Marina Boos: Jules Welt - Vom Glück der winterlichen Dinge

Ein Kreativ-Roman

München ; Knaur ; 2016 ; 331 Seiten ; ISBN 978-3-426-51968-4

Jolanda, die von allen außer ihrem Freund Mika nur Jule genannt wird, arbeitet noch immer daran, das Café Lindenblüte zu etablieren.
Teile der Dorfbevölkerung von Müggebach sehen es immer noch kritisch, dass ausgerechnet eine Auswärtige den früheren Gasthof gekauft und zum Kreativ-Café umgewandelt hat. So richtig gut läuft das Café deshalb auch leider nicht. Viele nutzen zwar die angenehme Atmosphäre, um sich dort aufzuhalten und zu basteln. Konsumiert wird dabei aber viel weniger als für den Umsatz gut wäre. Mika unterstützt Jule vor allem moralisch, denn in der Küche ist er ziemlich talentfrei.

Dafür unterstützt die Nachbarin Gerta Jule wo sie nur kann. Es wird vorweihnachtlich dekoriert und die Vorbereitungen für den Weihnachtsmarkt laufen. Die Mitglieder der Handarbeitsgruppe sind fleissig am Basteln. Als der alljährliche Weihnachtsmarkt ganz unerwartet heimatlos wird, weil am geplanten Veranstaltungsort äußerst kurzfristig Bauarbeiten stattfinden, zögert Jule nicht lange und bietet den Platz rund um das Café als alternativen Veranstaltungsort an.

Auch wenn dieses Problem gelöst ist, hat Jule nebenbei noch mit einem aufdringlichen Immobilienmakler zu kämpfen, der ihr das Café samt Grundstück abkaufen möchte. Eine Bestätigung für Jules Mutter, die ohnehin immer darauf drängt, Jule solle sich das ganze Vorhaben doch noch einmal durch den Kopf gehen lassen und letztlich aufgeben. Ob das mit dem Weihnachtsfrieden wohl dieses Jahr noch klappen wird?

Dieses Buch ist wieder Roman und Bastelbuch zugleich. Die Aufmachung  ist sehr gelungen und der Innenteil sehr schön illustriert. Zwischen einzelnen Kapiteln finden sich immer wieder leere Seiten, die dazu dienen sollen, eigene kreative Ideen zu notieren.
Ganz am Ende des Buches gibt es einen „Und so wird’s gemacht“-Teil. Darin findet man alle kreativen Ideen, die im Roman erwähnt werden, genau erklärt. Schön wären vielleicht noch Fotos von den Endprodukten gewesen, aber solche fehlen leider. Das macht aber die insgesamt äußerst nette Geschichte wieder wett. Man darf gespannt sein, wie es mit Jule weitergeht.

Fazit: ein tolles Buch für die Vorweihnachtszeit, mit vielen Anregungen zum Nachmachen.

 

Sonja Kraus

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth

Rita Falk: Kaiserschmarrndrama

Ein Provinzkrimi

Franz Eberhofer, Band 9

 

München ; dtv ; 2018 ; 300 Seiten ; ISBN 978-3-423-26192-0

Zurück in Niederkaltenkirchen. Franz Eberhofer hat es wirklich nicht leicht. Sein Bruder Leopold, die Schleimsau hängt nur noch auf dem Hof herum, da der Bau des gemeinsamen Doppelhauses ja schließlich überwacht werden will. Allein der Gedanke, mit dem, der hochschwangeren Panida und der Sushi Wand an Wand leben zu müssen, lässt den Franz erschaudern. Und dann noch die vielen Entscheidungen, die rund um den Hausbau zu treffen sind.

 

Andererseits kann es natürlich auch keine Dauerlösung sein, dass die Susi und das Paulchen ausgerechnet in Leopolds altem Kinderzimmer wohnen müssen. Aber dann soll auch noch sein Rückzugsort, der geliebte Saustall abgerissen werden, damit an der Stelle eine Doppelgarage gebaut werden kann.
Das geht natürlich gar nicht und der Eberhofer wäre nicht der Eberhofer, wenn er das nicht zu verhindern wüsste.

Gerade als sich der Bürgermeister darüber aufregt, dass sich sein Kommissar fast nur noch um private Angelegenheiten kümmert und ansonsten wohl eine ziemlich ruhige Kugel schiebt, wird in den Wäldern rund um Niederkaltenkirchen die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die  junge Dame war zufällig die neue Untermieterin des Metzgerehepaars Simmerl  und hat wohl mit Stripshows am häuslichen PC ihr Geld verdient. Äußerst pikant ist, dass unter den Kunden auch der Simmerl selbst und der Flötzinger waren. Sie gehören also zum Kreis der Verdächtigen und Eberhofer muss ihre Fingerabdrücke nehmen.

Als wäre das alles noch nicht genug, geht es dem Ludwig, Eberhofers treuem vierbeinigen Gefährten sehr schlecht. Die Tierärztin zerstört alle Hoffnungen und kurz darauf stirbt der Hund. Ziemlich mitgenommen von der ganzen Situation muss sich Franz Eberhofer dann auch noch mit seiner Erzfeindin Thin Lizzy herumärgern. Die kommt mit zwei Kollegen als Soko nach Niederkaltenkirchen. Da mittlerweile eine zweite weibliche Leiche im Wald gefunden wurde, geht man nämlich von einem Serienmörder aus, der in den Wäldern rund um Niederkaltenkirchen sein Unwesen treibt.
Wie immer unterstützt auch dieses Mal der Birkenberger Rudi die Ermittlungen und sorgt für so manchen Brüller.

Im mittlerweile neunten Fall trifft es den Franz Eberhofer persönlich sehr hart, weil er sich für immer von seinem Hund Ludwig verabschieden muss. Ganz am Ende des Buches gibt es dafür aber quasi zum Trost noch die Geschichte, wie der Ludwig überhaupt zum Eberhofer kam.

 

Die etwas längere Pause zwischen dem achten Fall Weißwurstconnection und dem aktuellen Fall hat der Geschichte gut getan. Das Wiedersehen mit den Bewohnern Niederkaltenkirchens und dem anderen Stammpersonal ist absolut gelungen.
Zwar werden Liebhaber von Regionalkrimis nicht so ganz auf ihre Kosten kommen, weil das Zwischenmenschliche auch im neuen Band Kaiserschmarrndrama wieder im Vordergrund steht, aber die ein oder andere lustige Stelle macht das vielleicht auch wieder wett.

Fazit: Neues aus Niederkaltenkirchen: eine unterhaltsame Geschichte. Eberhofer-Fans werden auch im neuen Teil wieder ganz auf ihre Kosten kommen.

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2016 Sonja Kraus, Harald Kloth

Andreas Gößling: Wolfswut

True-Crime-Thriller

 

München ; Knaur ; 2018 ; 523 Seiten ; ISBN: 978-3-426-52132-8 

 

Lotte Soltau, die Tochter des vor kurzem verstorbenen Unternehmers Alex Soltau findet im Nachlass des Vaters einen Schlüssel für eine verlassene Lagerhalle.

