Karen Sander: Wenn ich tot bin

Thriller

 

Hamburg ; Rowohlt ; 2019 ; 281 Seiten ; ISBN: 978-3-499-29159-3

Madeline McFarland ist 19 Jahre alt und wird seit mehr als 10 Jahren vermisst. Eines Tages taucht sie plötzlich im Haushalt ihrer Mutter Susan wieder auf. Diese ist mittlerweile erneut verheiratet und hat eine 8-jährige Tochter namens Harper. Doch die Wiedersehensfreude währt nicht lange. Als Susan vom Einkaufen zurückkommt liegt ihr Ehemann Stuart schwer verletzt mit einer Stichwunde in der Küche. Die Tochter Harper sitzt verängstigt im Schrank und von Madeline fehlt jede Spur.

Detective Sergeant Kate Fincher und ihr Partner Detective Inspektor Tom Pine von der Polizei Edinburgh übernehmen die Ermittlungen. Tom kennt die Familie McFarland seit langer Zeit, weil er im Entführungsfall Madeline von Anfang an mit dabei war. Eine junge Frau, die sich seit neuestem Amy nennt ist auf der Flucht vor Ben, ihrem Peiniger. Sie schlägt sich in die Highlands durch kann sich scheinbar gut verstecken.

Als Susans Ehemann Stuart aus dem Krankenhaus verschwindet und auf seinem Laptop verdächtige Fotos auftauchen, glauben die Ermittler die Fallhintergründe zu kennen. Doch dann wird eine weibliche junge Leiche gefunden und nach einem ersten DNA Abgleich scheint vieles dafür zu sprechen, dass es sich um Madeline handelt. Wenn das jedoch zutrifft stellt sich die große Frage: Wer ist Amy und wer verfolgt sie?

Karen Sander legt mit 'Wenn ich tot bin' einen soliden Krimi vor, der den Leser immer wieder auf Fährten führt, die sich dann als Irrwege herausstellen. Sie schafft es, alle Figuren in die Handlung mit einzubeziehen und entwickelt einen Plot, der bis zum Ende spannend bleibt.

Fazit: Spannender Plot.

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2019 Matthias Wagner, Harald Kloth

Regine Rompa: Unser Hof in der Bretagne

Neuanfang zwischen Beeten, Bienen und Bretonen

 

Hamburg ; Rowohlt Polaris ; 2019 ; 255 Seiten ; 978-3-499-63426-0  

 

Die beiden Mitdreißiger Regine Rompa und ihr Freund Anton haben das Großstadtleben in Berlin satt. Zu laut, zu voll, zu viel Stress und zu wenig Zeit für Dinge, die glücklich machen. Sie wollen endlich ein sinnvolles Leben führen und bewusster leben. Als freie Autorin und Programmierer können die beiden eigentlich von überall arbeiten – vorausgesetzt es gibt eine gute Internetverbindung. Sie verkaufen ihre Eigentumswohnung und machen sich auf die Suche nach einer neuen Heimat. Als sie einen alten Hof in einem kleinen Dorf in der Bretagne entdecken, reisen die beiden dorthin.

Und das obwohl die beiden so gut wie kein Französisch sprechen. Im Dorf Kerjégu leben dauerhaft nur noch zwei alte Damen, andere Häuser werden lediglich als Feriendomizile genutzt und sind nur wenige Wochen im Jahr bewohnt. Als Regine und Anton das reetgedeckte Häuschen und die dazugehörigen 13.000 Quadratmeter Land sehen, verlieben sie sich sofort und bekommen zum Glück auch den Zuschlag. Der Wechsel vom Überangebot der Großstadt Berlin in ein winziges Dorf ohne öffentlichen Nahverkehr, ohne Lieferdienste oder Abendgestaltungsmöglichkeiten wie Kino und Theater macht den beiden aber nichts aus.

Im Gegenteil - nun kommt ihnen zugute, dass sie bereits in Berlin immer schon Sehnsucht nach dem Landleben hatten – sie haben sich haufenweise Bücher zu den Themen Landleben und Selbstversorgung gekauft von denen sie jetzt profitieren können. Denn das ist ein Ziel der beiden – sich möglichst selbst zu versorgen und mehr im Einklang mit der Natur zu leben.

Zumindest im Hinblick auf das Essen stellt das für die beiden Vegetarier kein Problem dar. Sie legen Gemüsebeete an und obwohl ein unerwarteter Kälteeinbruch viele Setzlinge zerstört, können die beiden im Laufe des ersten Jahres schon eine ganze Menge an Gemüse ernten. Nach und nach lernen Regine und ihr Freund auch andere Auswanderer in der Gegend kennen. Und da gibt es einige, die auch auf der Suche nach dem einfachen Leben auf dem Land aus den unterschiedlichsten Gegenden in die Bretagne gezogen sind.

Dieser Austausch bereichert auch Regines und Antons Leben und man hilft sich gegenseitig. Schon bald entschließen sich die beiden zur Hühnerhaltung, ein zweiter Hund wird aufgenommen und sie erreichen, dass ihr Land zum Wildtierschutzgebiet erklärt wird, was bedeutet, dass künftig auf dem Gelände nicht mehr gejagt werden darf.

Die Autorin Regine Rompa schildert in ihrem Buch, wie sie zusammen mit ihrem Partner Anton die Zelte in der Großstadt Berlin abgebrochen und in einem kleinen Dorf in der Bretagne - mittendrin im Nirgendwo  – einen Neuanfang gewagt hat. Manchmal hat man zwar das Gefühl, die unangenehmen Erlebnisse wurden für das Buch im Nachhinein etwas weichgespült, aber an sich schadet das dem Buch auch nicht sonderlich. Im Zentrum steht die Frage, wie man heute leben will.

Ob man verantwortungsbewusst mit der Natur umgeht, wie Konsum (auch Fleischkonsum) hinterfragt werden kann und was man eigentlich braucht, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen.

Fazit: Unterhaltsamer Aussteigerbericht.

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2019 Sonja Kraus, Harald Kloth

Remigiusz Mróz: Die kalten Sekunden

Thriller

 

Hamburg ; Rowohlt ; 2019 ; 382 Seiten ; ISBN: 978-3-499-27606-4

Damian Werner ist mit seiner Freundin Ewa in deren Stammkneipe. Er macht ihr am späten Abend am Fluss einen Heiratsantrag. Was er nicht ahnt, dass sie bereits in der Kneipe beobachtet werden. Er wird zusammengeschlagen und Ewa vor seinen Augen vergewaltigt. Er verliert das Bewußtsein und als er erwacht, fehlt von Ewa jede Spur.

Dies soll auch die nächsten zehn Jahre so bleiben. Bis sein bester Freund Blitzer nach einem  Konzert auf der Fanhomepage ein Foto von Ewa entdeckt. Damian Werner ist ganz benommen, als er das Bild auf dem Facebook-Account zu Gesicht bekommt, denn er war immer der Meinung, dass Ewa noch lebe. Gemeinsam mit Blitzer engagieren sie die Detektei Reimann Investigations, da die Polizei keine weiteren Ermittlungen einleiten will.

Doch plötzlich sind die Bilder samt Account verschwunden und Blitzer liegt tot in seiner Wohnung. Kassandra, die Chefin von Reimann Investigations nimmt die Sache selbst in die Hand, denn auch sie will raus aus ihrem Alltag, der geprägt ist von massiven nächtlichen Übergriffen ihres Ehmanns Robert. Wird es Damian gelingen, den Kontakt zu Ewa aufzunehmen und wie kann ihn Kassandra dabei unterstützen?

Die kalten Sekunden ist ein raffinierter Thriller, der in drei Abschnitte aufgeteilt ist. Der Leser wird hineingezogen in die Verzweiflung von Damian Werner, der sich nicht erklären kann, warum Ewa vor zehn Jahren plötzlich verschwand. Nach und nach wird das Geheimnis gelüftet und als alles klar scheint, wird nochmals alles auf den Kopf gestellt.

Fazit: Plot mit unvorhersehbarem Ende.

 

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2019 Sonja Kraus, Harald Kloth

André Franquin: Schwarze Gedanken

Komplett

 

Hamburg ; Carlsen ; 2017 ; 70 Seiten ; ISBN 978-3-551-76530-7

 

Der belgische Comiczeichner André Franquin (1924 - 1997) ist vor allem durch seine humorvollen Serien "Spirou und Fantasio", "Gaston" oder "Marsupilami" einer breiten Leserschaft bekannt geworden.

 

In den "Schwarzen Gedanken" setzt er sich respektlos und anarchisch mit unserer Gesellschaft auseinander. Jäger sind ein immer wiederkehrendes Motiv. Wobei dies für den Waidmann immer sehr tragisch endet. Eine zweite Gruppe, die Franquin immer wieder beharkt sind Militärs. Machtgierig und kriegsgeil treiben diese ihre Spielchen und gipfeln schließlich in apokalyptischen Szenarien. Auch die Todesstrafe ist ein beliebtes Thema, das er immer wieder aufgreift. Gnadenlos macht sich Franquin über die Menschen lustig, wenn er etwa einen trauernden Hund am Grab seines Herrchens zeigt, der aber in Wirklichkeit nur den Bällchen im Sarg hinterhertrauert. Eine Figur, der Mann, der auf einem einsamen Labyrinth-Asteroiden ausgesetzt wurde, versucht sogar in mehreren Episoden verzweifelt sein Gefängnis zu verlassen ... natürlich wird es ihm nicht gelingen.

