Dark Star - HR Gigers Welt

Original: Dark Star: HR Gigers Welt, 2014

Regie: Belinda Sallin

Copyright © Salzgeber & Co. Medien
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Hansruedi "HR" Giger (1940-2014)  ist einem breiteren Publikum als Designer der Alien-Kreatur in Ridley Scotts gleichnamigen Science-Fiction-Horrorfilm von 1979 bekannt geworden. Der Schweizer Künstler war aber so viel mehr als Oscar-Preisträger eines der besten Horrorfilme aller Zeiten.

 

Der Dokumentarfilm Dark Star - HR Gigers Welt versucht hinter die Person Giger zu blicken und portraitiert einen gebrechlich wirkenden, aber hellwachen Menschen mit großer Präsenz in seinem außergewöhnlichen Haus voller Kunstobjekte und Malereien. Er zeigt die Arbeit seines Teams, zeigt ihn beim Besuch seiner Freunde und Familie. Man spürt die enge Verbundenheit der Personen rund um HR Giger.

 

In zahlreichen Interviewausschnitten kommen zahlreiche Begleiter/innen Gigers zu Wort, wie z. B. seine zweite Ehefrau Carmen Maria Giger. Der Dokumentation gelingt es hervorragend, das Abgründige und Kontroverse in HR Gigers Werk rund um Geburt, Sexualität und Tod darzustellen.

 

Wer sich mehr mit der Entstehung des ersten Alien-Films beschäftigen möchte, dem sei dem Dokumentation Memory empfohlen.

 

Fazit: Intensiver Blick auf einen außergewöhnlichen Künstler.

 

Harald Kloth

4 Sterne
4 von 5

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© 2022 Harald Kloth, Cover: Copyright © Salzgeber & Co. Medien

 

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Felicitas Prenzel: Fees vegane Verwöhnküche

Kreative Rezepte aus über 30 Jahren Erfahrung. Von süss bis herzhaft" von Felicitas Prenzel

Bernhardswald ; Lusinia-Verlag ; 2022 ; 128 Seiten ; ISBN 978-3-9815403-5-2

Buchcover Felicitas Prenzelk: Fees vegane Verwöhnküche
Copyright © Lusinia Verlag

 

Auf 126 Seiten präsentiert Felicitas Prenzel kreative, vegane Rezepte aus über 30 Jahren Erfahrung von süß bis herzhaft. Das Cover lockt mit den Worten „Vegan kochen ist schwierig? Fees Rezepte beweisen das Gegenteil!“.

 

Gleich zu Beginn werden einige Kochtipps verraten, die ein „entspanntes Kochen“ ermöglichen sollen. Ebenso erfährt der Leser die Beweggründe der Autorin für den veganen Lebensstil.

 

Es folgt ein Inhaltsverzeichnis mit der Auflistung aller Rezepte von Aufstrichen & Dips bis hin zu Hauptspeisen und Desserts. Nicht nur bekannte Gerichte wie Kartoffelsalat, Tomatensuppe oder Maultaschen werden aufgeführt, sondern auch weniger bekannte Gerichte wie z.B. Veganer „Schinken“, Auberginen-„Matjes“ oder Blumenkohl-„Steak“.

 

Jede Rubrik wird mit Fotos der verschiedenen Speisen eröffnet. Daraufhin folgen die einzelnen Rezepte. Die Besonderheiten der Rezepte wie z.B. Glutenfrei, Sojafrei oder Nussfrei werden hervorgehoben. Ebenso geht die Autorin auf mögliche Varianten der Gerichte ein um Unverträglichkeiten zu berücksichtigen. Bei einigen Rezepten ist ein grün geschriebener Kommentar der Autorin eingefügt. Hier beschreibt Felicitas Prenzel z.B. den Hintergrund der Rezepte oder fügt Kochtipps hinzu. Weitere „Zaubermöglichkeiten“ findet man am Ende des Rezeptes. Kleine Abwandlungen können ein Gericht neu erfinden.

 

Die Zutaten werden genauestens beschrieben, bei z.B. Kräutern fügt die Autorin hinzu, ob diese frisch oder getrocknet sein sollen. Auch werden vegane Ersatzprodukte verwendet. In diesen Fällen gibt Felicitas Prenzel zum Teil die Marke der Produkte an. So kann als Ersatz für die Crème fraîche z.B. die Creme Vega von Dr. Oetker verwendet werden. Die Zubereitung der Gerichte wird in einzelnen Schritten beschrieben.

 

Die Fotos sind zum Teil nicht direkt neben den Rezepten platziert, dies führt dazu, dass reine Textseiten beinhaltet sind, welche leider etwas unübersichtlich wirken. Für Kochbegeisterte, die die vegane Welt der Gerichte noch nicht erkundet haben, werden einige Zutaten noch unbekannt sein. Dies lässt die Gerichte auf den ersten Blick kompliziert erscheinen. Die Angabe von z.B. Marken erleichtert aber den Einkauf von bisher unbekannten Zutaten.

 

Fazit: Fees vegane Verwöhnküche ist ein Kochbuch mit tollen veganen Rezepten, die für Kochbegeisterte mit Erfahrung, leicht umzusetzen sind, so wie es das Cover verspricht. Für Neulinge hingegen könnten einige Rezepte jedoch schwierig erscheinen.

 

Andrea Bräu

4 Sterne
4 von 5

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© 2022 Andrea Bräu, Harald Kloth, Cover: Copyright © Lusinia Verlag

 

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Diez/Krabbe/Engler: Werkstattbuch Mediation

Von Hannelore Diez, Heiner Krabbe, Karen Engler

Köln ; Otto Schmidt ; 2019; ISBN 978-3-504-06262-0 ; 341 Seiten

 

Die zweite, neu bearbeitete Auflage des Werkstattbuch Mediation aus dem Jahr 2019 bildet als "Klassiker", der nicht aus der Mediationslandschaft wegzudenken ist, sowohl eine solide Grundlage und Begleitung für eine Mediationsausbildung oder dient als fundiertes Nachschlagewerk und Ideengeber für Mediator*innen.

 

Es überzeugt durch einen flüssig lesbaren und verständlichen Sprachstil und ist für ein Lehrbuch sehr spannend, fast wie ein Roman, zu lesen. Dieses Fachbuch zeichnet sich durch einen klaren Aufbau, verständliche Erklärungen zu Arbeitsweise, Vorarbeit und Ablauf aus.

 

An Hand eines komplexen Fallbeispiels einer Erbmediation erhält der Leser oder Lernende einen Einblick in alle einzelnen Phasen der Mediation. Er bekommt Übung sowie Wege, Techniken und Methoden an die Hand. Es werden das Erstellen von Angeboten durch die Medianten, das Verhandeln, das Bilden von Arbeitshypothesen, die Abschlussvereinbarung und das Abschlussgespräch in gut übertragbarer wörtlicher Rede, nachvollziehbar dargestellt.  Die Rolle des Mediators ist ausführlich, verständlich und schlüssig erklärt.

 

Das Werk bietet zusätzlich einen übersichtlichen und gut gefüllten Werkzeugkoffer mit gut übertragbaren und verständlichen Abläufen, Vorschlägen, Praxisbeispielen, Beispielsätzen z. B. zur Themensammlung, Deeskalationstipps usw. Übungen und Tipps sowie technische Bausteine mit Beispielen zu verschiedenen Situationen regen zum Nachdenken und zur Eigenreflexion an.

 

Das Buch schließt ab mit Ratschlägen zur Praxiserleicherung, mit einer Zusammenfassung, Mustern, Beispielen für Konstrukte, Plänen, Aufstellungen etc.

 

Fazit: Als Arbeitsbuch für Praxis, Lehre und Supervision sollte es auf keinem Schreibtisch fehlen und ist absolut empfehlenswert.

 

Jutta Kloth

5 Sterne
5 von 5 Lesetipp

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© 2022 Jutta Kloth, Harald Kloth

 

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Alien 1: Blutlinien

Story: Phillip Kennedy Johnson. Zeichnungen: Salvador Larroca

Stuttgart ; Panini ; 2022 ; 164 Seiten ; ISBN 978-3-7416-2864-1 ; Softcover

Cover Alien Blutlinien 1
Copyright © Panini Verlags GmbH

 

Das Jahr 2200. Weyland-Yutani Sicherheitschef Gabriel Cruz geht endlich in den wohlverdienten Ruhestand. Auf der Erde, in den United Americas, möchte er sich mit seinem Sohn Danny versöhnen. Doch dieser ist enttäuscht von seinem Vater und stiehlt dessen Keycard. So gelangt er mit einer Gruppe von Fanatikern zur Epsilon-Raumstation. Dem Ort, an dem auch Dannys Bruder starb. Schnell eskaliert dort die Situation und es wird klar, dass der Konzern Experimente mit Aliens durchführt. Das Unheil nimmt seinen Lauf ...

 

Phillip Kennedy Johnson und Salvador Larroca (Star Wars) verbeugen sich mit dieser neuen Alienserie tief vor der Mythologie des Alien-Franchise.

Am auffälligsten verkörpert durch die gelungene Darstellung des Androiden Bishop. Diese (ursprünglich von Lance Henriksen verkörperte) künstliche Lebensform hatte filmische Auftritte im zweiten Teil Aliens und in Alien3. Im vorliegenden Comic verkörpert er mehrere Charaktere, unter anderem einen Psychiater. Aber auch Nebensächlichkeiten wie Kleidungsstil passen gut in den bisherigen Alien-Kosmos. Und natürlich spielt auch eine Katze wieder eine wichtige Rolle.

 

Die Zeichnungen von Larroca sind sehr plastisch und wirken vor allem bei den Alien-Xenomorphen furchteinflößend.

 

Neben der reglulären Ausgabe im Softcover gibt es auch noch eine auf 333 Stück limitierte Variant-Ausgabe und eine auf 111 Stück limitierte Variant-Ausgabe mit Original-Signatur von Gabriele Dell´Otto.

 

Fazit: Stimmig nimmt sich diese Alien-Geschichte dem Thema dysfunktionale Familie an. Die vielen Filmreferenzen und die plastischen Zeichnungen sind überaus gelungen. Starker Science-Fiction-Horror.

 

Harald Kloth

4 Sterne
4 von 5

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© 2022 Harald Kloth, Cover: Copyright © Panini Verlags GmbH

 

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John Walsh: Die Klapperschlange - Escape from New York

Die Entstehungsgeschichte des Kultfilms

Ludwigsburg ; Cross-Cult ; 2022 ; 160 Seiten ; ISBN 978-3-96658-883-6

Buchcover John Walsh: Die Klapperschlange
Copyright © Cross Cult Verlag

 

In den 1970er und 1980er Jahren schuf der Regisseur John Carpenter eine ganze Reihe unbestrittener Kultfilme, die noch heute im Genrekanon des Science-Fiction- und Horror-Films nicht mehr wegzudenken sind: Dark Star (1974), Assault - Anschlag bei Nacht (1976), Halloween - Die Nacht des Grauens (1978), The Fog - Nebel des Grauens (1980), Die Klapperschlange (1981), Das Ding aus einer anderen Welt (1982), Sie leben (1988).

 

Anfang der 1980er Jahre hatte Carpenter vielleicht seinen künstlerischen Zenit als Filmemacher erreicht. Mit der düsteren Zukunftsvision eines als Gefängnis umfunktionierten New Yorks schuf er auch einen archetypischen Antihelden: Snake Plissken (dargestellt von Kurt Russel).

 

Das Filmbuch von John Walsh richtet sich direkt an die Fans dieses, von großartigen Darstellern (Lee van Cleef, Ernest Borgnine, Donald Pleasence, Isaac Hayes, Harry Dean Stanton, Adrienne Barbeau), getragenen apokalyptischen Action-Streifens. Deutlich wird dies schon durch die Größe des Hardcoverbandes von beeindruckenden 24 mal 32 Zentimetern. Auf 160 Seiten wurden 304 Bilder der Dreharbeiten, von Szenenfotos, privaten Aufnahmen, Grafiken und Filmpostern zusammengetragen.

 

Autor Walsh geht anfangs auf den Filmemacher ein und zeigt das filmische Oeuvre Carpenters von 1974 bis 1980. Ausführlich beschreibt er die Besetzung, unterstützt durch teils ganzseitige Portraits der Mimen. Im nächsten großen Kapitel "Über die Mauer: Die Dreharbeiten" werden die wichtigsten Drehorte beschrieben. Vom Sicherheitskontrollpunkt Liberty Island, über die Air Force One, das World Trade Center, bis zur Brücke an der 69. Straße und der Rettung des Präsidenten. Im Kapitel "Design der Zukunftswelt von 1997" wird die Entscheidung, Retrofahrzeuge aus den 1970er Jahren zu verwenden beleuchtet. Schließlich finden sich noch kleinere Kapitel zur Beleuchtung, den visuellen Effekten, der Musik von John Carpenter bis hin zu den international verwendeten Filmpostern.

