So

15

Okt

2017

William Saroyan: Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich

William Saroyan

Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich

Storys

München ; dtv ; 2017 ; 201 Seiten ; ISBN 3-423-28137-5

 

Das vorgenannte Buch beinhaltet eine Sammlung von 16 Stories, welche im Zeitraum von 1934 bis 1950 in New York, London und San Francisco veröffentlicht wurden. Es ist eine Homage an den 1981 verstorbenen Autor. Diese einzigartigen Geschichten skizzieren treffend den Charakter der damaligen Zeit.

 

Es erwartet uns eine bunte Mischung alltäglicher und doch schicksalhafter Begebenheiten. Kurze, in sich abgeschlossene Geschichten erzählen - in Ich-Form gehalten - von der Härte des täglichen Lebens.

 

Voller Details, weit ausschweifend und facettenreich erleben wir eine Welt voller Kontraste: Klein gegen Groß, Arm gegen Reich, Einfalt gegen Schlauheit, Migranten neben Einheimischen und Fairness versus Ungerechtigkeit.

 

Der tägliche Kampf um Arbeit, Geld und Überleben zeigt sich in Alltäglichem und besitzt doch eine bestechende Einzigartigkeit.
Die Episoden nehmen uns mit in die Vergangenheit, gleichzeitig zeigen sie eindeutige Parallelen zur Gegenwart auf, wie sie aktueller nicht sein könnten.

 

Das Vokabular ist einfach gehalten und somit ohne Schwierigkeiten gut zu lesen. Ein sehr ausführliches Nachwort sowie die anschließende Bibliographie runden das 201 Seiten starke, gebundene Buch ab.

Fazit: Ein gesellschaftskritisches Buch, das zum Nachdenken anregt ohne aufdringlich zu sein und den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu spannen vermag.

 

Elisabeth Gonsch

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Fr

06

Okt

2017

Chris Cleave: Die Liebe in diesen Zeiten

Chris Cleave

Die Liebe in diesen Zeiten

Roman

München ; dtv ; 2017 ; 495 Seiten ; ISBN 978-3-423-26140-1

 

London im Jahre 1939. Der Zweite Weltkrieg hat gerade begonnen und die eifrige junge Mary North meldet sich freiwillig zur Truppenunterstützung. Als sie 'bloß' als Hilfslehrerin eingeteilt wird, ist die Enttäuschunng zunächst groß. Mary hätte viel lieber spannendere und in ihren Augen wichtigere Tätigkeiten ausgeübt. Nachdem die Kinder bald aus Sicherheitsgründen aufs Land evakuiert werden, scheint sich der Job auch schnell wieder erledigt zu haben. Aber Mary gibt nicht auf und bekniet Tom, der bei der Schulbehörde tätig ist, so lange, bis sie einige verbliebene Kinder unterrichten darf. Bald ist das Verhältnis zwischen Mary und Tom nicht mehr nur beruflicher Natur.

 

Eines Tages treffen Tom, Mary und deren beste Freundin Hilda auf Toms besten Freund Alistair, der sich freiwillig zur Armee gemeldet hat und gerade auf Heimaturlaub ist. Hilda ist ganz hin und weg von dem gutaussehenden Uniformierten, doch der hat nur Augen für Mary. Auch Mary fühlt sich zu Alistair hingezogen, aber die beiden finden nicht den Mut, sich zu offenbahren. So reist Alistair wieder ab und die anderen bleiben zurück.

 

In der Folgezeit müssen alle Beteiligten schmerzlich erfahren, wie grausam der Krieg sein kann. Jeder versucht auf seine Weise mit den schrecklichen Erlebnissen und Verlusten zurecht zu kommen. Immer wieder stellt sich die Frage, ob Liebe stärker sein kann als der Krieg und die damit verbundenen Gräuel. Gelingt es Mary im kriegsgebeutelten London die Zuneigung zu Alistair, der auf Malta stationiert ist, bis zu einem möglichen Wiedersehen zu konservieren? Die Inspiration für diesen Roman holte sich der Autor Chris Cleave aus der eigenen Familiengeschichte.

 

Sein Großvater war nämlich wie Alistair auf Malta stationiert und seine Großmütter haben den Krieg ähnlich tapfer wie Hilda und Mary überstanden. Die Recherche an Originalschauplätzen mag dazu beigetragen haben, dass viele Details äußerst plastisch dargestellt werden.

 

Auch die Kriegsereignisse selbst werden schonungslos geschildert. Obwohl die Thematik alles andere als leichte Kost ist, entwickelt die Geschichte eine Sogwirkung, der man sich gerne hingibt.

Fazit: Tief berührend. Diesen Roman sollte man gelesen haben.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

So

01

Okt

2017

Jürgen Siegmann: Schattenmensch

Jürgen Siegmann

Schattenmensch

Thriller

Edition 211 ; 2017 ; 269 Seiten ; ISBN: 978-3-95669-086-0
 
Tarek Bajari ist aus Libyen geflohen und lebt als illegaler Einwanderer (Schattenmensch) in Köln. Zusammen mit anderen geht er wechselnden Beschäftigungen nach. Als er einem Bekannten einen Freundschaftsdienst erweisen will, gerät er mitten in einen Mordfall und alle halten ihn für den Mörder von Anwalt Dr. Probst.

 

Tarek gelingt die Flucht, doch ab jetzt muss er noch viel vorsichtiger sein, denn nicht nur die Polizei ist hinter ihm her. Kurze Zeit später liegt die Frau des ermordeten Anwalts tot im Swimmingpool. Nachdem erneut der Ausländer Tarek für diesen Mordfall verantwortlich gemacht wird, heizt sich die politische Stimmung auf. Die Rechten haben mit ihm ihren Sündenbock ausfindig gemacht.

 

Tareks psychische Belastung nimmt stetig zu, denn er weiß bald nicht mehr, auf wen er sich überhaupt noch verlassen kann. Nur sein Freund Marco und seine Freundin Simone stützen ihn. Als Marco von Tareks Verfolgern halb totgeschlagen wird, steht für Tarek fest, dass auch er in höchster Gefahr ist und um sein Leben fürchten muss.

 

Er kommt einem geheimnisvollen Rätsel auf die Spur, weiß aber immer noch nicht, wie stark seine Gegner sind. Als bei einer Kundgebung ein aufstrebender Politiker erschossen wird, will man auch dies Tarek anlasten. Tareks Lage scheint aussichtslos, da sich alles auf ihn als Täter konzentriert.

 

Jürgen Siegmann ist mit Schattenmensch ein sehr guter Thriller gelungen, der die Themen unserer Zeit genial aufgreift. Siegmann spannt einen großen Bogen von den Ereignissen des Oktoberfestattentats in den achtziger Jahren bis zur Flüchtlingssituation in unserer Zeit.
 
Fazit: Ein packender Politthriller.

 

Matthias Wagner

3 Sterne
3 von 5

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© 2017 Matthias Wagner, Harald Kloth

Mo

25

Sep

2017

Max Annas: Illegal

Max Annas

Illegal

Roman

Reinbek ; Rowohlt ; 2017 ; 236 Seiten ; ISBN: 978-3-498-00101-8  

 

Kodjo lebt seit über 10 Jahren in Deutschland, besser gesagt in Berlin. Er hat keinen Aufenthaltstitel und muss damit rechnen, nach Ghana abgeschoben zu werden, sollte die Polizei auf ihn aufmerksam werden. Er hat Arbeit gefunden im Cafe Hibiskus, so dass er sich wirtschaftlich über Wasser halten kann. Dennoch hat er im Cafe Hibiskus Arbeit gefunden und kann sich dadurch wirtschaftlich über Wasser halten. Seine Freundin Janette, die in der Immobilienbranche tätig ist, quartiert ihn ab und zu in einem abbruchreifen Haus ein, wenn sie ihre Wohnung für sich haben will.

 

Eines Tages beobachtet Kodjo, wie im Haus gegenüber eine junge Frau umgebracht wird. Er sieht den Täter und dieser auch ihn. Damit beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn der Täter will natürlich verhindern enttarnt zu werden. Kodjos Flucht erstreckt sich quer durch Berlin und in der Zwischenzeit ist nicht nur der Täter hinter ihm her. Wo kann er hin? Wo sich verstecken, denn als „Schwarzer“ unter „Weißen“ fällt man auf?  

 

Max Annas legt mit Illegal einen Roman vor, der die Themen unserer Zeit aufgreift und dabei gleichzeitig aufzeigt, wie Berlin tickt. Anhand des Protagonisten Kodjo zeigt er auf, was es bedeutet, ohne Aufenthaltsstatus im Schatten der Gesellschaft mitten in einer Großstadt zu leben, vor allem wenn man auch noch verdächtigt wird, einen Mord begangen zu haben.

 

Fazit: Ein intensives Gesellschaftsporträt mit einem dramatischen Ende.

 

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Matthias Wagner, Harald Kloth

Mo

11

Sep

2017

John Strelecky: Was nützt der schönste Ausblick

John Strelecky

Was nützt der schönste Ausblick, wenn du nicht aus dem Fenster schaust

München ; dtv ; 2017 ; 125 Seiten, ISBN 3-423-28122-7

 

Die Freunde des Buches „Wenn du Orangen willst, such nicht im Blaubeerfeld“ dürfen sich auf das neueste Werk von John Strelecky freuen. Viele neue, inspirierende Gedanken hält das Buch für den interessierten Leser bereit. Es gibt Denkanstöße, motiviert, macht Mut und gibt Kraft für Veränderungen.

 

Wer sich auf den Sprung von der all gegenwärtigen Oberflächlichkeit in die Reflexion des eigenen Handelns einzulassen vermag - ja, es wagt insich zu gehen und hinein zu hören - wird mit einer Reihe von „AHA“-Erlebnissen belohnt.

 

Durch Momentaufnahmen unseres automatisierten Denken und Handelns arbeitet der Autor Stück für Stück Verhaltensweisen heraus, welche zu Schieflagen in unserem Leben führen. Dabei kann man die in „Ich-Form“ gehaltenen Texte sowohl auf sich selbst als auch auf den Verfasser projizieren.

