Do

18

Mai

2017

Antony Beevor: Ardennen-Offensive

Antony Beevor

Die Ardennen-Offensive 1944

Hitlers letzte Schlacht im Westen

München ; C. Bertelsmann ; 2016 ; 477 Seiten ; ISBN 978-3-570-10220-6

 

70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges erschienen unzählige Publikationen über Hitlers vergeblichem Griff nach der Weltherrschaft. Eine, im Gegensatz zu Amerikanern und vor allem Engländern, in der Erinnerung der Deutschen nur eine geringe Rolle spielende, aber für den Ausgang des Zweiten Weltkriegs mitentscheidende Schlacht hat sich nun der renommierte Britische Historiker Antony Beevor gewidmet: Der Ardennen-Offensive im Dezember 1944.

Nach seinem einerseits beeindruckenden und fesselnden, andererseits aber auch in schaurig-traurigen Bildern erzählendes Buch über den Untergang der 6. Armee in Stalingrad, sowie seinem nicht weniger imposanten und auch verfilmten Werk, Berlin - Das Ende 1945, ist Beevor erneut ein großes und in seinem Detailreichtum überzeugendes Epos gelungen - allerdings gerade aufgrund seiner Realität nicht für schwache Nerven gedacht.

Am 16. September 1944 präsentierte der kränkelnde Hitler in der Wolfsschanze, seinem Führerhauptquartier, seinen Generalen eine seiner völlig realitätsfremden Eingebungen: die Idee eines Angriffs im Westen gegen die ressourcentechnisch bei weitem überlegenen Alliierten, die sich nach der Landung in der Normandie im Juni sukzessive Richtung Osten vorkämpften. Die aus Sicht Hitlers unfähigen amerikanischen Soldaten sollten vertrieben werden und nach einem Separatfrieden wollte man sich dann mit vereinten Kräften gegen die Rote Armee im Osten wenden. Gesagt, getan, entgegen allem militärischem Ratschlag und Logik musste die Idee unter absoluter Verschwiegenheit unter dem Decknamen „Herbstnebel“ in die Tat umgesetzt werden.

Gut eine Woche vor Weihnachten, am 16. Dezember 1944, um 05:30 Uhr, überrascht ein durch 3.400 Geschütze und massive Artillerieeinschläge vorbereiteter Angriff der Heeresgruppe B unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Walter Model mit den ihm unterstellten hochmodernen 5., 6. und 7. Panzerarmeen in den Ardennen die dort sich für den weiteren Angriff Richtung Westen vorbereitenden amerikanischen Truppen. Ziel des fast ohne jegliche Luftunterstützung begonnenen Vorstoßes war das 200 km entfernte Antwerpen, um sich dort die riesigen Nachschublager der Alliierten und damit wertvolle Ressourcen für den weiteren Kampf zu sichern. Laut Beevor notierte Göbbels in sein Tagebuch, dass nach Ankündigung der Offensive in Berlin der gesamte Schnapsvorrat für Weihnachten ausgetrunken worden sei! Der Angriff und gerade sein Zeitpunkt unterlag auf ausdrücklichem Befehl (unter Androhung der Todesstrafe)  des manisch allem und allen misstrauenden Hitler einer so hohen Geheimhaltung, dass selbst die deutsche Flugabwehr erst einmal der eigenen Luftwaffe, die man für alliierte Flugzeuge hielt, hohe Verluste durch „friendly fire“ zufügte.

 

Trotzdem schien der Angriff „aus dem Nichts“, „The Battle of the Bulge“ (benannt nach der Ausbuchtung der Front nach Westen nach dem deutschen Vorstoß), anfänglich auch sein Ziel zu erreichen. Aber mit einen immensen Material- und Personaleinsatz und somit einem im Vergleich zu den deutschen Verbänden Vielfachen an Kräften sowie mit nach und nach besserem Wetter, so dass die Alliierten alleine in vier Tagen 15.000 Einsätze fliegen konnten, gelingt es den Alliierten schließlich das Blatt wieder zu wenden. Der Vorstoß wurde deutlich vor der Maas zum Stoppen gebracht, die Initiative wiedergewonnen und die Verbände der Wehrmacht und Waffen-SS bis Ende Januar 1945 in ihre Ausgangsstellungen zurückgeworfen. Der weitere Verlauf des Krieges mit dem ab dem 12. Januar zeitlich parallel verlaufendem, massiven Angriff der Roten Armee im Osten mit dem Ende der Chimäre Hitlers ist hinreichend bekannt.

„… Bauernhöfe und Scheunen gingen in Flammen auf. Frauen und Kinder, …, wurden in vielen Fällen von Minen und Artillerie von beiden Seiten getötet oder verstümmelt. Jagdbomber mähten sie einfach nieder, weil sie die dunklen Figuren im Schnee häufig für feindliche Soldaten hielten. GIs stießen… auf ausgehungerte Hunde, die verletze Kühe und Pferde zerrissen, noch bevor sie tot waren. Wasserquellen wurden durch weißen Phosphor vergiftet…“

Bereits der Buchumschlag, ein offensichtlich frierender junger Soldat mit Waffe in einem verschneiten Wald, offensichtlich feindbesetzt, lässt uns frösteln und bereitet uns auf das nicht weniger fröstelnde Buch vor. Wie bereits in seinen bisherigen Büchern, gelingt es Beevor, einerseits den permanenten Drang nach Überleben in den Schützengräben, Stellungen und Häuserruinen, der mit der Geschäftsmäßigkeit in einem Ameisenhaufen zu vergleichen ist, und andererseits die Trauer, das Selbstmitleid über das eigene Schicksal, so eindrucksvoll und authentisch darzustellen, als würde man glauben „in einem schlechten Film“ zu sitzen. Bei Szenen wie das ständige Leben mit Frost, Unterernährung, der Umstand, sich nicht waschen zu können, brutale Vergewaltigungen in einer jetzt so ruhigen und naturbelassenen Gegend Belgiens oder auch weiter südlich im Elsass, lässt es einem manchmal kalt den Rücken herunterlaufen. Der Kampf um und in den Ardennen erreichte auch für die Zivilbevölkerung ein Maß an Grausamkeit, welches man bisher nur von der Ostfront kannte.

Auch viele skurrile Szenen kennzeichnen das Buch. So z.B. wird beschrieben, wie man einen deutschen Offizier tagelang tot in einem Kübelwagen sitzen ließ und ein Jugendlicher von der Tatsache fasziniert war, dass dessen Bart auch nach dem Tod weiterwuchs. Beevor lässt uns teilhaben an den Leiden aller Kriegsteilnehmer, man spürt die Kälte, die teils minus 25 Grad betrug.

Darüber hinaus verliert er aber bei all den Beschreibungen des teils grausamen Gemetzels nicht den Blick für die operativen und strategischen Entwicklungen der Schlacht und verknüpft so unter Nutzung von Lagekarten und Bildern verständlich Einzel- und Gruppenschicksale, Soldaten wie auch normale Bürger betreffend, mit militär-politischen Zusammenhängen, wie es eigentlich nur er kann. Einmal mehr beweist der britische Kriegshistoriker in diesem Werk seine Fähigkeit, die weitläufigen und sehr komplexen Zusammenhänge einzelner Schauplätze, Entscheidungen und Maßnahmen in verständlicher Art und Weise zu verknüpfen und so dem Leser eine hervorragende Gesamtschau der letzten Monate des Zweiten  Weltkriegs zu liefern.

Besonders interessant sind auch die Darstellungen der Macht- und Ränkespiele unter den alliierten Führungskräften, einerseits zwischen den amerikanischen Generalen und anderseits zwischen diesen und dem britischen Feldmarshall Montgomery. Auf amerikanischer Seite waren das neben „Ike“ Eisenhower vor allem der Kommandeur der 12. Armeegruppe, General Bradley, und die Kommandeure der ihm unterstellten 1st Army, General Hodges, sowie der 3rd Army, General Patton. Deren Eifersüchteleien, teilweise Befehlsverweigerungen und oftmals auch fehlerhafte Strategien, die Beevor detailgenau nachrecherchiert hat, führten nicht nur zu unnötigen Verlusten Tausender für die Alliierten kämpfenden Soldaten, sondern auch zu einer unnötigen Verlängerung der Offensive. Entweder waren diese hochdekorierten General zu manipulativ und zu übervorsichtig oder zu leichtsinnig, zu arrogant sowie zu egoistisch. Keiner, so der Autor, hatte wirklich das Zeug zum Helden. Diesen Ränkespielen bedingt, konnten Hitlers Verbände, eigentlich schon in der Defensive, immer wieder empfindliche Nadelstiche setzen.

Die anfänglichen Erfolge der Deutschen Wehrmacht waren eher der Improvisation und dem Können der Kommandeure vor Ort als einer klaren Strategie Hitlers oder seiner führenden Generäle im Oberkommando der Wehrmacht zuzusprechen. Beevor unterstreicht, dass die Wehrmacht auf allen Ebenen über die besseren militärischen Führer mit der besseren Taktik verfügte. Letztendlich konnte aber dieser Vorteil alleine nicht die enormen Ressourcen und vor allem den nie abbrechenden Nachschub an Personal und Material, Munition und Betriebsstoff, kompensieren. Nur der Rückgriff auf und der Einsatz von immensen Ressourcen führte zum Erfolg, übrigens mit der entscheidende Umstand, der auch heute noch den USA zu militärischen Erfolgen verhilft. In Beevors Darstellungen wird auch deutlich, mit welchen unbändigen Willen und Zähheit die deutschen Soldaten kämpften, die selbst die Gegenseite schwer beeindruckte. An Munitionsmangel leidend, schlecht bekleidet gerade für den Winterkampf, oft vom Durchfall und gefrorenen Gliedmaßen geplagt sowie vor allem auch unterernährt waren sie trotz allem immer noch zu Höchstleistungen in der Lage. Dies haben die Gegner oftmals unterschätzt, so dass sich die Deutsche Wehrmacht nach einer vermeintlichen Katastrophe immer wieder erholte.