 

Die filigranen schwarz-weißen Zeichnungen verstehen immer wieder zu überraschen, etwa wenn sich die vermeintlich rettenden Lichter einer fernen Stadt als Wolfsaugen entpuppen. Oder sich Planet Erde als Handgranate verwandelt, mit der Generäle Boccia spielen.

 

Erstaunlich ist, dass diese 1977 entstandenen Comicstrips in ihrer Aussage und Thematik noch immer hochaktuell sind. Aus heutiger Sicht stellen diese kurzen Geschichten eine Sternstunde des europäischen Comics dar.

 

1989 erschien im Alpha-Comic Verlag eine Hardcover-Normalausgabe (ISBN 3-89311-001-1) und eine auf 500 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe (ISBN 3-89311-077-1) mit Goldprägung und handsigniertem Druck. 2017 erschien im Carlsen Verlag eine Neuausgabe (ISBN 978-3-551-76530-7) im Hard- und Softcover. 2018 erschien im Carlsen Verlag ein Sonderband "Es waren einmal Schwarze Gedanken" (ISBN 3-551-76529-4) mit erweiternden Bonusmaterial.

 

Fazit: Düster-zynische Comicstrips eines herausragenden Comicmeisters.

 

Harald Kloth

5 Sterne
5 von 5

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© 2003 - 2019 Harald Kloth

Andreas Winkelmann: Die Lieferung

Thriller

 

Hamburg ; Rowohlt ; 2019 ; 399 Seiten ; ISBN: 978-3-499-27517-3

Viola, eine alleinlebende Altenpflegerin, hat das Gefühl, verfolgt zu werden. Als sie es ihrer Freundin Sabine erzählt, merkt auch diese, dass etwas komisch ist. Viola informiert die Polizei über einen möglichen Stalker. Doch dann wird Sabine tot in Hamburg aufgefunden und von Viola fehlt jede Spur. Die Ermittler, Polizeikommissar Jens Kerner und sein Team, finden in der Wohnung nur eine frisch gelieferte, aber nicht angerührte Pizza. Zeitgleich wird in einem Wald bei Hamburg eine junge Frau aufgegriffen, die seit Jahren als vermisst gilt.

Sie ist wie ein wildes Tier, ein Gespräch mit ihr ist nicht möglich. Alles was nach Stunden im Krankenhaus vermutlich feststeht ist, dass sie Kim heißt. Jens' Mitarbeiterin Rebecca befindet sich derweil auf Reha. Seit Jahren sitzt sie im Rollstuhl und muss zweimal jährlich eine Woche in die Klinik, damit der Muskelaufbau vorankommt. Als eine Physiotherapeutin mitbekommt, dass Rebecca bei der Polizei arbeitet, schildert sie ihr das Schicksal ihrer Tochter. Vor Jahren ist diese verschwunden und keiner weiß, was passierte. Nach dem Ende der Reha macht sich Rebecca auf die Suche nach ähnlich gelagerten Fällen. Und tatsächlich findet sie Parallelen. Den Ermittlern gelingt es, nach Gesprächen mit den Angehörigen der anderen Fälle, gewisse Ähnlichkeiten herauszuarbeiten. Alle verschwundenen jungen Frauen waren bildhübsch und kurz vor ihrem Verschwinden starb ein ihnen Nahestehender. Welches bestialische Spiel wird hier gespielt?

Mit seinem neuen Roman 'Die Lieferung' legt der Autor einen spannenden und raffiniert inszenierten Thriller vor. Aus verschiedenen Perspektiven wird das Fallgeschehen beschrieben. Immer wieder gibt es kurze Passagen, in denen auf die Kindheit des Täters eingegangen wird. Obwohl man bereits Mitte des Buches glaubt alles zu wissen, überrascht der Autor immer wieder mit Wendungen, die einen oft erschüttern.

Fazit: spannendes Psychogramm eines Psychopathen.

 

Matthias Wagner

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2019 Matthias Wagner, Harald Kloth

Julie Caplin: Die kleine Bäckerei in Brooklyn

Roman

(Romantic Escapes, Band 2)

 

Hamburg ; Rowohlt ; 2019 ; 461 Seiten ; ISBN 978-3-499-27552-4

Eigentlich dachte Sophie, die als Food-Journalistin arbeitet, alles wäre bei ihr im Lot. Bis sich plötzlich herausstellt, dass ihr Freund James ein verheirateter Mann und Vater einer kleinen Tochter ist. Sophie ist am Boden zerstört. Da trifft es sich, dass in der Redaktion gerade händeringend jemand gesucht wird, der für eine verletzte Kollegin einspringen kann, um für ein halbes Jahr in der New Yorker Redaktion zu arbeiten.

Sophie nutzt diese Chance, weil sie dadurch den nötigen Abstand zu James gewinnen kann. In New York angekommen bezieht sie ein kleines Apartment in Brooklyn, das über einer Bäckerei liegt. Die Besitzerin Bella ist zugleich auch die Vermieterin und schon bald werden die beiden Freundinnen. Als Food-Journalistin hat auch Sophie Spaß am Backen und nachdem Bella fast in Aufträgen ertrinkt, hilft Sophie immer mal wieder mit. Auch in der Redaktion läuft es gut. Sophie und der Frauenschwarm Todd teilen sich einen Schreibtisch.

Zunächst empfindet sie sein Machogehabe als ziemlich unangenehm, aber als sich die beiden näher kennenlernen merkt Sophie, dass hinter dieser oberflächlichen Fassade ein sensibler Mann steckt. Die beiden nähern sich an und Sophie beginnt mehr und mehr ihre Schutzmauern, die sie nach dem Reinfall mit James um sich gezogen hatte, einzureißen. Aber kann das wirklich gut gehen? Als sich herausstellt, dass Bella Todds Cousine ist und diese Sophie rät, sich von Todd fernzuhalten, weiß Sophie gar nicht mehr, was sie denken soll. Ist Todd wirklich so fies, wie Bella sagt?

‚Die kleine Bäckerei in Brooklyn‘ ist wie schon ‚Das kleine Café in Kopenhagen‘ eine Mischung aus Liebesgeschichte und Städteführer. Zwar ist es ein Wiedersehen mit einer der früheren Protagonistinnen, aber leider ist das Buch nicht so gut gelungen wie der Vorgänger. Julie Caplin schafft es zwar ganz gut, das Lebensgefühl der New Yorker einzufangen, aber insgesamt ist die Geschichte doch sehr vorhersehbar.  

 

Fazit: Liebesgeschichte vor der Kulisse New Yorks, die einen aber nicht so recht vom Hocker reißt.

 

Sonja Kraus

3 Sterne
3 von 5

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© 2019 Sonja Kraus, Harald Kloth

Wajima Safi: Denn wir waren Krieger

Roman

 

München ; Bookspot ; 2019 ; 261 Seiten ; ISBN: 978-3-95669-114-0

Hauptbahnhof München 1980: Jamal, seine Ehefrau Layla und die kleine Tochter Mina sind über Indien aus ihrer Heimat Afghanistan geflohen. Layla ist schwanger und kurz darauf wird der Sohn Omar geboren. Die Familie muss sich im für sie fremden Land zurechtfinden. Vieles ist anders als in der Heimat. Zunächst sind Jamal und Layla ganz auf sich alleine gestellt.

Beide haben viele Erinnerungen an die Heimat am Hindukusch. Kann Deutschland für die beiden so etwas wie eine zweite Heimat werden? Sie leben zuerst in einem Asylheim und bekommen dann eine eigene Wohnung zugewiesen. Jamal schafft sich mit dem Autohandel ein kleines Gewerbe, das nach und nach mehr Geld abwirft. Immer mehr Landsleute und Familienmitglieder treffen sich in der Wohnung und immer deutlicher wird sichtbar wie unterschiedlich die Mentalität von Deutschen und  Afghanen ist.

Der Roman „Denn wir waren Krieger“ eignet sich als Lektüre um beim Thema Integration ein Einfühlungsvermögen für die „Fremden“ zu entwickeln. Die Autorin, selbst in Kabul geboren und in München aufgewachsen, liefert eine sehr emotionale Geschichte, die absolut in unsere Zeit passt.

Fazit: Wäre geeignet als (Pflicht-)Lektüre für Fremdenfeinde!

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2019 Matthias Wagner, Harald Kloth

Morton Rhue: Über uns Stille

Gesprochen von Jacob Weigert

 

Ravensburg ; Ravensburger Buchverlag ; 2012 ; 3 CDs ; 221 Minuten ; ISBN 978-3-8337-3028-3

 

1962. Vereinigte Staaten und Sowjetunion stehen sich in der Kubakrise gegenüber. Die Welt hält den Atem an und steht am Rande eines Atomkriegs.

 

Der 12jährige Scott ist ein typisch amerikanisches "Durchschnittskind". Den drohenden Konflikt der Supermächte erfahren Scott und seine Freunde vor allem aus den Radiomeldungen. Als sein Vater als Einziger im Viertel einen Luftschutzbunker anlegen lässt, erregt dies bei den Nachbarn Aufsehen und Ungläubigkeit.

 

Schließlich geschieht das bisher Undenkbare: Durch Sirenenalarm geweckt, flüchtet Scotts Familie mitten in der Nacht in ihren Schutzraum. Doch auch Nachbarn erkämpfen sich "ihren Platz" darin. Scotts Mutter wird schwer verletzt. Als nach vielen Tagen die Ressourcen knapp werden, wird die Lage im Bunker gefährlich. Doch an ein Verlassen ist wegen der hohen Strahlung Oben nicht zu denken.

 

Morton Rhue ist in Deutschland vor allem durch seinen Jugendroman "Die Welle" bekannt geworden, der auch mehrmals verfilmt wurde. "Über uns Stille" beschreibt vor Allem die psychologischen Folgen des Eingesperrtseins auf engstem Raum. Beispielsweise die anfängliche Scham beim Toilettengang oder bei der Körperpflege. Die ungeheure Angst der Eingesperrten, die sich in bedrohliche Konflikte zuspitzt.

 

Obwohl die tatsächlichen Ereignisse der Kubakrise in den 1960ern als Hintergrund verwendet werden, könnte diese Geschichte so ähnlich auch in jeder anderen Dekade oder in der Gegenwart angesiedelt sein. Letztendlich geht es um die Frage, ob nicht die Überlebenden eines Atomkriegs die Toten beneiden würden (ein Zitat, das Nikita Chruschtschow zugeschrieben wird). Neben "Die letzten Kinder von Schewenborn" von Gudrun Pausewang, der die Auwirkungen auf ein kleines Dorf in Deutschland beschreibt, dürfte "Über uns Stille" von Morton Rhue eines der wenigen literarischen Werke zum Thema Atomkrieg für Jugendliche sein.

 

Erzählt und von Jacob Weigert exzellent gesprochen ist der Roman aus der Sicht eines amerikanischen Jungen. In immer wieder eingeschobenen Rückblenden, entfaltet sich die relativ unbekümmerte Zeit "Davor". Die Identifikation mit der Hauptfigur fällt damit sehr leicht.

Das Hörbuch umfasst 3CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 221 Minuten. Die Originalausgabe erschien unter dem Titel "The Bomb".

 

Siehe auch "Die Atombombe" im utopischen Fernseh- und Spielfilm.

 

Fazit: Düsteres Hörbuch zum Thema Krieg, nicht nur für Jugendliche.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2019 Harald Kloth

Fatih Akin: Im Clinch

Die Geschichte meiner Filme

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2019 ; 330 Seiten ; ISBN 978-3-499-00028-7

In diesem sehr persönlichen Buch spricht Fatih Akin über seinen Werdegang, seine türkische Herkunft, seine Familie, seine Heimatstadt Hamburg und seinem auf all diesen Dingen basierenden Verhältnis zum Film und Verständnis vom Filmemachen.

Das Buch basiert auf zahlreichen Interviews mit Fatih Akin. Dadurch, dass der Regisseur so frei von der Leber weg spricht, trifft er den Leser ab der ersten Seite mitten ins Herz. Chronologisch werden alle Filme besprochen – von den ersten Kurzfilmanfängen bis hin zu den großen Kinofilmen. Akin gewährt Einblick in den jeweiligen Produktionsalltag der einzelnen Filme, liefert interessante Anekdoten und verschweigt auch Pannen nicht. Diese Ehrlichkeit zeichnet ihn aus. Es wird nichts beschönigt wenn es um filmische Reinfälle geht und auf der anderen Seite ruht er sich auch nicht auf Erfolgen aus. Die Leidenschaft mit der Akin von seinen Filmen erzählt lässt erahnen, mit wieviel Herzblut er als Regisseur am Set agiert. Immer wieder kommt auch zur Sprache, von welchen Filmemachern Akin beeinflusst wurde.

Im Buch selbst gibt es für jeden Film eine Seite mit allen Eckdaten sowie einer kurzen Inhaltsangabe. Die vielen Abbildungen werten das Buch optisch enorm auf. Die erweiterte Neuausgabe enthält auch Informationen zu den aktuellsten und zudem sehr erfolgreichen Filmen ‚Tschick‘ , ‚Aus dem Nichts‘ sowie ‚Der goldene Handschuh‘. Trotz all der Erfolge ist Fatih Akin jemand, der auf dem Boden geblieben ist. Er musste schließlich auch herbe Rückschläge einstecken. Dennoch ist seine Devise, nach großen Misserfolgen einfach weiterzumachen um am Ende doch vielleicht wieder Erfolge feiern zu können. Aufgeben ist jedenfalls nicht sein Ding und das macht ihn so sympathisch. Das Buch zeigt, dass Fatih Akin nicht ohne Grund ein Regisseur ist, der seit vielen Jahren die Filmlandschaft in Deutschland und darüber hinaus prägt.

Fazit: großartige Werkschau eines grandiosen Regisseurs.

Sonja Kraus  

5 Sterne
5 von 5

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© 2019 Sonja Kraus, Harald Kloth

Nicole Dau: Glück ist in der kleinsten Hütte

Unser Traum vom Tiny House

 

München ; Piper ; 2019 ; 223 Seiten ; ISBN 978-3-492-06159-9

Für die PR-Beraterin Nicole Dau steht schon seit längerem fest, dass sich ihr bisheriges Leben ändern muss, da sie ansonsten daran zerbricht. Aber wie? Zu Beginn besteht der Wunsch, nach Lust und Laune einfach mal aus dem Alltag auszusteigen. Und wie ginge das besser, als mit einem umgebauten Bus. Ein rollendes Zuhause muss also her. Dank Internet informieren sich Nicole und ihr Mann Carsten über den Ausbau und das Leben im Bus.

Doch das Projekt scheitert an den altersgemäßen Schäden des Fahrzeugs. Ebenfalls schon länger hegen die beiden den Wunsch, der Stadt Hamburg den Rücken zu kehren – zwar nicht was die Jobs anbelangt, aber im Hinblick auf das Wohnen. Denn was nützt es, mitten in der Stadt zu wohnen, wenn einen die Arbeit und das restliche Umfeld so auslaugen, dass man abends gar keine Lust mehr hat, vor die Tür zu gehen um das vielfältige Angebot zu nutzen? Dann lieber gleich aufs Land ziehen. Doch wie soll man sich das heutzutage leisten können? Im Internet stoßen die beiden auf die Idee der Tiny Houses. In ihnen reift die Idee heran, sich ein Haus auf Rädern zu bauen. Damit wäre die Grundidee des rollenden Zuhauses wieder aufgegriffen.

Nicole und Carsten recherchieren, sehen sich andere Tiny Houses an, die man zum Teil auch bereits schlüsselfertig kaufen kann. Doch schnell wird den beiden klar, wenn sie das Projekt in Angriff nehmen, dann kommt nur ‚Marke Eigenbau‘ in Frage. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach einem zum Ausbau geeigneten Objekt. Parallel dazu beginnen die beiden auch, ihr bisheriges Leben in der Stadt Hamburg aufzulösen. Überflüssige Dinge werden auf dem Flomarkt verkauft da man im neuen Leben ja nicht mehr so viel Platz haben wird und viele Sachen sich einfach über die Jahre angehäuft haben, ohne dass man sie wirklich benötigt. Als der Kauf eines alten Bienenhauses und ein Stellplatz vor den Toren Hamburgs schon in trockenen Tüchern scheinen, kündigen die beiden ihre Hamburger Wohnung. Dann zerschlägt sich aber das mit dem Bienenhaus und die beiden müssen schnellstens ein Alternativobjekt finden, um später nicht ohne Dach über dem Kopf dazustehen. Zum Glück klappt das mit dem Stellplatz wenigstens. Auch wenn sie es fast schon nicht mehr für möglich gehalten haben, finden sie einen Bauwagen, der sich für ihre Umbaumaßnahmen zu eignen scheint. Die beiden schlagen zu und ab diesem Zeitpunkt verbringen sie jede freie Minute im und um den Bauwagen. Zeitgleich trüffeln die beiden was das Zeug hält. Damit ist gemeint, dass sie die Kleinanzeigen nach Dingen durchforsten, die andere Leute verschenken.

Ziel ist es, möglichst wenig Material neu zu kaufen. Das Paar plant also Upcycling im großen Stil. Und es funktioniert erstaunlich gut. Zwar kommen die beiden um einige Neukäufe nicht herum, aber so gut wie alle Holzelemente wie Balken und Verkleidungen sammeln sie sich kostenlos zusammen. Die beiden werkeln drauflos und Stück für Stück werden Fortschritte sichtbar. Am schwierigsten gestaltet sich der geplante Aufbau für das Schlafloft, doch auch diese Herausforderung meistern die beiden Hobbyheimwerker. Und letztlich können sie wie geplant ins neue Zuhause einziehen und das Landleben genießen.

Diese sehr persönliche und ehrliche Schilderung des Projekts ‚Wir bauen uns ein Tiny House‘ macht Lust aufs Heimwerken. Und eins kann man von Nicole Dau und ihrem Mann lernen : man muss sich manchmal einfach trauen, Dinge zu tun, die man zuvor noch nie gemacht hat. Dabei wächst man nämlich oft auch über sich selbst hinaus. Die Fotos im Mittelteil vermitteln sehr anschaulich, wie der Bauwagen Stück für Stück zum gemütlichen Zuhause wurde.