Dort macht sie eine schreckliche Entdeckung: in mehreren Fässern lagern Leichenteile.

 

Die Kriminalhauptkommissarin Kira Hallstein vom LKA Berlin, von allen nur Hallstein genannt, wird zusammen mit ihrem vor kurzem aus Bayern versetzten Kollegen Max Lohmeier an den Fundort gerufen. Bereits nach Stunden ist klar, dass es sich in den fünf Fässern um fünf verschiedene Frauen handelt. Die einzelnen Körperteile sind in Formalin eingelegt, was die Ermittlung des Todeszeitpunkts enorm erschwert. Der Rechtsmediziner Dr. Hünfeld kann nur eine grobe Einschätzung abgeben. Fest steht, dass die Mordserie in den letzten beiden Jahrzehnten stattgefunden haben muss.

 

Kira, gerade wieder einigermaßen stabil, hat sie sich doch vor Jahren freiwillig in die Psychiatrie einliefern lassen, hadert mit sich und ihrem neuen Freund Niels, denn es scheint eine feste Beziehung zu werden. Aber seine psychologischen Tipps bringen sie erheblich weiter. Ihre Vorgesetzte, Kriminaldirektorin Franka Fundlandt ist nicht immer einverstanden mit den Ermittlungen von Kira Hallstein und nach und nach entsteht der Eindruck, dass sie die Ermittlungen aktiv behindert. Aber Kira Hallstein bleibt sich selbst treu und  schnell wird klar, dass viele Personen involviert sind.

 

Nachdem klar ist, dass Alex Soltau nicht alleine gehandelt hat, beginnt die Suche nach seinem Helfer. Doch dann wendet sich das Blatt und Kira steht einer der emotionalsten Momente ihres Lebens bevor.

 

Andreas Gößling legt mit Wolfswut einen soliden Thriller vor, der alles beinhaltet, was Thrillerfans mögen. Die detaillierte Schilderung der Berliner „Puff-Unterwelt“ lässt einen erschaudern. Das Ermittlerteam Hallstein/Lohmeier verspricht weitere spannende Bücher, kündigt Gößling doch im Nachwort bereits an, das er an einer Fortsetzung arbeitet.  

 

Fazit: Spannender Einblick in die Schattenwelt - absolut lesenswert!

 

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Christiane Tramitz: Harte Tage, gute Jahre

Die Sennerin vom Geigelstein

 

München ; Knaur ; 2017 ; 271 Seiten ; ISBN 978-3-426-21431-2

 

Die Biografie über Maria Wiesbeck, die Sennerin vom Geigelstein, handelt von ihrem arbeits- und entbehrungsreichen, aber dennoch zufriedenen Leben auf der Oberkaseralm in den Chiemgauer Alpen.

 

Von ihrer großen Liebe enttäuscht, verlässt die siebzehnjährige Mare 1941 den elterlichen Hof und zieht auf die Alm. Dort bleibt sie nicht nur wie vereinbart den Sommer über, sondern verbringt dort den Rest ihres Lebens.

 

Christiane Tramitz schildert die Lebensumstände auf der Alm in der Zeit des Zweiten Weltkriegs und in den harten Nachkriegsjahren. Von deren Auswirkungen bleibt auch Mare trotz der Abgeschiedenheit ihrer Alm nicht verschont. Die Autorin wechselt in ihrer Erzählung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, in der Mare, vom hohen Alter gezeichnet, um ihr Wohnrecht und ihre Unabhängigkeit auf ihrer Alm kämpft. Durch die Erschließung der Almen mit Straßen kommen Autos und neue Hütten werden in der Nachbarschaft der Oberkaseralm errichtet. Auf dem Geigelstein macht Mare die Bekanntschaft mit bekannten Schauspielern, Politikern und Millionären und bleibt doch unbeeindruckt und zufrieden mit ihrem einfachen Leben.

 

Zäh und stur wie eh und je verbringt sie ihren Lebensabend dank ein paar hilfsbereiten Menschen unter einfachsten Wohnbedingungen, mangelndem Komfort und trotz harter Winter auf der Alm. Offen und schonungslos schildert die Autorin den Abbau des Körpers im Alter.

 

Christiane Tramitz gelingt dabei ein wunderbares und liebenswertes Portrait über eine beeindruckende Frau, die sich zeitlebens ihre Unabhängigkeit bewahrte und im Rhythmus der Natur und einem engen Verhältnis zu ihren Tieren lebte. Durch den häufigen Blick in Mares Gedankenwelt kommt man der Sennerin sehr nah.

 

Die Dialoge im Buch sind auf bayerisch, was die Biografie noch authentischer wirken lässt.

Dieses Buch schafft es zu bezaubern und nachhaltig zu beeindrucken.

 

Fazit: Eine wahre Hommage an eine Sennerin, die berührt und noch lange in Erinnerung bleiben wird.

 

Katrin Hildenbrand

5 Sterne
5 von 5

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© 2018 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth

Matthew J. Arlidge: Eingeschlossen

Ein Fall für Helen Grace. Band 6

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2018 ; 382 Seiten ; ISBN:978-3-499-27369-8

Die Ermittlerin Helen Grace sitzt im Gefängnis Holloway und wartet auf ihren Prozess.

Am Ende des letzten Bandes "Kalter Ort" hatte sich alles gegen sie gewendet. Die Zeit im Knast ist alles andere als leicht, denn sie trifft dort auf Frauen, die sie selbst hinter Gitter gebracht hat. Ihre langjährige Kollegin Charlie Brooks ist die einzige, die an die Tatversion glaubt, die Helen ihr erzählt hat.

Sie versucht alles, um den wahren Täter zu finden und Helen zu entlasten. Hierfür setzt sie nicht nur ihr Privatleben und ihre Karriere bei der Polizei, sondern auch ihr Leben aufs Spiel.

In Holloway wird eines Morgens eine Insassin tot in ihrer Zelle aufgefunden. Alle Körperöffnungen sind zugenäht beziehungsweise mit Wachs versiegelt. Ab diesem Zeitpunkt ist nichts mehr so, wie es vorher war. Alle inhaftierten Frauen haben Angst und fürchten die nächste Nacht. Helen kann die Situation nicht einfach so hinnehmen und beginnt zu ermitteln. Die Skrupellosigkeit der Journalistin Emilia Garanita kommt ihr dabei erneut zur Hilfe.

Schon in der nächsten Nacht stirbt eine weitere Insassin und Helen glaubt, den Mörder nach der Tat gesehen zu haben. Zeitgleich ist Charlie Brooks Robert, dem Neffen von Helen und mutmaßlichen Täter auf der Spur. Dieser denkt aber nicht daran, sich so einfach festnehmen zu lassen.