Aber es kam auch zu schweren Kriegsverbrechen. So, als die Kampfgruppe Peiper in einem belgischen Dorf bei Malmedy 84 gefangene US Soldaten einfach ermordete. Aber nicht nur auf deutscher Seite herrschte manches brutales Handeln, nein, Malmedy war auch der Auslöser zahlreicher amerikanischer Racheakte, hier wurden ebenso wehrlose deutsche Gefangene ermordet, gedeckt durch die oberste Führung. Darüber berichtet Beevor erstmalig mit hoher Glaubwürdigkeit. Ungefähr je 80.000 Tote, Vermisste, Verwunderte auf beiden Seiten, dazu ca. 30.000 getötete Zivilisten, lauten die nackten Zahlen. Nicht mitgezählt die angesichts der Grausamkeiten und Brutalitäten erleidenden Unmengen an traumatisierten Personen.

Wie bereits der Militärhistoriker Bernd Wegner vor fast 10 Jahren analysierte, Hitlers Sinn im Kriege lag spätestens mit der Ardennen-Offensive auch im Untergang des deutschen Volk, hat es sich doch als das Schwächere im Kampf auf Leben und Tod erwiesen. Der Krieg der „Verbrannten Erde“ (manifestiert in dem späteren sogenannten „Nero-Befehl“), sollte im eigenen Land fortgeführt werden. Hitler, so Wegner, war nicht der Erfinder der Ideologie der Selbstvernichtung, sondern „nur“ ihr Durchführender.

Fazit: Die Konzentration maßgeblicher Ressourcen für die Ardennenoffensive, Mensch und Material, und ihre dortige starke Abnutzung war der entscheidende Aspekt für den schnellen Vorstoß der Sowjetunion im Osten. Nicht ausschließlich, aber auch im Wesentlichen mit dieser Schlacht, wurden unsere heutigen Werte grausam und verlustreich erkämpft. Jeder, dem diese Werte nicht viel zu bedeuten scheinen, sollte angesichts aller Oper daran denken. Der Wechsel aus Hoffnung schöpfenden Momenten, um dann gleich wieder mit unmenschlich leidende Menschen konfrontiert zu werden, gehen einem an die Nieren, die Beschreibungen sind aber notwendig, um vielleicht gerade der heutigen jungen Generation in allen Ländern die Sinnlosigkeit von Kriegen aufzuzeigen.

 

Andreas Pickel

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2017 Andreas Pickel, Harald Kloth

Mi

17

Mai

2017

Simon Beckett: Totenfang

Simon Beckett

Totenfang

David Hunter, Band 5

Reinbeck ; Rowohlt ; 2016 ; 560 Seiten ; ISBN 978-3-644-21831-4

 

Nach längerer Pause erschien endlich im Oktober 2016 der fünfte Band der Reihe um den forensischen Anthropologen Dr. David Hunter.

 

Unverhofft wird Dr. Hunter gebeten eine Wasserleiche in den Backwaters, einem unwirtlichen Mündungsgebiet in Essex, zu untersuchen. Die örtliche Polizei vermutet die Leiche von Leo Villiers, der unter Verdacht steht seine Affäre Emma Darby ermordet und einige Monate später sich selbst getötet zu haben. Als Dr. Hunter jedoch kurze Zeit später noch einen abgetrennten Fuß findet, kommen ihm jedoch Zweifel. Unerwartet wird seine eigentlich für ein paar Stunden geplante Fahrt in die Backwaters zu einem längeren Aufenthalt.

Die ersten Kapitel des Buches sind leider etwas langatmig und handlungsarm, da es sich hier nur um die privaten Probleme von Dr. Hunter dreht. Doch wer durchhält und weiterliest, wird mit einem äußerst spannendem Plot belohnt.

 

Simon Beckett schafft es die unwirtliche Gegend der Backwaters und ihre Bewohner herrlich detailreich zu beschreiben. Das Buch wird wie bei den vorherigen Bänden aus der Ich-Perspektive von Dr. Hunter erzählt und der Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und leicht zu lesen. Auch die Einblicke in die forensischen Methoden zur Identifizierung von Wasserleichen sind interessant und tragen zum Spannungsaufbau bei. Am Ende freut man sich schon auf eine Fortsetzung. Hoffentlich dauert die Pause diesmal nicht wieder so lange bis der nächste Band erscheint!

 

Fazit: Ein spannungsgeladener Thriller, von dessen zähem Beginn man sich nicht abhalten lassen darf! Sehr empfehlenswert auch für alle, die sich für forensische Methoden interessieren.

 

Katrin Hildenbrand

4 Sterne
4 von 5

Totenfang bei amazon.de

 

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© 2017 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth

So

14

Mai

2017

Carols Ruiz Zafrón: Das Labyrinth der Lichter

Carlos Ruiz Zafrón

Das Labyrinth der Lichter

Roman

Frankfurt am Main ; S. Fischer ; 2017 ; 944 Seiten ; ISBN 978-3-10-002283-7

1959 - Spanien in der Zeit des Franco-Regimes. Es herrscht ein Klima von Angst, Verrat und Unsicherheit.

Die junge erfolgreiche Alicia Gris wird damit beauftragt, im Fall des vor kurzem spurlos verschwundenen Ministers Mauricio Valls zu ermitteln. Dieser Auftrag, der angeblich ihr letzter sein soll, führt Alicia von Madrid zurück in ihre Heimatstadt Barcelona. Der etwa doppelt so alte Vargas soll sie bei ihrer Arbeit unterstützen.

Schnell wird deutlich, dass Minister Valls Verschwinden mit seiner Zeit als Gefängnisdirektor der berüchtigten Anstalt Montjuïc zusammenhängen muss. Bei den Untersuchungen stoßen die beiden auf ein kleines Büchlein, das Teil einer Serie namens „Das Labyrinth der Lichter“ ist. Dieses Buch erinnert Alicia schmerzlich an ihre Vergangenheit und eine Kriegswunde, die ihr immer wieder höllische Schmerzen bereitet. Zudem führt die beiden dieses Buch zur Buchhandlung Sempere & Söhne, die Zafón-Lesern ja bereits bestens bekannt sein dürfte. Hier scheinen alle Fäden zusammenzulaufen und auch der „Friedhof der Vergessenen Bücher“ wird zum Schauplatz der Ermittlungen. Alicia selbst gerät in Gefahr, Opfer einer bösen Intrige zu werden.

Am Ende wird deutlich, dass es sich bei den ganzen Vorfällen letztlich von Beginn an nur um eine Sache gedreht hat – die Gier nach Macht und Kontrolle über andere Menschen.

In seinem Roman „Das Labyrinth der Lichter“ nimmt Carlos Ruiz Zafón seine Leser wieder mit auf eine Reise ins Herz Barcelonas. Tiefe menschliche Abgründe sowie mysteriöse Ereignisse verwebt er wieder zu einer spannenden Geschichte. Im Fokus stehen dieses Mal allerdings die finsteren Machenschaften in der Politik und beim Geheimdienst.

Der Roman ist auch ein Wiedersehen mit alten Bekannten aus den früheren Romanen. Zafóns Erzählstil muss man allerdings mögen – das weitschweifige, detailreiche Erzählen mag manchen etwas langatmig und zäh vorkommen. Für treue Leser Zafóns ist dieses Buch aber wieder ein echter Gewinn und bietet auf über 900 Seiten Lesevergnügen pur.

Fazit: Eine typische Zafón-Schauergeschichte - absolut lesenswert!

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth 

Mo

01

Mai

2017

Alles wandelt sich - Echos auf Ovid

Alles wandelt sich

Echos auf Ovid

herausgegeben von Gabrielle Alioth und Hans-Christian Oeser

Das Buch „Alles wandelt sich – Echos auf Ovid“, herausgegeben von Gabrielle Alioth und Hans-Christian Oeser, versammelt unterschiedliche Texte über Ovid. Die Anthologie feiert den 2000sten Todestag des antiken römischen Dichters Ovid, der im Jahre 17 nach Christus gestorben ist und dessen „Bücher der Verwandlungen“, die Metamorphosen, bis heute bekannt sind, so etwa Daedalus und Ikarus, Orpheus und Eurydike und vieles mehr.

 

Das PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland hat nun 38 Autoren und Autorinnen gebeten, ihre jeweils persönliche Sicht auf Ovid in Texten festzuhalten. Die Textgattung blieb den SchreiberInnen dabei völlig frei, so dass man in dem vorliegenden Band sowohl Geschichten als auch Gedichte antrifft.

 

Inhaltlich fallen die Texte aktuell oder politisch aus (beispielsweise Bezugnahme auf die Flüchtlingskrise), sind in Gedichtform sehr poetisch oder bieten private Interpretationen Ovidscher Themen.

 

Fazit: Eine nicht ganz einfach zu lesende Auseinandersetzung mit einem der größten Dichter der Antike. 

 

Clara Roßmann

2/3 von 5
2 bis 3 von 5

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© 2017 Clara Roßmann, Harald Kloth 

Sa

29

Apr

2017

Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein

Hans Fallada

Jeder stirbt für sich allein

Roman

Berlin ; Aufbau Digital ; 2011; ISBN E-Pub 978-3-8412-2078-3

Ein Berliner Ehepaar wagte einen aussichtslosen Widerstand gegen die Nazis, wurde von Roland Freisler, dem gefürchteten Vorsitzenden des Volksgerichtshofs zum Tode verurteilt und am 08.04.1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Von ihrem Schicksal erfuhr Hans Fallada (mit richtigem Namen Rudolf Ditzen) aus einer Gestapo-Akte, die ihm der Dichter und spätere Kultus-Minister Johannes R. Becher überreicht wurde. In weniger als vier Wochen schrieb Hans Fallada daraufhin fieberhaft, da selbst schwerst von Krankheiten und Sucht gezeichnet, sein letztes Werk und schuf damit ein Panorama des Lebens der "normalen" Leute im Berlin der Nazi-Zeit.

Nachdem der einzige Sohn von Anna und Otto Quangel in Hitlers Krieg gefallen ist, wollen die beiden ein Zeichen des Widerstands setzen: Sie schreiben Botschaften auf Karten und verteilen diese in der Stadt. Dieses stille, nüchterne und einfache Ehepaar träumt von einem sich langsam verbreitenden und weitreichenden Erfolg und ahnen nicht, dass ihnen die Gestapo in Person von Kommissar Escherich längst auf der Spur ist.