Fazit: sehr lesenswertes Buch über die Chancen und Herausforderungen beim Tiny House-Bau.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2019 Sonja Kraus, Harald Kloth

Lina Wolff: Die polyglotten Liebhaber

Roman

 

Hamburg : Hoffmann und Campe ; 2018 ; 282 Seiten ; ISBN 978-3-455-00143-3

 

Wer kennt das nicht nach einigen Ehejahren: die Frau sagt etwas, der Mann guckt ungläubig, versucht die Botschaft des anderen Geschlechts, des „Wesens vom anderen Stern“ zu verstehen, antwortet schließlich anderslautend wie erwartet, anfangs eher verlegen und trifft noch dazu den falschen Ton. Schließlich bricht ein Streit aus und keiner kennt so richtig die Ursache! Aber auch abseits von Ehe und Partnerschaft kommt es selbst in besten und jahrelangen Freundschaften immer wieder mal zu Missverständnissen zwischen Mann und Frau, die man sich eigentlich nicht erklären kann. Wenn man(n) meint, endlich den „Dreh“ bei Frauen heraus zu haben, man(n) glaubt, eine Frau mit all ihren Macken zu verstehen, dann kann in einer vergleichbaren Situation dieselbe Reaktion bei einer anderen Frau schon wieder grundverkehrt sein. Diesem Phänomen geht die schwedische Autorin Lina Wolff in ihrem sehr gelungenen Roman „Die polyglotten Liebhaber“ auf den Grund. Dabei geht es Wolff um Devotion, Altruismus und die Ausübung einer von Egoismus getriebener männlicher Macht über die Frauen, aber vor allem auch um Frauen, die alles andere als wehrlos wirken, sondern wissen, sich körperlich und sprachlich für manch erlittene Erniedrigung zu rächen.

Roter Handlungsfaden in dem Buch ist ein Manuskript des Schriftstellers Max Lamas mit dem Titel „Die polyglotten Liebhaber“. Das Manuskript ist der Versuch, die Sehnsucht eines Mannes wiederzugeben, das andere Geschlecht zu verstehen. Der Versuch endet letztendlich aber in einem frauenverachtenden Buch. Die Angebetete ist eine junge, optisch sehr ansprechende Frau, die alle Sprachen von Lamas spricht – insgesamt elf. Über dieses Sprach(enverständnis), so Lamas, wäre dann eine unbeschreibliche Harmonie und lustvolle Beziehung zwischen Mann und Frau möglich. Um diesen Roman schlängeln sich nun drei zunächst unterschiedliche Erzählstränge von einer gewissen Ellinor, eben Max und von Lucrezia, die Enkelin der Frau, bei der sich Max Lamas in Italien einnistet, um seinen Roman zu schreiben. Ellinor aus einem Dorf in Südschweden kommend, scheint eine burschikose Frau zu sein, die sich auch mal prügelt und nicht unbedingt „Sex von der Stange“ liebt. Über ein Dating-Portal lernt sie Calisto Rondas, einen äußerlich wenig ansprechenden Literaturkritiker kennen. Dieser lockt Ellinor in sein idyllisch gelegenes Haus am Meer. Aber sie merkt schon bald, dass Calisto durch seine gewaltbreite Vorstellung von Sex wenig Sinn für Idylle hat. Eben jener Calisto besitzt das einzige Exemplar des Manuskripts von Max Lamas, um es zu rezensieren. Ellinor nun, nach einer vergewaltigungsähnlichen Sexnacht eigentlich angeekelt von Calisto, entschließt sich mit ihm zusammenzuleben. Einerseits, und das gilt für Beide, um vielleicht einer drohenden Einsamkeit zu entgehen (Calisto hatte zuvor seine große Liebe verloren), andererseits, um herauszufinden, welche Geheimnisse aus der Vergangenheit diesen so an diesem Manuskript hängen lassen, welche Sprache(n) im übertragenen Sinne dieser Mann selbst für seine Biografie spricht. Um das herauszufinden und als eine Art Rache für die Vergewaltigung, verbrennt sie das Manuskript, wohlwissend, welchen Wert es für das Leben von Calisto hatte. Schließlich trifft sie Mildred, die (blinde) Ex-Frau Calistos, die ihr den Menschen Calisto ein wenig näher bringt ... obwohl sie Mildred eigentlich hasst, weil diese so perfekt wirkt. Aber insgesamt versteht sie als Frau, die in ihrem Dorf das Handfeste, das Greifbare, das Körperliche kennengelernt und gelernt hat die scheinbar den Männern vorbehaltene intellektuelle Sphäre nicht. In den anderen beiden Teilen werden dann die Hintergründe zu diesem Manuskript dargestellt. Zum Beispiel, als Max Lamas seiner Gastgeberin in Italien, der Marchesa Matilde Latini, zunächst erfolgreich den Hof macht und der Liebhaber der mittlerweile für derartige Abenteuer eigentlich zu alt gewordenen Dame wird, um ihr kurze Zeit später das Herz zu brechen und diese in die Verarmung zu verführen. Daneben spielt noch Michel Houellebecq, Lieblingsschriftsteller von Calisto, eine Rolle, der mit seinen Büchern den Part eines Art „Literaturfrauenhassers“ übernimmt. Nach und nach und immer tiefer dringt man über diese verschiedene Handlungsstränge in die (unterschiedliche) Gedankenwelt von Mann und Frau, in die Moral des Buches ein.

Auf der Suche nach dem Partner fürs Leben sucht man jemanden mit gleichen Interessen, jemanden, der für einen Verständnis aufbringt, der einen so nimmt, wie man ist, ja, jemanden, der die gleiche Sprache wie man selbst spricht. Doch schon bald merkt man, dass eine Suche mit gewissen Idealvorstellungen zum Scheitern verurteilt ist – Mann und Frau sprechen einfach zu unterschiedliche Sprachen und haben vor allem auch eine unterschiedliche Auffassung selbst zu den allgemeinsten Aspekten des Lebens. Der Topf findet eben nicht immer den dazugehörigen Deckel, kann ihn vielleicht gar nicht finden, weil es den gar nicht gibt, weil der sich nicht so formen lässt, wie wir es vielleicht wollen. Die Ursache dafür geht Lina Wolff bemerkenswert aufschlussreich auf den Grund. Neben der thematisch äußerst interessanten Botschaft, ist der Roman auch sprachlich eine „Augenweide“, unheimlich realistisch, irgendwie witzig, dann aber wieder auch erschreckend. Wolff erzählt in meist kurzen Szenen und Dialogen doch so viel, meist auch versteckte Hinweise das Zusammenleben von Mann und Frau betreffend, die man oftmals erst beim genaueren Lesen erkennt. So lernen wir auch, dass Spiegel und Geschlechtsverkehr abgeschafft gehören, weil sie die Anzahl der Menschen erhöhen, Frauen die Naturwissenschaften den Männern überlassen und stattdessen lieber Sprachen lernen sollten und Frauen offensichtlich deshalb Entwürdigungen ertragen, nur um be- und versorgt zu sein.

Polyglott zu sein bedeutet, mehrere Sprachen zu sprechen. Aber offensichtlich sind Mann und Frau trotz dieser Fähigkeit zu Mehrsprachigkeit nicht in der Lage eine gemeinsame „Mann-Frau-Sprache“ zu sprechen. Wir sprechen in unterschiedliche Richtungen, quasi aneinander vorbei. Während Männer offensichtlich ihre Phantasien und Vorstellungen von Zusammenleben in mehr oder weniger intellektuellen Werken zu Papier bringen, schreiten Frauen eher zur Tat, zeigen Emotionen. Das scheint mehr zu überzeugen und zum Ziel zu führen! Diese unterschiedliche Herangehensweisen passen aber nicht zusammen!

 

Fazit: Nur schwer pauschalisierbare Stärken und Schwächen von Männern und Frauen sowie der Unberechenbarkeit im Denken, aber auch in ihren Taten und Handlungen machen eine vernünftige Kommunikation zwischen den Geschlechtern zu einer großen Herausforderung. Dies führt uns Wolff dank IHRER deutlichen und klaren Sprache vor Augen und macht das Buch so besonders – sehr lesenswert.

Andreas Pickel

4 Sterne
4 von 5

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© 2019 Andreas Pickel, Harald Kloth

Marie Bernard: Cocktails, Chips und Chaos

Roman

 

Planegg ; Ladies Lounge ; 2019 ; 357 Seiten ; ISBN : 978-3-95669-102-7

Julia Lorenz ist 26 Jahre und arbeitet in Hamburg in der Marketingabteilung eines Pharmaunternehmens. Ihre Beziehung zu Eric, die ein halbes Jahr dauerte, ist während der Weihnachtsferien bei den Eltern in die Brüche gegangen. Mittlerweile ist Julia also wieder Single. So bleiben ihr in Hamburg nur ihre beste Freundin Michelle und ihr bester Freund Thomas.

Julia hat im Betrieb einen wichtigen Geschäftspartner zu betreuen, der mehr möchte als nur eine geschäftliche Beziehung. Zeitgleich taucht auch Claas wieder auf, den sie seit Kindertagen kennt und der mittlerweile als Arzt in Hamburg arbeitet. Julia ist in vielerlei Bereichen mehr als tollpatschig und so passiert, was passieren muss, die beiden begegnen sich und das Chaos ist perfekt.

Sie weiß nicht wohin mit dem Gefühlschaos, in ihrem Frust bleiben oft nur kalorienhaltige Lebensmittel wie Chips, Eis und andere Süßigkeiten. Ob sich doch noch eine Chance für die große Liebe eröffnet?

"Cocktails, Chips & Chaos" ist ein klassischer Frauenroman im Stil von Bridget Jones. Die Autorin schafft es, dass man eine Sympathie für Julia entwickelt, obwohl oft absehbar ist, wie sie sich selbst die Probleme schafft. Die Anspielungen auf verschiedenste Filmtitel machen aus Cocktails, Chips & Chaos einen unterhaltsamen Roman.

Fazit: Frauenroman, der auch Männern gefallen kann.

 

Matthias Wagner

2/3 Sterne
2/3 von 5

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© 2019 Matthias Wagner, Harald Kloth

Tausendundeine Nacht - Das glückliche Ende

Aus dem Arabischen von Claudia Ott

 

München ; dtv ; 2018; 426 Seiten ; ISBN 3-423-14649-4

 

Der zweite Band von Tausendundeiner Nacht besticht, wie schon Band eins "Wie alles begann", durch seine blumig orientalische, oft umständlich wirkende Sprache. (Genau genommen ist dies der dritte Band, denn der mittlere Teil dieser Märchensammlung ist bis dato leider verschollen)

Es ist ein umfangreicher Geschichtenschatz mit detailreichen Wortmalereien und bietet die Möglichkeit für den Leser in eine bunte Märchenwelt abzutauchen. Stellenweise benötigt man gutes Durchhaltevermögen für die langatmigen Textpassagen. Diese, versetzt man sich jedoch in die Situation der schönen Erzählerin Schahrasad, sind durchaus angebracht um Zeit zu gewinnen und ihren scheinbar sicheren Tod hinauszuzögern.

Doch wie es sicherlich den meisten Märchenkennern bekannt ist, kommt es vollkommen anders: Krönender Abschluss ist die märchenhafte Heirat Schahrasads mit König Schahriyar. Ein wunderschönes, rauschendes Happy End nicht nur für die beiden - aber mehr wird hier nicht verraten.

Die bei uns größtenteils unbekannten Märchen sind absolut lesenswert und verdienen es, entdeckt zu werden. Sie fordern Konzentration und eignen sich prima als Couchlektüre zum Abschalten, Entspannen und Träumen.

Wie bereits im ersten Band findet der Leser auch hier abschließend einen äußerst umfangreichen Anhang mit interessanten Erklärungen, was das Buch zu einer runum gelungenen Sache macht. Die Bebilderung beschränkt sich auf schlichte, orientalische Ornamente in schwarz/weiß. Farbenprächtige phantasiereiche Märchenbilder entstehen bei der Lektüre höchstens im Kopf.

Fazit: Für Märchenliebhaber unverzichtbar.

 

Elisabeth Gonsch

4 Sterne
4 von 5

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© 2019 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Mary Adkins: Wenn du das hier liest

Roman

 

Reinbek ; Kindler ; 2019 ; 367 Seiten ; ISBN 978-3-463-40711-1

Der Tod von Iris Massey, die mit Anfang dreißig viel zu früh an Krebs gestorben ist, bringt einige Menschen in ihrem Umfeld ins Wanken. Smith Simonyi, der Inhaber der PR-Agentur, bei der Iris bis kurz vor ihrem Tod gearbeitet hat, schreibt ihr zum Beispiel immer noch E-Mails. Die beiden mochten sich und Iris‘ Tod hat Smith wirklich tief getroffen.

Als der Praktikant Carl, der nun an Iris‘ Schreibtisch sitzt, Unterlagen von ihr findet, wittert er eine Möglichkeit, der ins Trudeln geratenen Agentur wieder Auftrieb zu verschaffen. Auch Smith selbst erkennt eine Chance zur Aufbesserung seiner Finanzen. Iris hat vor ihrem Tod nämlich einen Blog geschrieben in dem sie sich mit ihrer Krankheit und dem Sterben auseinandersetzte. Smith will die Texte zunächst einmal sichten. Außerdem gibt es da ja auch noch Verwandte, die man in solche Entscheidungen einbeziehen muss.

Smith nimmt also mit Jade Massey Kontakt auf. Iris Schwester arbeitet als Sterneköchin in einem der besten Lokale in New York, ist aber durch den Tod der Schwester so durch den Wind, dass sie ihren Job verliert. Stattdessen erfährt sie von Smith auch Dinge über ihre Schwester, die ihr bis dato völlig fremd waren. Wollte Iris wirklich eine Bäckerei eröffnen? Und hat sie ihr, dem Küchenprofi nichts davon erzählt, weil sie Angst davor hatte, von der großen Schwester belächelt zu werden? Anfangs denkt Jade, Smith wolle mit Iris‘ Vermächtnis nur Geld machen. Als sie dann aber in den E-Mails ihrer Schwester auf Nachrichten stößt, die sich die beiden geschrieben haben, muss sie ihr Bild revidieren. Smith wird ihr immer sympathischer und zwischen den beiden entspinnt sich ein reger E-Mail-Verkehr.

'Wenn du das hier liest' ist ein sehr gewöhnungsbedürftiger Roman. Er besteht nämlich ausschließlich aus Blogeinträgen inklusive den Kommentaren dazu, aus den verschiedensten E-Mails sowie aus Textnachrichten, die sich die Beteiligten schicken. Daraus entspinnt sich sozusagen die Geschichte und nach und nach wird klar, wie alles zusammenhängt. Es wirkt so, als wolle die Autorin mit dem Buch auch Menschen erreichen, die nicht so gerne und nicht so viel lesen möchten.

Geübte Leser empfinden diese Form der Romankomposition sicher eher störend als angenehm. Und den Lesefluss erschweren diese dauernden Sprünge und das ewige Hin und Her auch.

Fazit: ganz OK.

Sonja Kraus

2/3 von 5
2/3 von 5

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© 2019 Sonja Kraus, Harald Kloth

Andreas Gößling: Drosselbrut

True-Crime-Thriller

 

München ; Knaur ; 2019 ; 525 Seiten ; ISBN 3-426-52341-8

 

Berlin im Hochsommer: Innerhalb weniger Wochen verschwinden zwölf junge Frauen, die von einer Social-Media-Kampagne mit dem Titel „Befrei dich!“ in die einsamen Wälder außerhalb von Berlin gelockt wurden. Mit Videos von kleinen Drosseln, die sich in Nestern aus Plastikmüll strangulieren, sollen die Teenager motiviert werden ihr soziales Netz zu verlassen und sich in der Abgeschiedenheit selbst zu finden. Bald darauf wird die erste Leiche in einem Wald entdeckt…


Gleichzeitig ermitteln Kira Hallstein und Max Lohmeyer in mehreren Fällen von entführten Enkelinnen, mit deren Vergewaltigungsvideos aus einer Urwaldkulisse, die verzweifelten Großeltern erpresst werden.
Bei Kriminalkommissarin Hallstein läuten bald alle Alarmglocken und sie vermutet einen Zusammenhang und sogar ein internationales und mächtiges Netzwerk hinter den Entführungsfällen. Bis zu den letzten Seiten ist fraglich, ob Hallstein mit ihrer These richtig liegt oder ob sie sich völlig verrannt hat.


Nach dem erfolgreichen Debüt „Wolfsblut“ bringt True-Crime-Autor Andreas Gößling das Ermittlerduo Kira Hallstein und Max Lohmeyer mit diesem Fall an seine Grenzen. Auch als Leser wird man nicht geschont und sehr oft mit schockierenden Gewalt- und Vergewaltigungsszenen konfrontiert. Viele Cliffhanger und die verschiedenen Perspektiven, z.B. die Sicht eines der entführten und missbrauchten Opfer Paula, machen dieses Buch zu einem wahren Pageturner, den man nur noch ungern aus der Hand legen möchte.


Das Ermittlerduo Hallstein und Max ist wie im ersten Fall sympathisch und die beiden ergänzen sich als Team wunderbar: Hallstein, immer noch traumatisiert von Geschehnissen des vorherigen Falles, daneben ihr Partner, der bodenständige Max, der sie trotz ihrer Alleingänge unterstützt und zu ihr hält. Dies ist neben der spannenden Handlung noch ein weiteres Plus, das für dieses Buch spricht. 

Inspiriert wurde Andreas Gößling dieses Mal von dem bekannten Fall Dutroux, dessen Kinderschänderring tatsächlich auch Kinder aus Berlin zum Opfer fielen. Die Thematik ist schwer verdauliche Kost und geht dem Leser auch noch Tage nach Beenden dieses Thrillers durch den Kopf.


Fazit: Ein spannender, aber auch sehr schockierender Thriller mit vielen Gewaltszenen. Für True-Crime-Fans, die es gerne härter mögen, genau das Richtige! Da immer wieder Bezüge zum ersten Band der Serie hergestellt werden, ist es zu empfehlen zuerst „Wolfswut“ zu lesen.

 

Katrin Hildenbrand

5 Sterne
5 von 5

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© 2019 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth

Chris Brookmyre: Dein Ende

Ein Jack Parlabane-Thriller

 

Hamburg ; Rowohlt ; 2019 ; 461 Seiten ; ISBN: 978-3-499-27493-0

Die beiden Polizisten Ali Kazmi und Ruben Rodriguez sind auf Streife unterwegs, als sie ein Einsatz zu einem Verkehrsunfall führt. Ein BMW ist von der Straße abgekommen und im Wasser gelandet. Die Taucher finden persönliche Unterlagen von Peter Elphinstone im Wagen, aber von ihm fehlt jede Spur.

Er ist seit kurzem mit der Chirurgin Diana Jager verheiratet und alle sind zunächst sehr betroffen von diesem Unglück. Doch nach und nach kommen Zweifel auf. Lucy Elphinstone, die Schwester von Peter, motiviert den Journalisten Jack Parlabne sich intensiver mit dieser Geschichte zu befassen. Die letzten Wochen und Monate des frisch vermählten Paares werden detailliert betrachtet und sowohl Parlabne als auch die Polizei finden erhebliche Verdachtsmomente, die dafür sprechen, dass die Ehefrau ihren Mann auf dem Gewissen hat.

 

Als sie schließlich festgenommen wird, beteuert sie bei ihrer Vernehmung ihre Unschuld. Aber keiner will ihr dies glauben, auch der Journalist Jack hat erhebliche Zweifel, vor allem als er von ihr ins Vertrauen gezogen wird und sie ihm ihre Geschichte erzählt. Aber mal angenommen, Diana hat mit dem Verschwinden ihres Ehemannes Peter nichts zu tun, was ist dann passiert?

'Dein Ende' ist ein genialer Thriller, der es schafft, den Leser ab der ersten Seite in seinen Bann zu ziehen. Aus verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen entspinnt der Autor einen Plot, der immer wieder spektakuläre Wendungen beinhaltet. Zeitgleich thematisiert er auch gesellschaftliche Themen, allen voran die Gleichberechtigung von Mann und Frau im Beruf, hier exemplarisch dargestellt im Fachbereich der Medizin.

Fazit: fulminanter Thriller, der einen so schnell nicht loslässt.

Matthias Wagner

5 Sterne
5 von 5

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© 2019 Matthias Wagner, Harald Kloth

Steffi Hochfellner: Komme, was Wolle

Roman

 

München ; Knaur ; 2019 ; 445 Seiten ; ISBN 978-3-426-52374-2

 

Franzi ist überrascht, als sie erfährt, dass sie von ihrer Großtante Gerlinde Geld sowie ein Haus geerbt hat. Nur dunkel kann sie sich erinnern, dass sie als Kind in Ostfriesland im Urlaub gewesen ist und bei dieser Gelegenheit Gerlinde besuchte. Seither hat sie von der Tante nichts mehr gehört.

Nachdem Franzis Leben ohnehin gerade im Umbruch ist, wagt sie den großen Schritt, bricht ihre Zelte in Nürnberg ab und zieht in den hohen Norden. In der Mühlenstraße in Westersum erwartet Franzi dann ihr Erbe. Ein ziemlich in die Jahre gekommenes reetgedecktes Häuschen, das im Erdgeschoss die "Wunderkiste", den von Tante Gerlinde geführten Handarbeitsladen beherbergt. Auch dieser ist ziemlich verstaubt und Fanzi dämmert, dass ihr so einiges an Arbeit bevorsteht und die Arbeiten auch den größten Teil des geerbten Geldes verschlingen werden. Kaum angekommen macht Franzi Bekanntschaft mit Sönke, der für eine Immobilienfirma arbeitet und Franzi dazu rät, das Haus abzustoßen, da es marode sei. Einerseits fühlt es sich gut an, mit Sönke zu flirten und von ihm umworben zu werden. Andererseits hat Franzi ein ungutes Gefühl dabei. Will er vielleicht doch nur an das Haus herankommen?

Nach und nach lernt Franzi ihre Nachbarn und einige Freunde von Tante Gerlinde kennen. Im Baumarkt lernt sie Joost kennen, der ihr eine große Hilfe bei all den anstehenden Renovierungen ist. Durch ihn lernt sie auch seine Schwester Rieke kennen. Diese ist Zimmerin und zusammen mit ihren polnischen Mitarbeitern bringen sie das in die Jahre gekommene Haus wieder auf Vordermann.

Stück für Stück verändert sich auch der Laden und die Neueröffnung rückt immer näher. Alles könnte so schön sein - wären da nicht die vielen unschönen Zwischenfälle. Als neue Einwohnerin und Zugezogene hat Franzi leider auch mit Ablehnung und Hass zu kämpfen. Jemand will Franzi das Leben schwer machen und erreichen, dass sie wieder wegzieht. Geköpfte Blumen, zerstochene Autoreifen, Schmierereien am frisch gestrichenen Haus - Franzi macht trotzdem tapfer weiter. Dann kracht auch eines Nachts noch ein Ast aufs Dach und verursacht erheblichen Schaden. Als sich herausstellt, dass der Ast angesägt wurde, wird deutlich, dass der Saboteur vor nichts zurückschreckt und sogar Franzis Verletzung billigend in Kauf genommen hätte. Wird Franzi sich davon entmutigen lassen? Kann sie dauerhaft mit ihrem kleinen Laden Erfolg haben bei so viel Ablehnung, die ihr entgegenschlägt? Und werden all die selbstgemachten Produkte auch wirklich von der Kundschaft gekauft?

Steffi Hochfellner hat mit diesem Roman eine nette Geschichte vorgelegt. Nachdem Franzi gerne bastelt, trifft es sich sehr gut, dass sie ein Handarbeitsgeschäft geerbt hat. Im Verlauf der Geschichte wird so einiges gebastelt. In einem umfangreichen Bastelteil am Ende des Buches finden sich dann die jeweiligen Anleitungen dazu. Auf den Umschlaginnenseiten kann man sich anhand der Farbabbildungen die fertigen Endprodukte ansehen.

Fazit: nette Geschichte kombiniert mit schönen Kreativ-ideen - ideal für Bastelfans.

Sonja Kraus

3 Sterne
3 von 5

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© 2019 Sonja Kraus, Harald Kloth

John Strelecky: Folge dem Rat deines Herzens

und du wirst bei dir selbst ankommen

 

München ; dtv ; 2019 ; 144 Seiten ; ISBN 3-423-28978-3

 

Im neuesten Werk widmet sich John Strelecky den Herausforderungen des Lebens.

Er schenkt uns kurze Geschichten aus seinem Leben und konfrontiert den Leser mit Gedanken voller Tiefgang. Gekonnt spinnt er Gedankenfäden plausibel von Punkt zu Punkt um daraus seine Schlussfolgerung zu ziehen. Wie sehr sich der Einzelne damit identifizieren kann und möchte, bleibt jedem selber überlassen.

Sehr philosophisch präsentieren sich uns diese Texte, unaufdringlich und doch mit Nachhall. Es sollte sich jeder seine eigenen Gedanken machen um bestenfalls persönlichen Nutzen daraus ziehen. Die Lektüre zielt auf die Bewusstseinsschärfung des einzelnen Lesers im Alltag, um sich von der Leichtlebigkeit und Oberflächlichkeit des derzeitigen Way of Life  zu distanzieren. Keine leichte Lektüre, vielmehr ein Gedankenaktivator um eigene Ziele neu zu definieren oder alte, aus den Augen verlorene wieder zu finden.

Ich möchte dieses Buch von 128 Seiten allen Fans von John Strelecky ans Herz legen! Es ist sehr gut zu lesen und verzichtet auf komplizierte Fachausdrücke und Fremdwörter.
Auch optisch duch seine kräftige Farbgestaltung ein Hingucker.

Fazit: Ein weiteres Highlight aus der Feder von John Strelecky in gewohnt guter Qualität, das bestsellerverdächtig ist.

 

Elisabeth Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2019 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Nina Rudt: Todeslieder

Roman

 

München ; DrachenStern Verlag ; 2019 ; 393 Seiten ; ISBN: 978-3-95669-110-2

Amerika im Jahre 2197: Es gibt einen Zusammenschluss verschiedener Städte unter dem Dach von Rothdal. Der amtierende Präsident Lawn hat zu kämpfen mit den sogenannten Totenwebern, die die angeborene Fähigkeit haben Lieder zu kreieren, die für andere tödlich sind. Seine beiden Töchter Ivy und Vicky sind wie es für Elitenkinder üblich ist von der Außenwelt abgeschirmt und gehen fast ausschließlich mit einem Bodyguard außer Haus.

Doch dann passiert, was nicht passieren sollte: die 11-jährige Vicky wird entführt. Die 18-jährige Ivy setzt auf die Hilfe des französischen Diplomanten Nicholas Antoine Chevalier. Aber wem kann man vertrauen, wenn es wirklich um Leben und Tod geht? Ein rasanter Wettlauf beginnt und Ivy stürzt sich teils Hals über Kopf in waghalsige Situationen. Nach und nach kommen immer mehr Einzelheiten zu Tage und Ivy schwirrt der Kopf, denn sie weiß nicht mehr was gut und böse ist.

Der phantastische Roman von Nina Rudt bringt einige klassische Motive geschickt in eine neue Welt.
Wem kann ich vertrauen? Was mache ich mit einer Information, die mein Weltbild auf den Kopf stellt? Wie gehen wir mit Randgruppen um?

Fazit: Philosophische Fragen in einer fernen Welt.