 

Fazit: Für John Carpenter-Fans unverzichtbarer, großformatiger Bildband.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4/5 von 5

Die Klapperschlange - Escape from New York. Die Entstehungsgeschichte des Kultfilms bei amazon.de

 

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© 2022 Harald Kloth, Cover: Copyright © Cross Cult Verlag

 

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Paulo Coelho: Wochenkalender 2023

Zürich ; Diogenes ; 2022 ; 54 Blätter ; ISBN 978-3-257-51097-3

Kalendercover: Paulo Coelho Wochenkalender 2023
Copyright © Diogenes Verlag

 

Paulo Coelho ist einer der bekanntesten brasilianischen Autoren, teils erreichen seine Titel Millionenauflagen. Seine Werke wie Der Alchimist oder Der Zahir sind märchenhaft-magisch, auch romantisch. Seine Protagonisten begeben sich auf eine Suche, oft ist der Weg dabei das Ziel.

 

Auf 54 Wochenseiten bebildert der Kalender Paulo Coelhos Gedanken zu seinen Werken. Beeindruckende Fotografien von Wüstendünen, bizarre Felsformationen, unwirkliche Salzseen oder majestätisch in den Himmel reichende Berge. Immer steht die ursprüngliche Schönheit der Natur im Mittelpunkt. Nur sehr selten sind Bäume, Tiere oder Menschen abgebildet. So entsteht beim Betrachten der Naturfotos neben Anmut und Schönheit auch ein Gefühl der Erbarmungslosigkeit und des Vergänglichen.

 

Jedem Kalenderblatt ist ein Zitat aus den Werken Paulo Coelhos zugeordnet, das mehr oder weniger gut zum Foto passt.

 

Mittels Perforation lässt sich jedes Blatt aus dem ca. 24 mal 32 Zentimeter großen Kalender heraustrennen. Typografisch ist der Wochenkalender äußerst gelungen gestaltet. Auch deswegen eignet er sich perfekt als Geschenk für Menschen mit Abenteuerlust oder tiefgründig-philosophische Menschen.

 

Fazit: Inspirierender Kalender für Wüstenfans.

 

Harald Kloth

4 Sterne
4 von 5

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© 2022 Harald Kloth, Cover: Copyright © Diogenes Verlag

 

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Richard J. Evans: Das Dritte Reich und seine Verschwörungstheorien

Wer sie in die Welt gesetzt hat und wem sie nutzen

München ; DVA ; 2021 ; 368 Seiten ; ISBN 978-3-570-55477-7

Buchcover Richard J. Evans: Das Dritte Reich und seine Verschwörungstheorien
© Penguin Random House Verlagsgruppe

 

Hitler hat nicht am Nachmittag des 30. April 1945 zusammen mit seiner erst kurz zuvor geehelichten Frau Eva Braun Selbstmord begangen und ist dann seinen vorherigen Anweisungen entsprechend verbrannt worden, sondern hat den Führerbunker schon vorab verlassen und lebte Jahrzehnte lang unbehelligt in Südamerika!

Derartige Verschwörungstheorien gab es schon immer in der Geschichte, aber die Tatsache, dass sich heute alles quasi in Echtzeit über den gesamten Erdball verbreiten lässt, führt geradezu zu einem Boom an Fake News und dergleichen. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie mit der Querdenker-Bewegung hat dies nochmals verdeutlicht. Ein geradezu perfektes „Spielfeld“ für Verschwörungstheoretiker bietet das bereits nach 12 Jahren beendete, einst als tausendjährig proklamierte Dritte Reich. Das dieses Thema auch nach über 75 Jahren aktueller ist denn je, zeigen die immer wieder neu aufkommenden Gerüchte und Verschwörungsgeschichten mit Beginn des Internetzeitalters und insbesondere der Allgegenwärtigkeit sozialer Medien. Diese Thematik hat nun der renommierte Historiker und Buchautor Richard J. Evans in seinem neuesten Buch „Das Dritte Reich und seine Verschwörungstheorien“ herausragend aufbereitet.

Der diesen Monat 75 Jahre alt werdende Richard J. Evans war von 1998 bis 2008 Professor of Modern History sowie von 2008 bis 2014 Regius Professor of History an der Cambridge University und gilt als einer der führenden britischen Historiker zur deutschen Geschichte und insbesondere des Nationalsozialismus. Seine Publikationen zur deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sowie zum Nationalsozialismus waren bahnbrechend. Neben seinen unzähligen Auszeichnungen ist 2012 die Ernennung zum Ritter durch Queen Elizabeth II. hervorzuheben. Nach seinem 2018 erschienen Buch „Das europäische Jahrhundert. Ein Kontinent im Umbruch - 1815-1914“ nun das hier vorliegende neue Meisterstück des renommierten Historikers.

Evans untersucht in seinem neuen Buch auf einer unverrückbaren Beweislage, wie man festes Wissen gegen „an den Haaren herbeigezogenen“ angeblichen anderweitigen Fakten verteidigen kann. Der Autor nutzt dazu fünf markante Ereignissen aus oder im Zusammenhang mit der NS-Zeit, die bis heute in unterschiedlichsten Ausprägungsgraden immer wieder Anlass zu Spekulationen geben: die „Protokolle der Weisen von Zion“ als angeblichen Beleg einer jüdischen Weltverschwörung, die Dolchstoßlegende mit der Schmach des Vertrages von Versailles, die Mythen um den Reichstagsbrand, Motive des Englandflugs des Hitler Stellvertreters Rudolf Heß am 10. Mai 1941, über dessen „Treuebruch“ Hitler nie hinweg kam sowie die eingangs erwähnte angebliche Flucht Hitlers aus dem Führerbunker vor seinem Selbstmord. Diese Begebenheiten unterscheiden sich entweder dadurch, dass sie den Hass auf eine Gruppe schüren (systematische Verschwörung) oder den Verlauf der Geschichte abändern wollen (ereignisorientierte Verschwörung). Geht es bei den ersten beiden Themen darum, wie die Nationalsozialisten Ereignisse angeblich für ihre Zwecke missbraucht haben, behandeln die dann folgenden drei Kapiteln Verschwörungstheorien um Geschehnisse der NS-Schergen, die sich erst im Laufe der folgenden Jahrzehnte herausbildeten.       

Verschwörungstheorien sind seit spätestens dem 18. Jahrhundert Teil der Geschichtsforschung und haben laut Evans gemeinsam, dass sie für jedermann verständlich Sachverhalte vereinfacht und plausibel darstellen. Es werden Beziehungen hergestellt, wo es de facto keine gibt und es werden dafür oft genug auch Fakten verdreht oder gar neu erfunden. Das Ganze noch medial gut aufbereitet und eine treu glaubende Anhängerschaft ist schnell gefunden (siehe heutzutage mit den Corona-Leugnern). Dabei könnte man glauben, dass derartige Theorien nach Jahrzehnten und auf Basis wissenschaftlich akkurat erarbeiteten Erkenntnissen zu den realen Geschehnissen und Abläufen abnehmen würden. Weit gefehlt! Stattdessen erleben diese seit Mitte der 50er Jahre über die Boulevardpresse und dem Fernsehen und spätestens seit dem Einzug sozialer Medien in unseren Alltag im neuen Jahrtausend einen wahren Boom. Es ist somit für den historisch wenig bewanderten „User“ immer mehr herausfordernd, Fakten von Erfundenem zu unterscheiden, mit der Konsequenz, dass die seriösen Wissenschaften ihres auf eben diesen Fakten erstelltes Bild der Geschichte immer und immer wieder aufs Neue rekonstruieren und verteidigen müssen.   

Evans nennt alle seine oben angeführten fünf Beispiele paranoide Phantasien. Es wird erfunden, spekuliert, fantasiert, realitätsfremd in die Glaskugel geguckt, also alles andere, als sich auf Fakten zu berufen. Die Einfachheit der Erklärungen kumuliert dann, wer von welchen Abläufen der Geschichte profitiert hat und rechtfertigen damit ihren Wahrheitsgehalt.

Mit den „Protokollen von Zion“ wollen die Verschwörungstheoretiker einen stringenten Strang zum Holocaust ziehen. Dem wiederspricht Evans gleich zu Beginn. Hitler war kein Freund derartiger Verschwörungen, hat sich nie auf diese Protokolle bezogen und nationalsozialistische antijüdische Hetzkampagne war ebenso andersartig ausgerichtet. Hitler bezog stattdessen seine antisemitischen Anschauungen aus der Propaganda, dass die Juden als Drahtzieher im Verborgenen handelten, um die Gesellschaft aus dem Hintergrund heraus zu spalten. Am 30.01.1939, sechs Jahre nach seinem Machtantritt, verkündete er basierend darauf mehr oder weniger offiziell im Reichstag die Vernichtung der Juden und setzte dies spätestes ab da manisch um. Dem zur Folge keinerlei Bezug zu den „Protokollen von Zion“. Dies gilt dann gleichermaßen für das zweite Thema dem sich Evans widmet, der Dolchstoßlegende. Der Blick des NS-Regimes war nicht im Groll dahingehend nach hinten gerichtet, dass die glorreich kämpfenden Soldaten angeblich unbesiegt von außen von destruktiven sozialistischen Kräften im Inneren des Reichs besiegt wurden (frei nach Friedrich Ebert zu den heimkehrenden Soldaten: „Kein Feind hat Euch überwunden“), sondern durch den mangelnden Überlebenswillen. Auch, wenn dies ein wesentlicher Aspekt für den Aufstieg der Nationalsozialisten zur Macht war, so Evans, deren Blick war mehr nach vorne mit der Errichtung eines arisch reinen Volkes mit Lebensraum im Osten gerichtet. Der Reichstagsbrand wiederum war gleichermaßen ein Nährboden für Gerüchte, die Tat eines einzelnen kann nur einem Komplott zugrunde liegen, so argumentieren die Faktenfälscher. Das Dritte „tausendjährige“ Reich wurde also angeblich basierend auf der Theorie errichtet, die Kommunisten hätten als einen wesentlichen Schritt zum Sturz der Weimarer Republik versucht, den Reichstag abzufackeln. Ein Beweis für die Beteiligung anderer, z.B. zusätzliches entzündliches Material, wurde nie gefunden und das Geständnis des Täters, Marinus van der Lubbe, von dem er auch nie abrückte, dass er Allleintäter war, ist ebenso ein zwingender Beweis. Hitler brauchte den Reichstagsbrand nicht für seine Zwecke. Er und seine Nationalsozialisten hätten ansonsten einen anderen Vorwand als Vehikel ge- oder besser erfunden, um den Notstand auszurufen und Massenverhaftungen gegen Kommunisten und Sozialdemokraten anzuordnen. Wie aktueller denn je das letzte Thema in Evans Buch um Hitlers angebliche Flucht aus dem Führerbunker ist, zeigt sich daran, dass darüber in den letzten 20 Jahren mehr Bücher und Filme erschienen sind, als in den über 50 Jahren zuvor.  

Verschwörungstheorien sind nicht neu, so Evans, und wie bereits erwähnt spätestens seit dem 18, Jahrhundert Teil der Geschichtsschreibung. Lediglich die Art, sowie Geschwindigkeit und die Medien der Verbreitung haben sich natürlich stark verändert.  Evans zeigt akribisch bis ins letzte Detail auf, von wem sie mit welcher Intention in die Welt gesetzt wurden, wer wie versucht hat, die Geschichte in diesen Teilen umzuschreiben und daraus einen Nutzen zu ziehen sowie warum sie sich trotz eindeutiger widersprechender Fakten teils bis heute gehalten haben bzw. immer wieder ein neues Hoch erfahren. Diejenigen, welche Verschwörungstheorien aufbringen stellen Fakten als gefälscht oder erlogen dar und stellen diejenigen, die sich auf Fakten berufen, diese erarbeiten oder in Erinnerung rufen werden als Verschwörer oder Teil einer Verschwörung hin – dies teils bis zu körperlicher Bedrohung. Evans widerlegt plausibel diese Theorien u.a. auch, in dem er gleiche Vorgehensweisen beim Entwickeln dieser Theorien identifiziert. Evans validiert dies basierend auf einem immensen Fundus an Literatur und anderen Dokumentationen, die es dem Leser auch ermöglichen und erleichtern, sich bei Bedarf ein eigenes Bild zu verschaffen.

Basierend auf Erzählungen im 19. Jahrhundert vermischen laut Evans Verschwörungstheorien den Unterschied zwischen Fakten und Fiktion, da es letztendlich irrelevant ist, ob die Einzelheiten einer Geschichte stimmten, so lange sie die ihnen zugrunde liegende fundamentale Wahrheit ausdrücken. Sie sind meist schwarz oder weiß und es gibt eindeutig die Guten und die Bösen. Das macht ihre Verbreitung für ein größeres Publikum einfacher und plakativer. Fakten sind dagegen oft komplex, ihre Herleitung manchmal schwer nachzuvollziehen! Deswegen ist es Aufgabe der Historiker, diese ebenso klipp und klar darzulegen - so wie es eben Evans gelingt.   