Als in Holloway eine dritte Person stirbt, obwohl der mutmaßliche Täter in Arrest ist, bricht eine Gefangenenrevolte aus, die der wahre Täter nutzt, um Helen, die ihm auf der Spur ist, endgültig auszuschalten.

Mit dem sechsten Teil um die Ermittlerin Helen Grace ist dem Autor Matthew J. Arlidge wieder ein toller Thriller gelungen. Die kurzen Kapitel (insgesamt 142) mit den unterschiedlichen Erzählperspektiven und Erzählsträngen erzeugen einen Sog, der einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt.

Fazit: Wieder ein sehr spannnender Plot. Weiter so!

Matthias Wagner

4/5 Sterne
4/5 von 5

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  © 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

Jojo Moyes: Mein Herz in zwei Welten

 

Reinbek ; Wunderlich ; 2018 ; 588 Seiten ; ISBN 978-3-8052-5106-8

 

Louisa Clark, die junge Frau aus der englischen Kleinstadt Stortfold mitten im Herzen New Yorks?

Lou kann es zu Beginn selbst noch gar nicht glauben, dass sie einen Neuanfang gewagt und das Jobangebot in der Stadt, die niemals schläft, angenommen hat. Nun lebt sie in der Wohnung ihrer Arbeitgeber, der Familie Gopnik im Haus 'The Lavery' direkt am Central Park und führt ein Leben zwischen Limousinen und High-Society-Veranstaltungen.

 

Als persönliche Assistentin von Agnes Gopnik ist sie Mädchen für alles und hat immer zur Stelle zu sein. Sogar die morgendliche Joggingrunde im Central Park bleibt der eher unsportlichen Louisa nicht erspart. Durch das Zusammenleben mit den Arbeitgebern erhält sie auch tiefen Einblick in die innerfamiliären Zerwürfnisse. Der superreiche Mr. Gopnik hat nämlich seine frühere Frau durch die wesentlich jüngere Agnes ersetzt, was nicht nur Tabitha, der Tochter des Hauses, gegen den Strich geht. Auch bei gesellschaftlichen Anlässen wird die neue Mrs. Gopnik von allen geächtet, was ihr sehr zu schaffen macht. Selbst die Haushälterin Ilaria ist nicht gut auf die Hausherrin zu sprechen. Auch Lou gegenüber verhält sich die Haushälterin äußerst feindselig. Dafür versteht sich Louisa auf Anhieb bestens mit Ashok, dem Pförtner des Hauses.

 

Privat kämpft Louisa immer noch mit dem Tod ihres geliebten Will. Auch die räumliche Trennung von Sam, dem Sanitäter, mit dem sie eine Beziehung führt, fällt ihr schwer. Dieser hat ebenfalls Schwierigkeiten mit der Situation umzugehen. Inmitten all der kühlen Menschen vermisst Louisa die Warmherzigkeit ihrer Eltern, ihrer Schwester Treena und ihres Neffen Tom umso mehr.

 

Lous Aufgabe ist es, Agnes Gopnik dabei zu helfen, sich in ihrer Funktion als reiche Gattin wohler zu fühlen. Mit der Zeit freunden sich die beiden an und es scheint mehr als ein Angestelltenverhältnis zu sein. Als Louisa ein Geheimnis erfährt und angefleht wird, es für sich zu behalten, tut sie dies. Kurze Zeit später wird ihr diese Diskretion und Loyalität gegenüber Agnes aber zum Verhängnis. Sie wird gefeuert und findet Zuflucht bei der etwas gebrechlichen Mrs. De Witt und ihrem Mops Dean Martin.

Auch in Louisas Privatleben geht es ziemlich hoch her und es ist fraglich, wie es mit ihrem Leben weitergehen wird.

 

Sie fühlt sich zerrissen - einerseits schlägt ihr Herz für das Leben in England, doch andererseits fühlt sie sich auch in New York wohl. Immer wieder muss sie an die Ratschläge denken, die ihr Will vor seinem Tod mit auf den Weg gegeben hat. Sind diese Ratschläge etwa der Schlüssel zum Glück?

 

Wer Louisa Clark bereits kannte, wird sich über diese Geschichte sehr freuen. Es ist einfach schön, die herzensgute und sympathische Hauptfigur ein weiteres Stück ihres Lebensweges begleiten zu dürfen.

Leser ohne Vorkenntnisse werden die Geschichte allerdings auch so verstehen.

 

Fazit: Jojo Moyes schafft es mit dieser schön erzählten Geschichte erneut, ihre Leser zu berühren. Leichte Kost, aber dennoch ein sehr unterhaltsames, gut lesbares und kurzweiliges Buch.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth

Roberto Saviano/Giovanni di Lorenzo: Erklär mir Italien!

Wie kann man ein Land lieben, das einen zur Verzweiflung treibt?

 

Köln ; Kiepenheuer & Witsch ; 2017 ; 264 Seiten ; ISBN 978-3-462-04971-8

 

Ca. 6 Millionen Deutsche verbrachten 2017 ihren Urlaub in Italien, einem Land, das gerade in der deutschen Öffentlichkeit und Teilen der Politik als chaotisch, korrupt, wenig strebsam und machohaft wahrgenommen wird. Unterstrichen wird diese Sichtweise dadurch, dass erst kürzlich der italienische Staatspräsident erneut das Parlament aufgelöst und damit den Weg für Neuwahlen am 4. März 2018 freigemacht hat.

Alleine in der derzeitigen fünfjährigen Legislaturperiode hat Italien drei Regierungen erlebt: 2013 kam der Sozialdemokrat Enrico Letta ins Amt; dieser wurde von Renzi abgelöst, der wiederum von Gentiloni. So oder so: Es wird die 65. Nachkriegsregierung in Italien – eine Zahl, die in Europa unübertroffen ist und so scheinbar sinnbildlich für Regierungschaos steht.

In Deutschland gibt es seit 1945 acht Regierungschef, von Konrad Adenauer bis zur heutigen Kanzlerin Angela Merkel, in Österreich ist Sebastian Kurz der 13. seiner Art. In Grossbritannien gab es 14 Premiers, in den Niederlanden 16. Und im schönen Italien? Amtsinhaber Paolo Gentiloni ist bei 64 Regierungen «nur» die Nummer 28 seines Landes, denn unter den Männern, die sich im Palazzo Chigi in Rom in der Staatsführung abwechselten, kehrten viele wieder zurück – und wieder und wieder, weil das Wahlsystem des Landes Kleinparteien und Koalitionswechsel bis heute begünstigt. So führte der Christdemokrat Alcide de Gasperi bis 1953 ganze acht Koalitionen, er war insgesamt 2496 Tage im Amt. Ihm folgt der Parteikollege Giulio Andreotti, der zwischen 1972 und 1992 insgesamt 2.226 Tage als Premier erlebte. Doch den Rekord hält einer, der Italiens Politik trotz 81 Jahren noch immer beschäftigt: Silvio Berlusconi mit 3.297 Amtstagen.