Durch gezielte Fragestellung zu unterschiedlichen Situationen, welche jeder bereits einmal erlebt haben dürfte, hilft er dem Leser bei der Selbstreflexion und überlässt ihm die Wahl für sich etwas „herauszupicken“ - ohne dabei aufdringlich zu wirken. Immer wieder kommt man zu der Erkenntnis, dass es die kleinen Dinge sind, die großes bewirken können.

Das gebundene Buch im handlichen Taschenbuchformat besticht durch eine einfache, leicht verständliche Sprachwahl. Der vergrößerte Zeilenabstand vereinfacht das Lesen. Die ansprechenden Illustrationen harmonieren durch Farb- und Motivwahl mit den jeweiligen Textinhalten.
Aber Achtung: Es wäre schade, diese Lektüre an einem Stück zu „verschlingen“. Die einzelnen Gedankengänge würden in der Vielfalt der Denkanstöße verblassen. 

Fazit: Ein perfektes Buch mit „Nachhall“ für ruhige Momente . Immer wieder gut aufs Neue zu lesen.

 

Wolfgang Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Wolfgang Gonsch, Harald Kloth

So

10

Sep

2017

Mhairi McFarlane: Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt

Mhairi McFarlane

Irgendwie hatte ich mir das anders vorgestellt

Roman

München ; Knaur ; 2017 ; 544 Seiten ; ISBN 978-3-426-51984-4
 
Das Leben von Edith, die von allen nur Edie genannt wird, ist eigentlich ganz in Ordnung. Sie hat einen guten Job als Texterin in einer Londoner Agentur mit einem ihr wohlgesonnenen Chef und netten Kollegen. Als Jack und Charlotte – ebenfalls Kollegen von Edie heiraten, sind alle aus der Agentur zur Hochzeit eingeladen. Als der Schwerenöter und frischgebackene Ehemann Jack die verdutzte Edie während der Feier küsst und die Braut die beiden auch noch in flagranti dabei erwischt, wird die arme Edie zur Zielscheibe des Hasses. In den sozialen Medien wird sie auf das Übelste beschimpft und erniedrigt und weiß dabei nicht einmal, wie ihr geschieht, denn schließlich wurde sie von Jacks Kuss ziemlich überrumpelt.

 

Da trifft es sich sehr gut, dass Edies Chef einen Auftrag für sie hat, der sie zurück in ihre Heimatstadt Nottingham führt – weg von all dem Mobbing durch die Kollegen. Sie soll als Ghostwriterin eine Autobiographie für den irrsinnig gutaussehenden Schauspieler Elliot Owen schreiben, der gerade für Dreharbeiten in Nottingham weilt. Dieser gibt sich vorerst ziemlich überheblich, aber mit der Zeit werden sich die beiden vertrauter und erzählen sich gegenseitig von ihrem Leben inklusive der Dinge, die man ansonsten lieber verschweigt. Für Edie wird der Aufenthalt auch zur Reise in die Vergangenheit und bietet ihr die Gelegenheit sich mit  ihrer Schwester Meg und ihrem Vater auszusprechen. Als dann auch noch der Kontakt zu ihren Jugendfreunden Nick und Hannah wieder auflebt, muss Edie feststellen, dass Nottingham eigentlich gar nicht so schlecht ist, wie sie dachte.

 

Auch wenn die Geschichte schon sehr an den Haaren herbeigezogen ist, schafft es Mhairi McFarlane durch ihre tolle Art des Erzählens, dass man diese Tatsache sehr schnell ausblendet und voll und ganz in diese Liebesgeschichte eintaucht. Die bietet neben fiesen Intrigen, dummen Zufällen und witzigen Dialogen auch Nachdenkliches und natürlich so einiges an Herz-Schmerz.

 

Fazit: Leicht und luftig wie ein Sommertag - ein absoluter Wohlfühl-Roman!

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

Sa

09

Sep

2017

Scott Bergstrom: Cruelty

Scott Bergstrom

Cruelty - Ab jetzt kämpfst du allein

Thriller

Reinbek ; Rowohlt ; 2017 ; 429 Seiten ; ISBN: 978-3-499-27266-0

 

„Auf jeden Fall möchte ich all diesen Männern danken, für das, was sie mich gelehrt haben. Für das Training, dass sie diesem unmenschlichen Ding in mir verpasst haben, dass jeden Tag größer und stärker und härter wird. Ich gebe ihm den Namen Cruelty, Grausamkeit.“

Gwendolyn Bloom ist 17 Jahre alt und lebt zusammen mit ihrem Vater in New York. Da der Vater seinen Arbeitsplatz immer wieder wechselte, kam sie schon viel rum in der Welt und spricht fünf Sprachen. In der Schule ist sie aber nicht gerade der Liebling ihrer Mitschülerinnen. Gwendolyns Mutter kam bei einem Attentat ums Leben und ausgerechnet an deren Todestag, der zugleich auch der Geburtstag des
Vaters ist, erklärt dieser, dass er dienstlich nach Paris müsse. Kurz danach stehen Mitarbeiter des Geheimdienstes vor der Tür und erklären Gwendolyn, dass ihr Vater verschwunden sei. Schnell merkt sie, dass ihr Vater sie hinsichtlich seiner beruflichen Tätigkeit angelogen hat.

Nachdem Gwendolyn so gut wie keinem traut, muss sie letztlich die Suche nach ihrem Vater selbst in die Hand nehmen. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, der in Paris beginnt, sich in Berlin fortsetzt und zum Show-down in Prag führt. Während sich die Schattenseiten des Menschlichen immer stärker zeigen, muss sich Gwendolyn entscheiden, auf welcher Seite sie stehen will.

Cruelty ist ein spannender Thriller, der aus der Perspektive der Hauptprotagonistin erzählt wird.

 

Scott Bergstrom nimmt seine Leser mit auf die rasante Tour in die Unterwelt. Auch die Geheimdienste und deren Vorgehensweise spielen eine entscheidende Rolle und immer wieder stellt sich die Frage, welche Mittel erlaubt sind, um Einblick in die Unterwelt zu erhalten.

Fazit: Ein unterhaltsamer Thriller.

 

Matthias Wagner

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2017 Matthias Wagner, Harald Kloth

Fr

08

Sep

2017

Chris Carter: Death Call

Chris Carter

Death Call - Er bringt den Tod

Thriller

Berlin ; Ullstein ; 2017 ; 413 Seiten ; ISBN 978-3-548-28952-6

 

Der achte Band der Reihe um den Profiler Robert Hunter und seinen Partner Carlos Garcia beginnt mit dem grausamen Mord einer jungen Frau, die nackt an einen Stuhl gefesselt, das Gesicht von Scherben zerschnitten, schrecklich verstümmelt wird. Ihre beste Freundin Tanya wird kurz vor Ausführung der Tat vom Mörder per Videoanruf auf ihrem Smartphone angerufen und könnte mit der Beantwortung von zwei Fragen ihre Freundin retten. Damit beginnt für Hunter und Garcia die Jagd nach einem Serienmörder, der seinen Opfern in den sozialen Netzwerken auflauert.

 

Leider wurde in diesem Band das Geschehen gar nicht aus der Sicht des Serienkillers geschildert. Man taucht so gar nicht in die Gedankenwelt des Mörders ein. Der Autor hat sich wie gewohnt wirklich Mühe gegeben neue ausgefallene Mordszenarien zu entwickeln, bei denen einem der Atem stockt. Dieser Thriller ist nichts für schwache Nerven und Leser, die Gewaltszenen in allen Details ungerne lesen.

Chris Carter gelingt es die Spannung von Beginn an konsequent zu halten und schafft es, dass man das Buch auf den letzten 100 Seiten kaum mehr aus der Hand legen möchte, als sich die Ereignisse überschlagen. Dazu trägt auch der einfache Schreibstil bei und die recht kurzen Kapitel mit vielen Cliffhangern.

 

Allerdings wirkt die Auflösung unglaubwürdig. Der Mörder wird eher zufällig gefunden und von Chris Carter mit einem zweifelhaften Motiv aus dem Hut gezaubert.

 

Die Story ist insgesamt etwas dick aufgetragen und es scheint als wollte Chris Carter unbedingt einen Thriller zum aktuellen Modethema „Soziale Netzwerke, Smartphones und Selfies“ schreiben.

Fazit: Ein harter und spannender Thriller, der für viele Stunden gute Unterhaltung bietet, jedoch unter der lieblosen Auflösung leidet. Auch für Leser geeignet, die die vorherigen Bände nicht gelesen haben, da kein Vorwissen vorausgesetzt wird.

 

Katrin Hildenbrand

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth

Di

05

Sep

2017

Nora Berger: Die gefährlichen Intrigen des Marquis de Cinq-Mars

Nora Berger

Die gefährlichen Intrigen des Marquis de Cinq-Mars

Roman

München ; Bookspot ; 2017 ; 534 Seiten ; ISBN: 978-3-95669-077-8

Henri Coiffier Ruzé d'Effiat, Marquis de Cinq-Mars war ein französischer Adeliger am Hof von König Luis XIII. im 17. Jahrhundert. Ihn und seine Verschwörung gegen Kardinal Richelieu nimmt die Autorin als Grundlage für Ihren Roman um Liebe, Intrigen, Freundschaft und Verrat.

Gleich zu Beginn führt sie dem Leser das tragische Ende ihres Protagonisten vor Augen. Rückblickend erfahren wir wie es dazu kam. Nora Berger öffnet zunächst drei Handlungsstränge. Da ist die junge venezianische Kaufmannstochter Gabriella, die aus Prestigegründen den hochnäsigen Julian de Rochebonne aus verarmtem, französischem Adel heiraten soll. Ihr Herz hat sie jedoch schon lange an Angelo, den mittellosen Hirtenjungen mit der geheimnisvollen Vergangenheit verschenkt.


Zur gleichen Zeit muss sich Kardinal Richelieu (der erste und einflussreichste Minister Frankreichs) mehrerer Mordversuche erwehren.
Sein Ziehkind, Henri de Cinq-Mars, zaudert währenddessen mit seiner Position am Königshof und versucht seine Stellung durch intrigantes Handeln zu verbessern.