Evans bekräftigt wie in so vielen seinen Büchern, dass wir durch eine sachliche und distanzierte Schreibweise mittlerweile eine Erinnerungskultur an die dunkelste Zeit Deutscher Geschichte und seiner Protagonisten haben, die frei von Klischees ist. Fakes im Internet kann man nur mit sorgfältiger Recherche begegnen! Dabei macht uns gerade dieses Werk auch sensibel für aktuelle Themen.    

 

Fazit: Insgesamt eine bemerkenswerte Aufarbeitung eines anderes Blickes auf unsere Geschichte, einerseits für Geschichtsinteressierte, die sich schon länger mit der nationalsozialistischen Zeit beschäftigen, aber andererseits auch für diejenigen, die einfach über dieses auch spannende Buch einen Bezug zu anderen Themen dieser Zeit und damit zur eigenen Geschichte gewinnen.

 

Andreas Pickel

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2022 Andreas Pickel, Harald Kloth, Cover: Copyright © Penguin Random House Verlagsgruppe

 

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Quest

Original: Quest, 1984

Regie: Elaine und Saul Bass

 

Eine Gesellschaft lebt abgeschottet von der Außenwelt in einer bunkerähnlichen Anlage tief im Erdinneren. Alle Menschen sind dort einem extremen Alterungsprozess unterworfen. Von der Geburt bis zum Tod vergehen nur acht Tage!

 

Deshalb werden die ausgewählten Babys sofort in Fähigkeiten und Wissen gelehrt. Das rasant wachsende Kind wird bald darauf auf die Suche nach der sagenhaften Erdoberfläche ausgesandt. Auf dieser gefährlichen Reise müssen viele Rätsel gelöst werden. Wie das Erkunden mystischer Pyramiden oder das Durchschreiten von Treibsand. Oder das Messen mit einem urmenschähnlichen Wesen mittels eines Spiels. Sich am Himmel abzeichnende kosmische Ereignisse verwirren und faszinierend gleichzeitig.

 

Diesen Kurzfilm gänzlich zu beschreiben fällt schwer. Er ist mehr Sinneserfahrung als ein typischer Fantasy- oder Science-Fiction-Film. Fliegende Städte erinnern z. B. an die fantasiereichen Zeichnungen eines Vicente Segrelles (El Mercenario).

 

Für das Drehbuch zeichnet sich kein geringerer als Ray Bradbury verantwortlich, ein sehr bekannter us-amerikanischer Science-Fiction-Autor. In einer kleinen Rolle ist Noah Hathaway (Die unendliche Geschichte) zu sehen.

 

Dieser phantastich-philosophische Kurzfilm ist als Bonusfilm im Mediabook der Veröffentlichung von Phase IV von Capelight Pictures enthalten.

 

Fazit: Bildgewaltige und philosophische Suche.

 

Harald Kloth

4 Sterne
4 von 5

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© 2022 Harald Kloth

 

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Phase IV

Original: Phase IV, 1974

Regie: Saul Bass

Cover 3-Disc Limited Collector's Edition im Mediabook
Copyright © Capelight Pictures

 

Aufgrund eines kosmischen Ereignisses, verändern sich Ameisen in der Wüste von Arizona. Mit außergewöhnlicher Intelligenz ausgestattet, greifen sie Menschen wie Tiere an. Aber nur ungewöhnlich hohe, monolithische Türme weisen auf ihre Anwesenheit hin. Die Wissenschaftler Hubbs (Nigel Davenport) und Lesko (Michael Murphy) studieren die Ameisenkolonie in einer von der Außenwelt hermetisch abgeriegelten Forschungsstation. Sie retten die junge Kendra (Lynne Frederick), deren Familie von den Ameisten getötet wurde. Während Hubbs die Dominanz des Menschen über die Ameisen beweisen möchte, versucht Lesko eine Kommunikation mit den Tieren herzustellen. Denn die Ameisen bedrohen bald die ganze Menschheit.

 

Die 1970er Jahre waren ein äußerst fruchtbares Jahrzehnt für den Science-Fiction-Film. Es entstanden einige der intelligentesten, kreativsten und experimentierfreudigsten filmischen Zukunftsvisionen. Die Rolle des Menschen im Umgang mit seinem Lebensraum der Erde wurde zunehmend kritischer gesehen. Und auch der Science-Fiction-Film setzte sich mit den Bedrohungen einer veränderten oder zerstörten Umwelt auseinander. So waren schon in Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All (1971) Wissenschaftler auf engsten Raum mit tödlichen Bakterien konfrontiert. In Lautlos im Weltraum (1971) sollen die letzten Bäume der Erde in einem Raumschiff aus Kostengründen zerstört werden. Und in Jahr 2022 ... die überleben wollen (1973) ging die Menschheit durch Ressourcenverbrauch und Überbevölkerung zugrunde.

 

Phase IV hebt sich von anderen Tierhorrorfilmen vor allem durch die sagenhaften Makroaufnahmen der Ameisen ab. Diese werden durch ihre Handlungen (völlige Selbstaufgabe einzelner Individuen zugunsten der Kolonie, Aufbahrung toter Artgenossen, Überlisten überlegener Spezies durch Fallen) weniger als Monster charakterisiert, sondern dem Menschen als die vielleicht überlegenere Art dargestellt.

Technischer Schwachpunkt sind lediglich die Trickeffekte der Ameisentürme. Diese wirken aus heutiger Sicht leider schwach getrickst.

Die drei Hauptdarsteller:innen tragen den Film problemlos und sind perfekt besetzt.

 

Phase IV blieb der einzige Langfilm des us-amerikanischen Designers und Filmemachers Saul Bass (Wikipedia), der bei Filmfans vor allem für seine kunstvollen Filmvorspänne bekannt wurde.

 

Die Mediabook-Veröffentlichung von Capelight Pictures ist eine wahre Freude für Filmbegeisterte. Die drei Discs bestehen aus einer DVD, einer Blu-ray und einer Blu-ray mit Bonusmaterial. Schon auf der Blu-ray des Hauptfilms findet sich ein großartiges Extra: ein alternatives Filmende, das einem surrealistisch-phantastischen Trip gleicht. Unbedingt ansehen! Ebenso findet sich ein Audiokommentar der Filmhistoriker Allan Bryce und Richard Hollis.

Auf der Bonus-Blu-ray befinden sich das Featurette An An´ts Life, Bass on Titles, Vorher-nachher-Vergleich zur Restaurierung und folgende Kurzfilme: The Searching Eye, Why Man Creates, Notes on the Popular Arts, The Solar Film und Quest. Der halbstündige, bemerkenswerte Kurzfilm Quest von Elaine und Saul Bass aus dem Jahr 1984 entstand nach einem Drehbuch des bekannten Science-Fiction-Autors Ray Bradbury.

 

Das 45seitige Booklet enthält ein informatives Essay von Leonhard Elias Lemke Phase IV: Saul Bass und sein Weg zur Utopie. Außerdem berichtet Torsten Kaiser über die Restaurierungsarbeiten an Phase IV.

 

Fazit: Faszinierender Ameisenhorror. Einer der interessantesten Science-Fiction-Filme der 1970er Jahre in einer wunderbaren Veröffentlichung.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2022 Harald Kloth, Cover: Copyright © Capelight Pictures

 

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John Strelecky: Überraschung im Café am Ende der Welt

Eine Erzählung vom Suchen und Finden

München ; dtv ; 2022 ;208 Seiten ; ISBN: 978-3-423-26327-6

 

Buchcover: John Strelecky: Überraschung im Café am Rande der Welt
Copyright © dtv Verlag

Die Café-Serie wurde um ein weiteres Exemplar erweitert. Im Aufbau der Handlung gleicht die Geschichte den vorangegangenen Erzählungen. Es dreht sich dieses Mal alles um die 15 Jahre alte Hannah, die - aufgrund einer Reifenpanne mit dem Fahrrad in völliger Dunkelheit - von John (bekannt aus den vorangegangenen Taschenbüchern) im Auto mitgenommen wird und im besagten Café landet.

Sie bleibt nur widerwillig und voller Misstrauen. Ihr bisheriges Leben bestand bis dahin nur aus Problemen, Enttäuschungen und geringer Wertschätzung ihrer Person. Sehr hungrig wirft Hannah einen Blick auf die Speisekarte und wird auf der Rückseite mit folgenden drei Fragen konfrontiert:

        Wer bist du?
        Was wird dich ausmachen?
        Warum bist du hier?
 
Doch die Beantwortung ist gar nicht so einfach. Die Cafeinhaber Mike, meistens mit Kochen beschäftigt, seine Frau Casey und ihre Tochter Emma beginnen gemeinsam mit Hannah darauf Antworten zu finden. Auch Max, ein talentierter Handwerker, trägt seinen Teil dazu bei.

Es läuft beinahe wie in einer Therapiesitzung ab. Durch geschickte Fragen begleiten diese Vier - quasi als Therapeuten - Hannah bei der Erarbeitung neuer Erkenntnisse. Hannah fasst daher zunehmend Vertrauen und findet mit der Zeit Gefallen an ihrem ungewöhnlichen Aufenthalt in diesem sehr sonderbar erscheinenden Café. Sie erwirbt dadurch viele wertvolle Erkenntnisse für den eigenen Lebensweg.

Die Erzählung regt zum Nachdenken an, die Identifikation beim Lesen mit der Person Hannah ergibt sich beinahe von selbst.

Mir persönlich hat es Durchhaltevermögen gekostet, den schier endlosen Dialogen und Gedankenspielen längere Zeit konzentriert zu folgen. Einige Lese-, besser gesagt Gedankenpausen waren notwendig.

Wer gerne in  tieferem Nachdenken versinkt und sich nicht mit Oberflächlichkeiten zufrieden gibt, findet hier sicher eine geeignete Lektüre. Die farbkräftigen Illustrationen, meist Thema aufgreifend, lockern das Ganze auf und runden das Erscheinungsbild ab.

Fazit: Eine Erzählung in bewährtem Strickmuster für tiefsinnige Philosophen.

 

Elisabeth Gonsch

4 Sterne
4 von 5

Café am Rande der Welt

 Band 3: Auszeit im Café am Rande der Welt | Band 4: Überraschung im Café am Rande der Welt

 

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  John Strelecky bei amazon.de

 

© 2022 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth, Cover: Copyright © dtv Verlag

 

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The Walking Dead, Band 14: In der Falle

Geschaffen und geschrieben von Robert Kirkman. Zeichnungen von Charlie Adlard. Grautöne von Cliff Rathburn

Ludwigsburg ; Cross Cult ; 2011 ; 144 Seiten ; ISBN 978-3-942649-24-7 ; Hardcover

 

Buchcover The Walking Dead, Band 14: In der Falle
Copyright © Cross Cult Verlag

Mit ihrem gezielten Schuß hat Andrea Rick das Leben gerettet. Doch die schlechten Nachrichten nehmen kein Ende. Aaron bringt den leicht verletzten Eric mit dem Pferd zur Siedlung zurück. Und durch die Schießerei wurden viele Streuner angelockt, die sich vor den Zäunen sammeln.

 

Douglas ist durch den Tod seiner Frau Regina am Ende. Er hat nun Rick das Kommando übertragen. Und Abraham hat die Führung über die Montage-Crew übernommen.

 

Als sich vor der Siedlung eine große Herde bildet, halten die Zäune nicht mehr stand. Die Streuner brechen durch und die Überlebenden verschanzen sich in ihren Häusern.

 

"Die Menschen sind das Problem." (Rick Grimes)

 

Nach dem ruhigen, toll erzählten letzten Band stehen nun endlich wieder die Zombies als Bedrohung im Mittelpunkt. Als Herde sind die Untoten wieder ein unberechenbarer Faktor. Mit Jessie Anderson bekommt Rick wieder eine Gefährtin, doch das Schicksal geht sehr rau mit dem Paar um.

 

Bemerkenswert ist der Tod von Morgan. In der TV-Adaption lebt die Figur als wichtiger Haupdarsteller weiter und schafft sogar den Sprung in das erste Serien-Spin Off "Fear the Walking Dead". Fast am Ende des Comicbandes findet sich die bisher vielleicht grausamste Szene der ganzen Reihe. Auf einer Doppelseite ist Carl schwer verletzt zu sehen. Insgesamt ein sehr spannender, actionreicher Band.

 

Extras: Der Zombie-Guide Teil 14: Zombie-Komödien im neuen Jahrtausend von Lorenz Hatt.