Soweit zu den politischen Fakten. Aber warum ist dort alles anders wie im Rest Europas, gibt es dafür irgendwelche Erklärungen? Wer sind die entscheidenden Kräfte im Hintergrund? Was treibt die Deutschen das ganze Jahr über immer wieder über die Alpen in den Urlaub, trotz vermeintlichem Chaos dort? Dies versuchen Roberto Saviano und Giovanni di Lorenzo in ihrem ersten gemeinsamen Buch „Erklär mir Italien! Wie kann man ein Land lieben, das einen zur Verzweiflung treibt?“ aufzugreifen und im dialogischen Prinzip zu erklären.

Di Lorenzo, deutsch-italienischer Herkunft und „deutsch-sozialisiert“, Chefredakteur der Zeit und Autor mancher Bestseller ist der Interviewer und Fragensteller, Saviano, weltweit bekannt geworden durch seinen Weltbestseller „Gomorrha“, der Antwortgeber und Erklärer. Gemeinsam versuchte man sich so in mehreren längeren Gesprächen, die sich insgesamt über zwei Jahre erstreckten, dem „Problemkind Italien“ zu nähern. Italien ist wirklich ein Land zwischen wunderbar, sonderbar und Gomorrha. So berichten die Autoren von der Gastfreundlichkeit der Italiener, dem Reichtum an Geschichte und Kulturgütern und ganz aktuell dem Umgang mit der Flüchtlingskrise, aber auch über manch nette Charakterzüge eines trotz allem stolzen Volkes. Vor allem die Antworten Savianos sind teils komplex und so verschlungen wie eine große Portion Spaghetti, dann aber auch wieder so nah wie einfach. Allerdings schweift Saviano sehr oft in sein „Spezialgebiet“, die Mafia, bzw. das Leben in Italien unter dem Deckmantel mafiöser Strukturen mit Bezug auf seine persönliche Situation hin ab. Dies muss auch Teil eines derartigen Buches sein, nur sind die Einflüsse der drei Mafia Gruppierungen Camorra (Neapel und Kampanien), N’Drangheta (Kalabrien) sowie Cosa Nostra (Sizilien) verhältnismäßig zu lang und zu ausführlich, sie nehmen fast ein Drittel des Buches ein, werden vielleicht sogar überbewertet. Saviano unterstreicht die Machtlosigkeit bzw. auch den mangelnden Willen des Staates, gegen die Mafia vorzugehen. Erwähnenswerter couragierter Widerstand von Einzelpersonen und Gruppierungen bleiben von ihm unerwähnt. Sicher legt Saviano bewusst den Schwerpunkt seiner „Erklärungen“ auf den stärker mafiadurchzogenen Süden, da vor allem hier das Unlogische, Verständnislose, das Unordentliche in Form von Ignoranz gegen staatliche Obrigkeit, Chaos, Korruption und anderen Verbrechen lokalisiert sind. Hier ist der (rechts)staatsfreie Raum, aber die Grenzen in den Norden sind fließend.

Wir erfahren, dass Italien noch mehr als Deutschland ein Land der unterschiedlichen Regionen ist, Unterschiedlichkeiten nicht nur in Bezug auf Mentalitäten die oft auch in Neid und Missgunst ausarten. Aber wenn es gegen die Zentralregierung geht, wird oftmals auch „unter den Abtrünnigen koaliert“, gemeinsam agiert. Diese Art der Hassliebe findet sich auch im Bereich der Bürokratie im öffentlichen Dienst oder auch in der und mit der Kirche. Nur eines scheint Italien wirklich zu vereinen: Fußball! Politik, politische Autoritäten, außer vielleicht Aussagen des Präsidenten, niemanden interessiert oder respektiert dies so richtig. Familie, sei es verwandtschaftlich oder im weitesten Sinne auch Mafia, Vereine oder sonstige Gruppierungen sind die relevanten Taktgeber. Deren Regeln stehen über dem Gesetz. Derjenige, der das Gesetz am Besten unterminiert, über das Ohr haut, ist als „Leader“ oder „Capo“ anerkannt. Das gilt gleichermaßen für die Politiker, die man wählt, weil sie selbst gesetzeslos sind. Man wählt also Spiegelbilder oder Gleichgesinnte! Für den Mezzogiorno, also den Süden Italiens sieht Saviano sogar – und jetzt sollten die Anhänger der Rechtspopulisten in Deutschland am besten weghören – die Migranten als Hoffnung und Rettungsanker, würden sie doch die entvölkerten Regionen reaktivieren. Kann man daraus auch eine Lösung für die entvölkerten Regionen im Osten Deutschlands ziehen?

Ist es zu akzeptieren, dass viele Deutsche weder die italienische Sprache und schon gar nicht die Italiener bzw. das politische und gesellschaftliche Italien verstehen, sondern nur das gute Essen, die Unbeschwertheit, das angenehme Klima, die Kultur und die Schönheiten der Landschaften schätzen und genießen? Ein klares nein, wenn man das Gespräch zwischen Saviano und Di Lorenzo aufmerksam liest. Es ist ein klarer Appell auch an uns, den deutschen Touristen, sich mehr über das gesellschaftliche und politische Italien zu informieren und zu interessieren, dafür mehr Verständnis für „dieses oder jenes“ aufzubringen, bevor man den Brenner über- oder den Gotthard-Tunnel durchquert.

„Neapel liebt man oder hasst man, es gibt nichts dazwischen“, ist ein altbekannter Spruch. Meines Erachtens kann man das ganz allgemein auf Italien beziehen, zumindest auf den gesamten Mezzogiorno. Und ich für meinen Teil liebe Neapel, liebe Italien in all seinen Facetten. Die Mafia ist heutzutage für uns Normalbürger unerkannt, mit Taschendiebstahl oder Wohnungseinbrüchen gibt sich die Mafia nicht ab. Das ist anderen Gruppierungen zuzuordnen und wird von der Mafia selbst bekämpft, um den „big business“ nicht zu stören. Nichtsdestotrotz teile ich die Skepsis Savianos für die Zukunft des „Landes, wo die Zitronen blühen“. Wenn jährlich 100.000 Italiener, überwiegend aus den höheren und intellektuellen Kreisen, emigrieren, gleicht das einer Flucht vor der Zukunft im eigenen Land. Auch ist unbestritten die Mafia attraktiv für junge Leute, gerade bei einer derart hohen Arbeitslosigkeit. Es gilt immer noch als Männlichkeitsbeweis, für das, was man erreichen will ins Gefängnis zu gehen oder gar zu sterben. Die Idealisierung des Todes macht die Mafia unverändert interessant.