Nora Berger führt die Geschicke dieser Personen schnell zueinander und treibt die Geschichte zügig voran. Dabei beschreibt sie Henri de Cinq Mars als egoistischen, ehrgeizigen und hochgradig naiven jungen Mann, der einem Gegenspieler wie Kardinal Richelieu nicht im Mindesten gewachsen ist. Die Darstellung des Kardinals ist sehr gelungen. Die Autorin bedient sich hierbei aus historischen Quellen. Selbst Kleinigkeiten, wie die Vorliebe Richelieus für Katzen, werden thematisiert und bringen dadurch Schwung in die vorhersehbare Handlung.

Frau Berger packt sehr viel Handlung in ihren Historischen Roman und führt diese auch schlüssig zusammen. Mit ihrem geradlinigen Schreibstil lässt sich das Buch flüssig lesen. Leser, die sich anhand des Titels auf eine spannende und intelligent entworfene Kriminalgeschichte freuen, werden jedoch enttäuscht. Der Fokus der Autorin liegt zwar weitgehend auf den Zielen des Hauptakteurs doch das Komplott rückt leider durch die Ausgestaltung der Figuren und deren Geschichten zu sehr in den Hintergrund und wird viel zu wenig ausgeleuchtet.

Fazit: Ein nett geschriebener, kurzweiliger Roman, der sich leider nicht aus der Masse historischer Romane abheben kann.

Cornelia Krellner

3 Sterne
3 von 5

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© 2017 Cornelia Krellner, Harald Kloth

Mo

04

Sep

2017

Volker Weiß: Die autoritäre Revolte

Volker Weiß

Die autoritäre Revolte

Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes

Stuttgart ; Klett-Cotta ; 2017 ; 303 Seiten; ISBN 3-608-94907-0

Spätestens mit der Gründung der AfD und ihren jüngsten Erfolgen bei einigen Landtagswahlen kann man rechte Politik nicht einfach so verharmlosen, wie man es vielleicht noch mit der NPD konnte, die nur selten und dann auch nur regionalpolitisch in Erscheinung trat. Auch wenn nach derzeitigem Stand die innerparteilichen Querelen in der AfD ein wohl zweistelliges Ergebnis bei der nächsten Bundestagswahl als eher unwahrscheinlich erscheinen lassen, ist ein stärkeres „Faible“ für rechte Politik in Deutschland nicht mehr zu leugnen. Dass sich dieser Weg in einen verstärkten Konservatismus schon seit Jahren, ja Jahrzehnten abzeichnet, weist Volker Weiß in seinem neuen, in der Analyse
beeindruckenden Buch „Die autoritäre Revolte“ nach. Die Neue Rechte ist prinzipiell eine sehr alte Rechte, so sein Fazit, entstanden weniger durch revolutionäre Gedanken, sondern vielmehr durch Restrukturierungen und Synergien.

Für den Autor ist die „Neue Rechte“ eine politische Strömung am rechten Rand der politischen Landschaft, die sich bereits in den 70er-Jahren als Versuch einer auch intellektuellen Wiederbegründung rechten Denkens in Deutschland und darüber hinaus gebildet hat. Dies insbesondere, als die sogenannte alte Rechte, die man gemeinhin mit dem Nationalsozialismus verbindet, am Ende angekommen war. Enge verbunden mit ihr ist Armin Mohler, ein Schweizer Publizist, Schriftsteller und Journalist, der als Apologet der „Konservativen Revolution“ sowie als einer der
Vordenker der Neuen Rechten gilt. Basierend auf seiner Lehre versuchte man um die Jahrtausendwende die Kräfte durch Zusammenfassung von einer Wochenzeitschrift (Junge Freiheit - JF), einer Denkfabrik (Institut für Staatspolitik - IFS) einem Verlag (Antaios) und einer Zeitschrift (Sezession) zu bündeln. Gerade unter der ersten rot-grünen Bundesregierung blühte die Neue Rechte auf, ganz nach dem Motto, aus der Defensive am Aktivsten zu sein. Richtig zum Leben erweckt wurde sie in Deutschland aber erst 2010 durch das Buch „Deutschland schafft sich ab“ durch Thilo Sarazzin.

Gerade die Debatten um Flüchtlinge und Migration gaben der Neuen Rechte den notwendigen Aufschwung und man sollte aufpassen, so Weiss, dass sich dieser Aufschwung nicht normalisiert. Rückgreifend auf diese Themen wird rechtes Denken unter Rückgriff auf Jahrzehnte alte Theorien im wahrsten Sinne des Wortes wieder populär, ohne sich auf Nationalsozialismus, Judenvernichtung, Zweiter Weltkrieg zu beziehen. Die Einwanderungswelle und die schweren Problemen bei der Integration von Migranten in die Gesellschaft verhelfen der Neuen Rechte diese
historisch entwickelten Ansichten in der Gesellschaft zu verankern. Und obwohl diese Ansichten als grundlegend „deutsch“ deklariert werden, sind sie im Grunde gegen unser Demokratieverständnis mit dem Ziel der Etablierung eines autoritär gegliederten Staates. Um generell die Botschaft der Neuen Rechte zu verbreiten werden natürlich auch die neuen Medien extensiv genutzt. Der amerikanische Präsident ist so gesehen für die konservativen Kreise DAS Beispiel, wenn auch nicht immer im positiven Sinne.

Die „Target Audience“ der Neuen Rechte ist ausdrücklich nicht der Islam, maximal die Präsenz des Islam im europäischen Großraum. Bekämpft wird Einwanderung, die (kultur-)fremde Einflüsse mit sich bringt. Diese Durchmischung von Kulturen widerspricht der Aufteilung der Neuen Rechte in klar getrennte Kulturräume. Und somit hat der Islam in Europa nichts verloren. Darüber hinaus werden aber auch die Nachteile der Modernisierung, der Globalisierung wie respektvoller Umgang mit Minderheiten, Liberalismus ganz allgemein, dem „Gender-Wahn“ oder auch
sexuelle Selbstbestimmung (überrascht umso mehr, dass die derzeitige AfD Spitzenkandidatin, Alice Weidel, Homosexuelle ist) bekämpft. Der Kampf gegen den Islam ist Kampf gegen die Migration. In vielerlei Hinsicht ist der Islam sogar ein Bündnisgenosse im Kampf gegen Dekadenz. Im Sinne von Martin Lichtmesz gehen für die Neuen Rechte die Völker am Liberalismus und nicht am Islam zugrunde. Der eigentliche Gegner wäre somit die USA (zumindest vor der Ära Trump) mit ihrem Liberalismus und Universalismus.

Äußerst kritisch geht der Autor mit dem auch im Zuge der Pegida-Bewegung genutzten Begriff „Abendland“ um. Obwohl es „DAS Abendland“ weder geographisch noch historisch gibt, wird dieser Begriff je nach Gutdünken in unterschiedlichster Art und Weise für gewisse Zwecke genutzt, meist als „Ausgrenzungsbegriff, um anti-europäische Stimmung zu machen. In mehreren Kapiteln zerpflückt Weiss so mit Fakten untermauert die selbsternannten „Verteidiger des Abendlandes“ die mittels einer falschen Auslegung des Begriffs zu manipulieren versuchen. Dies insbesondere auch,  da die Pegida-Hochburg Sachsen ja eigentlich kirchenfern und somit unchristlich ist! Der Begriff ist längst seiner römisch-latinischen Bedeutung entwurzelt und wird für den „Rassenkampf“ für die gegenseiger Abhängigkeit der Begriffe „Identität“ und „globalen Großraumordnung“ missbraucht. Dies ist auch Identität stiftend und nimmt sogar den russischen „eurasischen Raumtheoretiker“ und Ultranationalisten Alexander Dugin mit ins Boot.

Höhepunkt der deutschen Neuen Rechte ist sicherlich die AfD, gegründet am 6. Februar 2013 mit dem folgenden Gründungsparteitag am 14. April 2013 in Berlin. Weiß analysiert dabei sehr treffend, dass die AfD nicht die Neue Rechte sei, sondern diese die AfD bestimme. Über diese Partei kann man nun, ohne gleich in ein gewisses Spektrum abgeschoben zu werden, rechte Politik machen und  einen nicht unerheblichen Teil der Gesellschaft (teils bis zu 20%) für seine (rechten) Ansichten gewinnen und versuchen, diese rechten Vorstellungen als „normaldemokratisch“ zu stilisieren. Den Aufstieg erklärt Weiß somit weniger mit eigenen parteipolitisch relevanten Richtlinien, sondern durch die Euro- und Flüchtlingskrise sowie Terrorangst, die der Partei in die Hände spielte. Schon früh begannen innerparteiliche Streitigkeiten, die Partei spaltete sich in eine völkische und nationalliberale Strömung. Je nach dem, welcher Flügel gerade die Oberhoheit hatte, beeinflusste dies auch die Veränderungen in den Wahlprogrammen, währungs- und wirtschaftspolitische, also „weiche“ Themen oder radikalere Themen wie Islamisierung oder der Verlust der Identität Deutschlands. Mit der Abwahl Luckes im Juli 2015 war der Kurs der Partei nach rechts festgelegt, in den jüngsten Querelen wird nur noch ausgelotet, wie weit rechts man sich bewegen möchte. Dabei ist die AfD mittlerweile ein Meister der Methoden der gezielten Provokation. Rechtsnationale Statements oder Reden von Björn Höcke, AfD Fraktionsvorsitzender im Thüringischen Landtag, werden überwiegend goutiert, nach außen meist noch irgendwie relativiert, aber eine richtige Distanzierung zu nationalsozialistischem Gedankengut findet kaum statt. Für die AfD erstellt der Autor drei Szenarien: 1. Aufgrund der internen Querelen verschwindet die Partei in der Bedeutungslosigkeit. 2. Die AfD wird eine normale, aber nicht bündnisfähige Partei, getrieben durch Erfolge anderer rechter Parteien in Europa und 3. durch diverser externen Faktoren wird die AfD die stärkste Partei in Deutschland. Wir wollen mal hoffen, dass Szenario 1 eintritt.