 

Der vierzehnte Band wurde in deutscher Erstveröffentlichung als Hardcover in schwarz-weiß und preisgünstiger auch als Softcover (2019) veröffentlicht. Außerdem sind die Bände 9 bis 16 im "Kompendium 2" (2014) als Sammelwerk erschienen.

 

Fazit: Keiner ist sicher! Zombieaction und erschütternder Horror.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4/5 von 5

The Walking Dead

Band 13: Kein Zurück| Band 14: In der Falle | Band 15: Dein Wille geschehe

 

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© 2022 Harald Kloth, Cover: Copyright © Cross Cult Verlag

 

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Petra Bartoli y Eckert: Zum Glück zu Fuß

Begegnungen auf der Suche nach dem guten Leben

Wien ; Überreuter ; 2022 ; 192 Seiten ; ISBN 978-3-8000-7788-5

 

Buchcover: Petra Bartoli y Eckert, Zum Glück zu Fuß
Copyright © Ueberreuter Verlag

Schon der Buchtitel und der inspirierende Einband sowie das übersichtlich gestaltete, vielversprechende Inhaltsverzeichnis, wecken Vorfreude auf die kommenden Seiten.
 
Welche Umstände, Tatsachen, Begleiterscheinungen etc. bilden die wirklichen "Basics" für ein gutes, gelingendes und glückliches Leben? Mit dieser interessanten Frage in ihrem Rucksack, machte sich die Autorin zu Fuß auf den Weg, auf der Suche nach Antworten.
 
Es begann eine mehrwöchige, spannende, lehr- und abwechslungsreiche, aber auch anstrengende Wanderung in verschiedene Ecken Deutschlands und Österreichs.
 
Die Autorin traf sich mit 15 ihr empfohlenen und sorgfältig ausgewählten Menschen, die laut der Meinung Dritter, ein gelungenes und glückliches Leben verkörpern und somit Antworten auf Ihre Fragen geben könnten. Während der Wanderung interviewte die Autorin aber auch spontan Menschen, die nach ihrem ersten Gesamteindruck verstanden haben könnten, wie das gute Leben funktioniert.

 

Das jeweilige Umfeld, Lebenssituationen, Erfahrungen, Beruf etc. der Befragten, schenken dem Leser eine Vielfalt an interessanten Perspektiven und Meinungen. Egal ob bekannte Persönlichkeiten befragt wurden, wie z. B. Herr Pfarrer Rainer Maria Schießler oder Harry Helfrich oder aber eine Familie, der die Autorin zufällig auf einem Berg begegnet, eine Klosterschwester, eine Reitstallbesitzerin, ein Friedhofsgärtner, ein Kriminalkommissar, ein Fotograf und viele weitere. Der Spannungsbogen zieht sich durch alle Interviews im Buch. Die Palette der Meinungen bildet einen Schatzkiste voller Fundstücke, welche nicht abwechslungsreicher gefüllt sein könnte. Eines haben all diese Menschen gemeinsam: Sie haben sich bewusst dazu entschieden zufrieden zu sein. Sie können loslassen, verzeihen, das Positive sehen.
 
Die einzelnen Interviews sind so abwechslungsreich und so flüssig lesbar verfasst, dass an keiner Stelle des Buches Langeweile aufkommt. Im Gegenteil, man möchte die Literatur gar nicht aus der Hand legen, weil die einzelnen Biografien und die Betrachtungsweisen der Menschen so fesselnd sind.
 
Bezaubernde Grafiken umrahmen jede einzelne der Geschichten und laden Schritt für Schritt zum Weiterlesen ein. Das Abschlusskapitel regt mit "Sieben Fragen, um dem guten Leben auf die Spur zu kommen" zum Nachdenken an.

 

Fazit: Eine äußerst kurzweilige, humorvolle, nachdenkliche und informative Reise auf der Suche nach dem guten Leben.

 

Jutta Kloth

5 Sterne
5 von 5

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© 2022 Jutta Kloth, Harald Kloth, Cover: Copyright © Ueberreuter Verlag

 

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Dune: Haus Atreides, Buch 2

Text von Brian Herbert und Kevin J. Anderson. Zeichnungen von Dev Pramanik

 

Bielefeld ; Splitter ; 2022 ; 112 Seiten ; ISBN 978-3-96792-118-2 ; Hardcover

 

Cover: Dune Haus Atreides, Buch 2
Copyright © Splitter Verlag

Wie schon im Vorgängerband, werden auch in den Kapiteln fünf bis acht episodenartig die Vorgeschichten zur Dune-Saga erzählt. Die Protagonisten befinden sich auf verschiedenen Planeten, ehe sich die Wege auf Arrakis kreuzen werden.

 

Auf Dune, dem Wüstenplanet, muss sich der imperiale Ökologe Kynes erst den Respekt der Fremen verdienen. Obwohl er Stilgars Leben gerettet hat, sehen ihn die meisten Fremenführer als Bedrohung an.

 

Auf Ix warnt Leto seine Gastgeber vergeblich vor einem drohenden Aufstand der Suboiden. Hochmütig unterschätzen diese die Gefahr der rebellierenden Arbeiter und die lang geplante Rache Imperators Elrood IX. am Haus Vernius.

 

Auf Kaitain versucht der noch junge Shaddam seinen Vater Elrood vom imperialen Thron zu stürzen. Ungeduldig wartet der zukünftige Herrscher auf die endgültige Wirkung des von ihm verarbreichten Giftes.

 

Auf Caladan findet der junge Duncan Idaho nach seiner Flucht von Giedi Prime als Flüchtling Zuflucht. Seine Überfahrt als "Schiffsratte" verdingt, muß er sich hart arbeitend, vom südlichen in den westlichen Kontinet durchschlagen.

 

Und in der Bene-Gesserit-Schule auf Wallach IX hofft die Schwesternschaft auf einen Zuchterfolg ihres Programms zur Erschaffung des Kwisatz Haderach. Doch das Ergebnis der Zusammenkunft von Baron Vladimir Harkonnen und Gaius Helen Mohiam ist unerwartet enttäuschend für die Schwesternschaft.

 

Die visuellen Stärken des Bandes liegen bei den überzeugenden Charakteren und wenig in den technischen Darstellungen. Es finden sich auch einige tolle Landschaftsdarstellungen. Besondere Erwähnung verdient die intensive, teils meisterhafte Kolorierung. Emotionaler Höhepunkt bildet ein blutiger und letztlich geschichtsverändender Stierkampf auf Caladan.

 

Herausragend sind die ganzseitigen Covermotive von Evan Cagle, die jedem Kapitel vorangestellt sind. Als Bonus findet man am Ende noch eine Covergalerie mit Variantcovermotiven von Greg Tocchini, Jenny Frison, Jonas Scharf und Jeff Dekal. Außerdem wird auf vier Seiten die Entstehung eines Covers von Evan Cagle gezeigt.

 

Die auf 500 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe bietet neben dem abweichenden Cover einen Kunstdruck.

 

Fazit: Eine optisch kraftvolle, inhaltlich spannende und emotional berührende Fortsetzung.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4/5 von 5

Dune: Haus Atreides

Buch 1 | Buch 2

 

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© 2022 Harald Kloth, Cover: Copyright © Splitter Verlag

 

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Romy Hausmann: Perfect Day

Thriller

München ; dtv ; 2022 ; 414 Seiten ; ISBN 978-3-423-26315-3

 

Buchcover Romy Hausmann: Perfect Day
Copyright © dtv Verlagsgesellschaft

Seit vielen Jahren verschwinden Mädchen im Berliner Umland und der Täter markiert die Fundorte der Leichen mit roten Schleifen. Als der bekannte Philosophieprofessor Walter Lesniak wegen des Mordes an diesen zehn Mädchen verhaftet wird, bricht für seine 24-jährige Tochter Ann eine Welt zusammen. Aufgrund des frühen Todes ihrer Mutter war ihr Vater seit ihrer Kindheit die engste Bezugsperson. Sie glaubt fest an die Unschuld ihres Vaters und versucht mit allen Mitteln diese zu beweisen. Weder von den Medien, die ihren Vater als Schleifenmörder abstempeln, noch von ihrem Umfeld lässt sich Ann aufhalten. So stürzt sich Ann in eigene Ermittlungen, erst mit ihrer Jugendfreundin Eva und später mit dem Journalisten Jakob. Von Zeit zu Zeit kommen jedoch auch Ann Zweifel, ob ihr Vater nicht doch der Täter sein könnte. Kann Ann die Unschuld ihres Vaters beweisen oder stellt sich am Ende doch heraus, dass Professor Lesniak hinter den Morden steckt?

Romy Hausmann (Liebes Kind, 2019) erzählt den Thriller hauptsächlich aus der Ich-Perspektive von Ann. Zwischendurch sind immer wieder Textpassagen eingestreut z. B. wie Ann als Kind Gefühle wie Enttäuschung, Einsamkeit usw. erklärt. Auch Interviewaufnahmen und Briefe sowie Kapitel aus Sicht des Mörders sind immer wieder eingefügt. Besonders die Einblicke in Anns kindliche Gefühlswelt stören den Lesefluss.


Der Autorin gelingt es in diesem Buch leider selten Spannung zu erzeugen. Meist plätschert der Plot langatmig vor sich hin. Am ärgerlichsten ist es aber, dass die Handlung an vielen Stellen zu konstruiert wirkt. Die Hauptfigur Ann bleibt dem Leser bis zuletzt fremd.

Fazit: Leider ein enttäuschender Thriller bei dem nur wenig Spannung aufkommt. Die Story wirkt oft wie an den Haaren herbeigezogen.

 

Katrin Hildenbrand

2 Sterne
2 von 5

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© 2022 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth, Cover: Copyright © Copyright © dtv Verlagsgesellschaft

 

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Sabine Fitzek: Verstorben

Kriminalroman

München ; Knaur ; 2021 ; 304 Seiten ; ISBN 978-3-426-52430-3

 

Buchcover Dr. Sabine Fitzek: Verstorben
Copyright © Verlagsgruppe Droemer Knaur

Bei der Berliner Staatsanwaltschaft werden seit einem Jahr immer wieder Vorwürfe gegen einen Pfleger im Krankenhaus Moabit erhoben. Konkret geht es um den Tod einer älteren Frau auf der Intensivstation. Deren Tochter beschuldigt den Intensivpfleger Maik Thomasson ihre Mutter getötet zu haben und fordert eine Exhumierung der Leiche. Dafür fehlen ihr jedoch jegliche Beweise.


Erst als ein anonymes Schreiben mit medizinischen Fachkenntnissen bei der Staatsanwaltschaft mit neuen Vorwürfen gegen Thomasson eingeht, erwacht Kommissar Kammowskis Interesse an diesem Fall erneut. Aber wie lässt sich beweisen, dass ausgerechnet der engagierteste Pfleger mit den meisten Reanimationen, ein Todesengel sein sollte?


Sabine Fitzek gelingt es im dritten Band der KrimireiheKammowski ermittelt“ das erschütternde Thema Morde in Krankenhäusern und Pflegeheimen durch Pflegepersonal mit viel Spannung und einem sympathischen Ermittlerteam umzusetzen.


Der Kommissar ist auch im privaten Bereich mit dem Thema Alter und Pflege befasst. Seine Mutter ist als Pflegefall im Heim untergebracht und seine Tochter Charlotte macht aktuell eine Famulatur am Moabiter Krankenhaus auf der Pflegestation.
Kurze, knackige Kapitel und ein angenehmer Schreibstil machen dieses Buch zu einem spannenden Pageturner, den man nur schwer aus der Hand legen kann.


Selbst wenn man die beiden Vorgängerbände nicht gelesen hat, kann man der Handlung gut folgen.

Fazit: Ein spannender Krimi mit sympathischen Ermittlern und einem brisanten und leider aktuellen Thema. Klare Empfehlung für alle Fans von realitätsnaher Krimiliteratur.

 

Katrin Hildenbrand

4 Sterne
4 von 5

Kammowski ermittelt

Band 2: Verrückt | Band 3: Verstorben

 

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© 2022 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth, Cover: Copyright © Verlagsgruppe Droemer Knaur

Emine Sevgi Özdamar: Ein von Schatten begrenzter Raum

Roman

Berlin ; Suhrkamp ; 2021 ; 763 Seiten ; ISBN 978-3-518-43008-8

 

Buchcover: Ein von Schatten begrenzter Raum
Copyright © Suhrkamp Verlag

Die Geschichte Europas und wie was warum, neben anderen Aspekten, geographisch, gesellschaftlich, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch zu dem geworden ist, was wir heute vorfinden, das, was wir heute Europa nennen, ist überaus komplex. Hilfreich ist es dabei, wenn Zeitzeugen die Historie und die aktuelle Situation anhand des eigenen Lebenswegs, anhand eigener Erlebnisse, Beobachtungen sowie Erfahrungen reflektieren und mit einem fiktiven Rahmen so wiedergeben, dass daraus ein fesselndes Narrativ entsteht. Das gelingt der renommierten Schauspielerin und Autorin Emine Sevgi Özdamar in ihrem neuesten Roman Ein von Schatten begrenzter Raum herausragend.

Emine Sevgi Özdamar, 75 Jahre alt, wuchs in Istanbul auf und besuchte nach einigen Stippvisiten an deutschen Theaterhäusern zunächst die dortige Schauspielschule. Mitte der 70er Jahre, als sie nach dem Militärputsch von 1971 keine Zukunft mehr als Künstlerin in der Türkei sah, verlegte Sie ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin, zu Beginn Brecht zuliebe nach Ost-Berlin. Der Militärputsch zerstörte all ihre Träume nach Freiheit und Demokratie in ihrem Heimatland, das Multikulti-Berlin war dagegen Balsam auf ihre geschundene Seele. Bis auf einige Intermezzos u.a. in Paris, Avignon und Bochum, blieb sie seitdem auch in Berlin als Regieassistentin. Özdamar, eigentlich Schauspielerin, schrieb schon früh auch Theaterstücke, ist seit Anfang der 80er Jahre auch als freie Schriftstellerin aktiv und veröffentlichte einige von der Kritik durchweg gelobten Romane und Erzählungen. Sie gilt als die bekannteste deutsch-türkische Schriftstellerin und gewann mit ihrem aktuellen Werk u.a. den Bayerischen Buchpreis.

Özdamar erzählt ihre eigene Lebensgeschichte aus der Ich-Perspektive, ohne, dass sie der Protagonistin einen Namen gibt. Nachdem das türkische Militär eine Diktatur errichtet hat, flüchtete sie zunächst auf eine ruhig und beschaulich wirkende Insel in der Ägäis, von wo aus sie einen Blick auf das demokratische Europa hat. Dort beginnt der Roman. Dank ihrer Bewunderung für Brecht und Heine geht sie nach Berlin und lernt dort, im krassen Gegensatz zu den brutalen Wortschwallen in ihrer Heimat, wieder die Schönheiten der Sprache kennen. Ange- oder besser vertrieben von Gewalt und emotionaler Kälte in ihrem Heimaland, geht sie also nach Europa, einem Europa, dass sich für sie aus den Toten zusammensetzt, die sie in der Türkei geliebt hat, also z.B. Brecht, Marx, Heine oder auch Bach und Tucholsky. Eine ihrer ersten Rolle ist die einer türkischen Putzfrau – welches Klischee! Aber Özdamar findet das im Nachhinein nicht weiter tragisch, ihr geht es um den Ausdruck, der künstlerischen Darbietung und nicht die Rolle, die dargestellt werden muss. Auch hat zum damaligen Zeitpunkt die Auseinandersetzung mit Gastarbeitern und Ausländern generell noch nicht begonnen.

Eine junge Schauspielerin geht also, nur mit einer Tasche gepackt ins Ausland, nach Berlin, ein unscheinbares Individuum in der großen weiten Fremde auf der Suche nach ihrem Platz in dieser Welt, auf der Suche nach Anerkennung und Schutz. Dabei wechselt sie über Länder- und Zeitengrenzen hinweg, ist mal Schauspielerin, Regieassistentin oder Regisseurin, dann auch Autorin von Theaterstücken. Es geht überwiegend um das Leben an den diversen Bühnen Europas, die für die Autorin aber nur eine Pause von dem realen Leben darstellen. Das reale Leben ist überwiegend die „Hölle“, also die unmittelbaren Erlebnisse von Diktatur, Gewalt, Terror. Der Roman scheut so auch keine historisch diffizilen Themen anzuschneiden, beginnend beim 1. Weltkrieg, der Genozid an den Armeniern, die Vertreibung der griechisch stämmigen Bevölkerung oder der immer noch virulente Terror gegen die Kurden.

In ihrem Geburtsland fehlt, so Özdamar, das, was auch in Deutschland erst Jahrzehnte später geschah, die intensive Auseinandersetzung mit seiner eigenen Geschichte. Und dieses mangelnde Bewusstsein, wo man herkommt und wo man hin will, schlägt einem immer wieder zurück ins Gesicht. Nach ihrem Verständnis schreiben erst die Enkel einer Generation die neue Geschichte eines Landes und Ende der 70er Jahre waren diese z.B. in Deutschland ebenso noch nicht geboren, so wie jetzt in der Türkei. Für sie sind folgerichtig, die Jüngeren die Stimmen der Schuldgefühle und die Älteren repräsentieren das Schweigen. Angesichts der ganzen neuen Krisen seit dem Jugoslawien Krieg 1991 kann man deshalb nur konstatieren: „Gut, dass das meine Eltern nicht gesehen haben“. Der jüngeren Generation bleibt also nichts anderes, als sich für ihre Ahnen zu schämen. Auch Deutschland erholte sich nicht so schnell von seinem dunkelsten Schatten seiner Geschichte, der Nazi-Zeit. Trotz einer späten, aber letztendlichen erfolgreichen Vergangenheitsbewältigung war in manchen Ländern bis vor ein paar Jahren der Frieden mit dem demokratischen Deutschland noch nicht endgültig geschlossen. Ein Bekannter von Özdamar wollte in Paris oder Rotterdam nicht Deutsch sprechen, obwohl er die Sprache beherrscht, weil sonst die Menschen, welche die Sprache hören, damit die Erinnerungen an das Nazi-Deutschland wecken. „Die Nazis sind gestoppt worden, aber vorher haben sie uns Ungeborene noch in ihre Scheiße reingezogen.“ Unbenommen davon hat sie den Eindruck, dass immer noch viele Deutschland als Opfer sehen, obwohl es Millionen sprichwörtlich geopfert hat.

Auch die aktuelle Flüchtlingskrise kommt in vielen Aspekten des Buches zum Tragen. Dies auch immer wieder mit Bezug auf die Tatsache, dass Flüchtlinge, Flüchtlingsströme stets eine Begleiterscheinung europäischer Geschichte waren und, mit Blick zum Beispiel auf den aktuellen Krieg in der Ukraine, auch weiter sein werden. Ebenso wird an Orten, an denen sie vorbeikommt oder verweilt, der Blick in die Zukunft geworfen, z.B. der Terroranschlag auf das Bataclan mit 89 Opfern oder der Anschlag auf den Istanbuler Flughafen 2016. Heute, so die Autorin, ist die Welt wie ein einziges großes ballonartiges Grundstück, in dem die populistischen Führer die Parzellen völlig ignorant untereinander aufteilen, als würde es nur sie geben. Dabei behandeln sie unseren Planeten nicht wie bei einem Ballon notwendig mit Gefühl und Sensibilität, sondern nehmen seine Zerstörung grob fahrlässig in Kauf.           

Özdamar hat eine bildgewaltige Sprache, Schatten werden zu kommunizierenden Figuren, Tiere und Gegenstände sprechen und sie spricht mit ihnen. Gleich zu Beginn wird man gefesselt von einer unheimlich intensiven Beschreibung der Wirkung von drei Winden, so als wenn man auf einem Felsblock am Ufer des Meeres sitzt und diese auf sich wirken lässt. Orte, Zeiten und Geschehnisse vermischen sich ineinander, so wird aus der Zukunft das Jetzt und oftmals die Vergangenheit und umgekehrt wird mit der Weisheit des Rückblicks aus der Vergangenheit auf das Jetzt und die Zukunft geschlossen – einfach fesselnd und stark! Özdamar spricht mit all ihren Sinnen und Instinkten. Ein als Bühnendekoration verbrachter Panther stank für sie prägend nach Lebenslänglich-Gefangensein und Hoffnungslosigkeit. Über 30 Jahre später verband sie dies in einem Café in Istanbul sitzend mit einer von Gefängnis und Folter gezeichneten Frau, die vorüberlief mit einem Polizisten im Rücken – selber Geruch, nach Müdigkeit, gefangen, hoffnungslos. Die Autorin selbst hat Schmerzen beim Schreiben über ihre Kindheit, aber „glückliche Schmerzen“, weil ihr Körper diese Gefühle noch hatte und für das niederschreiben preisgab.

Der Roman ist autobiografisch und nah an der Realität, aber angefettet um Träume und Visionen sowie Fantasiewelten mit sprechenden Tieren. Dieser Wechsel von Surrealem und realem Alltag, der Kontrast von simplen Situationsbeschreibungen und Gefühlen gibt dem Buch eine entscheiden Note – Kunst in Verbindung mit realer Politik kann auch erotisch sein. Er enthält somit die Kunst der Autorin, aber auch eine wunderschöne Beschreibung von einem erfüllten Leben mit der Kunst in vielerlei Variationen – während sie die Liebe zur Kunst heimatlos machte (sie stellt sich selbst immer wieder die Frage: Wo kann ich leben? Wo bin ich Zuhause?), ist die Kunst ihre Heimat. Sie lebt in den kleinen schönen Erlebnissen und Augenblicken in ihrem Leben und lässt sie lächeln. Auch kurze Dialoge reichen, um die gesamten Impressionen einer Stadt wiederzugeben. Zum Beispiel, dass man in Paris nicht zu Hause sitzen darf, sondern wegen seinen Schönheiten ständig spazieren gehen muss, während man in Berlin lieber mit dem Taxi fährt, damit die Hässlichkeiten der Stadt schnell an einem vorüberziehen oder man sie erst gar nicht wahrnimmt. Besondere Schlüsselereignisse in ihrem Leben werden mehrmals in dem Roman wiederholt und bleiben so prägend. Es bleibt dann dem geneigten Leser zu entscheiden wo befinde ich mich im surrealen Erfundenem und wo in den real erlebten Erinnerungen.

Apropos Taxifahren, eine nette Episode im Buch ist, als die Autorin feststellt, dass beginnend ab den 90er Jahren Taxifahren wegen dem ständigen Lamentieren der Fahrer über Muslime so anstrengend wurde, dass sie mit den Gedanken „die kommenden Kriege sind Religionskriege“ bereits lange vor dem Ziel ausstieg. In den 70er Jahren war Taxifahren dagegen noch ein Genuss, weil die weltpolitische Lage durchgehend ruhig war und der Fahrer über die besten Restaurants in Paris sprach. Die französische Sprache brachte sie sich übrigens autodidaktisch bei.

Der Buchtitel entstand aus einer Beobachtung beim Sex, als sich zwei liebende und miteinander vermengte Köper zu einem Schatten verbanden, alles andere blieb schattenlos. „Deswegen sah es nur dort, wo unsere Schatten gewachsen waren, wie ein Raum aus, ein von Schatten begrenzter Raum, der sich mit Leben erfüllte“. Die Frage bleibt deshalb am Ende, was will uns Özdamar mitgeben oder ist es nur eine Beschreibung der eigenen Wege zur Identität? Sicherlich mutig sein, sich so weit vom Mutterhaus zu lösen, unbeirrt seinen Weg gehen, auch wenn es Rückschritt gibt, kritisch bleiben, auch wenn es einem zum Nachteil werden kann… . Ebenso vermittelt sie uns sicherlich das Gefühl von Fremdsein in einer kulturell anderen Welt, aber auch das Fremd(gemacht)werden von dieser anderen Welt. Wenn man seine Heimat verlassen hat, ja, verlassen musste gibt es wohl keine Heimat mehr in einem anderen Land, trotzdem schämt sie sich für das, was die Menschen an den Orten, an denen sie sich gerade befindet in der Vergangenheit angerichtet haben oder gerade anrichten. Aber, man soll nicht jetzt über die Katastrophe am Jüngsten Tag philosophieren, sondern über das jetzt und heute reden. Das Buch wirkt wie ein Orkan auf den Leser, aber keiner, der Angst macht. Ein Orkan durch ein erfülltes Leben, durch Gedichte, Tönen und Stimmen sowie Beschreibungen, auf Französisch, Türkisch und Deutsch und das alles mit einer spürbaren unheimlich nahen Gefühlswelt wie selten erlebt in der deutschen Literatur.   

 

Fazit: Autobiografischer und bildgewaltiger Roman.

 

Andreas Pickel

4 Sterne
4 von 5

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© 2022 Andreas Pickel, Harald Kloth, Cover: Copyright © Suhrkamp Verlag

 

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Dune: Haus Atreides, Buch 1

Text von Brian Herbert und Kevin J. Anderson. Zeichnungen von Dev Pramanik

 

Bielefeld ; Splitter ; 2021 ; 112 Seiten ; ISBN 978-3-96792-117-5 ; Hardcover

Cover: Dune, Haus Atreides, Buch 1
Copyright © Splitter Verlag

 

Nach Frank Herberts Dune: Die Graphic Novel startet mit Dune: Haus Atreides eine zweite Comicreihe um den Wüstenplaneten. Diese Adaption folgt aber nicht der Story des bekannten Science-Fiction-Klassikers von Frank Herbert. Stattdessen setzt dieser Comic 35 Jahre vor den Ereignissen ein und erzählt die Vorgeschichten der Dune-Saga auf verschiedensten Planeten des Imperiums:

 

Arrakis - der Wüstenplanet. Baron Harkonnen übernimmt das Amt des Gouverneurs. Bei einer Spiceeruption wird er fast getötet.

Kaitan- Hauptwelt des Imperiums. Der Ökologe Pardot Kynes wird von Imperator Elrod IX. nach Arrakis beordert. Dort soll er die Geheimnisse des Spice erforschen.

Caladan - Heimatwelt der Atreides. Der erst 15jährige Leto wird von seinem Vater nach Ix gesandt. Tief im Inneren dieses Planeten entdeckt der Junge ein Geheimnis hinter der Technologie des Hauses Vernius.

Giede Prime - Heimat der Harkonnen. Der junge Duncan Idaho wird in einer Menschenjagd auf Leben und Tod gehetzt. Doch er bekommt unerwartete Hilfe.

 

Brian Herbert und Kevin J. Anderson schufen mit Der Wüstenplanet - Die frühen Chroniken  von 1999 bis 2001 drei Romane, die an den originalen Dune-Zyklus von Frank Herbert anknüpften. Das Autorenpaar zeichnet sich auch für die Comicumsetzung verantwortlich. Dev Pramaniks Zeichnungen sind gröber und die Striche weniger fein als zum Beispiel die von Raul Allens gezeichnete Dune-Graphic Novel. Dafür sind die Panels wesentlich abwechslungsreicher, die Geschichten voller Action und die Farbgebung von Alex Guimaraes sehr plakativ. Es macht definitv Spaß, in die Welten vor dem ersten Dune-Zyklus einzutauchen.

 

Sehr schön: Jedem der vier Kapitel sind ganzseitige Cover vorangestellt. Als Bonus findet sich noch eine Covergalerie mit neun Variantcovern. Am Ende wird auf drei Seiten noch der Weg vom Skript zum Comic erläutert.

 

Die auf 500 Exemplare limitierte Vorzugsausgabe bietet neben dem abweichenden Cover exklusives Bonusmaterial und einen Kunstdruck.

 

Fazit: Ein actionreiches, farbenfrohes Science-Fiction-Spektakel, dass sich auch ohne Dune-Kenntnisse problemlos genießen lässt.

 

Harald Kloth

4 Sterne
4 von 5

Dune: Haus Atreides

Buch 1 | Buch 2

 

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© 2022 Harald Kloth, Cover: Copyright © Splitter Verlag

 

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The Walking Dead, Band 13: Kein Zurück

Geschaffen und geschrieben von Robert Kirkman. Zeichnungen von Charlie Adlard. Grautöne von Cliff Rathburn

Ludwigsburg ; Cross Cult ; 2011 ; 143 Seiten ; ISBN 978-3-942649-23-0 ; Hardcover

Buchcover The Walking Dead, Band 13: Kein Zurück
Copyright © Cross Cult Verlag

 

Bietet die Siedlung unter Führung des ehemaligen Kongressabgeordneten Monroe die langersehnte Zuflucht und eine friedliche Zukunft? Rick bleibt skeptisch und rüstet seine Gruppe heimlich mit Waffen aus. Abraham stellt unterdessen mit der Montagecrew neue Zäune auf und muß seinen Überlebensinstinkt schon bald unter Beweis stellen.

 

Als Constables sollen Rick und Michonne für Ruhe und Ordnung innerhalb der Zäune sorgen. Als Rick, Pete, einem Familienvater, der seine Frau und sein Kind mißhandelt, vor aller Augen durch die Fensterscheiben wirft und anschließend Monroe bedroht, überschreitet er damit alle Grenzen. Selbst Michonne hält ihn nun für ausser Kontrolle.

 

"Das Camp ist am Arsch, Mann. Wart´s ab ..." (Bruce)

 

Ein starker Band. Man spürt den absurden Versuch, Normalität innerhalb der Mauern zu zelebrieren. Gleichzeitig wird man Gewahr, wie zerbrechlich die Strukturen sind und wie wenig Korpsgeist die Gemeinschaft beherrscht. Der Antagonist (?) Monroe ist interessant dargestellt, kein böser Mensch, er versucht das Richtige zu tun und man ahnt, dies wird nicht gelingen. Rick hingegen verwandelt sich vom Helden zunehmend in einen Psychopathen. Nicht nur weil er mit seiner toten Lori telefoniert, sondern weil er für den Schutz derseinen wirklich alles zu tun bereit ist.

 

Extras: Der Zombie-Guide Teil 13: Der Zombie-Boom seit Resident Evil von Lorenz Hatt.

 

Der dreizehnte Band wurde in deutscher Erstveröffentlichung als Hardcover in schwarz-weiß und preisgünstiger auch als Softcover (2018) veröffentlicht. Außerdem sind die Bände 9 bis 16 im "Kompendium 2" (2014) als Sammelwerk erschienen.

 

Fazit: Gerade weil Zombies nur Nebenhandlung sind, bisher einer der stärksten Bände der Reihe. Rick´s Wahnsinn reisst die dünnen Mauer der Zivilisation nieder.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4/5 von 5

The Walking Dead

Band 12: Schöne neue Welt| Band 13: Kein Zurück | Band 14: In der Falle

 

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© 2022 Harald Kloth, Cover: Copyright © Cross Cult Verlag

 

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Der Mann, der die Welt rettete

Original: The man who saved the world, 2014

Regie: Peter Anthony

 

Am 26. September 1983 traf Stanislav Petrov eine Entscheidung, die den Lauf der Zeit verändern sollte. An diesem Tag war der sowjetische Offizier Befehlshaber der Satellitenüberwachung. Innerhalb kurzer Zeit wurden mehrere anfliegende us-amerikanische Atomraketen gemeldet. Petrov stand vor der schwierigen Aufgabe, die Computermeldungen als echt oder falsch zu behandeln. Letztendlich entschied er sich dafür, die Signale als Fehlalarm zu verifizieren, weil er nicht für den Tod von Millionen Menschen verantwortlich sein wollte. Hätte er sich anders entschieden, gäbe es heute vermutlich keine Menschheit mehr, die Erde wäre wohl in weiten Teilen eine für Menschen lebensfeindliche und verseuchte Wüste.

 

Der Dokumentarfilm zeigt Petrov als alten, teils verbitterten und harschen Mann. Vor allem Fragen nach seiner Familie begegnet er agressiv. Die junge Übersetzerin Galina begleitet ihn auf seiner Reise in die USA. Dort wird er im UN-Gebäude mit dem World Citizen Award ausgezeichnet. Petrov verehrt die Schauspieler Robert DeNiro und Kevin Costner und wünscht sich ein Treffen mit seinen Idolen. Seine Zusammenkunft mit Costner in dessen luxuriösen Wohnwagen stellt einen ergreifenden Höhepunkt dieser Dokumentation dar. Petrov sieht sich selbst nicht als Helden, sondern als ganz normalen Menschen, der einfach nur die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit getroffen hat. Costner ist sichtlich beeindruckt und stellt Petrov auch seinem Filmteam vor.

 

Am Ende des Dokumentarfilms rückt Petrovs schwierige Beziehung zu seiner Familie bzw. Mutter in den Mittelpunkt. Regisseur Anthony beweist hier viel Gespür für Emotionalität, aber insbesondere auch für den Menschen Petrov. In Spielhandlungen werden Petrovs Beziehung zu seiner Frau und deren Krankheit gezeigt. Besonders die nachgestellten Szenen im September 1983 im Kontrollzentrum sind von ungeheurer Wucht, ohne theatralisch zu wirken. Man spürt die Last, die auf dem Soldaten liegt und der unter extremen Zeitdruck eine Entscheidung treffen muß. Sein Entschluss wird über das Schicksal der Menschheit entscheiden.

 

Die brisante politische Weltlage 1983 lässt diese Doku übrigens aussen vor, sie konzentriert sich ausschließlich auf den Menschen Petrov. Das macht es aber natürlich 40 Jahre später schwer, die Zusammehänge zu verstehen. 1979 hatte der Doppelbeschluss der NATO die Aufstellung von atomaren Mittestreckenraketen zur Folge. 1982 erkrankte der sowjetische Generalsektär Jurij Andropow schwer. Anfang 1983 hatte der US-Präsident Ronald Reagan den Aufbau eines weltraumgestützen Anti-Rakentenschutzschirms bekanntgegeben und in einer Rede von der Sowjetunion als "Reich des Bösen" gesprochen.

 

Auf DVD ist der Dokumentafilm leider nur als Importversion ohne deutsche Untertitel erhältlich. In der arte-Mediathek ist Der Mann, der die Welt rettete noch bis 11/2023 verfügbar.

 

Fazit: Kein Held, aber zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Menschheit sollte Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow nie vergessen.

 

Harald Kloth

5 Sterne
5 von 5

  The Man Who Saved The World (DVD) bei amazon.de

 

© 2021 Harald Kloth

 

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David G. Marwell: Mengele

Biographie eines Massenmörders

 

Darmstadt ; Wissenschaftliche Buchgesellschaft Theiss ; 2021 ; 440 Seiten ; ISBN 978-3-8062-4277-5

 

Buchcover: David G. Marwell: Mengele
Copyright © wbg Theiss

Die Herrschaft des proklamierten tausendjährigen Dritten Reiches war ja 

bekanntermaßen bereits 1945 nach 12 Jahren beendet, seine Auswirkungen in der Strafverfolgung sind dagegen bis heute spürbar und aktueller denn je. Ein Grund dafür ist, dass man die Expertise der Nazi-Verbrecher schlichtweg beim 

verwaltungstechnischen Aufbau der neuen Bundesrepublik benötigte und so bei vielen Tätern manches Auge zugedrückt wurde. Aber auch die Strafverfolgung begann nur sehr schleppend und erfolgte erst auf Druck der Presse und ehemaliger Gefangener aus Konzentrations- und Arbeitslager, aber dann doch mit einer gewissen Vehemenz. 1958 wurde dazu u.a. die "Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung von NS-Verbrechen" in Ludwigsburg gegründet.

 

Unmittelbarer Anlass war damals der sogenannte Ulmer Einsatzgruppenprozess. Es war der erste Prozess vor einem deutschen 

Schwurgericht, in dem nationalsozialistische Massenmorde verhandelt wurden. Trotz des hohen Alters der damals Beteiligten hat die Justiz in den vergangenen zehn Jahren weitere große Anstrengungen unternommen, noch letzte überlebende NS-Täter ausfindig zu machen - nachdem sie zuvor jahrzehntelang ihre Bemühungen weitgehend eingestellt hatte. Nach den Auschwitz-Prozessen 1965/67 herrschte hierbei die Auffassung vor, man müsse NS-Tätern konkrete Einzeltaten nachweisen, um sie für Mord oder Beihilfe zum Mord verurteilen zu können. Das änderte sich erst mit dem Fall John Demjanuk, den das Landgericht München 2011 zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord im Vernichtungslager Sobibor verurteilte - ohne konkreten Beweis für sein Wirken; allein durch seine Anwesenheit als Wachmann habe er aber einen Beitrag zum Holocaust geleistet, als Rädchen in der Mordmaschine, so die Urteilsbegründung.

 

Absolut unzweifelhaft ist dabei die aktive Beteiligung von Josef Mengele am Massenmord im Konzentrationslager Ausschwitz. Dessen Leben war quasi zweigeteilt: Im NS-Regime ein Profiteur des Systems, der skrupellos wehrlose Menschen für seine medizinischen Versuche missbrauchte, nach dem Krieg ein Flüchtiger, zunächst mehr oder weniger unbehelligt in Südamerika, dann nur noch in Verstecken lebend. Das Leben Mengeles, vergleichbar mit einem spannenden Kriminalthriller, hat nun David G. Marwell in einer aktualisierten Biographie Mengele. Biographie eines Mörders (aus dem Amerikanischen von Martin Richter) herausragend aufbereitet.

 

David G. Marwell war Teil des 1979 eingerichteten und dem US Justizministerium unterstellten Office of Special Investigations (OSI), deren Hauptaufgabe es war, nach NS-Verbrecher zu fahnden und deren Anklage vorzubereiten. Er war somit selbst aktiv an der langjährigen Suche nach Josef Mengele beteiligt und hat nun die erste wirklich umfassende Biografie über den „Mann an der Rampe“ geschrieben. Marwell`s aktive Beteiligung in den gründlichen Recherchen und detailgenauen Dokumentationen kommt damit in einem immensen Detailwissen gerade im zweiten Teil über die Suche nach Mengele und den Nachweis seines Todes zum Tragen - beeindruckend! Neben Briefe, Tagebücher sowie den erst 2017 einsehbaren 

Mossad-Akten nutzte er Mengeles selbst geschriebenes Buch als Grundlage und befragte zur Vervollständigung seiner Quellenlage intensiv Verwandte in Mengeles Heimatstadt sowie Überlebende von Auschwitz.