Das dem Buch zugrunde liegende Gespräch hat insgesamt mehr Höhen als Tiefen, für eine besseres Gesamtverständnis wäre der eine oder andere Blick in die italienischen Geschichte hilfreich gewesen wäre. Es bietet wahrlich einige nette Klischees, z.B., dass Komplimente über das Essen automatisch dazu führen, dass man von nun ab mit dem Koch befreundet ist, aber dies dazu führt, das jeder Italiener Tausende von („oberflächlichen“) Freunden hat. Trotz Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit, gespart wird nichts und nirgends, schon gar nicht am gediegenen 3-Gänge Menü im Restaurant. Man genießt wenigstens das, was man hat. Der Italiener handelt eher situativ, aus dem Bauch heraus, während wir alles planen möchten, am Liebsten von der Geburt, über eine erfolgreiche Schulzeit, Karriere machen und Familie gründen, über die Rente bis in den Tod. Aber auch ernste Themen immer noch vorhandener krankhafter Eifersucht, Stalking oder gar Feminizid bei Untreue werden zumindest kurz thematisiert. In Italien sieht man sich auch niemals direkt in die Augen, höchstens den Freunden, die einem die Erlaubnis dazu erteilt haben. Zweifelhaft sind so Pauschalisierungen, dass man in Italien nur mit Fleiß und Talent keine Karriere machen kann, sondern immer nur über Beziehungen weiterkommt. Es wird auch nur der gewählt, der mir persönlich weiterhelfen kann. Amüsant aber erschreckend sind auch Aussagen, dass niemand Gesetze respektiert, sondern nur Regeln. Regeln, die nicht der Staat, sondern die „Familie“ aufstellt, also Gruppierungen, wie Vereine, Interessensgruppen, Mafia.

Manche Aussagen in dem Buch, z.B. dass diejenigen, die sich für Politik engagieren wollen lediglich „Raubtierfutter“ sind für Presse und Bevölkerung, dass Politik nur die Bühne für Selbstdarsteller ist, der völlige Vertrauensverlust gegenüber staatlichen Einrichtungen, dass der Staat völlig teilnahmslos und fremdgesteuert ist, gehen meines Erachtens zu weit und sind zu sehr „/Schwarz-Weiß-Malerei“/. In der italienischen Politik wird offensichtlich auch nur gelogen, um kurz die volle Aufmerksamkeit zu haben. Wenn sich dann herausstellt, es war die Unwahrheit, interessiert es niemanden mehr, aber man war auf den Titelseiten. Die Leute vergessen schnell, werden gekauft, lassen sich verführen, werden neu belogen, aber sie verlieben sich auch immer wieder. 65 Regierungen, 28 Präsidenten, das kann ebenso keine Kontinuität bedeuten, es werden nur die größten Löcher gestopft. Auch Renzi wird durch Saviano ein schlechtes Bild ausgestellt: kein Charisma, fehlendes intellektuelles Format, trifft die Gefühle der Menschen nicht.

Nur am Ende erwähnt Di Lorenzo ganz kurz die positiven Seiten des Landes, z.B. das gemeinsame Anpacken bei Naturkatastrophen wie bei Erdbeben oder die Hilfsbereitschaft der Menschen der von Flüchtlingen überrannten Insel Lampedusa. Insgesamt ist er verliebt in das „Ästhetische“, das Italien bietet. Aber bei Saviano bleiben selbst die realen positiven Veränderungen im Verhalten der Mafia gegenüber weitestgehend unberücksichtigt. Immer wenn Di Lorenzo Positives anspricht, wird es durch Saviano schlecht geredet. Liegt es vielleicht an der Verbitterung über ein Land aus dem heraus Gruppierungen ihm den Tod androhen? Man hätte vielleicht nicht nur einen Dialog als Grundlage nehmen sollen, um Italien „zu erklären“. Hier wäre gegebenenfalls eine Gesprächsrunde besser gewesen, um das Thema umfassender anzugehen als nur mittels der Sichtweise eines Einzelnen. Eine Aussage Savianos würde ich allerdings blind unterschreiben: Italien ist bunt, elegant, und chauvinistisch, boshaft und verlogen. Wie bereits festgestellt, die Leidenschaft für Fußball hält alles zusammen. Leider war das Buch fertiggestellt, bis feststand, dass Italien die Qualifikation für die Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 gegen Schweden verpasst hat. Wer weiß, vielleicht wäre Saviano’s Urteil dann anders ausgefallen. Aber trotz aller manch harschen Kritik, wird er für immer und ewig sein Italien, sein Neapel lieben und aufs engste verbunden bleiben.

 

Fazit: Italien ist bunt, elegant, und chauvinistisch, boshaft und verlogen.

 

Andreas Pickel

3 Sterne
3 von 5

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© 2018 Andreas Pickel, Harald Kloth

Ruth Ware: Woman in Cabin 10

Thriller

 

München ; dtv ; 2017 ; 384 Seiten ; ISBN 978-3-423-26178-4

 

Laura Blacklock ist eine erfolgreiche Journalistin, angestellt beim Reisemagazin „Velocity“. In Vertretung ihrer Chefin soll sie einen Reisebericht über die Jungfernfahrt des kleinen und sehr exklusiven Kreuzfahrtschiffes Aurora Borealis schreiben. Psychisch etwas angeschlagen, weil kurz vor der Fahrt bei ihr zu Hause eingebrochen wurde, begibt sie sich auf die Reise.

 

Bereits in der ersten Nacht nimmt sie Geräusche aus der Nachbarkabine 10 wahr.  Sie hört, wie etwas ins Wasser fällt und an der Reling entdeckt sie Blut. Doch am nächsten Morgen glaubt ihr keiner die Geschichte, denn sie hat zusammen mit den andern Gästen sehr dem Alkohol zugesprochen. Laura weiß nicht mehr, wem sie trauen kann und wer eventuell als Täter in Frage kommen könnte.  Hinzu kommt noch, dass auf dem Schiff keine Person fehlt. Die Kabine 10 ist leer, weil kurz vor der Reise ein Investor abgesagt hat.

 

Spielt ihr das Gedächtnis einen Streich?  Nachdem Laura Psychopharmaka nimmt, ist sie für die anderen immer weniger glaubhaft. Als ihr Handy verschwindet und sie kurze Zeit später die Frau aus Kabine 10 wieder an Bord entdeckt, überschlagen sich die Ereignisse und Laura muss um ihr Leben bangen.

 

Ruth Ware ist mit diesem Thriller ein toller Plot gelungen. Immer wieder bringt sie gute Wendungen unter, sodass der Leser auf neue Pfade geleitet wird.

 

Fazit: Ein unterhaltsamer Thriller.