Volker Weiß, u.a. freier Autor für „Die Zeit, beschäftigt sich schon seit Studienzeiten mit der sogenannten „Neuen Rechte“ und gilt dazu mittlerweile als ausgewiesener Fachmann. Seiner Publikationen wie Kolumnen in diversen Zeitungen und Zeitschriften finden ein großes Echo und sind allseits hoch anerkannt. Dies liegt vor allem daran, dass auch dem Leser, der sich bis dato weniger mit den Theorien rechter Parteien und Politik beschäftig hat, die Sache verständlich nahe gebracht wird. Logisch nachvollziehbar erklärt er die Weltanschauung und Geschichte der rechtsautoritären Bewegung bis zur Gegenwart. Er kontert in allem die Argumenten der Neuen Rechte mit deren Mittel, widerlegt angebliche Traditionen, die es nicht gibt und nie gab. Die alte Regel, die Stärke der Rechten resultiert aus der Schwäche ihrer Gegner, greift aber derzeit auch trotz geringer inhaltlicher Substanz, so der Autor.

 

Fazit: Weiß schreibt überwiegend ohne Parteinahme, ohne größere Emotionen, sondern vielmehr nüchtern, sehr objektiv und vor allem wenig provokativ. Das macht seine Aussagen authentisch und das Buch so besonders. Das gründlich recherchierte Buch wurde nicht umsonst für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017 nominiert.

 

Andreas Pickel

4/5 Sterne
4/5 von 5

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  Volker Weiß bei amazon.de

 

 

© 2017 Andreas Pickel, Harald Kloth

So

03

Sep

2017

Lucy Clarke: Die Bucht, die im Mondlicht versank

Lucy Clarke

Die Bucht, die im Mondlicht versank

Roman

München ; Piper ; 2017 ; 410  Seiten ; ISBN 978-3-492-06027-1

Die beiden Frauen Isla und Sarah verbindet eine sehr lange Freundschaft mit Höhen und Tiefen sowie erstaunlichen Gemeinsamkeiten wie der Tatsache, dass sie zur selben Zeit Mutter geworden sind.

Doch Islas Sohn Marley ist vor sieben Jahren verunglückt. Jedes Jahr zum Todestag ihres geliebten Sohnes kehrt Isla, die längst in Chile lebt, in ihre Strandhütte zurück.

Dieses Jahr ist aber alles anders. Jacob, Sarahs Sohn, der an Marleys Todestag seinen 17. Geburtstag feiert, verschwindet spurlos. Hat ihn etwa das gleiche Schicksal ereilt wie seinen damals besten Freund? Hat er auf der Feier zu viel getrunken und ist ins Meer gestürzt?

Sarah und ihr Mann Nick versuchen Stück für Stück die Ereignisse des Abends zu rekonstruieren. Wer ist wann wo gewesen und wer hat was gesehen? Mit jedem Puzzleteil führt die Spur ganz weit zurück in die eigene Vergangenheit des Paares und des gesamten Umfeldes der beiden.

Immer zentraler wird die Frage, was damals mit den beiden Jungen wirklich geschah. Kann die bedingungslose Liebe einer Mutter manchmal auch ein Fehler sein?

Nach „Das Haus, das in den Wellen verschwand“ ist Lucy Clarke mit „Die Bucht, die im Mondlicht versank“ erneut eine sehr spannende Geschichte gelungen, die zeigt, dass eine Lebenslüge früher oder später ein ganzes Leben ins Wanken bringt und es dann kein Zurück mehr gibt.

Fazit: Liebe, Lügen und Verrat – ein spannender Plot, bei dem man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

 

Sonja Kraus

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

Sa

02

Sep

2017

Thordis Elva: Ich will dir in die Augen sehen

Thordis Elva / Tom Stranger

Ich will dir in die Augen sehen

Eine Frau trifft den Mann, der sie vergewaltigt hat

München ; Knaur ; 2017 ; 345 Seiten ; ISBN 3-426-21412-1

Im Buch „Ich will dir in die Augen sehen: Eine Frau trifft den Mann der sie vergewaltigt hat“ erzählen die Isländerin Thordis Elva und der Australier Tom Stranger von der mühsamen Aufarbeitung der Vergewaltigung der zur Tatzeit erst 16-jährigen durch ihren damaligen Freund Tom.


Erst Jahre nach der Vergewaltigung begreift Thordis, dass nicht sie schuld daran ist und beginnt ihrem Ex-Freund, der inzwischen wieder in Australien lebt, E-mails zu schreiben. Tom Stranger, der von Schuldgefühlen geplagt wird, und in einer Art von innerem Gefängnis gefangen ist, antwortet auf diese E-mails und so entsteht ein jahrelanger Mailwechsel. Allerdings müssen beide feststellen, dass es nicht reicht und für die endgültige Aufarbeitung eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht nötig ist. Dazu treffen sich beide 20 Jahre nach der Tat in Kapstadt, verbringen mehrere Tage miteinander und sprechen sich aus, um die Vergewaltigung endlich hinter sich zu lassen.


Der Großteil des Buches wird aus der Sicht von Thordis Elva geschildert, die obwohl sie inzwischen Mutter eines kleinen Sohnes ist und in einer glücklichen Beziehung lebt, die Tat nicht hinter sich lassen kann.


Nach einigen Kapiteln sind auch Auszüge aus Toms Tagebuch in Kapstadt aufgeführt, so dass man auch seine Sicht und seine Gefühle besser erfährt.
Mit jedem Tag und trotz Rückschlägen gelingt es Thordis und Tom besser die Tat aufzuarbeiten und ihre Gefühle in den Griff zu bekommen. Wird es Thordis am Ende gelingen ihrem Vergewaltiger zu vergeben?

Der Schreibstil von Thordis Elva ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Die Tagebuchauszüge von Tom sind stilistisch nicht so gut geschrieben. Dennoch besticht dieses Buch durch die Offenheit und Ehrlichkeit von Opfer und Täter.

Thordis Elva ist eine erstaunliche und mutige Frau, die mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit ging, um anderen Opfern von sexueller Gewalt Mut zu machen und Hoffnung zu geben, dass man auch nach einer solchen Tat sein Glück finden kann.


Ebenfalls bewundernswert ist das Verhalten von Tom Stranger, der sich mit diesem Buch einer großen Öffentlichkeit stellt und zu seiner Verantwortung steht.

Fazit: Ein lesenswertes Buch, das das Tabuthema Vergewaltigung durch den eigenen Partner, thematisiert.

 

Katrin Hildenbrand

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth

Fr

30

Jun

2017

Anja Jonuleit: Der Apfelsammler

Anja Jonuleit

Der Apfelsammler

Roman

München ; dtv ; 2017 ; 367 Seiten ; ISBN 978-3-423-21679-1

Die Journalistin Hannah hat gerade eine unglückliche Beziehung mit einem verheirateten Mann hinter sich. Als sie die Nachricht vom plötzlichen Tod ihrer Tante Eli erhält, zögert sie daher auch nicht lange und fährt nach Italien um den Nachlass zu regeln. Diese Fahrt nach Umbrien wird - wie sich bald herausstellt - auch eine Reise in die Vergangenheit der beiden Frauen.

Nach dem Tod ihrer Eltern hatte Eli sich um ihre Nichte Hannah gekümmert wie um ihr eigenes Kind. Hannah plagt das schlechte Gewissen, weil sie Eli kein einziges Mal hier in Italien besuchen kam. Wohl auch aus diesem Grund bleibt sie viel länger als geplant und will mehr über Elis Leben dort erfahren. Nach und nach lernt sie die Bekannten und Freunde ihrer Tante kennen.

Die Begegnung mit Matteo Di Lauro, den alle nur ‘den Verrückten mit den Äpfeln‘ nennen, erweist sich für Hannah als folgenschwer. Seinem schroffen Verhalten zum Trotz beginnt sie ohne sein Wissen eine Story über den eigenbrötlerischen Apfelsammler zu schreiben. Matteo hat es sich nämlich zur Aufgabe gemacht alte Obstsorten aus der Region zu bewahren und zu veredeln. Und die Leser des Online-Magazins, für das Hannah schreibt, sind ganz wild auf solche Geschichten. Mit der Zeit kommen sich Matteo und Hannah näher und sie kann erahnen, weshalb er ihr gegenüber immer so schroff und unnahbar ist. Dabei scheint Tante Eli und diesen Mann eine Freundschaft verbunden zu haben, die Hannah noch nicht so ganz einordnen kann.

Beim Ausräumen des Hauses stößt Hannah auf die Entwürfe einzelner Seiten eines längeren Briefes, den ihre Tante kurz vor dem Tod geschrieben haben muss – so eine Art Lebensbeichte. Doch leider findet Hannah nirgends die Reinschrift, die der Schlüssel zu der ganzen Geschichte ist. Ob sie jemand bewusst an sich genommen hat um etwas geheim zu halten?

Mit „Der Apfelsammler“ präsentiert Anja Jonuleit den Lesern nach "Rabenfrauen" wieder eine äußerst fesselnde Geschichte. Der Roman ist sehr geschickt konstruiert, denn in den Kapiteln, die aus Hannahs Sicht geschrieben sind, erfährt man vom aktuellen Geschehen. Immer im Wechsel erfährt man aus Elisabeths Sicht dann Details aus deren Leben, das schon in jungen Jahren von leidvollen Erfahrungen geprägt war. Hannah wird von alledem erst sehr viel später erfahren. Und ganz zum Schluss fügen sich letztlich alle Puzzleteile zusammen.