 

Matthias Wagner

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2019 Matthias Wagner, Harald Kloth

Marina Wislag: Herrschaften

Kriminalroman

 

München ; Bookspot ; 528 Seiten ; ISBN: 978-3-95669-112-6

 

Paul Weller ist seit Jahren Privatdetektiv und hat mittlerweile auch einen Angestellten Steffen, der ihm bei der Recherchearbeit unter die Arme greift. Paul erhält per Brief einen Auftrag, der aber erst in zwei Wochen beginnen soll. Im Hause derer von Karst und Dull findet ein Familientreffen statt und in den letzten fünfhundert Jahren ist immer alle 50 Jahre ein Familienmitglied zu Tode gekommen, zuletzt 1964. Nachdem nunmehr wieder ein halbes Jahrhundert vergangen ist, engagiert die junge Adlige Lilith den Detektiv Paul, damit dieser ein weiteres Schicksal verhindert. Aber zunächst sind noch Vorbereitungen zu tätigen, bevor er auf dem Landsitz der Familie einziehen kann. Er versucht die Zeit zu nutzen und macht sich schlau über das uralte Adelsgeschlecht derer von Karst und Dull.

Als dann Paul anreist lernt er die einzelnen Familienmitglieder sowie das Personal kennen. Da sind zunächst Theodor und seine Tochter Lilith, dann dessen Cousin Adolfo, sowie seine Zwillingsschwester Theodora und deren drei Kinder Sebastian, Constanze und Philip. Der Haushalt wird versorgt von Isabella in der Küche und dem Butler Lionel.

Nachdem alle angereist sind kann das vorher akkurat abgesteckte Programm der Familienfeier beginnen. Paul erfährt so manches über die Familiengeschichte, den Stammbaum und was es ausmacht ein Adelsgeschlecht zu sein. Doch schafft er es auch den nächsten Todesfall zu verhindern? Welche Allianzen tragen und wo lauert der Verrat?

Marina Wislag hat mit Herrschaften ein sehr umfangreiches Erstlingswerk vorgelegt. Sie schildert die Geschichte eines Adelsgeschlechtes mit allem was dazugehört. Beim Lesen kann man sich verlieren und findet sich in einem herrschaftlichen Schloss wieder, wo die Zeit stehengeblieben scheint.

Fazit: eine skurrile Schlossgeschichte.

 

Matthias Wagner

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2019 Matthias Wagner, Harald Kloth

Rüdiger Barth/Hauke Friederichs: Die Totengräber

Der letzte Winter der Weimarer Republik

 

Frankfurt am Main ; S. Fischer ; 2018 ; 409 Seiten ; ISBN 978-3-10-397325-9

 

Am 17. November 1932 tritt Franz von Papen als Reichskanzler der Weimarer Republik zurück, 74 Tage später, am 30. Januar 1933, wird Adolf Hitler zum Reichskanzler gewählt und eben jener von Papen verliest als Vize-Kanzler die Ministerliste. Von Papen führte nach Heinrich Brüning (Zentrum) und vor Kurt von Schleicher (parteilos) das mittlere der insgesamt drei der sogenannten "Präsidialkabinette". Bereits davor wechselten seit dem ersten Reichskanzler der Weimarer Republik, Friedrich Ebert (SPD), in „normalen“ Regierungen unzählige Male der Reichskanzler, u.a. bestimmten Gustav Stresemann (DVP), Hermann Müller (Zentrum) oder Wilhelm Marx (Zentrum) mehrmals die Geschicke der instabilen Republik. An Kontinuitäten wie noch zu Zeiten des Kaiserreichs mit einem Bismarck oder auch von Bethmann Hollweg an der Spitze war nicht zu denken. Der weitere Werdegang des Deutschen Reiches nach Übernahme der Regierungsgeschäfte durch Hitler, der nach dem Tod Hindenburgs auch die Funktion des Reichspräsidenten übernahm, bis zu seinem Untergang im Mai 1945 ist hinlänglich bekannt. Dies soll auch nicht Thema des Buches von Rüdiger Barth und Hauke Friederichs: Die Totengräber. Der letzte Winter der Weimarer Republik sein, sondern die überaus spannenden Wochen voller Intrigen und politischer Macht- und Ränkespiele im Winter 1932/33.

Obwohl das Buch nur knapp über 70 Tage behandelt, ist es trotzdem fast 400 Seiten dick. Dies liegt daran, dass sich die beiden Autoren einer Art Tagebuch-Methode bedienen und so fast chronologisch die Ereignisse beschreiben. Als Vorbild galt ihnen dabei die TV-Serie „House of Cards“. Hauptdarsteller sind natürlich der damals schon greise Reichspräsident Hindenburg, hochdekoriert im und Mythos des Ersten Weltkriegs, Franz von Papen und sein Nachfolger als Reichskanzler Kurt Schleicher, sowie Adolf Hitler und Joseph Goebbels. Nicht unwichtige Nebenfiguren in dem teils makabren Spiel sind Otto Meissner, Leiter des Büros des Reichspräsidenten und Oskar Hindenburg, der Sohn des Reichspräsidenten.

Neben diesen Protagonisten wird das Geschehen beobachtet und berichtet vor allem aus Sicht des amerikanischen Gewerkschaftsfunktionärs Abraham Plotkin, der nach Berlin gekommen ist, um den Kampf der einfachen Leute für ihre Recht miterleben zu können. Ergänzt wird das alles durch Tagebuchaufzeichnungen anderer Politiker sowie Überschriften der Tageszeitungen. Die beiden Autoren widmen jeden Tag ein eigenes Kapitel und erzählen chronikhaft im Präsens, was die gedankliche Einbindung des Lesers in die Geschehnisse erleichtert – man ist fast live mit dabei, kann sich so in die Gedanken der Akteure reinversetzen, möchte die Geschehnisse mit beeinflussen, möchte den Politikern an den Hebeln der Macht am Liebsten einflüstern, was sie zu tun haben. Das Buch reißt so mit und könnte durch seine Authentizität auch gleich das Drehbuch für einen Film oder ein Theaterstück sein. Eine besondere Rolle in den für Deutschland so schicksalshaften Tagen spielt natürlich das „Militärdenkmal“ Paul von Hindenburg. Bereits 1866 als 18 Jähriger an der Schlacht von Königgrätz beteiligt, spielt nun der 85 Jährige Held der Schlacht von Tannenberg als seit über 7 Jahren agierende Reichkanzler die entscheidende Rolle. Für jedes siebte Kind, egal ob Aristokrat der Arbeiter, so die Autoren, übernimmt er die Patenschaft und unterstreicht so seinen Heldenstatus wie auch Beliebtheitsgrad. Um seine Gunst versuchen alle zu buhlen, sich ins rechte Licht zu stellen und Kontrahenten schlecht zu reden. Dazu zählen auch viele Lobbyisten, selbst die namhaftesten Wirtschaftsführer schreiben an ihn, um sich auch ungeschminkt für Hitler und seine Partei stark zu machen. Das Wort Hindenburgs ist wie ein Befehl! Und so setzt er Schleichers Regierung nach nur 56 Tagen auch ein Ende.

Was dem Buch ohne Frage fehlt ist eine Analyse, eine Interpretation der Autoren. Nicht jeder Leser ist derart fachkundig, dass er zumindest am Ende einer jeden Woche auf einen allgemeinen Blick und eine Einschätzung auf die verworrene Lage und Situation für das Gesamtverständnis verzichten könnte. Man will nicht nur wissen, wie was, sondern warum es genauso passiert ist. Sollte es der Anspruch gewesen sein, die Vorgänge im letzten Winter der Weimarer Republik zu erklären und analytisch aufzuarbeiten, so wird dieser Anspruch dadurch leider verfehlt. Die spannende Frage nach dem „was wäre wenn“, also nach einem alternativen Weg wird ebenso nur kurz thematisiert, dies ist aber auch nicht die Intention der Autoren. Allerdings beruht das Buch auf Tagebuchaufzeichnungen oder späteren Erinnerungen, die, das zeigen ja auch die Autobiographien von ehemaligen Nazi- und Wehrmachtgrößen, nicht immer unbedingt die Wahrheitsfindung unterstützen, sondern eher der Selbstreinigung dienen. Es bleibt insgesamt unklar, welche der Szenen aus welchen Quellen stammen. Auch gibt es gerade über diese schicksalshafte Zeit noch viele dunkle Flecken, über die nur spekuliert werden kann. Diese hätte man auch nennen müssen. Um insgesamt Platz für Analysen einzusparen hätte man, ohne dass man den chronologischen Faden verloren hätte, einige Tage überspringen können, teils kehren gewisse Situationen immer wieder.

Stark ist das Buch in den (Neben-)beschreibungen der Lebensumstände der Zeit gerade in der Advents- und Weihnachtszeit bzw. auch an Silvester/Neujahr. Durch Briefe, Tagebucheinträge, (Klatsch-)Nachrichten, Reklame etc. bekommt man einen Eindruck von blutigen Straßenschlachten sowie der Armut bedingt durch hohe Arbeitslosigkeit. Auch aus Ministerbesprechungen zum Beispiel zu verbilligtem Brot und Milch wird berichtet, um die bereits verfügte Winterhilfe um Kohle und Fleisch zu erweitern. Selbst der Wetterbericht wird beschrieben oder auch die bereits damals offensichtlich hochwichtigen Diskussionen um Ablösesummen im Fußball oder auch deren Professionalisierung. Dazwischen wird mal eben eher belanglos eingefügt, dass die Wehrmacht mit Planspielen Szenarien für einen zukünftigen Bürgerkrieg erarbeitet. Auch die Beschreibung der Charaktere ist exzellent. Hitler wird (noch) als gesichtslos mit fast weiblichem Charme bezeichnet, von dem später durch Kershaw näher untersuchten Hitler Mythos ist, mit Ausnahme in seiner engsten Entourage, anscheinend weit und breit noch nichts zu spüren. Eindrücklich hervorgehoben wird bereits die Redekunst Goebbels, der beispielsweise in mehreren Großkundgebungen den Tod eines Jungen den Juden zuschiebt und als Agitator die Massen in Ekstase versetzt. Stark ist das Buch auch in seiner Sprache und Beschreibungen.