Diese Ausgabe präsentiert Hans Falladas letztes Werk erstmals in der ungekürzten, über achthundert Seiten starken Original-Fassung und zeigt ihn rauer, intensiver, nuancenreicher, authentischer und schonungsloser als die redigierten.

Fazit: Ich halte dieses wichtige, spürbar mit viel Herzblut und äußerst eindringlich geschriebene Plädoyer für mehr Menschlichkeit, Würde und Mut als das Beste, das je über den deutschen Widerstand gegen die Nazis geschrieben wurde!

 

Wolfgang Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Wolfgang Gonsch, Harald Kloth 

 

 

Sa

15

Apr

2017

Schattenfeuer

Schattenfeuer

Fantasy-Stories

Herausgegeben von Burkhard P. Bierschenck und Petra Mattfeldt

Planegg ; Bookspot Verlag ; 2016 ; 223 Seiten; ISBN 978-3-95669-061-7

 

Diese Anthologie ist das Ergebnis eines Kurzgeschichten-Wettbewerbs. Alle Geschichten, die es auf die Shortlist geschafft haben finden sich in dem Buch wieder. Während manche Geschichten durchaus spannend, originell und gut geschrieben sind, sind einige auch weniger gelungen. Von typischen Fantasy-Geschichten mit magischen Parallelwelten, Werwölfen, Drachen und Zauberern bis zu eher realistischen Erzählungen mit Grusel-Elementen hält die Sammlung für jeden Geschmack etwas bereit.

 

Aber: Wer gerne stundenlang in dicken Fantasy-Schmöckern liest wird mit dem Buch nicht viel Freude haben, einfach deshalb, weil die durchaus guten Stories dann knackig zu kurz sind. Für Freunde von Kurzgeschichten hält die Sammlung einige Lese-Perlen bereit, allerdings darf man sich nicht von den weniger gelungenen Geschichten vom Weiterlesen abhalten lassen.

Fazit: Durchaus lesenswert für Liebhaber von Kurzgeschichten.

 

Michaela Wein

3 Sterne
3 von 5

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Petra Mattfeldt bei amazon.de

 

© 2017 Michaela Wein, Harald Kloth 

 

Fr

14

Apr

2017

AchtNacht

Sebastian Fitzek

AchtNacht

Thriller

München ; Knaur Verlag ; 407 Seiten ;  ISBN: 978-3-426-52108-3

Berlin im August. Ben, ein gerade von seinen Bandkollegen entlassener Musiker streift durch die Hauptstadt. Er lebt von seiner Frau Jennifer getrennt und zu allem Überfluss hat seine Tochter Jule vor ein paar Tagen auch noch versucht, sich das Leben zu nehmen. War es wirklich ein Selbstmordversuch? Ben kommen so seine Zweifel. Noch während er diesem Gedanken nachhängt überschlagen sich die Ereignisse.

Auf großen Bildschirmen sieht er sein Gesicht und weiß zunächst nicht, was AchtNacht zu bedeuten hat. Schnell wird klar, dass es sich bei AchtNacht um eine mörderische Lotterie handelt. Der Auserwählte ist für eine Nacht vogelfrei. Wer ihn tötet bekommt ein Preisgeld in Höhe von 10 Millionen Euro.

Ben, der ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinem Vater hat, versucht dennoch, ihn um Hilfe zu bitten. Aber kann man einem helfen, der von Millionen verfolgt wird?

Sebastian Fitzek entwickelt einen spannenden Thriller in dem er ein massenpsychologisches Experiment kreiert. Mehr und mehr wird deutlich, zu was der Mensch fähig ist. Obwohl die Handlung fiktiv ist, schafft es der Autor dennoch, die aktuellen Zustände in unserer Gesellschaft gut zu beschreiben. Beim Lesen stellt man sich immer wieder die Frage, wie man selbst in dieser Situation handeln würde. Vor allem das Zurschaustellen auf Videoplattformen wird sehr gut dargestellt und es wird jedem klar, wie schnell sich das Blatt drehen kann.

Fazit: Spannender Plot mit gesellschaftskritischen Anmerkungen

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Matthias Wagner, Harald Kloth 

Sa

08

Apr

2017

Dear Amy

Helen Callaghan

Dear Amy

Er wird mich töten, wenn Du mich nicht findest

München ; Knaur ; 2017 ; 397 Seiten ; ISBN 978-3-426-65420-0

 

Helen Callaghans Debüt „Dear Amy“ beginnt damit, dass die 15-jährige Katie nach einem Streit mit ihren Eltern an einem regnerischen Abend in Cambridge spurlos verschwindet. Auch nach mehreren Wochen gibt es kein Lebenszeichen von der Schülerin. Ihre Lehrerin Margot Lewis befürchtet, dass die Polizei die Suche nach Katie bald einstellen wird und der Fall in Vergessenheit gerät. Margot hat neben ihrem Beruf als Lehrerin noch einen Nebenjob: Sie schreibt die Kolumne  „Dear Amy“ für die örtliche Zeitung und gibt darin Ratschläge an alle, die sich mit einem Problem hilfesuchend an „Amy“ wenden.

 

Kurze Zeit später erhält sie einen Brief eines verzweifelten Mädchens namens Bethan Avery, das vor vielen Jahren entführt wurde. Diesem Brief folgen weitere, die angeblich von der entführten Bethan stammen.  Die Polizei zweifelt die Echtheit der Briefe an und das Rätsel um die mysteriösen Mitteilungen beginnt ... Steckt tatsächlich die vor vielen Jahren verschwundene Bethan Avery hinter den Briefen? Kann Katie noch lebend gefunden werden?

 

Das Buchcover ist ansprechend gestaltet und zeigt ein Auto mit geöffneter Tür nachts auf einer einsamen Straße. Der perfekte Ort für eine Entführung eines Mädchens.

 

Das erste Kapitel um die Entführung von Katie ist sehr spannend geschrieben und macht neugierig. Der Rest des Buches wird jedoch hauptsächlich aus der Ich-Perspektive der Lehrerin Margot Lewis erzählt. Margot ist psychisch sehr labil und es wird bald deutlich, dass sie in ihrer Vergangenheit viel erlebt hat. Ihre privaten Probleme und ihre anstehende Scheidung werden sehr ausführlich thematisiert, während die eigentliche Entführung von Katie und ihre Gefangenschaft nur relativ wenige Seiten im Buch umfassen. Dies führt dazu, dass das Buch erst auf den letzten hundert Seiten wirklich an Spannung gewinnt. Davor plätschert die Handlung zu sehr vor sich hin, da nicht viel passiert.

 

Der Schreibstil ist sehr holprig, was vielleicht an der Übersetzung liegen könnte.  Insgesamt ist die Erzählweise der Autorin zu langatmig. Das Seelenleben der Lehrerin wird in vielen Kapiteln ausführlich thematisiert, wirkt jedoch sehr verwirrend. Es fällt schwer für die Hauptfigur des Buches Sympathien aufzubringen, da es nach einigen Kapiteln nur noch nervt von ihrer anstehenden Scheidung und ihren Problemen zu lesen.

 

Erst gegen Ende des Buches wird klar, warum die Autorin das Leben von Katies Lehrerin so ausführlich darstellt. Bis dahin sind aber sicherlich schon viele Leser ausgestiegen. Auch die Auflösung wirkt etwas weit hergeholt.

 

Fazit: Der Prolog und der Klappentext klingen nach Psychothriller. Leider enttäuscht dieses Buch eingefleischte Thrillerfans aber durch zu viele Längen und zu wenig Spannung.

 

Katrin Hildenbrand

2/3 Sterne
2/3 von 5

Dear Amy bei amazon.de

 

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© 2017 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth

Fr

31

Mär

2017

Selfies

Jussi Adler-Olsen

Selfies

Der siebte Fall für Carl Mørck, Sonderdezernat Q

München ; dtv ; 2017 ; 573 Seiten ; ISBN: 978-3-423-28107-2

Im Park wird die ältere Dame Rigmor Zimmermann, die kurz zuvor bei ihrer Tochter Birgit und Enkelin Denise war tot aufgefunden. Die Mordkommission nimmt die Ermittlungen auf.

Carl Mørck hat mit seinen Mitarbeitern derweil ganz andere Sorgen, denn das Sonderdezernat Q soll aufgelöst werden. Zu allem Überfluss ist auch noch die Sekretärin Rose plötzlich verschwunden.

Zeitgleich wird Michelle, eine junge hübsche Arbeitslose, von einem Auto angefahren und die Ermittler glauben nicht an einen Unfall, denn bereits kurze Zeit später stirbt eine junge Frau, die von einem Auto überfahren wurde. Nachdem Michelle gegenüber ihren beiden Freundinnen Jazmine und Denise einen Verdacht äußert, endet die nächste Attacke auf sie tödlich. Hat dies alles mit einem kuriosen Diskoüberfall zu tun, bei dem ein Mitglied von „The Black Ladies“ erschossen wurde?

Die Sozialarbeiterin Anne-Line Svendsen ist in zunehmendem Maße frustriert von ihrer Arbeit, denn ihre jungen weiblichen Schützlinge wollen nur schön sein und nichts tun. Ein Arztbesuch bringt eine tödliche Diagnose und einen noch tödlicheren Plan.

Carl, Assad und Gordon sind schwer mit der Vergangenheit von Rose beschäftigt, denn sie erhoffen sich dort Hinweise auf ihr jetziges Verhalten. Die Ermittlungen in den aktuellen Fällen laufen weiter und der Verdacht erhärtet sich, dass die Fälle zusammenhängen könnten. Carls früherer Chef Marcus Jacobsen bringt dann auch noch einen längst vergessenen Fall ins Gespräch, der große Parallelen zur Ermordung von Rigmor aufzeigt.