Fazit: Eine sehr gelungene und mitreißende Familiengeschichte, die absolut zu empfehlen ist.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

Do

18

Mai

2017

Antony Beevor: Ardennen-Offensive

Antony Beevor

Die Ardennen-Offensive 1944

Hitlers letzte Schlacht im Westen

München ; C. Bertelsmann ; 2016 ; 477 Seiten ; ISBN 978-3-570-10220-6

 

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges erschienen unzählige Publikationen über Hitlers vergeblichem Griff nach der Weltherrschaft. Eine, im Gegensatz zu Amerikanern und vor allem Engländern, in der Erinnerung der Deutschen nur eine geringe Rolle spielende, aber für den Ausgang des Zweiten Weltkriegs mitentscheidende Schlacht hat sich nun der renommierte Britische Historiker Antony Beevor gewidmet: Der Ardennen-Offensive im Dezember 1944.

Nach seinem einerseits beeindruckenden und fesselnden, andererseits aber auch in schaurig-traurigen Bildern erzählendes Buch über den Untergang der 6. Armee in Stalingrad, sowie seinem nicht weniger imposanten und auch verfilmten Werk, Berlin - Das Ende 1945, ist Beevor erneut ein großes und in seinem Detailreichtum überzeugendes Epos gelungen - allerdings gerade aufgrund seiner Realität nicht für schwache Nerven gedacht.

Am 16. September 1944 präsentierte der kränkelnde Hitler in der Wolfsschanze, seinem Führerhauptquartier, seinen Generalen eine seiner völlig realitätsfremden Eingebungen: die Idee eines Angriffs im Westen gegen die ressourcentechnisch bei weitem überlegenen Alliierten, die sich nach der Landung in der Normandie im Juni sukzessive Richtung Osten vorkämpften. Die aus Sicht Hitlers unfähigen amerikanischen Soldaten sollten vertrieben werden und nach einem Separatfrieden wollte man sich dann mit vereinten Kräften gegen die Rote Armee im Osten wenden. Gesagt, getan, entgegen allem militärischem Ratschlag und Logik musste die Idee unter absoluter Verschwiegenheit unter dem Decknamen „Herbstnebel“ in die Tat umgesetzt werden.

Gut eine Woche vor Weihnachten, am 16. Dezember 1944, um 05:30 Uhr, überrascht ein durch 3.400 Geschütze und massive Artillerieeinschläge vorbereiteter Angriff der Heeresgruppe B unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Walter Model mit den ihm unterstellten hochmodernen 5., 6. und 7. Panzerarmeen in den Ardennen die dort sich für den weiteren Angriff Richtung Westen vorbereitenden amerikanischen Truppen. Ziel des fast ohne jegliche Luftunterstützung begonnenen Vorstoßes war das 200 km entfernte Antwerpen, um sich dort die riesigen Nachschublager der Alliierten und damit wertvolle Ressourcen für den weiteren Kampf zu sichern. Laut Beevor notierte Göbbels in sein Tagebuch, dass nach Ankündigung der Offensive in Berlin der gesamte Schnapsvorrat für Weihnachten ausgetrunken worden sei! Der Angriff und gerade sein Zeitpunkt unterlag auf ausdrücklichem Befehl (unter Androhung der Todesstrafe)  des manisch allem und allen misstrauenden Hitler einer so hohen Geheimhaltung, dass selbst die deutsche Flugabwehr erst einmal der eigenen Luftwaffe, die man für alliierte Flugzeuge hielt, hohe Verluste durch „friendly fire“ zufügte.

 

Trotzdem schien der Angriff „aus dem Nichts“, „The Battle of the Bulge“ (benannt nach der Ausbuchtung der Front nach Westen nach dem deutschen Vorstoß), anfänglich auch sein Ziel zu erreichen. Aber mit einen immensen Material- und Personaleinsatz und somit einem im Vergleich zu den deutschen Verbänden Vielfachen an Kräften sowie mit nach und nach besserem Wetter, so dass die Alliierten alleine in vier Tagen 15.000 Einsätze fliegen konnten, gelingt es den Alliierten schließlich das Blatt wieder zu wenden. Der Vorstoß wurde deutlich vor der Maas zum Stoppen gebracht, die Initiative wiedergewonnen und die Verbände der Wehrmacht und Waffen-SS bis Ende Januar 1945 in ihre Ausgangsstellungen zurückgeworfen. Der weitere Verlauf des Krieges mit dem ab dem 12. Januar zeitlich parallel verlaufendem, massiven Angriff der Roten Armee im Osten mit dem Ende der Chimäre Hitlers ist hinreichend bekannt.

„… Bauernhöfe und Scheunen gingen in Flammen auf. Frauen und Kinder, …, wurden in vielen Fällen von Minen und Artillerie von beiden Seiten getötet oder verstümmelt. Jagdbomber mähten sie einfach nieder, weil sie die dunklen Figuren im Schnee häufig für feindliche Soldaten hielten. GIs stießen… auf ausgehungerte Hunde, die verletze Kühe und Pferde zerrissen, noch bevor sie tot waren. Wasserquellen wurden durch weißen Phosphor vergiftet…“

Bereits der Buchumschlag, ein offensichtlich frierender junger Soldat mit Waffe in einem verschneiten Wald, offensichtlich feindbesetzt, lässt uns frösteln und bereitet uns auf das nicht weniger fröstelnde Buch vor. Wie bereits in seinen bisherigen Büchern, gelingt es Beevor, einerseits den permanenten Drang nach Überleben in den Schützengräben, Stellungen und Häuserruinen, der mit der Geschäftsmäßigkeit in einem Ameisenhaufen zu vergleichen ist, und andererseits die Trauer, das Selbstmitleid über das eigene Schicksal, so eindrucksvoll und authentisch darzustellen, als würde man glauben „in einem schlechten Film“ zu sitzen. Bei Szenen wie das ständige Leben mit Frost, Unterernährung, der Umstand, sich nicht waschen zu können, brutale Vergewaltigungen in einer jetzt so ruhigen und naturbelassenen Gegend Belgiens oder auch weiter südlich im Elsass, lässt es einem manchmal kalt den Rücken herunterlaufen. Der Kampf um und in den Ardennen erreichte auch für die Zivilbevölkerung ein Maß an Grausamkeit, welches man bisher nur von der Ostfront kannte.

Auch viele skurrile Szenen kennzeichnen das Buch. So z.B. wird beschrieben, wie man einen deutschen Offizier tagelang tot in einem Kübelwagen sitzen ließ und ein Jugendlicher von der Tatsache fasziniert war, dass dessen Bart auch nach dem Tod weiterwuchs. Beevor lässt uns teilhaben an den Leiden aller Kriegsteilnehmer, man spürt die Kälte, die teils minus 25 Grad betrug.

Darüber hinaus verliert er aber bei all den Beschreibungen des teils grausamen Gemetzels nicht den Blick für die operativen und strategischen Entwicklungen der Schlacht und verknüpft so unter Nutzung von Lagekarten und Bildern verständlich Einzel- und Gruppenschicksale, Soldaten wie auch normale Bürger betreffend, mit militär-politischen Zusammenhängen, wie es eigentlich nur er kann. Einmal mehr beweist der britische Kriegshistoriker in diesem Werk seine Fähigkeit, die weitläufigen und sehr komplexen Zusammenhänge einzelner Schauplätze, Entscheidungen und Maßnahmen in verständlicher Art und Weise zu verknüpfen und so dem Leser eine hervorragende Gesamtschau der letzten Monate des Zweiten  Weltkriegs zu liefern.

Besonders interessant sind auch die Darstellungen der Macht- und Ränkespiele unter den alliierten Führungskräften, einerseits zwischen den amerikanischen Generalen und anderseits zwischen diesen und dem britischen Feldmarshall Montgomery. Auf amerikanischer Seite waren das neben „Ike“ Eisenhower vor allem der Kommandeur der 12. Armeegruppe, General Bradley, und die Kommandeure der ihm unterstellten 1st Army, General Hodges, sowie der 3rd Army, General Patton. Deren Eifersüchteleien, teilweise Befehlsverweigerungen und oftmals auch fehlerhafte Strategien, die Beevor detailgenau nachrecherchiert hat, führten nicht nur zu unnötigen Verlusten Tausender für die Alliierten kämpfenden Soldaten, sondern auch zu einer unnötigen Verlängerung der Offensive. Entweder waren diese hochdekorierten General zu manipulativ und zu übervorsichtig oder zu leichtsinnig, zu arrogant sowie zu egoistisch. Keiner, so der Autor, hatte wirklich das Zeug zum Helden. Diesen Ränkespielen bedingt, konnten Hitlers Verbände, eigentlich schon in der Defensive, immer wieder empfindliche Nadelstiche setzen.

Die anfänglichen Erfolge der Deutschen Wehrmacht waren eher der Improvisation und dem Können der Kommandeure vor Ort als einer klaren Strategie Hitlers oder seiner führenden Generäle im Oberkommando der Wehrmacht zuzusprechen. Beevor unterstreicht, dass die Wehrmacht auf allen Ebenen über die besseren militärischen Führer mit der besseren Taktik verfügte. Letztendlich konnte aber dieser Vorteil alleine nicht die enormen Ressourcen und vor allem den nie abbrechenden Nachschub an Personal und Material, Munition und Betriebsstoff, kompensieren. Nur der Rückgriff auf und der Einsatz von immensen Ressourcen führte zum Erfolg, übrigens mit der entscheidende Umstand, der auch heute noch den USA zu militärischen Erfolgen verhilft. In Beevors Darstellungen wird auch deutlich, mit welchen unbändigen Willen und Zähheit die deutschen Soldaten kämpften, die selbst die Gegenseite schwer beeindruckte. An Munitionsmangel leidend, schlecht bekleidet gerade für den Winterkampf, oft vom Durchfall und gefrorenen Gliedmaßen geplagt sowie vor allem auch unterernährt waren sie trotz allem immer noch zu Höchstleistungen in der Lage. Dies haben die Gegner oftmals unterschätzt, so dass sich die Deutsche Wehrmacht nach einer vermeintlichen Katastrophe immer wieder erholte.