 

Matthias Wagner

4 Sterne
4 von 5

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© 2018 Matthias Wagner, Harald Kloth

 

Iny Lorentz: Die Widerspenstige

Roman

 

München ; Knaur ; 2017 ; 677 Seiten ; ISBN 978-3-426-66383-7

 

Wie so oft beginnt ein Roman von Iny Lorentz mit großem Unrecht für die Protagonistin. Johanna von Allersheim und ihr Zwillingsbruder Karl werden von ihrer intriganten Stiefmutter um ihr Erbe betrogen. Um einer ungeliebten Ehe zu entgehen, überredet Johanna ihren Bruder zur Flucht. Aus Furcht vor Entdeckung verkleidet sie sich als Mann. Die Geschwister schaffen es, sich nach Polen abzusetzen. In der Heimat ihrer Mutter hoffen sie auf den Einfluss ihrer Familie. Um diese zu finden, wenden Sie sich zunächst an den polnischen König Jan III. Sobieski. Der versucht die Zwillinge wiederum für seine eigenen Zwecke einzusetzen und schickt sie zu  Adam Osmanski, einem entfernten Cousin und Festungskommandanten im umkämpften Grenzland. Dort sollen sie sich als Kämpfer bewähren, um für den König in den Krieg zu ziehen. Johanna verpasst es unterdessen, ihr wahres Geschlecht zu offenbaren. Nun bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Posse zu spielen. Als selbstbewusste, junge Frau gelingt ihr das spielend und niemand schöpft Verdacht. Dabei ahnt sie nicht, dass  Adam Osmanski ihr wahres Geschlecht sehr wohl kennt.  Aus Neugier und um sie - als einzige Frau unter den vielen raubeinigen Männern - zu schützen, lässt er sie  gewähren. Er achtet jedoch darauf, Johanna nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Nach einer fulminanten Schlacht gegen das Türkenheer wendet sich das Schicksal der Zwillinge zum Guten.

 

Iny Lorentz bindet das Schicksal Johannas und Karls in die Geschehnisse der Türkenkriege im 17. Jahrhundert ein. Da das Thema nicht oft in historischen Romanen behandelt wird, erschließen sich in dieser Hinsicht für den Leser viele neue Einblicke. Die Autoren versorgen ihn mit reichlich gut recherchierten Informationen. Die Geschichte lässt sich durch den geradlinigen und flüssigen Schreibstil sehr gut lesen. Polnische Namen werden sparsam verwendet und bleiben dadurch im Gedächtnis. So weiß man stets, um welche Person es sich handelt. Durch die gute Bildsprache taucht der Leser problemlos in die Welt von Johanna und Karl ein. Jedoch verpasst es das Autorenduo leider, seinen Figuren die notwendige Tiefe zu verleihen, um sie für den Leser greifbar zu machen. So kann man sich nicht wirklich in sie hinein versetzen oder mit ihnen mitfühlen. Die überwiegend vorhersehbaren Handlungen nehmen zudem die Spannung aus den Geschehnissen.

 

Fazit: Das Buch ist dennoch lesenswert und bietet kurzweilige Unterhaltung für Leser, die auf große Dramen gern verzichten.

 

Cornelia Krellner

3 Sterne
3 von 5

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© 2018 Cornelia Krellner, Harald Kloth

Anja Jonuleit: Novemberasche

Kriminalroman

 

München ; dtv ; 2017 ; 299 Seiten ; ISBN 978-3-423-21703-3

 

Die beschauliche Bodensee-Region hat mehr Abgründe zu bieten, als man vermuten würde. Auf einem Friedhof wird die an einen Grabstein gelehnte Leiche eines jungen Mannes gefunden. Kommissar Andreas Sommerkorn ermittelt und schnell stellt sich heraus, dass die Tat etwas mit dem näheren Umfeld des Toten zu tun haben muss.

 

Zeitgleich ereignet sich eine weitere Tragödie, die auch Sommerkorn persönlich betrifft. Sein Schwager Erik, ein passionierter Fallschirmspringer kommt unter mysteriösen Umständen bei einem Sprung zu Tode. Sommerkorns Schwester Paula steht unter Schock.

 

Der treusorgende Ehemann scheint ihr so manches verschwiegen zu haben und sie steht nun vor den Trümmern ihres Lebens. Das ruft Paulas beste Freundin Marie Glücklich auf den Plan. Diese will der Sache auf den Grund gehen und 'ermittelt' im Fallschirmspringermilieu.

 

Derweilen verdichten sich die Hinweise, dass im Zusammenhang mit dem Mord an dem jungen Mann rechtsradikales Gedankengut und Mobbing eine Rolle spielten. Stück für Stück führen die Ermittlungen in die richtige Richtung.

Anja Jonuleit bleibt auch bei diesem Kriminalroman ihrer Erzähltechnik der sich abwechselnden Perspektiven treu. Dieser stetige Wechsel macht die Geschichte spannend. Die Autorin kann also auch Krimi.

Fazit: Ein solider Krimi.

 

Sonja Kraus

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth

Tausendundeine Nacht - Wie alles begann

Aus dem Arabischen von Claudia Ott

 

München ; dtv ; 2017; 704 Seiten ; ISBN 978-3-423-14611-1

 

Tausendundeine Nacht – den meisten Leserinnen und Lesern dürften die bezaubernden Geschichten aus dem Orient bekannt sein. Diese Neuausgabe, 637 Seiten voller arabischer Erzählkunst und zusätzliche vierzig Seiten umfassendes Nachwort, ist etwas ganz Besonderes:

Die vorliegende erstmalige Übersetzung ins Deutsche der Edition von Muhsin Mahdi geht auf die Galland-Handschrift, der ältesten erhaltenen arabischen Fassung, welche wahrscheinlich um 1450 zu Papier gebracht wurde, zurück.

Auffallend dabei ist, dass die Erzählungen bereits nach der zweihundertundzweiundachtzigsten Nacht enden. Warum? Darauf - und auf weitere Besonderheiten - hält das bemerkenswerte  Nachwort detailreiche Antworten parat, ist in meinen Augen unverzichtbar und sollte auf alle Fälle in die Lektüre mit einbezogen werden.

Zehn lange Geschichten, welche Schahrasad dem König Schahriyar Nacht für Nacht erzählte, entführen den Leser in den Orient – jede der zweihundertundzweiundachtzig Nächte bildet dabei ein Unterkapitel. Da diese Erzählungen im Lauf der Zeit immer wieder verändert wurden, neue hinzu bzw. einige davon in Vergessenheit gerieten, dürften auch für jene Leser, die mit den Märchen aus Tausendundeiner Nacht bereits vertraut sind, diese Texte auch inhaltlich Neues bieten.

Die Übersetzerin hielt sich eng an den Originaltext, so haben sich diese Erzählungen ihren ganz besonderen Charakter und Charme bewahrt. Auf Illustrationen wurde gänzlich verzichtet, lediglich Blattornamente schmücken dezent die Kapitelüberschriften. Im Nachwort kann sich der interessierte Leser an der Landkarte "Die Welt von Tausendundeiner Nacht" orientieren. Eine Seitenkopie aus der Galland-Handschrift lässt erahnen, welchen Aufwand und Mühe die Übersetzungs-Arbeit erforderte.