Im siebten Fall für Carl Mørck vom Sonderdezernat Q entwickeln sich die Fälle parallel zueinander. Zunächst ist nicht klar, was in Kopenhagen passiert. Das Ermittlerteam ist dezimiert, denn Rose ist nicht an Bord. Mehr noch, sie ist in großer Gefahr und alle setzen alles daran, sie zu retten. Jussi Adler Olsen schafft es auch mit dem siebten Band um das Sonderdezernat Q die Geschichte weiter zu entwickeln.

Fazit: Ein toller Plot! Selfies lässt aufflackern, was Frust alles bewirken kann.

 

Matthias Wagner

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2017 Matthias Wagner, Harald Kloth

Fr

17

Mär

2017

Institut der letzten Wünsche

Antonia Michaelis

Das Institut der letzten Wünsche

Roman

München ; Knaur ; 2017 ; 496 Seiten ; ISBN 978-3-426-51574-7

Weihnachten mitten im Sommer, einmal noch Riesenrad fahren im längst stillgelegten Vergnügungspark oder Maria Callas live singen hören - Mathilda Nielsen und ihre Chefin Ingeborg Wehser vom Institut der letzten Wünsche machen alles möglich.

Schließlich geht es um die Herzenswünsche ihrer todkranken Klienten. Wenn es sein muss, fährt zu diesem Zweck auch mal ein Pony mit der S-Bahn. Die etwas schrullige Mathilda ist einem von Anfang an sympathisch. Allein die Tatsache, dass sie Teile ihrer Kinderbettwäsche mit so tollen Motiven wie spatenschwingenden Maulwürfen auf ihre Pullover näht und diese so zu absoluten Hinguckern und Einzelstücken macht, bringt einen immer wieder zum Schmunzeln. Auch ihr Umgang mit dem Hund Eddie, der manchmal wie ein Ersatz-Lebensgefährte agiert, verstärkt dieses Sympathie-Gefühl.

Als der neue Klient Birger Raavenstein im Institut auftaucht, ist sofort klar, dass sich sein Wunsch schwieriger realisieren lässt als alle anderen. Er sucht nach seiner großen Liebe Doreen Taubenfänger und dem gemeinsamen Kind, denn als Doreen vor über zehn Jahren plötzlich verschwand, erwartete sie ein Kind von ihm.

Mathilda tut alles in ihrer Macht stehende, um Birgers letzten Wunsch zu erfüllen. Doch innerlich sträubt sie sich zunehmend gegen den Gedanken, das Paar wieder vereint zu sehen. Sie hat sich doch wohl nicht in den Mann mit den stets zerzausten Haaren verliebt? Und warum gerät das Institut plötzlich in Verdacht, illegale Sterbehilfe zu leisten?

Antonia Michaelis ist mit "Das Institut der letzten Wünsche" ein Buch gelungen, das es schafft, das eigentlich ernste Thema "Tod" auf wunderbar leichte Art zu erzählen. Jeder möchte später einmal vor allem eins: in Frieden sterben. Das kann allerdings manchmal nur gelingen, wenn der eine letzte Herzenswunsch in Erfüllung geht.

Und noch eine Sache klingt immer wieder an: manchmal ist es für die Betroffenen besser, sie endlich gehen zu lassen, anstatt sie mit allen Mitteln am Leben halten zu wollen.

Der Wunsch nach selbstbestimmtem Sterben ist letztlich auch der Auslöser, warum in der Geschichte alles ins Wanken gerät.

Fazit: Ein eigentlich ernstes Thema ganz wunderbar verpackt und erzählt. Absolut empfehlenswerte und unterhaltsame Lektüre.

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

Do

16

Mär

2017

Zerbrochen

Michael Tsokos

Zerbrochen

True-Crime-Thriller

München ; Knaur Verlag ; 2017 ; 419 Seiten ; ISBN: 978-3-426-51970-7

 

Fred Abel, Rechtsmediziner beim BKA in Berlin ist nach einer längeren Auszeit wieder im Dienst. Vor mehr als einem Jahr wurde er Opfer eines brutalen Überfalls. Seit dieser Zeit wird er von massiven Albträumen heimgesucht. In Berlin läuft die Fahndung nach dem „Darkroom-Killer“, doch die Polizei hat keine konkreten Hinweise, wer der Täter sein könnte. Fred obduziert ein weiteres Opfer und findet das entscheidende Puzzleteil.

Im schwülheißen Berlin vergnügen sich derweil die beiden Kinder von Fred Abel, die ihren Vater besuchen. Noah und Manon wohnen ansonsten bei ihrer Mutter Claire auf Guadeloupe. Beide werden von einem angeblichen Assistenten Freds in einem Cafe abgeholt. Schnell stellt sich aber heraus, dass weder der Assistent in Wirklichkeit existiert noch der Auftrag, die Kinder abzuholen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn allen ist nun klar, dass die Kinder entführt wurden.

Gott sei Dank hat Fred noch Kontakt zu seinem alten Freund Lars, den er noch aus Bundeswehrzeiten kennt, und der heute private Ermittlungen durchführt. Zusammen mit ihm, dem Profiler Timo und der IT Spezialistin Sara beginnt für Fred Abel eine nervenaufreibende Jagd.

Zu allem Überfluss will sich auch noch der „Darkroom-Killer“ an dem Rechtsmediziner rächen. Seine eigene Vergangenheit hat massiven Einfluss auf die Ereignisse der Gegenwart, was Fred Abel mehr und mehr bewusst wird. Zerbrochen ist der dritte Teil der Trilogie um den Rechtsmediziner Fred Abel.

Nach "Zerschunden" und "Zersetzt" laufen im dritten Teil die Fäden zusammen. Der Plot ist spannend aufgebaut und die Bezüge zu den beiden vorherigen Teilen sind sehr gut gelungen. Beim Lesen von "Zerbrochen" setzt sehr schnell das Erinnerungsvermögen an die beiden früheren Bände ein. Fraglich ist, ob der Leser, der die ersten beiden Teile nicht gelesen hat, beim Lesen die gleiche Freude erlebt. Michael Tsokos bleibt seiner Linie treu, man kann nur hoffen, dass es nicht bei der Trilogie bleibt (beim Lesen des Nachworts kommt diesbezüglich Hoffnung auf).

Fazit: Ein Thriller, der einen immer wieder erschauern lässt, wenn man sich vergegenwärtigt, dass er auf wahren Fällen basiert.

 

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

 

Rechtsmediziner Dr. Fred Abel gelangt im dritten Band der Triologie an seine persönlichen Grenzen. Noch psychisch angeschlagen vom Überfall durch russische Schläger, den er am Ende des letzten Bandes „Zersetzt“ nur knapp überlebt, kehrt er zurück an seinen Arbeitsplatz in der rechtsmedizinischen Abteilung der Berliner Charité. Schnell hat  er sich wieder eingewöhnt und hilft mit seinen Kenntnissen die Identität des „Darkroom-Killers“, der in den letzten Wochen sein Unwesen in Homosexuellen-Lokalen getrieben hat, zu klären. 

 

Auch privat läuft erst alles sehr gut für Dr. Abel, denn seine Zwillinge sind für drei Wochen bei ihm und seiner Lebensgefährtin zu Besuch. Erst am Ende des letzten Bandes hatte der Rechtsmediziner erfahren, dass aus seiner leidenschaftlichen Affäre mit einer Frau aus Guadeloupe vor sechzehn Jahren Zwillinge entstanden waren. Doch die anfängliche Freude über den Besuch von Noah und Manon wird schnell getrübt: Die Zwillinge werden entführt und damit beginnt für Dr. Abel eine nervenaufreibende Jagd nach dem Kidnapper. Wer steckt hinter der Entführung?

 

Der „Darkroom-Killer“, der sich an Dr. Abel rächen will? Pädophile, die es auf minderjährige Flüchtlinge abgesehen haben, oder doch Kriminelle, die den Zwillingen aus Guadeloupe bis nach Berlin gefolgt sind?
Bis zu den letzten Seiten lassen Tsokos und Gößling ihre Leser wie gewohnt mitfiebern.

Ihre detailgetreuen Schilderungen, ihr flüssiger Schreibstil und die sympathischen Charaktere Dr. Abel und dessen Kumpel Lars Moewig machen dieses Buch wieder zu einem Lesegenuß für Thriller-Fans. Dabei kann man der Handlung auch gut folgen, ohne dass man die beiden vorherigen Bände gelesen hat.

 

Nicht ganz so brutal und blutig wie die beiden Vorgänger, lässt der letzte Band der Triologie Dr. Abel an seine persönlichen Grenzen kommen, da er an seinem privat härtesten Fall fast zu zerbrechen droht.

 

Fazit: Wieder ein spannungsgeladener Thriller vom Erfolgsautorenduo Michael Tsokos und Andreas Gößling, das auf  Wiedersehen mit Rechtsmediziner Dr. Abel hoffen lässt.

 

Katrin Hildenbrand

4/5 Sterne
4 bis 5 von 5

Zerbrochen bei amazon.de

 

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© 2017 Katrin Hildenbrand, Matthias Wagner, Harald Kloth

So

12

Mär

2017

Sei klug und halte dich an Wunder

Mascha Kaléko

Sei klug und halte dich an Wunder

Gedanken über das Leben

München ; dtv ; 2016 ; 171 Seiten ; ISBN 978-3-423-14256-4

 

Dieses mittlerweile in der sechsten Auflage erscheinende und von Gisela Zoch-Westphal und Eva-Maria Prokop herausgegebene Büchlein ist wirklich empfehlenswert.

Mascha Kaléko, die Lyrikerin mit galizischen Wurzeln zählt zu den bedeutendsten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts. In diesem Band sind Gedankensplitter, Briefauszüge, Tagebucheinträge und Gedichte der Autorin versammelt, die sich mit allen Facetten des menschlichen Daseins befassen.

Mal nachdenklich, mal mit einem Augenzwinkern - stets aber sehr klug formuliert geht es um Freundschaft, Liebe, Geld, Krankheit und Tod.

Die Lebensklugheit, die aus den Texten spricht, macht das Buch insbesondere in einer Zeit der allgemeinen Orientierungslosigkeit so wertvoll.

Man sollte dieses kleine aber feine Büchlein von Zeit zu Zeit immer mal wieder in die Hand nehmen und darin schmökern. Wenn es wirklich eine "lyrische Hausapotheke" geben sollte, dann hat dieses Buch auf alle Fälle ein fester Bestandteil davon zu sein.