Aber es kam auch zu schweren Kriegsverbrechen. So, als die Kampfgruppe Peiper in einem belgischen Dorf bei Malmedy 84 gefangene US Soldaten einfach ermordete. Aber nicht nur auf deutscher Seite herrschte manches brutales Handeln, nein, Malmedy war auch der Auslöser zahlreicher amerikanischer Racheakte, hier wurden ebenso wehrlose deutsche Gefangene ermordet, gedeckt durch die oberste Führung. Darüber berichtet Beevor erstmalig mit hoher Glaubwürdigkeit. Ungefähr je 80.000 Tote, Vermisste, Verwunderte auf beiden Seiten, dazu ca. 30.000 getötete Zivilisten, lauten die nackten Zahlen. Nicht mitgezählt die angesichts der Grausamkeiten und Brutalitäten erleidenden Unmengen an traumatisierten Personen.

Wie bereits der Militärhistoriker Bernd Wegner vor fast 10 Jahren analysierte, Hitlers Sinn im Kriege lag spätestens mit der Ardennen-Offensive auch im Untergang des deutschen Volk, hat es sich doch als das Schwächere im Kampf auf Leben und Tod erwiesen. Der Krieg der „Verbrannten Erde“ (manifestiert in dem späteren sogenannten „Nero-Befehl“), sollte im eigenen Land fortgeführt werden. Hitler, so Wegner, war nicht der Erfinder der Ideologie der Selbstvernichtung, sondern „nur“ ihr Durchführender.

Fazit: Die Konzentration maßgeblicher Ressourcen für die Ardennenoffensive, Mensch und Material, und ihre dortige starke Abnutzung war der entscheidende Aspekt für den schnellen Vorstoß der Sowjetunion im Osten. Nicht ausschließlich, aber auch im Wesentlichen mit dieser Schlacht, wurden unsere heutigen Werte grausam und verlustreich erkämpft. Jeder, dem diese Werte nicht viel zu bedeuten scheinen, sollte angesichts aller Oper daran denken. Der Wechsel aus Hoffnung schöpfenden Momenten, um dann gleich wieder mit unmenschlich leidende Menschen konfrontiert zu werden, gehen einem an die Nieren, die Beschreibungen sind aber notwendig, um vielleicht gerade der heutigen jungen Generation in allen Ländern die Sinnlosigkeit von Kriegen aufzuzeigen.

 

Andreas Pickel

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2017 Andreas Pickel, Harald Kloth

Mi

17

Mai

2017

Simon Beckett: Totenfang

Simon Beckett

Totenfang

David Hunter, Band 5

Reinbeck ; Rowohlt ; 2016 ; 560 Seiten ; ISBN 978-3-644-21831-4

 

Nach längerer Pause erschien endlich im Oktober 2016 der fünfte Band der Reihe um den forensischen Anthropologen Dr. David Hunter.

 

Unverhofft wird Dr. Hunter gebeten eine Wasserleiche in den Backwaters, einem unwirtlichen Mündungsgebiet in Essex, zu untersuchen. Die örtliche Polizei vermutet die Leiche von Leo Villiers, der unter Verdacht steht seine Affäre Emma Darby ermordet und einige Monate später sich selbst getötet zu haben. Als Dr. Hunter jedoch kurze Zeit später noch einen abgetrennten Fuß findet, kommen ihm jedoch Zweifel. Unerwartet wird seine eigentlich für ein paar Stunden geplante Fahrt in die Backwaters zu einem längeren Aufenthalt.

Die ersten Kapitel des Buches sind leider etwas langatmig und handlungsarm, da es sich hier nur um die privaten Probleme von Dr. Hunter dreht. Doch wer durchhält und weiterliest, wird mit einem äußerst spannendem Plot belohnt.

 

Simon Beckett schafft es die unwirtliche Gegend der Backwaters und ihre Bewohner herrlich detailreich zu beschreiben. Das Buch wird wie bei den vorherigen Bänden aus der Ich-Perspektive von Dr. Hunter erzählt und der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und leicht zu lesen. Auch die Einblicke in die forensischen Methoden zur Identifizierung von Wasserleichen sind interessant und tragen zum Spannungsaufbau bei. Am Ende freut man sich schon auf eine Fortsetzung. Hoffentlich dauert die Pause diesmal nicht wieder so lange bis der nächste Band erscheint!

 

Fazit: Ein spannungsgeladener Thriller, von dessen zähem Beginn man sich nicht abhalten lassen darf! Sehr empfehlenswert auch für alle, die sich für forensische Methoden interessieren.

 

Katrin Hildenbrand

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth

So

14

Mai

2017

Carols Ruiz Zafrón: Das Labyrinth der Lichter

Carlos Ruiz Zafrón

Das Labyrinth der Lichter

Roman

Frankfurt am Main ; S. Fischer ; 2017 ; 944 Seiten ; ISBN 978-3-10-002283-7

1959 - Spanien in der Zeit des Franco-Regimes. Es herrscht ein Klima von Angst, Verrat und Unsicherheit.

Die junge erfolgreiche Alicia Gris wird damit beauftragt, im Fall des vor kurzem spurlos verschwundenen Ministers Mauricio Valls zu ermitteln. Dieser Auftrag, der angeblich ihr letzter sein soll, führt Alicia von Madrid zurück in ihre Heimatstadt Barcelona. Der etwa doppelt so alte Vargas soll sie bei ihrer Arbeit unterstützen.

Schnell wird deutlich, dass Minister Valls Verschwinden mit seiner Zeit als Gefängnisdirektor der berüchtigten Anstalt Montjuïc zusammenhängen muss. Bei den Untersuchungen stoßen die beiden auf ein kleines Büchlein, das Teil einer Serie namens „Das Labyrinth der Lichter“ ist. Dieses Buch erinnert Alicia schmerzlich an ihre Vergangenheit und eine Kriegswunde, die ihr immer wieder höllische Schmerzen bereitet. Zudem führt die beiden dieses Buch zur Buchhandlung Sempere & Söhne, die Zafón-Lesern ja bereits bestens bekannt sein dürfte. Hier scheinen alle Fäden zusammenzulaufen und auch der „Friedhof der Vergessenen Bücher“ wird zum Schauplatz der Ermittlungen. Alicia selbst gerät in Gefahr, Opfer einer bösen Intrige zu werden.

Am Ende wird deutlich, dass es sich bei den ganzen Vorfällen letztlich von Beginn an nur um eine Sache gedreht hat – die Gier nach Macht und Kontrolle über andere Menschen.

In seinem Roman „Das Labyrinth der Lichter“ nimmt Carlos Ruiz Zafón seine Leser wieder mit auf eine Reise ins Herz Barcelonas. Tiefe menschliche Abgründe sowie mysteriöse Ereignisse verwebt er wieder zu einer spannenden Geschichte. Im Fokus stehen dieses Mal allerdings die finsteren Machenschaften in der Politik und beim Geheimdienst.

Der Roman ist auch ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus den früheren Romanen. Zafóns Erzählstil muss man allerdings mögen – das weitschweifige, detailreiche Erzählen mag manchen etwas langatmig und zäh vorkommen. Für treue Leser Zafóns ist dieses Buch aber wieder ein echter Gewinn und bietet auf über 900 Seiten Lesevergnügen pur.

Fazit: Eine typische Zafón-Schauergeschichte - absolut lesenswert!

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth 

Mo

01

Mai

2017

Alles wandelt sich - Echos auf Ovid

Alles wandelt sich

Echos auf Ovid

herausgegeben von Gabrielle Alioth und Hans-Christian Oeser

Das Buch „Alles wandelt sich – Echos auf Ovid“, herausgegeben von Gabrielle Alioth und Hans-Christian Oeser, versammelt unterschiedliche Texte über Ovid. Die Anthologie feiert den 2000sten Todestag des antiken römischen Dichters Ovid, der im Jahre 17 nach Christus gestorben ist und dessen „Bücher der Verwandlungen“, die Metamorphosen, bis heute bekannt sind, so etwa Daedalus und Ikarus, Orpheus und Eurydike und vieles mehr.

 

Das PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland hat nun 38 Autoren und Autorinnen gebeten, ihre jeweils persönliche Sicht auf Ovid in Texten festzuhalten. Die Textgattung blieb den SchreiberInnen dabei völlig frei, so dass man in dem vorliegenden Band sowohl Geschichten als auch Gedichte antrifft.

 

Inhaltlich fallen die Texte aktuell oder politisch aus (beispielsweise Bezugnahme auf die Flüchtlingskrise), sind in Gedichtform sehr poetisch oder bieten private Interpretationen Ovidscher Themen.

 

Fazit: Eine nicht ganz einfach zu lesende Auseinandersetzung mit einem der größten Dichter der Antike. 

 

Clara Roßmann

2/3 von 5
2 bis 3 von 5

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© 2017 Clara Roßmann, Harald Kloth 

Sa

29

Apr

2017

Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein

Hans Fallada

Jeder stirbt für sich allein

Roman

Berlin ; Aufbau Digital ; 2011; ISBN E-Pub 978-3-8412-2078-3

Ein Berliner Ehepaar wagte einen aussichtslosen Widerstand gegen die Nazis, wurde von Roland Freisler, dem gefürchteten Vorsitzenden des Volksgerichtshofs zum Tode verurteilt und am 08.04.1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Von ihrem Schicksal erfuhr Hans Fallada (mit richtigem Namen Rudolf Ditzen) aus einer Gestapo-Akte, die ihm der Dichter und spätere Kultus-Minister Johannes R. Becher überreicht wurde. In weniger als vier Wochen schrieb Hans Fallada daraufhin fieberhaft, da selbst schwerst von Krankheiten und Sucht gezeichnet, sein letztes Werk und schuf damit ein Panorama des Lebens der "normalen" Leute im Berlin der Nazi-Zeit.

Nachdem der einzige Sohn von Anna und Otto Quangel in Hitlers Krieg gefallen ist, wollen die beiden ein Zeichen des Widerstands setzen: Sie schreiben Botschaften auf Karten und verteilen diese in der Stadt. Dieses stille, nüchterne und einfache Ehepaar träumt von einem sich langsam verbreitenden und weitreichenden Erfolg und ahnen nicht, dass ihnen die Gestapo in Person von Kommissar Escherich längst auf der Spur ist.

Diese Ausgabe präsentiert Hans Falladas letztes Werk erstmals in der ungekürzten, über achthundert Seiten starken Original-Fassung und zeigt ihn rauer, intensiver, nuancenreicher, authentischer und schonungsloser als die redigierten.

Fazit: Ich halte dieses wichtige, spürbar mit viel Herzblut und äußerst eindringlich geschriebene Plädoyer für mehr Menschlichkeit, Würde und Mut als das Beste, das je über den deutschen Widerstand gegen die Nazis geschrieben wurde!

 

Wolfgang Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Wolfgang Gonsch, Harald Kloth 

 

 

Sa

15

Apr

2017

Schattenfeuer

Schattenfeuer

Fantasy-Stories

Herausgegeben von Burkhard P. Bierschenck und Petra Mattfeldt

Planegg ; Bookspot Verlag ; 2016 ; 223 Seiten; ISBN 978-3-95669-061-7

 

Diese Anthologie ist das Ergebnis eines Kurzgeschichten-Wettbewerbs. Alle Geschichten, die es auf die Shortlist geschafft haben finden sich in dem Buch wieder. Während manche Geschichten durchaus spannend, originell und gut geschrieben sind, sind einige auch weniger gelungen. Von typischen Fantasy-Geschichten mit magischen Parallelwelten, Werwölfen, Drachen und Zauberern bis zu eher realistischen Erzählungen mit Grusel-Elementen hält die Sammlung für jeden Geschmack etwas bereit.

 

Aber: Wer gerne stundenlang in dicken Fantasy-Schmöckern liest wird mit dem Buch nicht viel Freude haben, einfach deshalb, weil die durchaus guten Stories dann knackig zu kurz sind. Für Freunde von Kurzgeschichten hält die Sammlung einige Lese-Perlen bereit, allerdings darf man sich nicht von den weniger gelungenen Geschichten vom Weiterlesen abhalten lassen.

Fazit: Durchaus lesenswert für Liebhaber von Kurzgeschichten.

 

Michaela Wein

3 Sterne
3 von 5

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© 2017 Michaela Wein, Harald Kloth 

 

Fr

14

Apr

2017

AchtNacht

Sebastian Fitzek

AchtNacht

Thriller

München ; Knaur Verlag ; 407 Seiten ;  ISBN: 978-3-426-52108-3

Berlin im August. Ben, ein gerade von seinen Bandkollegen entlassener Musiker streift durch die Hauptstadt. Er lebt von seiner Frau Jennifer getrennt und zu allem Überfluss hat seine Tochter Jule vor ein paar Tagen auch noch versucht, sich das Leben zu nehmen. War es wirklich ein Selbstmordversuch? Ben kommen so seine Zweifel. Noch während er diesem Gedanken nachhängt überschlagen sich die Ereignisse.

Auf großen Bildschirmen sieht er sein Gesicht und weiß zunächst nicht, was AchtNacht zu bedeuten hat. Schnell wird klar, dass es sich bei AchtNacht um eine mörderische Lotterie handelt. Der Auserwählte ist für eine Nacht vogelfrei. Wer ihn tötet bekommt ein Preisgeld in Höhe von 10 Millionen Euro.

Ben, der ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinem Vater hat, versucht dennoch, ihn um Hilfe zu bitten. Aber kann man einem helfen, der von Millionen verfolgt wird?

Sebastian Fitzek entwickelt einen spannenden Thriller in dem er ein massenpsychologisches Experiment kreiert. Mehr und mehr wird deutlich, zu was der Mensch fähig ist. Obwohl die Handlung fiktiv ist, schafft es der Autor dennoch, die aktuellen Zustände in unserer Gesellschaft gut zu beschreiben. Beim Lesen stellt man sich immer wieder die Frage, wie man selbst in dieser Situation handeln würde. Vor allem das Zurschaustellen auf Videoplattformen wird sehr gut dargestellt und es wird jedem klar, wie schnell sich das Blatt drehen kann.

Fazit: Spannender Plot mit gesellschaftskritischen Anmerkungen

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Matthias Wagner, Harald Kloth 

Sa

08

Apr

2017

Dear Amy

Helen Callaghan

Dear Amy

Er wird mich töten, wenn Du mich nicht findest

München ; Knaur ; 2017 ; 397 Seiten ; ISBN 978-3-426-65420-0

 

Helen Callaghans Debüt „Dear Amy“ beginnt damit, dass die 15-jährige Katie nach einem Streit mit ihren Eltern an einem regnerischen Abend in Cambridge spurlos verschwindet. Auch nach mehreren Wochen gibt es kein Lebenszeichen von der Schülerin. Ihre Lehrerin Margot Lewis befürchtet, dass die Polizei die Suche nach Katie bald einstellen wird und der Fall in Vergessenheit gerät. Margot hat neben ihrem Beruf als Lehrerin noch einen Nebenjob: Sie schreibt die Kolumne  „Dear Amy“ für die örtliche Zeitung und gibt darin Ratschläge an alle, die sich mit einem Problem hilfesuchend an „Amy“ wenden.

 

Kurze Zeit später erhält sie einen Brief eines verzweifelten Mädchens namens Bethan Avery, das vor vielen Jahren entführt wurde. Diesem Brief folgen weitere, die angeblich von der entführten Bethan stammen.  Die Polizei zweifelt die Echtheit der Briefe an und das Rätsel um die mysteriösen Mitteilungen beginnt ... Steckt tatsächlich die vor vielen Jahren verschwundene Bethan Avery hinter den Briefen? Kann Katie noch lebend gefunden werden?

 

Das Buchcover ist ansprechend gestaltet und zeigt ein Auto mit geöffneter Tür nachts auf einer einsamen Straße. Der perfekte Ort für eine Entführung eines Mädchens.

 

Das erste Kapitel um die Entführung von Katie ist sehr spannend geschrieben und macht neugierig. Der Rest des Buches wird jedoch hauptsächlich aus der Ich-Perspektive der Lehrerin Margot Lewis erzählt. Margot ist psychisch sehr labil und es wird bald deutlich, dass sie in ihrer Vergangenheit viel erlebt hat. Ihre privaten Probleme und ihre anstehende Scheidung werden sehr ausführlich thematisiert, während die eigentliche Entführung von Katie und ihre Gefangenschaft nur relativ wenige Seiten im Buch umfassen. Dies führt dazu, dass das Buch erst auf den letzten hundert Seiten wirklich an Spannung gewinnt. Davor plätschert die Handlung zu sehr vor sich hin, da nicht viel passiert.

 

Der Schreibstil ist sehr holprig, was vielleicht an der Übersetzung liegen könnte.  Insgesamt ist die Erzählweise der Autorin zu langatmig. Das Seelenleben der Lehrerin wird in vielen Kapiteln ausführlich thematisiert, wirkt jedoch sehr verwirrend. Es fällt schwer für die Hauptfigur des Buches Sympathien aufzubringen, da es nach einigen Kapiteln nur noch nervt von ihrer anstehenden Scheidung und ihren Problemen zu lesen.

 

Erst gegen Ende des Buches wird klar, warum die Autorin das Leben von Katies Lehrerin so ausführlich darstellt. Bis dahin sind aber sicherlich schon viele Leser ausgestiegen. Auch die Auflösung wirkt etwas weit hergeholt.

 

Fazit: Der Prolog und der Klappentext klingen nach Psychothriller. Leider enttäuscht dieses Buch eingefleischte Thrillerfans aber durch zu viele Längen und zu wenig Spannung.

 

Katrin Hildenbrand

2/3 Sterne
2/3 von 5

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© 2017 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth

Fr

31

Mär

2017

Selfies

Jussi Adler-Olsen

Selfies

Der siebte Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q

München ; dtv ; 2017 ; 573 Seiten ; ISBN: 978-3-423-28107-2

Im Park wird die ältere Dame Rigmor Zimmermann, die kurz zuvor bei ihrer Tochter Birgit und Enkelin Denise war tot aufgefunden. Die Mordkommission nimmt die Ermittlungen auf.

Carl Mørck hat mit seinen Mitarbeitern derweil ganz andere Sorgen, denn das Sonderdezernat Q soll aufgelöst werden. Zu allem Überfluss ist auch noch die Sekretärin Rose plötzlich verschwunden.

Zeitgleich wird Michelle, eine junge hübsche Arbeitslose, von einem Auto angefahren und die Ermittler glauben nicht an einen Unfall, denn bereits kurze Zeit später stirbt eine junge Frau, die von einem Auto überfahren wurde. Nachdem Michelle gegenüber ihren beiden Freundinnen Jazmine und Denise einen Verdacht äußert, endet die nächste Attacke auf sie tödlich. Hat dies alles mit einem kuriosen Diskoüberfall zu tun, bei dem ein Mitglied von „The Black Ladies“ erschossen wurde?

Die Sozialarbeiterin Anne-Line Svendsen ist in zunehmendem Maße frustriert von ihrer Arbeit, denn ihre jungen weiblichen Schützlinge wollen nur schön sein und nichts tun. Ein Arztbesuch bringt eine tödliche Diagnose und einen noch tödlicheren Plan.

Carl, Assad und Gordon sind schwer mit der Vergangenheit von Rose beschäftigt, denn sie erhoffen sich dort Hinweise auf ihr jetziges Verhalten. Die Ermittlungen in den aktuellen Fällen laufen weiter und der Verdacht erhärtet sich, dass die Fälle zusammenhängen könnten. Carls früherer Chef Marcus Jacobsen bringt dann auch noch einen längst vergessenen Fall ins Gespräch, der große Parallelen zur Ermordung von Rigmor aufzeigt.

Im siebten Fall für Carl Mørck vom Sonderdezernat Q entwickeln sich die Fälle parallel zueinander. Zunächst ist nicht klar, was in Kopenhagen passiert. Das Ermittlerteam ist dezimiert, denn Rose ist nicht an Bord. Mehr noch, sie ist in großer Gefahr und alle setzen alles daran, sie zu retten. Jussi Adler Olsen schafft es auch mit dem siebten Band um das Sonderdezernat Q die Geschichte weiter zu entwickeln.

Fazit: Ein toller Plot! Selfies lässt aufflackern, was Frust alles bewirken kann.

 

Matthias Wagner

4/5 Sterne
4/5 von 5

 

Endlich erschien im März 2017 der bereits siebte Fall rund um das Sonderdezernat Q der Kopenhagener Mordkommission. Diesmal hat das Team rund um Kommissar Carl Morck und seinen Assistenten Assad alle Hände voll zu tun: Gleich drei Fälle zur selben Zeit sind zu lösen: eine alte Dame wird in einem Park ermordet, mehrere junge Frauen werden von einem Autofahrer überfahren und dann ist da noch Carls Assistentin Rose, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird und der sie natürlich als gute Kollegen helfen möchten.

 

Wie bei den vorherigen sechs Bänden, werden die Charaktere des Teams Carl, Assad und Rose herrlich sympathisch und authentisch beschrieben. Der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und Adler-Olsen lässt immer wieder einen recht schwarzen Humor einfließen, so dass man an einigen Stellen schmunzeln muss. Die Handlung ist diesmal wirklich einfallsreich und obwohl man einen der Mörder nach wenigen Kapiteln kennt, ist das Buch dennoch spannend bis zum Schluss. Wie hängen die Fälle zusammen und können Carl und Assad ihrer Kollegin Rose tatsächlich helfen?

 

Auch Thriller-Fans, die die Vorgängerromane noch nicht gelesen haben, werden der Geschichte gut folgen können, da wenig Vorwissen vorausgesetzt wird.

 

Fazit: Ein atemberaubender Thriller voller überraschender Wendungen. Bestsellerautor Jussi Adler-Olsen übertrifft sich hier selbst!

 

Katrin Hildenbrand

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Matthias Wagner, Katrin Hildenbrand, Harald Kloth

Fr

17

Mär

2017

Institut der letzten Wünsche

Antonia Michaelis

Das Institut der letzten Wünsche

Roman

München ; Knaur ; 2017 ; 496 Seiten ; ISBN 978-3-426-51574-7

Weihnachten mitten im Sommer, einmal noch Riesenrad fahren im längst stillgelegten Vergnügungspark oder Maria Callas live singen hören - Mathilda Nielsen und ihre Chefin Ingeborg Wehser vom Institut der letzten Wünsche machen alles möglich.

Schließlich geht es um die Herzenswünsche ihrer todkranken Klienten. Wenn es sein muss, fährt zu diesem Zweck auch mal ein Pony mit der S-Bahn. Die etwas schrullige Mathilda ist einem von Anfang an sympathisch. Allein die Tatsache, dass sie Teile ihrer Kinderbettwäsche mit so tollen Motiven wie spatenschwingenden Maulwürfen auf ihre Pullover näht und diese so zu absoluten Hinguckern und Einzelstücken macht, bringt einen immer wieder zum Schmunzeln. Auch ihr Umgang mit dem Hund Eddie, der manchmal wie ein Ersatz-Lebensgefährte agiert, verstärkt dieses Sympathie-Gefühl.

Als der neue Klient Birger Raavenstein im Institut auftaucht, ist sofort klar, dass sich sein Wunsch schwieriger realisieren lässt als alle anderen. Er sucht nach seiner großen Liebe Doreen Taubenfänger und dem gemeinsamen Kind, denn als Doreen vor über zehn Jahren plötzlich verschwand, erwartete sie ein Kind von ihm.

Mathilda tut alles in ihrer Macht stehende, um Birgers letzten Wunsch zu erfüllen. Doch innerlich sträubt sie sich zunehmend gegen den Gedanken, das Paar wieder vereint zu sehen. Sie hat sich doch wohl nicht in den Mann mit den stets zerzausten Haaren verliebt? Und warum gerät das Institut plötzlich in Verdacht, illegale Sterbehilfe zu leisten?

Antonia Michaelis ist mit "Das Institut der letzten Wünsche" ein Buch gelungen, das es schafft, das eigentlich ernste Thema "Tod" auf wunderbar leichte Art zu erzählen. Jeder möchte später einmal vor allem eins: in Frieden sterben. Das kann allerdings manchmal nur gelingen, wenn der eine letzte Herzenswunsch in Erfüllung geht.

Und noch eine Sache klingt immer wieder an: manchmal ist es für die Betroffenen besser, sie endlich gehen zu lassen, anstatt sie mit allen Mitteln am Leben halten zu wollen.

Der Wunsch nach selbstbestimmtem Sterben ist letztlich auch der Auslöser, warum in der Geschichte alles ins Wanken gerät.

Fazit: Ein eigentlich ernstes Thema ganz wunderbar verpackt und erzählt. Absolut empfehlenswerte und unterhaltsame Lektüre.

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

Do

16

Mär

2017

Zerbrochen

Michael Tsokos

Zerbrochen

True-Crime-Thriller

München ; Knaur Verlag ; 2017 ; 419 Seiten ; ISBN: 978-3-426-51970-7

 

Fred Abel, Rechtsmediziner beim BKA in Berlin ist nach einer längeren Auszeit wieder im Dienst. Vor mehr als einem Jahr wurde er Opfer eines brutalen Überfalls. Seit dieser Zeit wird er von massiven Albträumen heimgesucht. In Berlin läuft die Fahndung nach dem „Darkroom-Killer“, doch die Polizei hat keine konkreten Hinweise, wer der Täter sein könnte. Fred obduziert ein weiteres Opfer und findet das entscheidende Puzzleteil.

Im schwülheißen Berlin vergnügen sich derweil die beiden Kinder von Fred Abel, die ihren Vater besuchen. Noah und Manon wohnen ansonsten bei ihrer Mutter Claire auf Guadeloupe. Beide werden von einem angeblichen Assistenten Freds in einem Cafe abgeholt. Schnell stellt sich aber heraus, dass weder der Assistent in Wirklichkeit existiert noch der Auftrag, die Kinder abzuholen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn allen ist nun klar, dass die Kinder entführt wurden.

Gott sei Dank hat Fred noch Kontakt zu seinem alten Freund Lars, den er noch aus Bundeswehrzeiten kennt, und der heute private Ermittlungen durchführt. Zusammen mit ihm, dem Profiler Timo und der IT Spezialistin Sara beginnt für Fred Abel eine nervenaufreibende Jagd.

Zu allem Überfluss will sich auch noch der „Darkroom-Killer“ an dem Rechtsmediziner rächen. Seine eigene Vergangenheit hat massiven Einfluss auf die Ereignisse der Gegenwart, was Fred Abel mehr und mehr bewusst wird. Zerbrochen ist der dritte Teil der Trilogie um den Rechtsmediziner Fred Abel.

Nach "Zerschunden" und "Zersetzt" laufen im dritten Teil die Fäden zusammen. Der Plot ist spannend aufgebaut und die Bezüge zu den beiden vorherigen Teilen sind sehr gut gelungen. Beim Lesen von "Zerbrochen" setzt sehr schnell das Erinnerungsvermögen an die beiden früheren Bände ein. Fraglich ist, ob der Leser, der die ersten beiden Teile nicht gelesen hat, beim Lesen die gleiche Freude erlebt. Michael Tsokos bleibt seiner Linie treu, man kann nur hoffen, dass es nicht bei der Trilogie bleibt (beim Lesen des Nachworts kommt diesbezüglich Hoffnung auf).

Fazit: Ein Thriller, der einen immer wieder erschauern lässt, wenn man sich vergegenwärtigt, dass er auf wahren Fällen basiert.

 

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

 

Rechtsmediziner Dr. Fred Abel gelangt im dritten Band der Triologie an seine persönlichen Grenzen. Noch psychisch angeschlagen vom Überfall durch russische Schläger, den er am Ende des letzten Bandes „Zersetzt“ nur knapp überlebt, kehrt er zurück an seinen Arbeitsplatz in der rechtsmedizinischen Abteilung der Berliner Charité. Schnell hat  er sich wieder eingewöhnt und hilft mit seinen Kenntnissen die Identität des „Darkroom-Killers“, der in den letzten Wochen sein Unwesen in Homosexuellen-Lokalen getrieben hat, zu klären. 

 

Auch privat läuft erst alles sehr gut für Dr. Abel, denn seine Zwillinge sind für drei Wochen bei ihm und seiner Lebensgefährtin zu Besuch. Erst am Ende des letzten Bandes hatte der Rechtsmediziner erfahren, dass aus seiner leidenschaftlichen Affäre mit einer Frau aus Guadeloupe vor sechzehn Jahren Zwillinge entstanden waren. Doch die anfängliche Freude über den Besuch von Noah und Manon wird schnell getrübt: Die Zwillinge werden entführt und damit beginnt für Dr. Abel eine nervenaufreibende Jagd nach dem Kidnapper. Wer steckt hinter der Entführung?

 

Der „Darkroom-Killer“, der sich an Dr. Abel rächen will? Pädophile, die es auf minderjährige Flüchtlinge abgesehen haben, oder doch Kriminelle, die den Zwillingen aus Guadeloupe bis nach Berlin gefolgt sind?
Bis zu den letzten Seiten lassen Tsokos und Gößling ihre Leser wie gewohnt mitfiebern.

Ihre detailgetreuen Schilderungen, ihr flüssiger Schreibstil und die sympathischen Charaktere Dr. Abel und dessen Kumpel Lars Moewig machen dieses Buch wieder zu einem Lesegenuß für Thriller-Fans. Dabei kann man der Handlung auch gut folgen, ohne dass man die beiden vorherigen Bände gelesen hat.

 

Nicht ganz so brutal und blutig wie die beiden Vorgänger, lässt der letzte Band der Triologie Dr. Abel an seine persönlichen Grenzen kommen, da er an seinem privat härtesten Fall fast zu zerbrechen droht.

 

Fazit: Wieder ein spannungsgeladener Thriller vom Erfolgsautorenduo Michael Tsokos und Andreas Gößling, das auf  Wiedersehen mit Rechtsmediziner Dr. Abel hoffen lässt.

 

Katrin Hildenbrand

4/5 Sterne
4 bis 5 von 5

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© 2017 Katrin Hildenbrand, Matthias Wagner, Harald Kloth