Bereits seit Sebastian Haffner wissen wir, dass Hitler‘s Kür zum Reichkanzler keine Machtergreifung war. Zu diesem Bild tragen die beiden Autoren nachhaltig bei. Geschickt wechseln sie zwischen Fakten zu diesen spannenden schicksalshaften Wochen und subjektiven Eindrücken wie von Abraham Plotkin sowie vor allem ausländischen Schriftstellern und Journalisten. Gerade die Fehleinschätzungen vieler Protagonisten, Hitler und sein Weltbild betreffend sowie vor allem seinem Willen, dieses rigoros in die Tat umzusetzen wird beeindruckend deutlich. Das Buch endet, als der 43jährige Hitler am 30. Januar 1933 gegen halb 12:00 Uhr den Amtseid leistet und auf die Weimarer Verfassung schwört. Das alles kommentiert von Paul von Hindenburg, dem Reichspräsidenten mit den Worten: „… und nun meine Herren, vorwärts mit Gott ...“. Mit seiner Ernennung zum Reichskanzler war sein Werk „Mein Kampf“ das Buch des Tages. Freund oder Feind konnte bereits dort lesen, was auf sie in den nächsten Wochen und Monaten, ja Jahre zukommen würde. Aber nur die wenigsten wollte es glauben. Die Totengräber der Weimarer Republik haben in einer Art illustren Prozession die dahinsiechende Demokratie für lange Zeit zu Grabe getragen. Dies betrifft auch einige der Hauptakteure, Schleicher wurde ermordet, Hindenburg verstarb 1934.

 

Fazit: Stark in den Beschreibungen der Lebensumstände. Was fehlt ist eine Analyse und Interpretation der Autoren.

Andreas Pickel

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2019 Andreas Pickel, Harald Kloth

J L Butler: Mein

Wie weit wirst du gehen, um ihn zu behalten?

Roman

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2019 ; 537 Seiten ; ISBN: 978-3-499-29180-7

Francine Day ist als Scheidungsanwältin in einer Kanzlei in London tätig. In ihrem Fachgebiet hat sie sich über die letzten Jahre hinweg einen Namen gemacht. Und wieder steht eine Scheidung an: Martin Joy, ein sehr vermögender Investmentbanker benötigt ihre Dienste, da er sich von seiner Frau Donna getrennt hat und die Scheidung möchte.

Bereits nach dem ersten Treffen knistert es zwischen dem neuen Mandanten und der Anwältin. Es passiert, was nicht passieren dürfte: Francine und Martin beginnen eine Affäre.

Martin versucht unterdessen noch einmal mit seiner Ehefrau Donna zu reden, doch nach dem gemeinsamen Abend ist Donna verschwunden. Sie wird als vermisst gemeldet und keiner weiß, wo sie sich aufhält. Martins Geschäftspartner Alex und dessen Frau Sophia machen sich große Sorgen um den Ruf der Firma, denn in der Finanzbranche sind derartige Schlagzeilen äußerst geschäftsschädigend.

Martin steht im Kreise der Verdächtigen laut Polizei ganz oben, denn bei der anstehenden Scheidung geht es um sehr viel Geld. Aber auch seine Anwältin zählt zum Kreis der Verdächtigen, hat sie doch kurz vor dem Verschwinden nach Donna gefragt. Als dann auch noch bekannt wird, dass die beiden Hauptverdächtigen eine Affäre haben, zieht sich die Schlinge um beide mehr und mehr zusammen. Aber wo ist Donna?

Der Roman ist durchaus gut konstruiert. Bis zuletzt bleibt der Kreis der Verdächtigen relativ offen. Das Geheimnis, wer wirklich etwas mit dem Verschwinden von Donna zu tun hat, lüftet sich erst auf den letzten Seiten.

Fazit: solider Krimi mit einem Hauch von 'Fifty Shades of Grey'.

 

Matthias Wagner

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2019 Matthias Wagner, Harald Kloth

Rita Morrigan: Wir treffen uns am Ende der Welt

Roman

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2019 ; 347 Seiten ; ISBN 978-3-499-27442-8

 

Lena ist Spanierin und die Erbin eines kürzlich verstorbenen wohlhabenden Brotfabrikanten. Sie ist enttäuscht und verwirrt. Nachdem sie ein Sex-Video ihres Verlobten Alberto mit einer anderen Frau gesehen hat, will sie ihn auch nicht mehr heiraten. Da kann ihre Mutter Elvira noch so auf sie einreden.

Hals über Kopf packt Lena ihre Sachen und steigt ins erstbeste Flugzeug. Sie will Abstand gewinnen und fliegt ans andere Ende der Welt nach Buenos Aires. Kaum angekommen wird sie leider ausgeraubt. Bis auf ihren Pass ist alles weg. Hilflos irrt sie durch die Straßen bis ihr Blick auf etwas sehr Besonderes fällt. Das bemalte Schaufenster eines Cafés zieht Lena in ihren Bann. Mit Kunst kennt sie sich ein wenig aus und hat eine Idee: sie könnte dem Besitzer des Cafés vorschlagen, das Fensterbild zu restaurieren. Dann hätte sie wieder ein wenig Geld zur Verfügung. Als sie das 'Café am Ende der Welt' betritt, ist Lena immer noch ganz und gar verzaubert.

Leider stellt sich der Besitzer Alejandro Lagar als fürchterlicher Griesgram heraus. Lenas Hoffungen auf ein Einkommen schwinden, doch als sie ihre Notlage erklärt, gibt ihr Alejandro die Möglichkeit, als Kellnerin zu jobben. Zudem darf sie im Hinterhaus das Zimmer von Alex' Mutter beziehen. Die liebenswerten Stammgäste des Cafés schließen Lena von Anfang an ins Herz. Von Tag zu Tag muss Lena ihr Bild von Alex korrigieren. Sie erfährt vom Tod seiner Eltern ebenso wie von seinem geplatzen Traum als Architekt ein Wohnbauprojekt für Arme zu realisieren. Alex und Lena nähern sich mehr und mehr an und was die Stammgäste schon relativ früh ahnten, tritt ein. Die beiden werden ein Liebespaar.

Als Lena erfährt, dass Alex kurz davor ist, das Café und das Wohnhaus und damit das Erbe seiner Eltern zu verlieren, greift sie ein und erreicht dank ihrer ausreichend vorhandenen finanziellen Mittel, dass skrupelose Investoren das Nachsehen haben und stattdessen der für sie tätige Anwalt der Familie den Zuschlag erhält. Lena ist damit die neue Besitzerin von Café und Wohnhaus. Ob der stolze Alex das akzeptieren wird? Lena traut sich nicht, ihm die Wahrheit zu sagen.
Kann dieses Geheimnis zur Gefahr für die Beziehung werden?

Rita Morrigan hat mit 'Wir treffen uns am Ende der Welt' einen schönen Roman abgeliefert. Die Annäherung des zunächst so abweisenden Alex und der positiv eingestellten Lena lässt einen zwar schon relativ früh den Ausgang der Geschichte vorhersehen, aber der Roman ist dennoch schön zu lesen, weil er viel Positives enthält.

Fazit: schöne Lektüre für einen gemütlichen Lesetag auf der Terrasse.

Sonja Kraus

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2019 Sonja Kraus, Harald Kloth

Albrecht Selge: Fliegen

Roman

 

Berlin ; Rowohlt ; 2019 ; 172 Seiten ; ISBN: 978-3-7371-0067-0

Eine Frau lebt im Zug. Sie hat eine Bahncard 100 und steigt nur aus, um umzusteigen oder kleine Besorgungen zu erledigen. Nach und nach erfährt der Leser, dass es auch ein Leben vor der Zugfahrt gab. Es gab eine Wohnung, es gab einen Mann, genannt Lockenkopf und ihre gute Freundin Lilo.

Jetzt gibt es nur noch die Abteile oder Großraumwägen der Deutschen Bahn. Die Frau beobachtet das Leben, das rundherum um sie stattfindet. Sie hat nur das Notwendigste bei sich, eine paar frische Sachen zum Wechseln, sowie ihre Papiere.

Der Autor beschreibt durch die Beobachtungen seiner Protagonistin unsere Gesellschaft sehr genau. Mit teils philosophischen Betrachtungen „Ging eins nahtlos ins andre über, kaum zu sagen, wo Hinausblicken aufhört und Hineinschauen anfängt.“ regt er zum Nachdenken während des Lesens an.

Ein Blick auf unsere immer mobiler werdende Gesellschaft und was bleibt, wenn nur mehr das Reisen bleibt.

Fazit: ein etwas anderes Fliegen durch die Zeit.

 

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2019 Matthias Wagner, Harald Kloth