Fazit: Ein "must have" für alle Fans des bekannten Klassikers, ein berühmtes Märchenbuch in neuem Gewand vor allem für Jugendliche und Erwachsene.

 

Elisabeth Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Starke Typen - Welt der Tiere 2018

Wildlife Photography

 

Palazzi ; Bremen ; 2017 ; 14 Seiten ; ISBN 978-3-95938-023-2

 

Es gibt Kalender, die sind außergewöhnlich. Der jährlich erscheinende Kunstdruck-Kalender "Starke Typen - Welt der Tiere" ist einer der schönsten seiner Art.

12 wunderbare Tierfotografien lassen das Herz jedes Tierfreundes höherschlagen:

  1. Fallend oder fliegend? Den Naturgesetzen scheinbar ein Schnippchen schlagend zeigt "Base-Jumping" Pinguine in der Antarktis.
  2. "Ja, wo laufen sie denn?". Wachsam wie Soldaten und natürlich unglaublich putzig zeigen sich Erdmännchen in Namibia.
  3. Das Lachen dieses Affen in Indonesien wirkt auf uns Menschen erheiternd, dient aber einem Zweck. "Bitte recht freundlich!".
  4. "Achtung, jetzt komme ich!" zeigt einen Steinkauz in der Mongolei. Fliegen oder rennen - offensichtlich beherrscht dieser Vogel beides.
  5. Gesicht an Gesicht, Nase an Nase zeigen die Löwen in Botswana ihre Zusammengehörigkeit. "Dein ist mein ganzes Herz..."
  6. Solche Nagetiere, die im Wasser leben? Doch, die gibt es! "Und Nessie gibt es doch!" zeigt Wasserschweine in Brasilien.
  7. Die ungewöhnliche Hinteransicht eines Braunbärs in Alaska zeigt "Nahtlos braun!".
  8. Wie gut indische Elefanten schwimmen können zeigt "Bei schweren Knochen? Unterwassergymnastik!".
  9. Zwei rennende Strauße in Kenia zeigt "Links, rechts, Karambolage!".
  10. Mächtig erhebt sich ein Elch in den USA aus dem Wasser in "Einfach mal laufen lassen!".
  11. Die berühmten, die heißen Quellen liebenden, Schneeaffen in Japan zeigt "Schon wieder Hochbetrieb im Spa!".
  12. Den Abschluß bildet ein eingerollter Eisbär in Alaska "Yoga? Geht immer!".
Cover Kalender Starke Typen
Starke Typen - Welt der Tiere - 2018

Daß dieser Kalender ein echter Hingucker ist, liegt aber nicht nur an den 12 fantastischen Fotografien. Auch das große Format von 60 mal 50 Zentimeter ist Garant für ein besonderes Seh-Erlebnis.

 

Dieser Monatskalender ist auf Kunstdruck-Papier Seidenglanz gedruckt. Das Kalendarium ist auf Deutsch, Französich und Englisch verfügbar. Der Verlag Palazzi produziert zudem umweltschonend und nachhaltig.

 

Fazit: Ein fotografisch faszinierender, außergewöhnlich schöner und motivisch einmaliger Tierkalender.

 

Harald Kloth

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Harald Kloth

Jungle

Regie: Greg McLean (2017)

 

1981: Der Rucksacktourist Yossi (Harry Potter-Star Daniel Radcliffe) trifft in Bolivien zwei Gleichgesinnte. Schnell werden aus den jungen Männern Freunde. Der Österreicher Karl (Thomas Kretschmann) preist den drei Abenteurern ein einzigartiges Erlebnis im Urwald an. Gemeinsam will man zu einem unerforschten Indianerstamm aufbrechen. Doch die Reise durch den dichten Regenwald wird für die Gruppe zu einem Kampf auf Leben und Tod ...

 

Der Film "Jungle" basiert auf dem Erlebnisbericht des Israelis Yossi Ghinsberg. Das verleiht diesem überaus spannenden Dschungeldrama eine große Wucht. Die schauspielerische Leistung des ehemaligen Zauberlehrlings Daniel Radcliff ist faszinierend. Man leidet mit dem anfangs sehr naiven Yossi regelrecht mit. Einige heftigere Szenen lassen die Herkunft des, bisher vor allem im Horrorgenre beheimateten, Regisseurs McLean erahnen. Dieser zeigte sich nicht nur für die "Wolf Creek-Reihe" verantwortlich, sondern auch für den unterschätzten Tierhorror-Streifen "Rogue - Im falschen Revier".

 

"Jungle" erschien 2017 als Blu-ray und DVD.

 

Fazit: Hochspannendes Dschungelabenteuer nach wahren Begebenheiten.

 

Harald Kloth

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2017 Harald Kloth

Simon Pearce: So viel Weißbier kannst gar ned trinken

Wie ich als Schwarzer in Bayern groß geworden bin

 

München ; Knaur ; 2017 ; 220 Seiten ; ISBN 978-3-426-78917-9

 

Die Mutter eine allseits bekannte bayerische Volksschauspielerin, der Vater Nigerianer. Dazu noch drei Kinder und das alles angesiedelt in einem Münchner Vorortdorf in den 1980ern. Bei dieser Konstellation kann man sich im Vorfeld schon lebhaft vorstellen, dass es sich um eine turbulente Kindheit gehandelt haben muss.

 

Simon Pearce erzählt mit viel Humor von seinem Aufwachsen in der bayerischen Provinz und von dem oft heftigen Aufeinanderprallen der Kulturen. Viele der skurilen Begebenheiten, die Pearce schildert, haben sich sicher ganz genau so zugetragen, denn das Landleben ist manchmal wirklich so skuril. Damals - und sicher auch noch heute - fehlte vielen Leuten auf dem Land einfach eine gewisse Offenheit und Feinfühligkeit.

 

Dass eine weiße Frau Kinder mit einem schwarzen Mann bekam, passte einfach nicht ins engstirnige Weltbild. Simon erkennt letztlich, dass er Misstrauen und Rassismus mit Worten entgegentreten muss. Und mit ganz ganz viel Humor. So manches Mal bleibt einem als Leser aber bei so viel Misstrauen und offenkundigem Rassismus das Lachen im Halse stecken. Jedenfalls haben diese Kindheitserlebnisse sicher auch dazu beigetragen, dass Pearce sich dafür entschied, eigene Bühnenprogramme zu entwickeln und als Comedian aufzutreten.

 

Allein die Erlebnisse seiner Kindheit dürften noch genügend Stoff für weitere Comedy-Bühnenprogramme liefern.