Fazit: dieses Buch sollte in keinem Haushalt fehlen!

 

Sonja Kraus

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

Sa

11

Mär

2017

Die weiteren Aussichten

Robert Seethaler

Die weiteren Aussichten

Audio-CD

Bochum ; tacheles!/ROOF Music ; 2017 ; 1 CD ; ISBN: 978-3-86484-426-3

 

Seethaler muss man mögen - oder man tut es nicht. Langatmig die Geschichte "Die weiteren Aussichten", die Sprache dialektgefärbt und primitiv mit permanenten Wortwiederholungen. Die versuchte Poesie, die Weltsicht des Protagonisten Herbert Szevko wirkt komplett naiv. Knappe und inhaltsleere Dialoge zwischen den Figuren und die Lesung des Autors langsam, gedehnt und mit zum Einschlafen langweiliger Stimmführung. Hinzu kommen die zahllosen Klischees, mit denen ausgestattet der Autor seine grenzdebilen Figuren in die dörfliche Landschaft entlässt: Herbert als epileptisches Muttersöhnchen einer Tankstellenbesitzerin, der zu dumm ist, auf die Idee zu kommen, das Fenster zu öffnen, wenn die Luft im Raum heiß und stickig ist, dafür ausgestattet mit Zierfisch Georg als Haustier. Dann die dickliche Hilde, Reinigungskraft im örtlichen Hallenbad, die ständig als "prall" und "ohne Frisur" beschrieben wird. Schließlich die Mutter, über den Sohn wachend, die Hilde zunächst als Feindin ansieht und Volksmusiksendungen liebt.

Das erste Date zwischen Herbert und Hilde führt die beiden auf das Große Sauschlachtfest im Dorf und lässt sie, zu David Hasselhoff tanzend, einander näher kommen. Nicht fehlen darf der ständig stockbesoffene Rivale, dessen Ausschaltung zumindest eine gewisse Wendung ins Unerwartete ermöglicht.

Die Geschichte zieht sich jedoch dennoch zäh wie Kaugummi, die Naivheit der Figuren bleibt unerträglich und das Wort "Scheiße" ist das einzige, das aus dem Duktus heraussticht (dieses verwendet der Autor dafür exzessiv). Der Leser bzw. Hörer hofft, es möge irgendein Lichtblick am Horizont erscheinen, jedoch vergeblich.

Wie gesagt: das muss man mögen oder mit einigem guten Willen "liebevoll" nennen, um es aushalten zu können. Ansonsten: reine Zeitverschwendung!

Christa Roßmann

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© 2017 Christa Roßmann, Harald Kloth

So

05

Mär

2017

König auf Camelot

Terence Hanbury White

Der König auf Camelot

gelesen von Jochen Malmsheimer

4 MP3-CDs, 24 Stunden 25 Minuten

Bochum ; Tacheles!/Roof Music ; 2016 ; 4 MP3-CDs ; ISBN 9783864844010

 

Dem vorliegenden Hörbuch “Der König auf Camelot”, welches die König Artus-Sage erzählt, liegt die recht modern und witzig erzählte vierbändige Buchausgabe des britischen Schriftstellers T. H. White zugrunde. Nun wurde das Werk von dem Kabarettisten Jochen Malmsheimer eingelesen, wohlgemerkt alle vier Teile in ungekürzter Form, was insgesamt über 24 Hörstunden auf 4 MP3-CDs ergibt. Das eigentlich Fantastische dabei ist, dass Malmsheimer es schafft, ein Ein-Mann-Hörspiel daraus zu machen, da er für sämtliche Personen, die im Stück auftreten, eine überzeugende eigene Stimme parat hat und er somit alle Rollen einmalig treffend „besetzt“ und selbst liest. Diese Leistung ist überragend und trägt entscheidend zum grandiosen Hörgenuss bei. Man freut sich z.B. immer wieder auf die zittrige Stimme von König Pellinor oder erkennt jede andere Figur sofort am ersten, stimmtypisch gesprochenen Wort, so etwa Zauberer Merlin an dem immer etwas philosophischen Timbre in der Stimme oder den steinalten Saint Toddelwaut an seinem Gehuste und Gekrächze. Überdies versteht Malmsheimer es sogar, die Stimmen im Laufe der Zeit altern zu lassen, etwa aus der Stimme des jungen Knaben Artus die eines greisen Königs werden zu lassen.

Die Artus-Sage nach T. H. White ist aus vielen Elementen zusammengesetzt: der Schauplatz ist das mittelalterliche Britannien, die Geschichte ist mit ein wenig Tolkienscher Fantasy gewürzt und bis hin zu nahezu moderner Satire mit vielen witzigen und auch aktuellen Einsprengseln ausgeformt.

Die vier Teile des Werkes:

  1. Das Schwert im Stein
  2. Die Königin von Luft und Dunkelheit
  3. Der missratene Ritter
  4. Die Kerze im Wind

 

„Das Schwert im Stein“ erzählt von den Jugendjahren des damals noch Wart genannten Jungen und seines Bruders Kay, die unbeschwert aufwachsen, Zauberer Merlin als Hauslehrer bekommen (köstlich das Auftreten Merlins, der die Zeitreise beherrscht und rückwärts lebt, also die Zukunft schon durchlebt hat und Artus diesbezüglich entscheidende Tipps geben kann) bis hin zu Excalibur, dem Schwert im Stein, das Artus zum König auf Camelot macht.


Im zweiten Band, der „Königin von Licht und Dunkelheit“ muss König Artus, angeregt durch Merlins Hass auf alles Kriegerische, über Recht und Macht nachdenken und kommt zu dem Schluss, dass Recht vor Macht geht – was zu der Gründung der legendären „Ritter der Tafelrunde“ führt. Morgause, jene „Königin von Licht und Dunkelheit“, ist Arthurs Halbschwester und hat vier Söhne, Gawain, Agravaine, Gareth und Gaheris, die vergebens um die Liebe ihrer Mutter buhlen und einen weniger umsichtigen Lebensweg einschlagen. Morgause selbst zettelt eine Liaison mit ihrem Halbbruder an und bekommt schließlich einen Sohn von ihm, Mordred.

In "Der missratene Ritter" taucht sodann Lancelot auf, der Artus schon als Knabe auffällt, da er bei Spielen immer gewinnt. Aus ihm wird schließlich der beste Ritter der Welt, womit er seine äußerliche Hässlichkeit mehr als wett macht. Zum Ritter geschlagen und in die Tafelrunde aufgenommen, verliebt er sich sodann in Artus Frau, Königin Ginevra, diese sich ebenso in ihn, woraus eine lebenslange, äußerst heftige und von Schicksalsschlägen gebeutelte Liebschaft zwischen den beiden resultiert. Ginevra allerdings bleibt kinderlos. Den Rittern der Tafelrunde überdies wird langweilig, da sie nicht mehr kämpfen dürfen wie früher - so dass Artus sie spontan auf die Suche nach dem Heiligen Gral schickt, der auch tatsächlich von Lancelot und seinem Sohn gefunden wird.

In "Die Kerze im Wind" kehren Streit, Gewalt, Mord und Totschlag zurück. Vor allem Mordred, der Sohn Arthurs, verbreitet Angst und Schrecken und zettelt reichlich Intrigen an, was dazu führt, dass die Tafelrunde zerbricht, Königin Ginevra beinahe auf dem Scheiterhaufen landet, Lancelot verbannt wird und Artus gegen ihn, seinen besten Freund, kämpfen muss. Artus sieht seine Idee, das Recht vor Macht und Krieg zu stellen, in Grund und Boden gestampft, die kleine Kerze, die er tapfer lange Zeit vor dem Wind geschützt vor sich her getragen hat, erloschen. Einzig als Idee trägt er sie weiter im Herzen, in der Hoffnung, dass ihr Licht die dunkle Zeit doch noch irgendwann erhellen wird.

Fazit: Ein beeindruckender und unvergesslicher Hörgenuss für Jung und Alt!

Christa Roßmann

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Christa Roßmann, Harald Kloth

Sa

04

Mär

2017

Maiski-Tagebücher

Gabriel Gorodetsky

Die Maiski-Tagebücher

Ein Diplomat im Kampf gegen Hitler 1932-1943

München ; C.H. Beck ; 2016 ; 896 Seiten ; ISBN 978-3-406-68936-9

 

Es ist wie in jeder Krise, die in einem blutigen Krieg endet: Bevor zig Millionen von Soldaten und schweres Kriegsgerät mit der Folge von Abertausenden, im Falle des „Zweiten Weltkriegs“ sogar Millionen von toten Soldaten und Zivilisten einen Krieg in die eine oder andere Richtung entscheiden, schlägt die Stunde der Diplomatie. Wie schon der Militärtheoretiker Carl von Clausewitz (1780 bis 1831) in seinem berühmten Werk „Vom Kriege“ richtig anmerkte: „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln“. Ein exzellentes Beispiel dafür sind die Erkenntnisse aus den erst kürzlich publizierten „Maiski-Tagebücher“. Eine unabdingbare Lektüre für diejenigen, welche die Zusammenhänge gerade in den Zeiten 1937 bis zum Kriegsausbruch 1939 besser verstehen möchten.

 

Maiski, von 1932 bis 1943 russicher Botschafter in London, hat akribisch Buch geführt über seine Gedanken, Gespräche und Berichte zu außen-, sicherheits- aber auch gesellschaftspolitischen Ereignissen seiner Zeit. Schwerpunkt sind natürlich die Ereignisse in Großbritannnien und in seinem eigenen Land. Insgesamt erlebte und überlebte er in dieser Zeit fünf Premierminister und drei Könige. Seine Aufzeichnungen, die 1934 auf einem Tiefpunkt der Beziehungen zu Großbritannien begannen, sind mehr als bemerkenswert in einer Zeit, in der russische Diplomaten ständig fürchten mussten, der Säuberungswelle Stalins zum Opfer zu fallen. Vor Jahren nun entdeckte der israelische Historiker Gabriel Gorodetzky Maiski’s Tagebücher und publizierte eine englisch- und russischsprachige Auflage in drei Bänden. Dazu hat er nun für ein breiteres Publikum eine auch in deutscher Fassung verfügbare Kurzfassung herausgegeben, die in etwa ein Viertel des Gesamtumfangs ausmacht und mit Bildern, Kommentaren des Autors sowie Ausschnitten aus den Memoiren Maiskis unterlegt ist.

 

Maiski‘s Berichte geben einen tiefen Einblick in die russische, aber auch britische Gedankenwelt, dem aufstrebendem Deutschen Reich mit seinem Diktator Adolf Hitler zu begegnen. Gerade der Kampf und Versuch Maiskis, Russland, zusammen mit Frankreich und England zum Schutz vor dem nationalsozialistischem Deutschland in ein System kollektiver Sicherheit einzubetten zeugt von den Existenzängsten des durch innenpolitischen Kämpfen zerrütteten Staats. Wie virulent diese Existenzangst war zeigen dann 1941 deutsche Panzer wenige Kilometer vor Moskau. Aber es war auch ein Existenzkampf von Maiski gegen seinen eigenen Staat, musste er doch ständig fürchten, von dem der NKWD (Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten) unterstellten Geheimpolizei GPU verhaftet zu werden. Dies war bei weitem nicht paranoid, in der Zeit des sogenannten “Großen Terrors” wurden alleine von Juli 1937 bis Mitte November 1938 etwa 1,5 Millionen Menschen verhaftet, von denen etwa die Hälfte erschossen, die anderen bis auf wenige Ausnahmen inhaftiert wurden. 1953 wurde er dann auch noch als angeblich britischer Spion verhaftet, allerdings rettete ihm der Tod Stalins kurze Zeit später das Leben. Trotzdem werden seine Aufzeichnungen konfisziert, bleiben auch nach seiner Rehabilitierung 1955 unter Verschluss und werden Maiski nur kurz für das Schreiben seiner Memoiren zur Verfügung gestellt. Maiski starb erst 1975 im respektablen Alter von 91 Jahren.

 

Maiski’s Aufzeichnungen sind natürlich subjektiv, oftmals auch abhängig von Stimmungen und Stimmung. Aber sie sind authentisch und offenherzig und bieten einen bis dato noch nicht gegebenen Einblick vor allem in die britische Appeasement Politik. Maiski sieht früh die verfehlte britische Politik, Hitler immer mehr und mehr Zugeständnisse zu machen, aus britischer Sicht des Gesamtfriedens willens, und mit der Weisheit des Rückblicks hatte er Recht. Beharrlich verfolgte er die Wiederbelegung des Konzepts der kollektiven Sicherheit und versuchte, allerdings vergeblich, Schlüsselfiguren und Lobbyisten der britischen Außenpoliitk von seiner Sichtweise zu überzeugen, um so Einfluss auf Chamberlain zu nehmen. Aber entweder standen Sie loyal zu ihrem Premierminister oder Chamberlain ignorierte alle Ratschläge und Indikatoren und ging stur seinen eigenen Weg. Selbst der britische Kriegsminister Leslie Hore-Belisha berichtete ihm, dass der Premierminister nach dem Münchner Abkommen am 30. September 1938 davon überzeugt ist, dass er, wenn er nur Hitler und Mussolini mit Samthandschuhen anfasst, Europa den Frieden sichern wird. Maiski ging schließlich sogar so weit, britischen Oppositionellen Argumente und Gründe für den Sturz des Premierministers zu liefern. Insgesamt unterstellte er der britischen Administration komplettes Versagen, die Psychologie Hitlers zu verstehen. Einzig Churchill, zu dem er enge Beziehungen pflegte, ja, den er bewunderte, war für ihn der Rettungsanker. Als dieser in größter Not am 10. Mai 1940 Premierminister wurde (das Deutsche Reich war just in Frankreich einmarschiert) spürte Maiski eine große Erleichterung. Aber Maiski ist letztendlich so engstirnig denkend und verblendet nach einer sowjetisch – britisch – französischen Allianz, dass er selbst jegliche Kurskorrektur in seinem eigenem Land negiert und nicht sieht. So wurde er ziemlich überrascht vom Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt, bekannt als Hitler-Stalin-Pakt, der am 24. August 1939 (mit Datum vom 23. August 1939) in Moskau vom Reichaußenminister Joachim von Ribbentrop und dem sowjetischen Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten Wjatscheslaw Molotow in Anwesenheit Stalins unterzeichnet und publiziert wurde. Der Pakt garantierte dem Deutschen Reich die sowjetische Neutralität bei einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Polen und den Westmächten. Gorodetzky räumt in einen seiner exzellenten Schlussfolgerungen und Kommentaren mit Mythen den „Hitler-Stalin-Pakt“ betreffend auf. Die von Chamberlain am 31. März 1939 erklärte Garantie für die Unabhängigkeit Polens sollte Hitler von seinem Expansionsdrang abschrecken und an den Verhandlungstisch zurück bringen. Da Hitler allerdings zu diesem Zeitpunkt einen Zweifrontenkrieg vermeiden musste, trieb diese Garantieerklärung Hitler in die Arme der Sowjeunuon und damit in den berühmten Pakt von August 1939.

 

Auch zwei Jahre später verkannte Maiski die Situaiton, als er bis zuletzt jegliche Angriffswarnungen Nazi-Deutschlands vom Tisch wischte. Aber gerade dies macht Maiski auch menschlich und vergleichbare Lehren kann man auch für Heute ziehen: Trotz jahrzehntelang auf dem außenpolitischen Parkett agierenden und damit “mit allen Wassern gewaschenen” Politikern, unzähligen Instituten, die sich mit Tausenden von Analysten auf Prognosen und Frühwarnsystemen spezialisiert haben, wird man trotzdem immer wieder von Ereignissen überrascht, mit denen “niemand gerechnet hat.” Und das ist auch gut so: Wenn man die Zukunft nicht vorhersehen kann, kann man sie auch nicht manipulieren!

Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs prägen dann die Spannungen zwischen Stalin und Churchill das Tagebuch, bis er dann, wie auch Litwinow, nach der Aufdeckung des Massakers von Katyn im März 1943 und dem darauf folgenden Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur polnischen Exilregierung im August 1943 von seinem Botschafterposten abberufen und auf dem einflusslosen Posten eines „stellvertretenden Außenministers“ abgestellt wurde.

 

Auch wenn Maiski manchmal dazu neigt, in persönliche Sentimentalitäten abzuschweifen, ist das Tagebuch eine vortreffliche Beschreibung der Hin- und Hergerissenheit zwischen Krieg und Frieden, zwischen Loyalität zu seinem Land und aktiv betriebener Politik aus Eigeninteresse. Mit Leidenschaft und Hingabe, die man in jedem Satz spürt, versucht er seine Sichtweise von „Balance of Power“ zu verbreiten, hervorragend vermittelt er Einblicke in den Geist und die Athmosphäre der damaligen Zeit und gibt uns eine umfassende Charakterbeschreibung aller Protagonisten. Geradezu humorvoll wird es, wenn er aus Sitzungen des englischen Unter- und Oberhauses berichtet (bei schlecht besuchten Sitzungen beschreibt er, dass die wenigen anwesenden Lords in dem riesigen Saal aussahen wie „Fliegen in der Milch) und dabei Redner u.a. beschreibt: „Mit seinem weißen Umhang, der von Weitem zerknittert und ungepflegt aussah, wirkte der Erzbischof wie ein großer Vogel mit gekrümmtem Schnabel“. Aber es sind eben nicht nur die Beschreibungen, sondern auch Gefühle, die vermittelt werden und die man spürt. Z.B. am 22. Juni 1941, unter dem Tagebucheintrag „Krieg!“, als Masiski erfährt, dass Hitlers Stalin den Krieg erklärt und die Wehrmacht die Grenze zur Sowjetunion überschritten hat. Zu allen Eintragungen stellen die eingefügten Kommentare von Gorodetzky sinnvolle Zusammenhänge her, berichtigen, wo angebracht und machen es weniger sattelfesten Lesern in Geschichte leichter, die Beschreibungen und Erzählungen einzuordnen.

 

Fazit: Insgesamt sind die Beschreibungen der inneren Stimmunge der beiden für Europa so wichtigen „Flügelmächte“ historisch interessant und spannend zugleich. Es zeigt sich erneut, niemand kann Geschichte so gut erzählen wie Zeitzeugen. Die Aufzeichnungen sind authentisch, sich mit den Gedanken- und Gefühlswelten von Maiski zu beschäftigen absolut empfehlenswert.

 

Andreas Pickel

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Andreas Pickel, Harald Kloth

Fr

03

Mär

2017

Multiversum - Rückkehr

Petra Mattfeldt

Multiversum - Die Rückkehr

Roman

Planegg ; Bookspot ; 2016 ; 192 Seiten ; ISBN 978-3-95669-047-1

 

„Multiversum – Die Rückkehr“ ist die Fortsetzung des Buches „Multiversum – der Aufbruch“ der deutschen Autorin Petra Mattfeldt.

Die Handlung dreht sich erneut um den inzwischen erwachsenen Tom, der in seinem ersten Abenteuer auf der Suche nach seinen tot geglaubten Eltern in ein Paralleluniversum geraten ist. Jetzt, fünf Jahre später, hat er gerade seine Ausbildung bei einem Geheimdienst abgeschlossen und wird für seinen ersten Auftrag wieder in das fremde Universum geschickt, wo er Verhandlungen des Königs mit einigen Adeligen beeinflussen soll, um ein Dokument zu verändern, das auch in Toms Universum von Bedeutung wäre und das er dorthin mitbringen soll. Außerdem findet die Gruppe, die mit Tom in das Paralleluniversum gereist ist, dort eine unliebsame Überraschung vor: die gesamte Ausrüstung der Forscher, die für eine Rückreise nötig wäre, ist verschwunden. Trotzdem beschließen sie, ihren Auftrag auszuführen, merken aber schon bald, als die Gruppe in einen Hinterhalt gerät, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Da während des Kampfes einer der Männer tödlich und ein anderer sehr schwer verletzt wird, muss Tom alleine weiterreisen und sich mit bösartigen Doppelgängern und Intrigen herumschlagen.

Das Buch ist in einem jugendlichen Stil verfasst, der sich leicht lesen lässt. Die Autorin Petra Mattfeldt benutzt viele Metaphern um die Texte interessanter wirken zu lassen. Es gelingt ihr sehr gut, die mittelalterliche Welt des Paralleluniversums anschaulich zu beschreiben.

 

Fazit: Dieser Roman steht seinem Vorgänger in puncto Spannung in packendem Schreibstil in nichts nach.

Clara Roßmann

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Clara Roßmann, Harald Kloth

So

26

Feb

2017

Im Schatten das Licht

Jojo Moyes

Im Schatten das Licht

Roman

Reinbek; Rowohlt Polaris ; 2017 ; 576 Seiten ; ISBN 978-3-499-26735-2

Sarah und ihr Großvater sind ein gutes Team. Für seine große Liebe hat Henri Lachapelle damals Frankreich hinter sich gelassen und sich in England ein neues Leben aufgebaut. Seit dem Tod seiner geliebten Frau ist er mit seiner Enkelin allein. Henri war einst Elitereiter im berühmten Cadre Noir und das Reiten hat ihn nie losgelassen. Nun trainiert er täglich mit seiner Enkelin und dem begabten Pferd Boo die Übungen, die er früher selbst tagtäglich vollführte. Sein Traum ist es, dass Sarah irgendwann einmal in seine Fußstapfen tritt und ebenfalls in den Cadre Noir aufgenommen wird.

Der Stall von Cowboy John befindet sich mitten in London hinter einem unscheinbaren Tor am Ende einer Gasse und ist für die beiden ein zweites Zuhause geworden. Als Henri eines Tages auf offener Straße zusammenbricht und mit der Diagnose Schlaganfall ins Krankenhaus eingeliefert wird, gerät die heile Welt für Sarah komplett aus den Fugen.

Die erfolgreiche Anwältin Natasha möchte eigentlich mit ihrem Noch-Ehemann Mac nichts mehr zu tun haben. Allerdings ist da noch das gemeinsame Haus und bis dafür ein Käufer gefunden ist, zieht Mac wieder zuhause ein. Obwohl sich beide bereits in neuen Partnerschaften befinden, haben sie noch Gefühle füreinander. Als Paar haben sie eine Menge durchgemacht und dies lässt sich eben nicht so einfach wegwischen.

Als Sarah in das Leben der beiden tritt, ändert sich alles schlagartig. Sie nehmen das verschlossene Mädchen vorübergehend bei sich auf. Was Natasha und Mac allerdings zuerst nicht wissen, ist die Sache mit dem Pferd. Selbst als diese aufgrund von Sarahs Fehlzeiten in der Schule ans Licht kommt, ahnen die beiden nicht, dass es längst auch finanzielle Probleme mit dem neuen Stallbesitzer Sal gibt, der Sarah ziemlich unter Druck setzt und ihr am Ende sogar Boo wegnehmen will.

Plötzlich ist Sarah verschwunden. Auch von Boo fehlt jede Spur. Als dann auch noch feststeht, dass Natashas Kreditkarte weg ist, machen sich Natasha und Mac auf die Suche nach dem Mädchen und dem Pferd.
Und diese Suche führt die beiden bis nach Frankreich.

In ihrem neuesten Buch erzählt Jojo Moyes wieder eine packende und gut konstruierte Geschichte. Zu Beginn jedes Kapitels stehen thematisch passende Zitate aus Xenophons Werk 'Über die Reitkunst'. Obwohl die Geschichte im Reitermilieu mit entsprechendem Fachjargon angesiedelt ist, kann man auch als Pferdeunkundiger alles gut nachvollziehen.

Fazit: Ein fesselnder Roman, den nicht nur Pferdefreunde nicht mehr aus der Hand legen werden.

 

Sonja Kraus

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

Sa

25

Feb

2017

Zwetschgendatschikomplott

Rita Falk

Zwetschgendatschikomplott

Ein Provinz-Krimi

München ; dtv ; 2016 ; 272 Seiten ; ISBN 978-3-423-21635-7

 

Es läuft nicht gut für Franz Eberhofer. Nach der geplatzten Hochzeit mit seiner Dauerfreundin Susi sind die Oma und der Papa nicht gut auf ihn zu sprechen. Und auch, wenn er mehrmals mitten in der Nacht reumütig versucht, die Susi am Telefon zu besänftigen - was ja an sich schon eine recht blöde Idee ist - endet alles in einer Funkstille.

Derweil spaltet sich das beschauliche Niederkaltenkirchen in zwei tief verfeindete Lager. Ein Hotel soll nämlich gebaut werden und natürlich sind diejenigen, die davon profitieren würden, sprich der Simmerl Metzger, der Gas-Wasser-Heizungspfuscher Flötzinger und natürlich allen voran der Bürgermeister für das Hotel. Alle anderen möchten aber gerne, dass in Niederkaltenkirchen alles so bleibt, wie es ist. Wie in der Großstadt gibt es sogar Demos und Boykottaktionen und alles in allem ist eine Menge los in dem sonst relativ ruhigen Ort im tiefsten Niederbayern.

Zu allem Überfluss hat der Eberhofer auch in München seinen Stress. Der Rudi findet auf seinem Balkon einen Frauenfinger und natürlich wäre der Birkenberger nicht der Birkenberger, wenn er nicht auch noch die dazugehörige Leiche finden würde. Eine übel zugerichtete übrigens. Kurz darauf werden in einem Neubaugebiet vor den Toren Münchens noch zwei weitere übel zugerichtete Frauenleichen gefunden. Alle im Dirndl und das ausgerechnet zur Wiesnzeit - da müssen Franz Eberhofer und seine Kollegin Steffi natürlich unter Hochdruck an der Lösung des Falles arbeiten. Die Spur führt dann letztlich ins Rotlichtmilieu, wo der Rudi sich aufgrund seiner diversen Privatermittlungen bestens auskennt und wieder eine große Hilfe ist. Als wäre das alles noch nicht genug, erfährt Franz dann auch noch, dass die Susi - seine Susi - schwanger ist.
Da kann er doch nicht der Vater sein. Oder etwa doch?

Im mittlerweile sechsten Fall für den Kommissar Eberhofer lässt Rita Falk so einiges geschehen. So viel, dass der eigentliche Fall ganz oft ein wenig ins Hintertreffen gerät. Aber das kennt man ja schon aus den früheren Fällen. Es geht im Grunde immer viel mehr um die Personen, die einem schon ein wenig ans Herz gewachsen sind und weniger um den eigentlichen Kriminalfall. Dafür gibt es aber in diesem Regionalkrimi wieder so einiges zum Schmunzeln.

Fazit: Ein empfehlenswertes und unterhaltsames Buch, enthält allerdings für eingefleischte Krimifans wohl zu wenig Spannung.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

So

19

Feb

2017

Feine Pflänzchen

Mascha Kaléko

Feine Pflänzchen

München ; dtv ; 2016 ; 80 Seiten ; ISBN 978-3-423-28082-2

 

Dieses wunderschön (von Eva Schöffmann-Davidov neu) illustrierte Gedichtbüchlein enthält Verse der Lyrikerin Mascha Kaléko. Diese gehört zu den bedeutendsten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts zählt und wurde vor allem durch ihre Großstadtlyrik bekannt.

 

Im Werk Kalékos geht es immer auch um die Menschen und das Zwischenmenschliche – es verwundert also nicht, dass auch so manches beschriebene „Feine Pflänzchen“ äußerst menschliche Züge zeigt. An einigen Stellen ist das spitzbübische Augenzwinkern der Dichterin beim Verfassen der Verse regelrecht zu spüren.

 

Besonders schön sind Eva Schöffmann-Davidovs fantasievolle und natürlich jeweils thematisch passende, das im Gedicht beschriebene Pflänzchen darstellende Illustrationen.

 

Fazit: Ein kleines, feines Büchlein für Mascha-Kaléko-Fans sowie Gedicht- und Pflanzenliebhaber im Allgemeinen.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

So

12

Feb

2017

Messie in uns

Sabina Hirtz

Der Messie in uns

Wie wir Wohnung und Seele entrümpeln

Reinbek ; Rowohlt ; 2017 ; 204 Seiten ; ISBN 978-3-499-63137-5

 

Wer kennt es nicht: der Stapel mit den Zeitungen oder Zeitungsausschnitten, die man irgendwann noch lesen will, wächst ins Unermessliche und bald wird aus einem Stapel auch ein zweiter. Zwar ist von dieser Unordnung hin zum Messietum noch ein weiter Weg, doch dennoch sollte man sich mit der Thematik befassen, wenn man solche Tendenzen an sich selbst feststellt.

 

Wie Sabina Hirtz in ihrem Buch „Der Messie in uns“ eindringlich schildert, liegt das Problem bei Messies meistens viel tiefer. Es hat nichts mit einem
„Nicht-Aufräumen-Wollen“ zu tun. Oft sind es Erlebnisse der frühen Kindheit und Jugend, die das spätere Messieverhalten bedingen. Erst die behutsame Aufarbeitung dieser Geschehnisse, also die Entrümpelung der Seele, kann dann im nächsten Schritt zur Entrümpelung der Wohnung führen.

 

Als Heilpraktikerin für Psychotherapie hat sich Sabina Hirtz auf das Thema Messie spezialisiert und unter anderem auch das TV-Format „Das Messie-Team“ moderiert. Anhand von einigen sehr anschaulichen Fallstudien gelingt es ihr, dem Leser die Thematik näher zu bringen.

 

Ihre Erklärungen sind leicht verständlich und helfen auch, das eigene Verhalten bezogen auf die Unordnung besser einzuschätzen. Außerdem werden einige Strategien zur Hilfe und Selbsthilfe bei Betroffenen aufgezeigt.

 

In einem ausführlichen Glossar am Ende des Sachbuches werden zudem Fachbegriffe und Methoden näher erklärt.

 

Fazit: Ein äußerst lesenswertes Buch für alle, die sich für die Thematik Messie-Syndrom interessieren.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

So

05

Feb

2017

Sie weiss von Dir

Sarah Pinborough

Sie weiß von Dir

Thriller

Reinbek ; Rowohlt-Verlag ; 2017 ; 444 Seiten ; ISBN 978-3-499-27265-3

 

Die Arzthelferin Louisa flirtet in einer Bar. Kurze Zeit später stellt sich heraus, dass der Flirt ihr neuer Chef David ist. Zu allem Überfluss ist er auch noch verheiratet mit der bildhübschen Adele. Das Ehepaar ist erst vor kurzem in die Stadt gezogen. Adele kennt noch niemanden und freundet sich mit Louisa an. Diese hat in den Sommerferien jede Menge Zeit, da sich ihr sechsjähriger Sohn Adam mit dem Vater und dessen neuer Lebensgefährtin im Sommerurlaub in Frankreich befindet.

 

Louisa ist von schlimmen Träumen geplagt und Adele verhilft ihr zu erholsamem Schlaf. Sie gibt ihr ein kleines Notizbuch.

 

Darin kann sie lesen, wie sie im Schlaf durch die „1.Tür“ schreiten kann. Sie muss sich nur darauf konzentrieren. Bei dieser Gelegenheit erfährt Louisa einiges aus der Vergangenheit von David und Adele. Doch die Geschichten weichen voneinander ab, je nachdem, ob sie von David oder Adele erzählt werden. In ihrer Loyalität ist Louisa hin und hergerissen.

 

Soll sie Adele glauben, in der sie eine gute Freundin gefunden zu haben scheint oder David, mit dem sie nicht nur in der Arbeit Kontakt hat?

 

Mittlerweile hat Louisa im Notizbuch weitergelesen und herausgefunden, was es mit der „2. Tür“ auf sich hat. Zunächst schafft sie es nicht, die 2. Tür zu durchschreiten aber nach etwas Zeit schafft sie es, was sie dann erlebt ist zunächst so unglaublich, dass sie es nicht fassen kann, aber es scheint doch Realität zu sein.

 

Sarah Pinborough legt mit „Sie weiß von dir“ ihr Thriller-Debüt vor. Aus verschiedenen Blickwinkeln entfaltet sie das Szenario zwischen Adele und Louisa. Zwischendurch gibt es Rückblenden in die Vergangenheit. Am Ende laufen die Fäden zusammen und die letzten Seiten stellen noch einmal alles auf den Kopf.

 

Fazit: Ein solider Thriller mit transzendenten Einflüssen.

 

Matthias Wagner

3/4 Sterne
3/4 von 5

Sie weiß von Dir bei amazon.de

 

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© 2017 Matthias Wagner, Harald Kloth

Sa

04

Feb

2017

30 Sekunden zu spät

Kaja Bergmann

30 Sekunden zu spät

Thriller

Planegg ; Bookspot Verlag; 2016 ; 155 Seiten ; ISBN 978-3-95669-076-1

 

Der Thriller „30 Sekunden zu spät“ von Kaja Bergmann ist eine Art Fortsetzung zu ihrem Buch „Der Mephisto Deal“ und handelt von Nepomuk und seiner Freundin Miranda, die spontan beschließen, einen Campingurlaub zu machen, bei dem einiges schief läuft. Der geplante Urlaub endet in Missverständnissen, Eifersucht und Gewalt.

Das Buch hat 164 Seiten, ist in einem jugendlichen Stil geschrieben und wie eine Art Tagebuch gestaltet, da die Texte aus Nepomuks Notizbuch stammen. Die Geschichte wird zweimal erzählt, einmal aus Nemos und einmal aus Mirandas Sicht, wobei die Handlung am Ende stark variiert, so dass der Leser im Unklaren darüber gelassen wird, wie die Geschichte tatsächlich endet.

Fazit: Der Text lässt sich angenehm lesen und ist sehr fesselnd. Das Buch ist alles in allem wirklich gut gelungen und geeignet für Jugendliche und Erwachsene.

Clara Roßmann

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2017 Clara Roßmann, Harald Kloth

Fr

27

Jan

2017

Mädchen aus Apulien

Iny Lorentz

Das Mädchen aus Apulien

Roman

München ; Knaur ; 2016 ; 617 Seiten ; ISBN 978-3-426-66382-0

Der neue Roman vom Autorenduo Iny Lorentz entführt den Leser ins Hochmittelalter. In Apulien lernen wir die junge Grafentochter Pandolfina kennen. Nach dem Verlust ihres Vaters verliert sie Burg und Güter an den verfeindeten Nachbarn und muss an den Hof Kaiser Friedrich II. fliehen. Dort verbringt sie mehrere Jahre und nimmt Anteil am bewegten Leben des Kaisers. Schließlich studiert sie mit der Erlaubnis Friedrichs sogar an der berühmten Heilerschule in Salerno.

Im Deutschen Reich, nahe Nürnberg, muss währenddessen der junge Leonard von Löwenstein unfreiwillig die Ausbildung zum Ritter absolvieren. Leonard ist im Kloster aufgewachsen. Doch als letzter verbliebener Erbe seines Vaters, soll er die Besitztümer der Familie retten und sein Erbe antreten.

Dem Leser wird schnell klar, dass sich beider Wege kreuzen werden. Die Protagonistin wird als selbstbewusste junge Frau dargestellt, die dem Leser durch ihr Engagement und ihre Courage schnell ans Herz wächst. Leonard steht dem in nichts nach. Beide müssen mit historischen Gegebenheiten umgehen und sich mit vielen Widrigkeiten auseinandersetzen. Bis zum Happy End legen Ihnen die Autoren allerdings noch einige dicke Brocken in den Weg.

Dieser Historische Roman liest sich durch seine schnörkellose Bildsprache flüssig. Die Handlung konzentriert sich auf die Hauptfiguren und schreitet geradlinig voran. Dennoch ist die Geschichte sehr vorhersehbar und die Autoren schaffen es nur selten Spannung aufkommen zu lassen. Der für diese Zeit prägende Kaiser-Papst Konflikt wird geschickt eingebettet, jedoch ohne den Leser mit zu vielen historischen Fakten zu langweilen. Überdies treten nur wenige historisch belegte Persönlichkeiten in Erscheinung. Wir erfahren viel über den diplomatischen Drahtseilakt, mit dem sich der berühmte Staufer-Kaiser auseinandersetzen musste und der das Schicksal Pandolfinas bestimmt.

Fazit: Mit ihrem Werk gelingt es Iny Lorenz leider nicht, sich aus der breiten Masse historischer Romane hervorzuheben. Dazu ist die Geschichte zu einfach gestrickt. Dennoch ist das Buch schön zu lesen und sorgt für kurzweilige Unterhaltung.

Cornelia Krellner

3 Sterne
3 von 5

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© 2017 Cornelia Krellner, Harald Kloth

Fr

06

Jan

2017

Weisswurstconnection

Rita Falk

Weißwurstconnection

Ein Provinzkrimi

München ; dtv ; 2016 ; 304 Seiten ; ISBN 978-3-423-26127-2

Die Wellness-Branche boomt und so ist es nicht verwunderlich, dass es nun auch im beschaulichen Niederkaltenkirchen bei Landshut eines dieser luxoriösen Wellnesshotels gibt. Doch kurz vor der Eröffnung wird Kommissar Eberhofer von der Hotelleitung des Heimatwinkels um Hilfe gebeten. In einer der vom Gas-Wasser-Heizungspfuscher Flötzinger installierten Badewannen liegt eine aufgedunsene männliche Leiche.

Der Mann muss wohl während des Probebetriebs, bei dem alle am Bau des Hotels Beteiligten ein kostenloses Wochenende im Hotel verbringen durften, gestorben sein. So kurz vor der Eröffnung will die Hotelleitung natürlich um jeden Preis negative Schlagzeilen vermeiden. So wird die Leiche mit Hilfe des Richters Moratschek ganz diskret in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in die Pathologie gebracht. Doch in Niederkaltenkirchen spricht sich so ein Todesfall natürlich schneller herum als dem Eberhofer lieb ist.

Der Tote war ein rechtschaffener Bürger und hinterlässt Frau und Kinder. Franz Eberhofer tappt komplett im Dunkeln und wie immer kommt ihm sein Freund, der Privatermittler Rudi Birkenberger zur Hilfe. Getarnt als Teilnehmer der Esoterik-Tagung, die im Heimatwinkel stattfindet, ermittelt der Rudi undercover und wie immer nimmt er seinen Job dabei sehr ernst - bis hin zum Yoga-Outfit, was beim Rudi natürlich deppert aussieht. Findet zumindest der Franz.

Doch nicht nur die Leiche beschäftigt Franz Eberhofer - auch privat ist er rundum beschäftigt. Mit der Susi und dem gemeinsamen Sohn Paulchen läuft es momentan ganz gut. Wäre da nicht die fixe Idee von der Oma, dass sich Franz und sein Bruder gemeinsam ein Doppelhaus bauen sollen. Der Schleimer stürzt sich voll in die Planungen, was dem Franz natürlich gar nicht passt.

Nachdem der Franz Eberhofer im letzten Fall Leberkäsjunkie gesundheitlich sehr angeschlagen war, ist er in seinem nunmehr achten Fall wieder ganz der Alte. Witzig ist dieses Mal der Rudi, der sich inspiriert durch seinen Undercover-Einsatz auf dem Esoterik-Trip befindet. Der Mordfall wirkt aber doch sehr an den Haaren herbeigezogen. Das Zwischenmenschliche und die Seilschaften innerhalb Niederkaltenkirchens stehen ja ohnehin immer mehr im Mittelpunkt als der eigentliche Fall, aber dieses Mal hat man das Gefühl, den Todesfall musste es einfach geben, da sonst das Label "Provinzkrimi" nicht mehr zutreffen würde. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Rita Falk für den nächsten Fall mehr Zeit lässt. Das täte der Story sicher gut.

Fazit: Eine im Großen und Ganzen ganz unterhaltsame Geschichte, die aber verglichen mit den früheren Fällen doch einige Defizite aufweist.

 

Sonja Kraus

3 Sterne
3 von 5

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© 2016 Sonja Kraus, Harald Kloth