 

Mengele wuchs in einem finanziell gut situierten Elternhaus in Günzburg auf. Als er wegen gesundheitlicher Einschränkungen die väterliche Fabrik für Agrartechnik nicht übernehmen konnte und auch wollte, schlug er stattdessen eine akademische 

Karriere ein. Er studierte mit Humangenetik und Anthropologie Disziplinen, die mit ihm an entscheidender Stelle das Schicksal von Millionen von Menschen bestimmen sollten. Mit Unterstützung von Otmar von Verschuer (war zunächst Leiter des Universitäts-Instituts für Erbbiologie und Rassenhygiene Frankfurt am Main und dann von Oktober 1942 bis 1948 Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts - KWI für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik in Berlin) wurde Mengele schnell ein anerkanntes Mitglied in der nationalsozialistischen Rassenkundecommunity im Sinne, so Marwell, der „Gesundheit des Volkskörpers“. Nach seiner Promotion folgte zunächst ein Fronteinsatz bei der SS-Panzer-Division „Wiking“, die nachweislich an der Ermordung von Tausenden von Juden in Polen, später im Kaukasus beteiligt war (Belege über die Beteiligung 

Mengeles existieren allerdings nicht). Während dieser Zeit wurde Mengele auch das Eiserne Kreuz Erster Klasse (EK I) verliehen. Im Mai 1943 meldete er sich schließlich für ein Engagement als Lagerarzt in Auschwitz.

 

An seiner Habilitationsschrift arbeitend, baute er sich dort ein ansehnliches Labor mit den jüdischen Häftlingen in einer traurigen Doppelrolle auf: Einerseits mussten jüdische Mediziner ihm in seinen Forschungen beistehen und unterstützen, andererseits mussten sie, tot oder lebendig, als Forschungsobjekte herhalten. Mengele selektierte an der Entladerampe in Auschwitz mit der Bewegung seines Daumes Tausende von Juden in „Forschungsobjekte“ bzw. Arbeitssklaven oder verfügte ihren sofortigen Tod in der Gaskammer. Marwell beschreibt, wie Mengele diese Tätigkeit, ja Machtausübung, innerlich befriedigte. Er ließ Menschen, die er makabrer Weise „meine Meerscheinchen“ nannte, töten, um sie zu obduzieren und versorgte so auch insbesondere das oben genannte KWI mit jeglichen menschlichen Präparaten. Mengele hatte seine Profession und Passion gefunden, seine Begabungen deckten sich nun fast komplett mit den Anwendungsmöglichkeiten in Auschwitz. Mit nur 33 Jahren, so Marwell, stand Mengele „auf dem Gipfel des Erfolgs“.

 

Die zweite Lebenshälfte war dann, wie bei so vielen Nazi-Größen sofern sie nicht Suizid begingen, eine Demontage des Erreichten. Mit Kriegsende geriet Mengele zunächst in Kriegsgefangenschaft, wurde aber wegen der fehlenden 

Blutgruppentätowierung nicht als Angehöriger der Waffen-SS erkannt und fälschlicherweise wieder entlassen. Mengele stand zwar auf Liste Nr. 8 der von der UN-Kommission für Kriegsverbrechen gesuchten Personen, profitierte aber von 

nur schleppend in den diversen Internierungslagern verteilten Listen. Der US-Hauptankläger bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen erklärte ihn 1948 für Tod. Stattdessen gelang es Mengele 1949 mehr oder weniger unbehelligt über Südtirol nach Südamerika auszuwandern, erst nach Argentinien, später dann nach Paraguay und Brasilien. Vor Abreise verzichtete er gegenüber seinen beiden Brüdern gegen regelmäßige finanzielle Zuwendungen auf seinen Erbanteil an der 

väterlichen Fabrik. In Südamerika konnte Mengele durch Protegieren von gut situierten Nazi-Sympathisanten 30 Jahre lang [sic!] ein mehr oder weniger sorgenfreies Leben  führen. Er konnte sogar unter falschem Namen wieder als Mediziner beruflich tätig werden und war nachweislich 1956 zu Besuch in Deutschland, ohne, dass er dafür habhaft gemacht wurde.

 

Erst 1959, also 10 Jahre nach seiner Flucht, erließ die Staatsanwaltschaft Freiburg aufgrund eines anonymen Hinweises auf seine Existenz in Südamerika einen Haftbefehl gegen Mengele. Diese Unbekannte hatte per Zufall in einem Buch über Anne Frank gelesen, dass keiner wisse, ob Mengele Tod sei oder noch lebe und sie hätte da gegenteilige Beweise. Mengele wurde in Südamerika von seiner Familie über die geänderte Situation informiert. Er musste nun zwangsweise seine Komfortzone verlassen, nun begann ein Leben auf der Flucht. Spannend wie in einem Krimi schlüsselt in diesem Teil des Buches Marwell fast minutiös auf, wie man in einer Art konzertierten Aktion zwischen Deutschland, Israel und den USA versuchte, ihn ausfindig zu machen, festzunehmen und vor Gericht zu stellen. Aber Marwell zeigt in den Ausführungen zu Mengele’s „zweiten Leben“, der sich mittlerweile Wolfgang Gerhard nannte, auch das gesamte Versagen der Justiz und Geheimdienste auf. So stellte zum Beispiel auch der israelische Geheimdienst 1968 auf Weisung des damaligen Premierministers die Suche nach Kriegsverbrecher 10 Jahre lang fast vollständig ein und intensivierte diese Suche erst mit der Bildung einer Sondereinheit innerhalb des Mossads unter der Regierung von Menachem Begin Anfang 1979 wieder. Aber trotz aller verstärkter Bemühungen von vielerlei Stellen konnte man seiner nicht habhaft werden, bis Mengele dann bei einem Unfall zu Tode kam. Schließlich blieb nur noch in einem aufwendigen Prozedere den Tod Mengeles eineindeutig festzustellen. Am 6. Juni 1985 wurde sein potentieller Leichnam exhumiert und im Anschluss von zwei Teams der „ersten Reihe der amerikanischen Pathologen“ intensiv untersucht. Marwell inspizierte zwei Wochen später den Leichnam, zweifelte daran, dass es sich hundertprozentig um Mengele handeln könnte und initiierte weitere Untersuchungen. Das bisherige Resultat, es sei „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ der Leichnam Mengeles, war in einem derart wichtigen Fall zu vage. Schließlich verglich man die gesamte „Krankenakte“ von Mengele mit dem Zustand des Leichnams, beginnend bei Hüftfraktur, Darmverschluss, Gebiss, operierter Leistenbruch etc. Dieser Teil des Buches ist leider etwas zu langatmig. Erst 1992 wurde dann unter der Nutzung 

der relativ neuen DNA-Analyse eindeutig festgestellt, dass der 1979 nach einem Badeunfall (Mengele erlitt einen Schlaganfall) an der brasilianischen Küste gefundene Leichnam auch wirklich Josef Mengele war. Die Vereinigten Staaten schlossen daraufhin die achtjährige akribische Untersuchung offiziell ab.

 

Mengele wurde in einem Regime groß, dass unterhalb von Hitler als Leitinstanz von mehreren Machtsäulen getragen wurde, die miteinander verzahnt waren und sich nicht selten bekämpften, die auch vielen Rivalitäten und inneren Konflikten 

ausgesetzt waren, aber eine von allen akzeptierte NS-Ideologie mit seinem Antisemitismus im Zentrum hatte. So fielen gerade die wissenschaftlichen Versuche im Sinne der Rassenkunde auf einen fruchtbaren Boden, der so manches  Unrechtbewusstsein verschluckte. Die damaligen Motive der Menschen sind vielleicht aus heutiger Sicht nicht verständlich, aber zumindest nachvollziehbar. Selbst die gebildetsten Leute wie auch Mengele konnten den Verlockungen des Nationalsozialismus nicht wiederstehen, Verlockungen wirtschaftlicher Art, Karriere, machtpolitische Erfolge. So waren es vor allem auch Naturwissenschaftler, Techniker, Ingenieure und Mediziner, die einerseits vom Regime gebraucht wurden, aber im Wissen um ihre Wichtigkeit auch unheimlich profitierten – so wie später auch beim Wiederaufbau des sich am Boden 

befindlichen Deutschlands. Die Wissenschaft gerade im Bereich Rassenkunde agierte ohne jegliche Moral und Skrupel.

 

Nach dem Krieg schob man dann die Verantwortung einigen wenigen, meist bereits verstorbenen Protagonisten in die Schuhe und entlastete somit gleichzeitig unzählige Helfer und Helfershelfer in exponierter und führender Stellung. Diese passten sich bereitwillig der neuen Situation an und wurden mehr oder weniger überzeugte Demokraten, auch als eine Art persönlichen Ankers, nachdem der Führer abhandengekommen war. Die ehemals bedingungslosen Nazis waren nun als 

Verwaltungsexperten und Wissenschaftler unabdingbar für den Aufbau und die Etablierung des neuen demokratischen Staates. Diese „win-win-Situation“ deckte den Mantel des Schweigens über viele und vieles z.B. über die anfängliche sehr 

sehr schleppende Verfolgung der Verbrecher und Massenmörder im In-, aber die hohe Zahl der Geflüchteten betrachtend, auch im Ausland.

 

Die Geschichte und Verfolgung Mengeles nach dem Krieg, im Zuge dessen immer noch mehr über das grausame Wirken des „Doktors“ in den Kriegsjahren zu Tage trat, wurde zum traurigen Sinnbild für die Verbrechen der Medizinergilde im NS-Regime, gerade in den Vernichtungslagern. Als Synonym für all die grausamen Menschenversuche steht Mengele, der selbst später alles andere als reumütig gewesen ist, an ersten Stelle. Im Gegensatz aber zu den anderen Verbrechern und 

Massenmördern zB in den berüchtigten Einsatzgruppen, sah er sich nicht nur auf Befehl gehandelt zu haben, sondern alles im Dienst der Medizin und Rassenkunde und damit zum Wohle der Menschheit getan zu haben. Marwell widerlegt deutlich den Mythos, Mengele wäre ein bizarrer, komplett Verrückter Mediziner gewesen, sondern weist nach, dass Mengele vielmehr „das Produkt eines viel größeren Systems des Denkens und Handelns“ war. Mengele’s Verhalten und Forschungen waren nicht anomal, nein! Er genoss das Vertrauen und höchste Förderung des NS-Establishments und konnte in diesem unregulierten Raum über jegliche auch ethischen Grenzen hinaus agieren. Mengele, dem selbst Häftlinge einen eigentlich angenehmen und ruhigen Charakter attestierten, wurde für seine aktive Verantwortung für Tausende von Toten in den Gaskammern und seinen menschenunwürdigen grausamen Experimenten nie belangt. Und, wie Marwell auch anhand eines vorliegenden Schriftverkehr zwischen Mengele und seinem Sohn belegt, zeigte Mengele in seiner gesamten zweiten Lebenshälfte in Südamerika ebenso keinerlei Reue- und Schuldgefühle über sein Tun und dachte unverändert als der Mengele von 1944 an der Rampe in Auschwitz.

 

Obwohl Mengele nachweislich Tod ist, sind seine mangelnde Reue sowie die ganzen Umstände seiner Flucht und die unkoordinierten Maßnahmen, ihn zu finden eher nicht dazu geeignet, den Hunderttausenden Opfern Gerechtigkeit wiederfahren lassen zu können.

 

Maxwell entmythologisiert oder besser entdämonisiert Mengele vor allem hinsichtlich aller Spekulationen um ihn in Auschwitz ohne seine aktive Rolle am Massenmord zu negieren. Historikern wie Marwell ist es zu verdanken, dass wir, trotz auch unmittelbarer Betroffenheit bei den langjährigen Untersuchungen, durch eine sachliche und distanzierte Schreibweise mittlerweile eine Erinnerungskultur an die dunkelste Zeit Deutscher Geschichte und seiner Protagonisten haben, die frei von Klischees ist.

 

Fazit: Spannend wie ein Krimi. Herausragend sachlich aufbereitete Erinnerungskultur einer dunklen Epoche.

 

Andreas Pickel

4 Sterne
4 von 5

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© 2021 Andreas Pickel, Harald Kloth, Cover: Copyright © Wissenschaftliche Buchgesellschaft Theiss

 

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Der Incal, Band 4: In höchsten Höhen

Text: Alejandro Jodorowsky, Zeichnungen: Moebius

 

Bielefeld ; Splitter ; 2017 ; 64 Seiten ; ISBN 978-3-86869-280-8 ; Hardcover

 

Buchcover - Der Incal, Band 4: In höchsten Höhen
Copyright © Splitter Verlag

Das Album "In höchsten Höhen" enthält folgende Kapitel:

  • Das 8. Universalwunder
  • 10000 Schatten-Eier
  • "Komm zu mir!"
  • Rattenfalle
  • Der Schatten-Virus

Raimo ist mit seinen Gefährten auf den Zuchthausplaneten Aquaend verbannt. Zur großen Überraschung verbirgt sich unter der lebensfeindlichen Oberfläche eine riesige, verborgene Stadt. Untertessen greift John Difool mit seinen Freunden ein Schatten-Ei an. Doch das Anti-Materie-Ei zerbirst in Milliarden weiterer Eier. Um die Schatten-Eier zu stoppen werden mutierte Riesen-Medusen eingesetzt. In der Berk-Galaxie: Zur Fünf-Jahres-Befruchtung müssen Wettkämpfer aus 27 Planeten den Heiligen Kegel erklimmen und dabei alle anderen Kämpfer ausschalten. Während der Sieger in das Brautgemach darf, werden alle anderen für das Hochzeitsmahl zubereitet.

 

Vom riesigen, künstlichen Techno-Trabanten, zum Wasserplaneten Aquaend, zu Terra21, zu Badmech zu Ourgar-Gan. Die Fülle an interessanten, planetaren und intergalaktischen Schauplätzen dieses Bandes ist enorm. Und jeder davon könnte einen eigenen Band füllen. Einen der eindrucksvollsten Orte des ganzen Zyklus um John Difool stellt sicherlich die Mutter-Ameisenburg der Berks dar. Der unglaubliche und bizarre Ideenreichtum von Jodorowsky und die zeichnerische Genialität von Moebius werden hier sehr deutlich.

 

Die deutsche Erstveröffentlichung erfolgte in Heftform. In der Ausgabe Nr. 69 (Oktober 1985) bis Nr. 73 (Februar 1986) der Zeitschrift Schwermetall. Es folgten Softcover-Ausgaben bei Carlsen (1985) und Ehapa (1997). Der Splitter Verlag brachte diese Neuauflage erstmals 2012 im Hardcover-Einband auf 64 Seiten heraus. Insgesamt eine exzellente Aufmachung mit viel Bonsumaterial. 2022 erscheint eine auf 666 limitierte Vorzugsausgabe in schwarz-weiß und Großformat in der Reihe "Splitter Diamant".

 

Als Bonus wurde das vierte Kapitel "Die literarischen Elemente des Incal" aus dem Sonderband "Die Geheimnisse des Incal" (1981) angehängt. Enthalten sind die Kapitel: "Die Mystik", "Der Comic", "Eine sternförmige Geschichte". Als außergewöhnlich schönes Extra liegt nur der Erstauflage ein in Kunststoffecken eingehängter Kunstdruck bei. Das Motiv ist eine Coverillustration.

 

Fazit: Ein Trip mit Riesen-Medusen, blutigen Gemetzel, erotischen Illusionen und einem schrecklichen Virus. 

 

Harald Kloth

5 Sterne
5 von 5

Der Incal

Band 3: In tiefsten Tiefen | Band 4: In höchsten Höhen | Band 5: In weiter Ferne

 

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© 2021 Harald Kloth, Cover: Copyright © Splitter Verlag

 

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Der Incal, Band 3: In tiefsten Tiefen

Text: Alejandro Jodorowsky, Zeichnungen: Moebius

 

Bielefeld ; Splitter ; 2015 ; 64 Seiten ; ISBN 978-3-86869-279-2 ; Hardcover

 

Buchcover: Der Incal, Band 3: In tiefsten Tiefen
Copyright © Splitter Verlag

Das Album "In tiefsten Tiefen" enthält folgende Kapitel:

  • Die Psycho-Ratten
  • Durch tiefsten Müll
  • Der goldene Planet
  • Der Kristallwald
  • Das Tor der Verwandlung

Die Gruppe um John Difool, den Meta-Baron, Soluna, die Patin, Hundeschnauze und Dipo werden durch einen gigantischen Strudel nach unten gezogen. Sie landen in einer riesigen Müllhalde, die den einzigen Weg zum Mittelpunkt des Planeten darstellt. Dort treffen sie auf Animah, die Königin der Ratten. Verfolgt werden sie von der Nekrosonde, die sich in immer neue Formen transformiert.

 

Auch der dritte Band um den erfolglosen John Difool bleibt der Reihe treu und bietet wieder ein wahnwitziges Feuerwerk an Ideen, Figuren und Welten. Anfangs bleibt dieser Band ganz dem Science-Fiction-Abenteuer verbunden. Später wird der goldenen Planet und die Imperiatricia (die zweigeschlechtlichte Herrschaftsform über die Galaxis) gezeigt. Mit der Einführung der "Tausendjährigen Hüter" ändert sich aber leider die Tonalität dieses Comics. Die wie Karikaturen aus dem Fantasybereich wirkenden Figuren sind nur der Einstieg in eine merkwürdig esoterische Reise in Bewusstseinsebenen, Energien und Schwingungen. 

 

Die deutsche Erstveröffentlichung erfolgte in Heftform. In der Ausgabe Nr. 49 (Februar 1984) bis Nr. 53 (Juni 1984) der Zeitschrift Schwermetall. Es folgten Softcover-Ausgaben bei Carlsen (1984) und Ehapa (1997). Der Splitter Verlag brachte diese Neuauflage erstmals 2012 im Hardcover-Einband auf 64 Seiten heraus. Insgesamt eine exzellente Aufmachung mit viel Bonsumaterial. 2020 erschien eine auf 666 limitierte Vorzugsausgabe in schwarz-weiß und Großformat in der Reihe "Splitter Diamant".

 

Als Bonus wurde das dritte Kapitel "Die literarischen Elemente des Incal" aus dem Sonderband "Die Geheimnisse des Incal" (1981) angehängt. Enthalten sind die Kapitel: "Der Zyklus", "Der Krimi", "Die Science-Fiction". Als außergewöhnlich schönes Extra liegt nur der Erstauflage ein in Kunststoffecken eingehängter Kunstdruck bei. Das Motiv ist eine Coverillustration.

 

Fazit: Science-Fiction-Abenteuer im Müll trifft auf Mystik im Kristallwald. Sowas schafft nur John Difool.

 

Harald Kloth

4 Sterne
4 von 5

Der Incal

Band 2: Der Incal des Lichts | Band 3: In tiefsten Tiefen | Band 4: In höchsten Höhen

 

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© 2021 Harald Kloth, Cover: Copyright © Splitter Verlag

 

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Der Incal, Band 2: Der Incal des Lichts

Text: Alejandro Jodorowsky, Zeichnungen: Moebius

 

Bielefeld ; Splitter ; 2019 ; 64 Seiten ; ISBN 978-3-86869-278-5 ; Hardcover

 

Buchcover: Der Incal, Band 2: Der Incal des Lichts
Copyright © Splitter Verlag

Das Album "Der Incal des Lichts" enthält folgende Kapitel:

  • Das Schatten-Ei
  • Panik im inneren Aussenraum
  • Animah!
  • Krieg den Palästen
  • Imperiatricia

Während der Techno-Papst die Zerteilung von John Difool und die Entsendung des Schatten-Eis in die Galaxien vorbereitet, versinkt Terra 21 im Chaos von Aufständischen. Dipo kann John Difool mit einem gewagten Flugmanöver retten. Die beiden fliehen in den inneren Aussenraum. Doch dort erwartet sie der gefährliche Kryptoide. Mit Hilfe des Incals kann Difool das Monster besiegen und wird von der Rattenkönigen Animah gerettet.

 

War der erste Band vor allem eine Detektivgeschichte, wechselt die Handlung neben den vielen Science-Fiction-Elementen nun zur Kriegserzählung einer Revolution. Hier wird die Stärke des "John Difool-Zyklus" deutlich: Unglaublich viele und fantastische Ebenen in die Handlung einzubauen. Von Moebius ist das alles meisterhaft illustriert, als Beispiel sei das Schatten-Ei (ganzseitig auf Seite 8) genannt, eine eindrucksvolle Zeichnung.

 

Die deutsche Erstveröffentlichung erfolgte in Heftform. In der Ausgabe Nr. 23 (Dezember 1981) bis Nr. 28 (Mai 1982) der Zeitschrift Schwermetall. Es folgten Softcover-Ausgaben bei Carlsen (1984) und Ehapa (1996). Der Splitter Verlag brachte diese Neuauflage erstmals 2012 im Hardcover-Einband auf 64 Seiten heraus. Insgesamt eine exzellente Aufmachung mit viel Bonsumaterial. 2020 erschien eine auf 666 limitierte Vorzugsausgabe in schwarz-weiß und Großformat in der Reihe "Splitter Diamant".

 

Als Bonus wurde das zweite Kapitel "Die Welt des Incal"aus dem Sonderband "Die Geheimnisse des Incal" (1981) angehängt. Enthalten sind die Kapitel: "Alles in Allem", "Das Universum des Incal", "Die Gesellschaftsordnung", "John Difool" und "Dekor, Helden und Nebenfiguren". Als außergewöhnlich schönes Extra liegt nur der Erstauflage ein in Kunststoffecken eingehängter Kunstdruck bei. Das Motiv ist eine Coverillustration.

 

Fazit: Eine perfekte Fortsetzung.

 

Harald Kloth

5 Sterne
5 von 5

Der Incal

Band 1: Der schwarze Incal | Band 2: Der Incal des Lichts | Band 3: In tiefsten Tiefen

 

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© 2021 Harald Kloth, Cover: Copyright © Splitter Verlag

 

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Virus Omega, Band 2: Die Götter der Sterne

Text von Sylvain Runberg, Zeichungen von Marcial Toledano

 

Ludwigsburg ; Cross Cult ; 2021 ; 64 Seiten ; ISBN: 978-3-96658-485-2 ; Hardcover

Buchcover: Virus Omega, Band 2
Copyright © Cross Cult Verlag

 

Noch immer weiß niemand woher die Wesen kamen. Genausowenig ob es Außerirdische sind und wie intelligent sie sind. Über 50 unterschiedliche Wesenheiten konnten ausgemacht werden, ob sie miteinander in Kontakt stehen ist unklar. Es gibt darunter sogenannte Tauchende, Psychische oder Territorier, alle mehr oder weniger gefährlich.

 

Doch zunehmend erscheinen die Menschen selbst als Bedrohung ihrer selbst. Die sogenannten Widerstandskämpfer bekämpfen die Wesen mit allen Mitteln. Aber ebenso Menschen, die ihren Fanatismus nicht teilen. Diese werden als Feinde behandelt und getötet.

 

So wird auch Andrews Freundin Bianca vom Widerstand ermordet. Kim und Lindsey suchen nach Andrew, der seit dem Überfall des Widerstands verschwunden ist. Neal Banks, Anführer der Widerständler, lässt auf brutalste Art sogenannte "Gläubige" ermorden. Diese Gruppe verehrt die Wesen kultisch als Götter aus dem All. Aber eigentliches Ziel von Banks ist der Beschuß der Invasoren mit erbeuteten Atomwaffen.

 

Im zweiten Band von "Virus Omega" (Original: "Les Dominants")  des Duos Runberg ("Orbital") und Toledano ("Tebori") ist Andrew Kennedy mehr oder weniger zur Passivität verdammt. Um bei seiner Tochter zu sein, fügt er sich dem Widerstand und versucht trotzdem irgendwie seine Moral zu behalten. Es wird interessant zu sehen sein, wie sich Andrews völlig fanatisierte Tochter und sein Sohn im weiteren Verlauf der Geschichte entwickeln.

 

Das Hauptthema dieses Bandes ist militärischer und religiöser Fanatismus. Und wie schon im ersten Teil, ist der Gewaltfaktor auch hier sehr hoch. Die Geschichte ist spannend erzählt und dynamisch illustriert. Bemerkenswert ist die stimmungsvolle Farbgebung. Die Wesen stechen durch ihre intensiven Farben hervor und bilden einen starken Kontrast zur Umgebung. Das Faszinosum der Invasoren bildet weiterhin den großen Pluspunkt dieser dystopischen Science-Fiction-Serie in einer zerstörten Welt.

 

Als Extras finden sich drei fiktive Zeitungsartikel zur Widerstandsbewegung (zwei Seiten), zu den Gläubigen (drei Seiten) und zu San Francisco und den Artefakten (drei Seiten) aus den Jahren 2024 und 2026. Optisch hat der Cross Cult Verlag die Serie ansprechend und wertig gestaltet.

 

Fazit: Brutale Fanatiker in einer dystopischen USA voller gefährlicher Aliens.

 

Harald Kloth

4 Sterne
4 von 5

Virus Omega

Band 1: Die Vorherrschaft | Band 2: Die Götter der Sterne

 

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© 2022 Harald Kloth, Cover: Copyright © Cross Cult Verlag

 

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