 

Fazit: Eine lesenswerte Autobiographie.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

Alle Jahre immer wieder - Unbesinnliche Weihnachtsgeschichten

 

München ; dtv ; 2017 ; 252 Seiten ; ISBN 978-3-423-25388-8

 

16 vergnügliche Kurzgeschichten verschiedenster Autorinnen und Autoren voller Weihnachtswahnsinn auf 244 Seiten in Großdruck erwarten die Leserschaft. Daher ist hier nur eine kleine Themenauswahl dieser Paperback-Anthologie:

Den Auftakt macht eine Verzweiflungstat eines Ehemanns mit sehr kreativen Ideen - natürlich mit  Happy End. Unter dem Decknamen „Der Karpfenstreit“  verbirgt sich die ganze Vielfalt an Möglichkeiten, Weihnachten zum Anlass für Streitigkeiten zu machen.

Vielleicht wird auch die Geschichte einer unerwiderten  Liebe, die auf den Hund kommt und dadurch zum Glück findet, ihr Favorit.
Selbstverständlich kommt aber auch der alljährlich in immer höhere Sphären getriebene weihnachtliche Beleuchtungswettstreit nicht zu kurz und wird facettenreich ins Rampenlicht gerückt.

 

Diese Kurzgeschichtensammlung basiert auf dem 2012 erschienenen Erzählband „Schau wie schön der Christbaum brennt“.

Es ist ein kurzweiliger Erzählband, der die unbesinnliche Seite der „Staaden Zeit“ präsentiert und sie gekonnt und humorvoll aufs Korn nimmt.

Fazit: Bitte nicht ganz ernst nehmen – einfach entspannen und lachen.

 

Elisabeth Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Elisabeth Gonsch Harald Kloth

Jean-Paul Didierlaurent: Der unerhörte Wunsch des Monsieur Dinsky

Roman

 

München ; dtv ; 2017 ; 254 Seiten ; ISBN 978-3-423-26162-3

 

Die Thematik des selbstbestimmten Sterbens  beschäftigt unsere Gesellschaft in zunehmender Weise und wird von Jean-Paul Didierlaurent hier aufgegriffen.

Zwei völlig verschiedene Hauptakteure , welche zudem in absolut grundverschiedenen Arbeitsbereichen tätig sind, werden glaubwürdig und realistisch in Szene gesetzt.

Wir treffen auf Manelle, eine junge engagierte Haushaltsperle und Angestellte eines Pflegedienstes welche viel Temperament zeigt und bereit ist, über das vorgeschriebene Maß hinaus Leistung für ihre Kunden zu erbringen. Sie gibt ihren Schützlingen Zuwendung und Wärme. Dennoch ist die Versorgung der kränkelnden Senioren nicht ganz einfach.

Auch der junge Mann Ambroise, der den Beruf eines Thanatopraktikers - ein Leichenbalsamierer - ausübt, geht in seiner Arbeit ganz auf und zeigt im Beruf viel Hingabe und Ernsthaftigkeit. Er leidet sehr unter der Erkenntnis, einem für die Gesellschaft scheinbar abstoßenden Beruf nachzugehen. Partnerschaft und  Liebe scheiterten bislang verläßlich daran.

Als bei Monsieur Dinsky - dritter Hauptakteur und liebgewonnener Kunde Manelles - eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird, trifft dieser eine schwerwiegende Entscheidung mit ungeahnten Folgen.

Jean-Paul Didierlaurent hat eine glaubwürdige, fesselnde Geschichte kreiert, die  meiner Meinung nach tief berührt ohne sentimental zu sein. Die Entscheidung des Herrn Dinsky ruft verschiedenste Reaktionen in seinem Umfeld hervor. Von Gewissenskonflikten über Verständnis und Unterstützung reicht die Palette an Emotionen. So begreift der Leser, dass es verschiedenste Sichtweisen auf diese Art und Weise um aus dem Leben zu scheiden gibt, jede einzelne davon ist nachvollziehbar und verdient respektiert zu werden.

Fazit: Dieses Taschenbuch lässt nicht mehr los und ist perfekt für gemütliche Couchtage oder den Urlaubskoffer, trotz der Tragik der Geschichte und der Schwere des zentralen Problems.

 

Elisabeth Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Elisabeth Gonsch Harald Kloth

Matthew J. Arlidge: No Way Back

Thriller

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2017 ; E-Book, 162 Seiten ; ISBN: 978-3-644-40314-7
 
Jodie Haynes wird nach dem gewaltsamen Tod ihrer Eltern in das Kinderhaus an der Grove Street gebracht. Ihre Schwester Marianne sitzt in der Justizvollzugsanstalt Holloway, weil sie für den Tod der Eltern verantwortlich ist. Für Jodie ist das Kinderheim die reinste Hölle, denn die Leiterin Carole hat vieles, aber keine pädagogische Qualifikation. Ein Fluchtversuch scheitert.

 

Jodie entwickelt einen Plan, wie sie die Verantwortlichen für ihre Vergehen der Polizei ausliefern kann. Der Plan geht auf, dank der Polizistin Grace Simmons, zu der Jodie großes Vertrauen entwickelt. Jodie beschließt schließlich ihren Namen zu ändern, da der Name Haynes stadtbekannt ist.

Jahre später ist sie als Woman Police Constable (WPC) Helen Grace zunächst bei der Verkehrspolizei eingesetzt. Ein vermeintlicher Verkehrsunfall birgt für Helen zu viele Unklarheiten, sodass sie in ihrer Freizeit weitere Ermittlungen anstellt. Sehr schnell wird deutlich, dass sie dabei ist, ein riesiges Komplott aufzudecken. In der eigenen Dienststelle wird dies nicht sehr positiv gesehen. Helen macht trotzdem weiter und merkt, wie gefährlich der Einsatz wird, denn ein zunächst unauffälliger Unfallfahrer zeigt sein wahres Gesicht.

Dieser Kurzgeschichtenband um die Ermittlerin Helen Grace beleuchtet im ersten Teil die Kindheits- und Jugendgeschichte der Protagonistin. Es erfolgt dann ein Zeitschnitt und Helens erste Zeit bei der Polizei beginnt. Der zeitliche Sprung ist sehr gelungen. Nach fünf spannenden Bänden als D.I. Grace ist der Blick in die Vergangenheit und das tiefere Eindringen in die Lebensgeschichte fesselnd gelungen.

Fazit: Kurz und prägnant - ein wahres Muss für alle Helen-Grace-Fans.

 

Matthias Wagner

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2017 Matthias Wagner, Harald Kloth

Harry Bingham: Fiona - Als ich tot war

Kriminalroman

 

Reinbek ; Rowohlt ; 2017 ; 504 Seiten ; ISBN: 978-3-8052-0016-5
 
Die Polizeibeamtin Fiona Griffiths hat bei ihr auf dem Revier keinen leichten Stand. Obwohl sie eigentlich in der Arbeitsgruppe für Kapitaldelikte eingesetzt ist, muss sie einen Betrugsfall bearbeiten, der zunächst viel Recherche erfordert. Seit kurzer Zeit ist sie mit ihrem Kollegen Buzz befreundet und genießt die Zeit der Harmonie.

 

Fiona hat sich für die Spezialausbildung Undercoverermittlungen gemeldet und absolviert diese mit Bravour. