Einfluss von Medikamenten. Als dann aber auch zwei Polizeibeamte verschwinden, während nach ihm gefahndet wird, bleibt ihm keine andere Wahl, er muss noch einmal auf die Insel.
 
Das Debüt von Heine Bakkeid ist der erste Teil einer Thrillerreihe um den ehemaligen Polizisten Thorkild Aske. Dieser ist gezeichnet und aufgrund seiner Medikation immer wieder neben der Spur. Der Rückblick auf die Zeit vor der Inhaftierung ist gut im Text integriert. Vieles an der ganzen Geschichte ist aber leider ziemlich konstruiert.
 
Fazit: Psychogramm eines „kaputten“ Polizisten.

 

Matthias Wagner

3 Sterne
3 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Nicole Walter: Das Glück umarmen

Ein Achtsamkeits-Roman

 

München ; Knaur; 2018 ; 366 Seiten; ISBN 978-3-426-51969-1

Schon in jungen Jahren ist Johanna zu ihrer Oma gezogen, weil sich ihre Mutter voll auf den Beruf konzentrieren wollte.
Marceline ist jetzt bereits 88 und das Gedächtnis spielt der alten Dame immer mal wieder einen Streich. Dass die Momente der Verwirrtheit immer öfter kommen, ist auch Johanna bewusst. Die Thematik Alzheimer verdrängt sie aber so gut es geht. Stattdessen versucht sie jeden Tag aufs Neue das zu tun, was Marceline ihr immer schon gepredigt hat: achtsam durchs Leben zu gehen.

Als sich Johanna gerade auf einem ihrer Achtsamkeitsspaziergänge befindet, wird sie Zeugin eines Unfalls. In seinem verbeulten Porsche sitzt Leon, für den im Leben nur zählt, dass man erfolgreich ist, viel Geld verdient und schnell ans Ziel kommt.

 

Mach mal bremst einen das Leben aber aus, wenn man zu übermütig wird. Johanna ist sofort hin und weg von diesem "Botticelli-Engel",  den sie aus dem rauchenden Auto zieht. Auch wenn der nicht lange bei Bewusstsein ist, wird schnell klar, dass sich seine Begeisterung dagegen in Grenzen hält. Doch Johanna lässt nicht locker und besucht Leon sogar im Krankenhaus. Nachdem er mit dem verletzten Bein nicht in seine Wohnung zurück kann, lädt sie Leon sogar zu sich ins Haus der Großmutter ein.

Und dann ist da auch noch Kio, der traumatisierte Flüchtlingsjunge aus Nigeria, den Marceline bei sich aufgenommen hat.
Während Johanna immer noch fest davon überzeugt ist, in Leon DEN Menschen fürs Leben gefunden zu haben, bleibt dieser reserviert und reagiert oft abweisend. Mit dem traumatisierten Kio geht er aber ganz behutsam um. Hat er etwa auch schon mal Dramatisches erlebt?

Nicole Walter greift in dieser netten Geschichte ein paar aktuelle Themen auf, die sich sehr gut mit der Achtsamkeitsthematik verbinden. Jedes Kapitel wird durch ein schönes Achtsamkeits-Statement eingeleitet. Während des Lesens erfährt man so auch ganz nebenbei einiges über die Achtsamkeitslehre.

Fazit: Ein schön geschriebenes Buch voller Impulse, das Leben jeden Tag zu umarmen.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth

Gin Phillips: Nachtwild

Thriller

 

München ; dtv ;  2018 ; 304 Seiten ; ISBN: 978-3-423-26196-8
 
Joan besucht mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln den Zoo. Dieser lebt ganz in seiner kindlichen Welt, als plötzlich Schüsse zu hören sind. Auf dem Weg zum Ausgang sehen sie Tote auf dem Boden liegen. Keiner weiß, was los ist. Als sie weitere Schüsse wahrnehmen, flüchtet Joan mit Lincoln in ein leer stehendes Stachelschweingehege. Dort harrt sie zunächst aus, bevor sie sich erneut auf den Weg macht, denn ein Vierjähriger hat trotz alledem Bedürfnisse, die sich nicht so einfach unterdrücken lassen. Sie muss eine Entscheidung treffen, denn sie hat die Verantwortung.

Mit diesem Erstlingswerk im Thrillergenre begibt sich die Autorin für ihren Plot in einen Tierpark, wo eine Mutter mit ihrem vierjährigen Sohn verweilt. Aus deren Sicht ist der größte Teil des Buches geschrieben.

 

Spannung kann dabei leider nur ansatzweise erzeugt werden. Es sind oft lange Rückblenden eingebaut, die einerseits gut gemeint sind, andererseits aber den Spannungsbogen erschlaffen lassen. Das Buch wurde sehr groß angekündigt und auch die Kommentare im Klappentext erzeugen eine große Erwartungshaltung, die leider nicht erfüllt wird.
 
Fazit: Teils langatmig und ermüdend.

 

Matthias Wagner

2 Sterne
2 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Horst Eckert: Der Preis des Todes

Thriller

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2018 ; 413 Seiten ; ISBN: 978-3-8052-0012-7
 
Sarah Wolf ist seit kurzem eine erfolgreiche Talkmasterin im ersten deutschen Fernsehen. Sie moderiert einmal die Woche eine politische Talkrunde. Seit kurzer Zeit ist sie mit dem parlamentarischen Staatssekretär im Gesundheitsministerium Christian Wagner liiert, was aber aufgrund ihrer Berufe im Verborgenen bleiben muss. Als Sarah Christian in Berlin besuchen will, steht sie vor verschlossenen Türen.


Einen Tag später läuft die traurige Meldung über alle Presseagenturen: „Staatssekretär Wagner tot in seiner Wohnung gefunden“. Sarah kann nicht glauben, dass ihr neuer Freund Selbstmord begangen haben soll und auch die Polizei ist sich schnell sicher, dass hier jemand nachgeholfen hat.


In Düsseldorf wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, die kurz vor ihrem Verschwinden einen Termin bei Christian Wagner wahrgenommen hat. Zuvor war sie beruflich in Afrika im Flüchtlingslager Dadaab. Hängt dies alles zusammen?
Ein Polizist, der nicht mehr lange zu leben hat, will seinen letzten Fall lösen, denn dies ist er seiner Tochter schuldig. Ob ihm dies gelingt?
 
Mit „Der Preis des Todes“ hat Horst Eckert einen hochbrisanten Politthriller vorgelegt, der alles hat, was ein spannendes Buch braucht. Zum einen eine Hauptfigur, Sarah Wolf, von vielen Wölfin genannt, die zwar äußerlich taff auftreten muss, aber im Grunde ein hochemotionaler Mensch ist.
Und darüber hinaus eine Story um das Flüchtlingslager Dadaab, die möglicherweise nicht Fiktion ist und ein kritischer Seitenhieb auf den gesamten Politikbetrieb.
 
Fazit: Absolut empfehlenswert.

 

Matthias Wagner

5 Sterne
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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Marie Kondo : Das große Magic-Cleaning-Buch

Über das Glück des Aufräumens

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2018 ; 316 Seiten ; ISBN 978-3-499-63381-2
 
Marie Kondo hat eine Aufräum-Methode erfunden, für die sie weltweit gefeiert wird. 'Das große Magic-Cleaning-Buch' liefert Anleitungen, wie man Schritt für Schritt mehr Ordnung in sein Leben bringen kann. Zu den Strategien für das Aufräumen und Aufbewahren von Dingen gehört vor allem, die Dinge erst einmal nach Kategorien zu trennen.

 

Alles was zu einer Kategorie gehört, wird zusammengetragen. Man holt beispielsweise alle Kleidungsstücke aus sämtlichen Regalen, Schränken und auch aus dem Keller und legt sie auf einen Berg.


Dann kommt der zweite Schritt und damit auch der Kern der KonMari-Methode. Man konzentriert sich auf die Dinge, die man behalten möchte und nicht auf die Dinge, die man wegwerfen möchte. Dabei spielt der Glücksgefühl-Check eine ganz wichtige Rolle.


Dinge, die in einem selbst Glücksgefühle auslösen, sollte man unbedingt behalten. Ziel ist es, sich nur mit Dingen zu umgeben, die einen glücklich machen. Von allem anderen kann man sich getrost trennen.
 
'Das große Magic-Cleaning-Buch' ist ein kompakter Ratgeber, der viele Anleitungen zum Aufräumen verschiedenster Dinge liefert. Auch wenn sich wohl nicht alles eins zu eins umsetzen lässt, enthält das Buch doch sehr viele gute Anregungen und Tipps. Wer nur die Sachen behält, die ihn glücklich machen, kann sich getrost vom ganzen restlichen Ballast trennen. Wir besitzen viel zu viele Dinge und nur die wenigsten machen uns wirklich glücklich. Wer das begreift, wird nie wieder beim Aufräumen Probleme haben, sich von etwas zu trennen.
 
Fazit: Da bekommen selbst Aufräummuffel Lust, mal wieder auszumisten!

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth

Dora Heldt: Schnee ist auch nur hübsch gemachtes Wasser

Wintergeschichten

 

München ; dtv ; 2017 ; 189 Seiten ; ISBN 978-3-423-21694-4

 

Das handliche Taschenbuch im Paperbackoutfit eignet sich perfekt für die Handtasche - stets griffbereit um Wartezeiten auf angenehme Art und Weise durch Schmökern zu überbrücken.

Auf 189 Seiten finden zehn unterhaltsame Geschichten Platz, die alle auf ganz unterschiedliche Art irgendwie mit der kalten Jahreszeit verbunden sind.

Da ist beispielsweise die betagte Dame, die im Herbst ihres Lebens nochmals durch ihre neu belebten Wintererinnerungen in Ihre Jugendzeit versetzt wird. Oder die weihnachtlichen Auswüchse von Verwandtschaftsbesuchen über die Feiertage, welche jeder Leser mit großer Wahrscheinlichkeit schon am eigenen Leib erfahren musste. Ein großer Teil der Begebenheiten spielen sich dabei auf der Insel Sylt ab.

Es zeigt wieder einmal, dass Dora Held dass Schreibhandwerk bestens beherrscht. Treffend weiß sie die Situationen so zu schildern, dass sie der Leser bildhaft vor den Augen hat und die Überzeichnung der Geschichten in ihm Heiterkeit und Schmunzeln hervorrufen.

Es ist zwar ein Winterlesebuch, doch es eignet sich hervorragend, um sich bereits im Herbst Geschmack auf die kalte Jahreszeit zu holen. Das Buch wurde in normaler Schriftgröße gedruckt, was ich persönlich sehr schade finde, da es dadurch nur für einem eingeschränkten Leserkreis geeignet ist, sich ohne Anstrengung dem Lesegenuss hinzugeben.

Fazit: Ein Allrounder: Für die Handtasche, zum Verschenken, als Gute-Laune-Buch aber auch zum Vorlesen geeignet.

 

Elisabeth Gonsch

4 Sterne
4 von 5

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© 2018 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Christine Thürmer: Wandern. Radeln. Paddeln.

12000 Kilometer Abenteuer in Europa

 

München ; Malik ; 2018 ; 299 Seiten ; ISBN 978-3-89029-484-1
 
Allein der Titel macht es schon deutlich: dieses Buch bietet  vor allem Abwechslung und Abenteuer.
In ihrem Bestseller „Laufen. Essen. Schlafen.“ (2016) erzählt die Autorin Christine Thürmer von ihren Abenteuern auf den Langstreckenwanderwegen quer durch Amerika. Mit „Wandern. Radeln. Paddeln.“  legt sie nun ihr zweites Buch vor.

Nachdem sie ihr altes Leben endgültig hinter sich gelassen hat, führt die Autorin ein Outdoor-Leben und erkundet die Welt zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Kajak. Zunächst einmal nimmt sie ihre Leserschaft mit auf ihre Wandertour von Koblenz bis nach Tarifa in Spanien, zum südlichsten Punkt des europäischen Festlands. Wie schon auf ihren Touren durch Amerika vertraut sie wieder dem Ultraleicht-Prinzip und versucht so wenig und so leichte Ausrüstungsgegenstände wie möglich einzupacken.


Nachdem sie sich ihre Tour ganz individuell zusammengestellt hat, trifft sie so gut wie nie auf andere Wanderer. Dieses Gemeinschaftsgefühl fehlt einfach bei dieser Tour. Um Geld zu sparen versucht Christine Thürmer so oft es geht in freier Natur zu übernachten - trotz der zum Teil widrigen Umstände. Obwohl es in Sachen Streckenführung so manche Überraschung gibt, gelangt sie letztlich doch an Ziel.


Schon längst geht es Christine Thürmer nicht mehr nur um das heißersehnte Abschlussfoto am Ende einer Tour. Gelassen hat sie erkannt, dass der Weg selbst das eigentliche Ziel ist und es auf den Touren viel mehr um das Freiheitsgefühl und das Naturerlebnis an sich geht.

Da die Outdoor-Expertin keine eigene Wohnung mehr hat, kommt sie immer wieder bei Freunden und Bekannten unter. So auch nach dieser Wandertour. In den folgenden drei Monaten in Berlin plant sie schon ihre nächste Tour. Mit dem Fahrrad geht es dabei über Polen und das Baltikum nach Finnland. Einige Teilstrecken absolviert sie todesmutig und mit klopfendem Herzen, denn vorbeidonnernde LKWs auf vielbefahrenen Landstraßen sind für Radfahrer nicht ungefährlich. Doch natürlich gibt es auch schön ausgebaute Wege, die dann solche Erlebnisse wieder wett machen. Probleme gibt es aber immer wieder mit der Wasserversorgung – bis die Abenteurerin feststellt, dass zum Beispiel in Litauen die Trinkwasserversorgung noch über hauseigene Brunnen funktioniert. Die Begegnungen mit anderen Menschen bescheren Christine Thürmer auch viele positive Erfahrungen und manchmal ist einfach nur Glück im Spiel, wenn beispielsweise ein Bekannter zufälligerweise das gleiche Rad fährt und ihr seine Ersatzspeichen überlässt.

Beinahe gefährdet dann ein Sturz die dritte geplante Tour. Doch nachdem es sich um eine Paddeltour handelt und das verletzte Knie dabei nicht so sehr strapaziert wird, gönnt sich Christine Thürmer nur eine zehntägige Pause, bevor sie nach Schweden aufbricht.


Mit ihrem Faltkajak will sie Schweden von Osten nach Westen durchqueren. Zum Saisonende hin ist es zwar überall relativ ruhig, aber leider sind auch die vielen Schleusen nicht mehr in Betrieb. Als Kajakfahrer muss man diese folglich umtragen, was manchmal zur Herausforderung wird.


Diese dritte Tour bringt die abenteuerlustige Frau allerdings fast an ihre Grenzen, denn sie hat einfach nicht bedacht, dass das Wetter so weit im Norden um diese Jahreszeit äußerst ungemütlich sein kann.


Doch trotz all der Widrigkeiten steht auch am Ende dieser Tour wieder das große Glücksgefühl im Vordergrund.
Die Strapazen sind vergessen und zurück bleibt das Glück der grenzenlosen Freiheit und des Lebens in und mit der Natur.
Der schöne Bildteil in der Mitte des Buches komplettiert die abenteuerlichen Geschichten.

Fazit: Sehr informative und unterhaltsame Schilderungen der drei Touren quer durch Europa. Fast wie ein Kurzurlaub.

 

Sonja Kraus

4/5 Sterne
4/5 von 5

Wandern. Radeln. Paddeln. bei amazon.de

 

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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth

Dead Zone

(The Dead Zone, 1983)

Regie: David Cronenberg. Mit Christopher Walken, Brooke Adams, Martin Sheen, Tom Skerritt

 

Der Lehrer Johnny Smith (Christopher Walken) unterrichtet gemeinsam mit seiner Freundin Sarah (Brooke Adams). Nach einem fröhlichen Ausflug bringt Johnny seine große Liebe nach Hause. Das Angebot, bei ihr zu übernachten, lehnt er aber ab. Auf dem regnerischen Nachhauseweg kollidiert Johnnys VW Käfer mit einem Truck. Es kommt zu einem folgenschweren Unfall.

 

Johnny erwacht in einem Krankenhaus. Der Arzt Sam Weizak kümmert sich rührend um ihn. Erstaunt stellt Johnny fest, dass er trotz des schweren Unfalls keine sichtbaren Verletzungen hat. Er war fünf Jahre im Koma!

Erschüttert muss er erkennen, dass seine geliebte Sarah mittlerweile geheiratet und einen Sohn hat. Sein Lehrerjob ist weg und ihn plagt eine schwere Gehbehinderung.

 

Die größte Veränderung aber stellt der junge Lehrer aber an sich mental fest. Er kann nun durch Berührung einer anderen Person in deren Zukunft (und Vergangenheit) sehen. Diese besondere Gabe wird aber zunehmend zum Fluch, weil sie ihn körperlich auslaugt.

Als er den gewissenlosen Politiker Greg Stillson (Martin Sheen) kennenlernt, muß Johnny schließlich eine schreckliche Entscheidung treffen ...

 

Was ist das kreative Ergebnis, wenn die Horrorfilm-Regie-Legende David Cronenberg den Roman "The Dead Zone" von Horror-Ikone Stephen King verfilmt? Vielleicht nicht das, was man vermuten würde. Obwohl einige heftige Szenen vorhanden sind, ist das Label "Horrorfilm" hier grundsätzlich unpassend, weil es viel zu kurz greift. Die vordergründigen schockierenden Ereignisse werfen im Laufe des Films Fragen nach gesellschaftlicher Moral, persönlicher Schuld, Demagogie und politischem Vertrauensverlust auf.

 

"Dead Zone" (nach einem Drehbuch von Jeffrey Boam) ist ein trauriger Film, in dem die Einsamkeit der Figuren dominiert. Die tragische Liebe zwischen Johnny und Sarah ist entscheidend für die Geschichte. Die Schauspieler sind exzellent besetzt: Christopher Walken ist perfekt als von seinen Visionen Geplagter. Brooke Adams spielt die ehrliche und mitfühlende Partnerin wunderbar. Auch die Nebenrollen sind durchwegs großartig besetzt: Tom Skerritt ("Alien", "Picket Fences") als Sheriff Bannerman, Martin Sheen ("Apocalypse Now") brilliert als gefährlicher Populist Stillson und Herbert Lom als Dr. Weizak kennt man vor allem als Chefinspektor der "Pink-Panther-Filme".

 

Bereits der Vorspann stimmt durch Landschaftsbilder Neuenglands, die langsam bruchstückhaft schwarz werden auf eine unterkühlte, distanzierte Atmosphäre ein. Die genial passende Filmmusik von Michael Kamen verstärkt diesen Effekt.

 

"Dead Zone" ist nicht nur eine grandiose Schauspielleistung Christopher Walkens, sondern auch eine der besten Stephen King-Verfilmungen.

 

2018 veröffentlichte Koch Media ein sehr würdiges Mediabook mit einer Blu-ray und zwei DVDs. Neben einem sehr interessanten 24seitigem Booklet finden sich auf der Extra-DVD folgende Features (alle mit deutschen Untertitelungen):

  • Memories of the Dead Zone: Regisseur David Cronenberg, Darstellerin Sarah Brooks und der Autor Douglas E. Winter erzählen die Entstehung des Films. 12 Minuten.
  • The Look fo the Dead Zone: Kameramann Mark Irwin und David Cronenberg erzählen unter anderem wie der Künstler Norman Rockwell das Aussehen des Films beeinflusst hat. 9 Minuten.
  • Visions and Horror from the Dead Zone: Mark Irwin, David Cronenberg und Filmeditor Ronald Sanders erläutern bestimmte Szenen des Films, z.B. die herausragende Feuerszene. 9. Minuten.
  • The Politics of the Dead Zone: Schauspieler Martin Sheen, David Cronenberg und Mark E. Winter über den politischen Aspekt des Films. 11 Minuten.
  • Interviews: David Cronenberg, Martin Sheen und (die 2005 verstorbene) Produzentin Debra Hill über den Film. Leider schlechte Bildqualität und nicht ausblendbare japanische (!) Untertitel. 16 Minuten.
  • Interview mit Stephen King: In einem sehr kurzweiligen Interview sprach der Schriftsteller Tom Perrota am 7.11.2011 mit Stephen King. Thema dieses Gesprächs vor Publikum in der JFK Presidential Library and Museum war Kings Roman "Der Anschlag (11/22/63)" über einen Zeitreisenden. 48 Minuten.

Fazit: Unterschätzte Filmperle aus den 1980ern.

 

Harald Kloth

5 Sterne
5 von 5

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© 2018 Harald Kloth

Jens Henrik Jensen: Der dunkle Mann

Oxen-Trilogie, Band 2

Thriller

 

München ; dtv ; 2018 ; 512 Seiten ; ISBN: 978-3-423-26179-1

Niels Oxen, ehemaliger Elitesoldat, ist plötzlich wie vom Erdboden verschwunden. Er war noch bei einem  Empfang, hat sich dort aber vorzeitig verabschiedet und wurde nicht mehr gesehen. Der Chef des Inlandgeheimdienstes PET, Axel Mossmann, glaubt seiner Mitarbeiterin Magrethe Franck nicht, dass sie keinen Kontakt zu Niels Oxen hat, denn sie hatte zuletzt sehr intensiv mit ihm zusammengearbeitet.

Magrethe versucht alles, um Niels aufzuspüren, meist auf eigene Faust, denn sie traut ihrem eigenen Chef nicht. Niels ist derweil bei einem alten Fischzüchter untergekommen, dem er in der Silvesternacht das Leben gerettet hat. Die Abgeschiedenheit in Verbindung mit der harten körperlichen Arbeit sind genau das, was er jetzt braucht. Als plötzlich der Museumsdirektor Malte Bulbjerg ermordet im Danehof-Saal gefunden wird, ist klar, dass jahrhundertealte Seilschaften auch heute noch Bestand haben.

Ihrem Spürsinn folgend trifft Magrethe Niels, als dieser am Jahrtag seines besten Freundes an dessen Grab verweilt. Was sie nicht ahnt ist, dass sie längst beschattet wird. Doch auch die Beschatter werden beschattet und Niels entgeht nur knapp seiner Entführung. Geschickt von den dunklen Männern eingefädelt steht Niels nun unter Mordverdacht. Es wird landesweit polizeilich nach ihm gefahndet. Zeitgleich stirbt der Justizminister Ulrik Rosberg. Damit verliert Niels auch die Garantie, beim nächsten Angriff auf seine Person am Leben zu bleiben, denn ein Video des Justizministers war bislang seine Lebensversicherung.

Magrethe und Niels ist klar, dass alles wieder mit dem Danehof bzw. Consilium zusammenhängt. Doch wer steckt wirklich dahinter und wie kann dieses Netzwerk für immer ausgeschaltet werden? Ein Plan wird immer konkreter, die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und der Erfolg ist zum Greifen nahe, doch auch die Gegenseite ist schlau, wenn nicht sogar schlauer.

Mit dem zweiten Teil "Oxen – Der dunkle Mann" liefert Jensen ein weiteres Glanzstück für das Thrillergenre. Mit vielen Wendungen, teils fast unglaublichen, dann aber doch nachvollziehbaren Szenen ist die Geschichte um den Elitesoldaten Niels Oxen sehr gute Unterhaltung. Leider müssen alle Oxen-Fans jetzt bis Semptember warten, bis der dritte und letzte Teil erscheint.

Fazit: Spannung auf hohem Niveau.

Matthias Wagner

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Marina Boos: Frühlingsglück und Gartenzauber

Jules Welt

Ein Kreativ-Roman

 

München ; Knaur ; 2018 ; 288 Seiten ; ISBN 978-3-426-52177-9

Das neue Jahr beginnt für Jolanda, die von allen nur Jule genannt wird, mit einem schönen Wiedersehen.
Ihre zwei besten Freundinnen Maike und Cora besuchen sie in Müggebach und machen sich ein Bild von Jules neuem Leben mit Café Lindenblüte und Freund Mirko. Während Maike mit ihrer Familie bald wieder abreist, entschließt sich Cora, länger zu bleiben. Als Architektin reizt es sie natürlich sehr, Milena zu beraten und beim Umbau des alten Dennighofs zu helfen. Nur Jule spürt, dass Cora etwas bedrückt, will ihr aber Zeit geben, selbst darüber zu sprechen.

Ein großes Ereignis wirft währenddessen schon seine Schatten voraus. Im Juni möchte Jule mit allen Bewohnern, Freunden und am allerliebsten auch mit ihrer Oma Wilhelmine das einjährige Bestehen des Cafés feiern. Aber obwohl die Oma das Projekt finanziell unterstützt hat, weigert sie sich vehement, in ihren früheren Heimatort zurückzukehren – und sei es nur für einen kurzen Besuch.

Auf dem Dennighof finden Jule und Cora beim Ausräumen ein geheimnisvolles Päckchen, das ganz offensichtlich bewusst versteckt wurde. Es enthält einige wunderschöne Pflanzenzeichnungen. Von wem die wohl stammen? Und warum wurden sie so gut versteckt?
Gibt es etwa eine Verbindung zu Wilhelmine und ihren Jugendfreundinnen? Liegt in den Ereignissen der Vergangenheit etwa der Grund, warum Wilhelmine Müggebach meidet?

Während Jule ein wenig Detektivin spielt und in die Vergangenheit ihrer Oma eintaucht, um deren Verhalten besser verstehen zu können, wird sie wie gewohnt von ihrer Nachbarin Gerta, dem Koch Jean und natürlich ihrem Freund Mika unterstützt wo es nur geht.
Nach und nach nehmen schließlich auch die Festvorbereitungen Gestalt an. Ob sich Jules größter Wunsch - ihre Oma als Gast bei der Jubiläumsfeier - am Ende doch noch erfüllt, bleibt allerdings fraglich.

Wie schon die vorherigen Bände ist auch dieses Buch wieder Roman und Bastelbuch zugleich. Dieses Mal dreht sich ja alles um das Thema Frühling und Garten.
Neben Bastelideen gibt es der Jahreszeit entsprechend auch viele Gartentipps.
Das Buch ist wieder sehr schön thematisch passend illustriert. Die gesamte Aufmachung macht das Buch zu einem, das man gerne in die Hand nimmt.

Am Ende des Buches gibt es den bewährten „Und so wird’s gemacht“- Teil. Hier werden viele Bastelideen, die in der Geschichte vorkommen erklärt. Schön wären hier allerdings bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitungen, um es den nicht ganz so Bastelbegabten leichter zu machen.

Fazit: eine schöne Geschichte über Freundschaft in die viele schöne Do-it-Yourself-Ideen eingebaut sind. Jetzt kann der Frühling kommen!

Sonja Kraus

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2016 Sonja Kraus, Harald Kloth

Sven Koch: Kalte Sonne

Thriller

 

München ; Knaur ; 2018 ; 349 Seiten ; ISBN: 978-3-426-52154-0

Maja Lundgren wohnt zusammen mit ihrer sechsjährigen Tochter Emma im eigenen Haus am Strand. Ihr Ehemann Erik starb kurz vor dem Bekanntwerden der Schwan gerschaft. Man fand in tot am Strand und alles deutete auf einen Suizid hin. Eines Tages sieht Emma im Fernsehen einen Bericht, bei dem eine Person durchs Bild läuft, die aussieht wie ihr toter Papa, den sie nur von Bildern kennt. Maja schenkt dem zunächst keine Bedeutung, aber als auch die Kindergärtnerin sie anspricht, sucht sie selbst nach dem Fernsehbeitrag und ist verblüfft, was sie sieht. Sie nimmt wieder Kontakt zum damals ermittelnden Polizeibeamten auf, der mittlerweile in Pension ist und als Hobbyornithologe viel unterwegs ist.

Er rät ihr, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Zeitgleich ist der Anwalt Aksel Olsen in Kopenhagen mit Arbeit gut eingedeckt, aber das Verhalten eines seiner Mandanten bereitet im zusehends Kopfzerbrechen. Vor mehr als sechs Jahren hat er sich auf etwas eingelassen, was durchaus das Potenzial hat, die Grundfesten des Staates ins Wanken zu bringen.

Maja Lundgren entscheidet sich schließlich nach dem Unbekannten im Fernsehen zu suchen. Was sie dabei nicht bedacht hat ist die Tatsache, dass ihr Entschluss letztlich ein Stich ins Wespennest ist. Nach und nach merkt sie, dass es manchmal besser wäre die Büchse der Pandora nicht zu öffnen.

Sven Koch legt einen sehr tollen Psychothriller vor, der alles hat, was sich der Leser in diesem Genre wünscht. Nach und nach entwickelt sich der Plot und die einzelnen Verstrickungen treten ans Licht. Was mit einem unscheinbaren Fernsehbericht beginnt, entspinnt sich bald als rasante Verfolgungsjagd.

Auch baut der Autor das Naturschauspiel Schwarze Sonne (Sort sol) , das sich in Dänemark immer im Frühjahr und Herbst zeigt, sehr geschickt in die Handlung ein.

Fazit: Ein äußerst vielversprechendes Thriller-Debüt - sehr zu empfehlen.

 

Matthias Wagner

4/5 Sterne
4/5 von 5

 

Im Thriller „Kalte Sonne“ hat Maja Lundgrens Ehemann Erik vor einigen Jahren Suizid begangen. Doch dann erkennt Majas kleine Tochter Emma ihren Vater im Fernsehen. Ist ihr Ehemann vielleicht doch noch am Leben? Maja ist mit der Situation überfordert. Soll sie sich auf die Suche nach dem Mann machen, der im TV-Beitrag zufällig durchs Bild huschte, oder soll sie die Vergangenheit besser ruhen lassen?

 

Wie hängen die Nebenhandlungen um einen islamistischen Terroranschlag, einen Staranwalt und einen seltsamen Hobbyornithologen, der in Majas Nachbarschaft wohnt und sie und die Tochter beobachtet mit diesem Fall zusammen?
Diese Rätsel lösen sich erst auf den letzten hundert Seiten, wo es dann auch zum einem finalen Showdown kommt. Spannung kommt leider auch erst dann auf, so dass dieses Buch kein wirklicher Thriller ist, sondern eher ein Familiendrama.
Das Buch spielt in Dänemark, zur Zeit der Sort Sol, einem Naturschauspiel der Starenschwärme. Die Landschaft und die Protagonistin Maja und ihre Sorgen werden gut beschrieben.

 

Der Schreibstil von Sven Koch ist flüssig und lässt sich leicht und schnell lesen. Die Wechsel der Schauplätze, einige Rückblenden und die relativ kurzen Kapitel machen dieses Buch zu einer guten Lektüre für Zwischendurch. Die Auflösung wirkt jedoch zu inszeniert.

 

Fazit: Kein echter Thriller, aber ein leichte und unblutige Kost für Zwischendurch.

3 Sterne
3 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Alice Feeney: Manchmal lüge ich

Psychothriller

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2018 ; 379 Seiten ; ISBN: 978-3-499-27311-7

Es ist der zweite Weihnachtsfeiertag des Jahres 2016 und Amber Reynolds liegt im Koma. Keiner weiß, was genau passiert ist. Amber kann die Menschen an ihrem Bett nur akustisch wahrnehmen.
Ihr Ehemann Paul und ihre Schwester Claire wechseln sich am Krankenbett ab, denn sie hoffen, dass Amber wieder aufwacht.

Nach und nach entspinnt sich die Geschichte und die Ereignisse an den Tagen vor dem Weihnachtsfest werden rekonstruiert. Amber hatte enormen Stress in ihrem Job als Radiomoderatorin, denn eine Kollegin machte ihr das Leben zur Hölle.
Zeitgleich hat sie einen alten Bekannten aus längst vergangenen Tagen im Trubel der Großstadt getroffen.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem, was erst vor kurzem passiert ist? Wie hängt dies alles mit Ambers eigener Vergangenheit zusammen?

Ans Bett gefesselt erlebt Amber ihre schlimmsten Stunden, denn ihr wird klar, dass sie nicht überleben wird, wenn sie nicht aus dem Koma erwacht. Alice Feeney legt einen Psychothriller vor, der auf verschiedenen zeitlichen Ebenen erzählt wird. So gibt es das „Jetzt“, in dem Amber komatös in der Klinik liegt und nur den Gesprächen der anderen lauschen kann.

In Rückblenden werden immer wieder die letzten Tage vor dem Weihnachtsfest rekonstruiert. Zwischendurch gibt es Tagebucheinträge aus den Jahren 1992 und 1993. Mit jeder Seite laufen die Erzählstränge ein bisschen mehr zusammen und es bildet sich ein schauerhaftes Szenario.

Fazit: Ein Thriller, der etwas hinter den Erwartungen zurückbleibt.

 

Matthias Wagner

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Fiona Barton: The Child

Du kannst die Vergangenheit begraben, aber die Wahrheit lebt weiter

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2017 ; 473 Seiten ; ISBN: 978-3-8052-5098-6

Bei Abrissarbeiten in New York wird das Skelett eines Babys gefunden. Dem Ganzen wird zunächst keine große Aufmerksamkeit geschenkt, denn das Kind wurde schon vor Jahrzehnten dort vergraben.  Lediglich eine kleine, unscheinbare, fast zu überlesende Nachricht in der Zeitung erzählt davon.

 

Die Meldung löst bei drei Frauen etwas aus. Die Reporterin Kate hat sich vorgenommen, die Geschichte des Babys genauer zu ergründen und begibt sich auf Spurensuche.  Angelas Baby Alice wurde vor vierzig Jahren einen Tag nach der Geburt aus dem Krankenhauszimmer entführt, als sie gerade beim Duschen war. Sie hat die Hoffnung, dass sie endlich Gewissheit erhält, denn die letzten Jahrzehnte waren alles andere als leicht.


Die dritte Frau ist Emma, die in diesem Straßenzug aufwuchs und seit Jahren ein Geheimnis mit sich herumträgt, das mit dem Auffinden des Babys ans Licht drängt. Emmas Mutter Jude hadert derweil mit ihrer großen Liebe Will.
Als die Polizei dann zwei DNA Proben hat, die zum gefunden Baby passen schleicht sich der Verdacht ein, dass eine Manipulation vorliegt.
Oder steckt am Ende doch ganz eine andere Geschichte dahinter?

Fiona Barton erzählt in ihrem Roman die Geschichten dreier Frauen, die miteinander verwoben sind. Sie stellt die Charaktere in Ich-Form vor, was dazu führt, dass von Kapitel zu Kapitel ein permanenter Perspektivenwechsel erfolgt.


Ausgehend von einer kleinen Meldung in der Zeitung entspinnt sich ein Plot, der neben Spannung auch den Einblick in menschliche Schicksale zulässt. Das Ende ist toll.

Fazit: Ein wunderbarer Roman!

 

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Duval/Pécau/Wilson: Shooter

Wonderball, Band 1

Szenario: Fred Duval, Jean-Pierre Pécau. Zeichnung: Colin Wilson. Farben: Jean-Paul Fernandez

 

Hamburg ; Schreiber und Leser ; 2016 ; 56 Seiten ; ISBN 978-3-946337-14-0

 

San Francisco, 1983. Ein Scharfschütze tötet innerhalb von 10 Sekunden neun Menschen auf offener Straße. Der von der Presse "Crazy Cop" genannte Inspektor Spadaccini ermittelt in diesem rätselhaften Fall. Die Spuren dieses, technisch eigentlich unmöglichen, Massenmordes führen den Cop zurück bis ins Jahr 1963. Denn auch beim Attentat auf John F. Kennedy wurde das gleiche Kaliber verwendet. Und auch dort waren die Umstände rätselhaft und Spadaccini am Tatort.

 

Wonderball (so genannt auch wegen seiner Vorliebe für Schokoladenspielzeug) beginnt seine Ermittlungen bei Sam Waklowski, einem Ex-Cop, der früher mit Drogen experimentierte. Spadaccini gerät ins Visier einer Geheimorganisation, die an der Entwicklung eine leistungssteigernden Substanz beteiligt ist und deren Einfluß bis ins San Francisco Police Department reicht. Plötzlich ist es nicht mehr nur ein beliebiger Fall, sondern Wonderball ist auch persönlich betroffen.

 

Dieser rohe und brutale Thriller fängt gekonnt das Westküstenflair von San Francisco in den 1980er Jahren ein. Zwischen dunklen Hinterhöfen, Surfern am Pazifik und wilden Verfolgungsjagden über die berühmten Hügel der Stadt jagt der Crazy Cop nach den Mördern und macht dabei "keine Gefangenen". Deutliche Bezüge finden sich zu Kultfilmen wie "Bullit" (1968) und "Dirty Harry" (1971), was diesen Comic für Fans von Krimis der 1970er Jahre sehr interessant macht (obwohl er zeitlich in den 1980er Jahren verortet ist).

 

Zeichner Colin Wilson hat schon mit Comicserien wie "Star Wars", "XIII" oder "Blueberry" Beeindruckendes geschaffen. Mit den Szenaristen Duval und Pécau zeigt er sich auch für die ausgezeichnete Zeitreiseserie "Tag X" verantwortlich. "Wonderball" bietet viel Detailreichtum und Action.

 

Fazit: Düsterer Cop-Thriller mit toller Atmosphäre.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2018 Harald Kloth

Ulrike Herwig: Das Leben ist manchmal woanders

Roman

 

München ; dtv ; 2018 ; 288 Seiten ; ISBN 978-3-423-26161-6

 

Die beiden Schwestern Judith und Marlene unterscheiden sich in ihrem Lebensstil völlig voneinander. Judith und ihr Ehemann Achim führen ein angepasstes, überschaubares, ja fast langweilig anmutendes Leben. Der Kontakt zu ihrem gemeinsamen Sohn Frank, der in Australien lebt, ist schon lange abgebrochen und macht den Eltern schwer zu schaffen. Die etwas schräge Marlene hingegen schlägt sich als Alleinerziehende mit ihrem 14- jährigen Sohn Gregor durchs Leben und kann eindeutig dem „Ökolager“ der Bevölkerung zugeordnet werden. Auch Gregor fällt durch die besondere Art sich zu Kleiden buchstäblich ins Auge. Außerdem zeigt er gravierende Verhaltensauffälligkeiten und wird von seiner Umwelt als behindert abgestempelt.

Diese Gegensätzlichkeit führt unweigerlich zu einem Spannungsfeld zwischen beiden Familien. Als Marlene während eines Besuchs bei Judith einen schweren Unfall erleidet und ins Koma fällt, findet Gregor bei Onkel und Tante ein vorübergehendes Zuhause.

Diese wohnen in einem Mehrparteienhaus welches von Anonymität, Tratsch, Spießigkeit und Vorurteilen geprägt wird, was Gregor jedoch wiederum völlig unbeeindruckt lässt.

Er strapaziert die Nerven seiner Mitmenschen anfänglich bis aufs Äußerste. Seine sachliche, von Logik gekennzeichnete Art, die unkonventionelle Spontanität, Beharrlichkeit und entwaffnende Ehrlichkeit jedoch vermögen die eingefahrenen Strukturen im Haus aufzuweichen.

So entsteht nach und nach aus einem Nebeneinander ein Miteinander und Füreinander - wovon letztendlich alle profitieren. Die Beziehung zwischen Judith und Achim bekommt ebenfalls wieder frischen Wind in die Segel und Gregor erfährt stetig mehr Zuwendung, Geborgenheit und Liebe von beiden in einer - besonders für ihn - so schwierigen und traurigen Zeit.

Fazit: Ein absolut lesenswerter Roman der zeigt, dass es möglich ist, im Kleinen Großes zu bewegen. Eine vermeintliche Behinderung kann zum Gewinn für die Mitmenschen werden.

Elisabeth Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2018 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Siina Tiuraniemi: Frischluftvergiftung bei Minus 20 Grad

Roman

 

München ; dtv ; 2018 ; 365 Seiten ; ISBN 978-3-423-26169-2

 

Der völlig chaotische, liebenswerte Student Miska kommt widerwillig der Bitte seiner Mutter nach, einer alten, ihm völlig unbekannten Frau einen Blumenstrauß ins Pflegeheim zu bringen. Diese alte Dame entpuppt sich sehr schnell als gerissene, raffinierte und mit allen Wassern gewaschene Persönlichkeit. Es entwickelt sich eine ungewöhnliche Beziehung zwischen den beiden. Miska taumelt in eine Geschichte, die völlig aus dem Ruder läuft. Ein Spiel zwischen Wagnis, Gewissenskonflikten und Illegalität beginnt, bedingt durch die jugendliche Naivität, Risikobereitschaft und Spontanität Miskas.

Im Zentrum steht die Frage was besser ist: Dem Leben um jeden Preis einige Tage mehr zu geben oder an den verbleibenden Tagen Leben und Genuss in den Mittelpunkt zu rücken.

Der Leser befindet sich von Beginn an mitten im Geschehen, keine langatmige Einführung verzögert den Lesegenuss. Dieses Buch besticht durch seine detailreichen Beschreibungen, die spritzig und erfrischend das Geschehen auf den Punkt formulieren. Die entwaffnend ehrlichen Selbstbekenntnisse Miskas verleiten einfach zum Lachen. Die Charaktere der Akteure sind gut herausgearbeitet. Zum besseren Verständnis der aktuellen Handlung fügt die Autorin rückblickende Geschehnisse aus dem Leben der Protagonisten ein.

Fazit: Die stellenweise urkomische Konstellation von Situation und Handlung bietet eine unterhaltsame Lektüre, welche bei genauerer Betrachtungsweise Anlass gibt, sich doch tiefere Gedanken zur vorliegenden Problematik zu machen.

Elisabeth Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2018 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Marina Boos: Vom Glück der winterlichen Dinge

Jules Welt

Ein Kreativ-Roman

 

München ; Knaur ; 2016 ; 331 Seiten ; ISBN 978-3-426-51968-4

Jolanda, die von allen außer ihrem Freund Mika nur Jule genannt wird, arbeitet noch immer daran, das Café Lindenblüte zu etablieren.
Teile der Dorfbevölkerung von Müggebach sehen es immer noch kritisch, dass ausgerechnet eine Auswärtige den früheren Gasthof gekauft und zum Kreativ-Café umgewandelt hat. So richtig gut läuft das Café deshalb auch leider nicht. Viele nutzen zwar die angenehme Atmosphäre, um sich dort aufzuhalten und zu basteln. Konsumiert wird dabei aber viel weniger als für den Umsatz gut wäre. Mika unterstützt Jule vor allem moralisch, denn in der Küche ist er ziemlich talentfrei.

Dafür unterstützt die Nachbarin Gerta Jule wo sie nur kann. Es wird vorweihnachtlich dekoriert und die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt laufen. Die Mitglieder der Handarbeitsgruppe sind fleissig am Basteln. Als der alljährliche Weihnachtsmarkt ganz unerwartet heimatlos wird, weil am geplanten Veranstaltungsort äußerst kurzfristig Bauarbeiten stattfinden, zögert Jule nicht lange und bietet den Platz rund um das Café als alternativen Veranstaltungsort an.

Auch wenn dieses Problem gelöst ist, hat Jule nebenbei noch mit einem aufdringlichen Immobilienmakler zu kämpfen, der ihr das Café samt Grundstück abkaufen möchte. Eine Bestätigung für Jules Mutter, die ohnehin immer darauf drängt, Jule solle sich das ganze Vorhaben doch noch einmal durch den Kopf gehen lassen und letztlich aufgeben. Ob das mit dem Weihnachtsfrieden wohl dieses Jahr noch klappen wird?

Dieses Buch ist wieder Roman und Bastelbuch zugleich. Die Aufmachung  ist sehr gelungen und der Innenteil sehr schön illustriert. Zwischen einzelnen Kapiteln finden sich immer wieder leere Seiten, die dazu dienen sollen, eigene kreative Ideen zu notieren.
Ganz am Ende des Buches gibt es einen „Und so wird’s gemacht“-Teil. Darin findet man alle kreativen Ideen, die im Roman erwähnt werden, genau erklärt. Schön wären vielleicht noch Fotos von den Endprodukten gewesen, aber solche fehlen leider. Das macht aber die insgesamt äußerst nette Geschichte wieder wett. Man darf gespannt sein, wie es mit Jule weitergeht.

Fazit: ein tolles Buch für die Vorweihnachtszeit, mit vielen Anregungen zum Nachmachen.

 

Sonja Kraus

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth

Spacewalker

(Vremya Pervyh, 2017)

Regie: Dmitry Kiselew

 

In den 1950er und 1960er Jahren lieferten sich die zwei Supermächte Vereinigte Staaten und Sowjetunion einen "Wettlauf ins All". Dieser sollte die Überlegenheit über den Gegner während des "Kalten Krieges" (1947 bis 1989) demonstrieren.

 

Der Spielfilm "Spacewalker" erzählt eine Episode dieses Wettrennens aus russischer Sicht: Den ersten Weltraumspaziergang in der Geschichte der Raumfahrt.

 

Der Film beginnt mit den Vorbereitungen der Astronauten. Schnell wird auch deutlich wie gefährlich diese Missionen sind. Selbst beim Test der Woschod-Raumkapsel am Boden gibt es einen Toten zu beklagen.

Der Kosmonaut Alexei Leonow wird als hochtalentierter und unkonventioneller Pilot dargestellt. Immer wieder läßt der Spielfilm traumartige Kindheitserlebnisse Leonows miteinfliessen, die sein Handeln während des Raumflugs beeinflussen.

Interessant ist auch die Zusamenstellung des Teams: Während Pawel Beljajew als zurückhaltender, fast zögerlicher Charakter dargestellt wird, so wird Alexei Leonow gegenteilig portraitiert. Aber genau dies könnte auch Grund für das Überleben der Männer gewesen sein. Denn mehrere massive Probleme während der Mission erforderten unkonventionelles Handeln, auch gegen Vorschriften.

 

Die Trickeffekte sind imposant umgesetzt. In beeindruckenden Bildern wird der Außenbordeinsatz dargestellt. Deutlich wird, dass die Woschod 2-Mission mehrmals katastrophal hätte enden können.

 

Wer die Weltraumfilme "Der Stoff, aus dem die Helden sind" (1983), "Apollo 13" (1995), "Space Cowboys" (2000) oder "Gravity" (2013) mochte, der sollte auch einen Blick auf "Spacewalkers" werfen.

Um sich näher mit diese Thema zu beschäftigen ist insbesondere auch die vierteilige Dokumentation "Space Race - Wettlauf zum Mond" (2005) sehr zu empfehlen.

 

Vom Label Capelight erschien "Spacewalker" als DVD, als Blu-ray (Amaray) und auch als Steelbook mit zusätzlicher Blu-ray 3D.

 

Auf der Blu-ray sind zwei Extras vorhanden: Im 25minütigen "Der erste Spaziergänger im Weltall" erzählt Alexei Leonow sehr sympathisch von seinen Erlebnissen. Ein beeindruckendes Zeitdokument eines mutigen Mannes. Deutlich wird hier auch, wie nah der Spielfilm an den realen Ereignissen ist. Die 25minütige "Die Geschichte hinter Spacewalker" beleuchtet sehr interessant die herausfordernden Dreharbeiten und das Bemühen um Authentizität in diesem spannenden Spielfilm.

 

Fazit: Ein fesselnder, 147minütiger Flug ins Jahr 1965.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4 bis 5 von 5

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© 2018 Harald Kloth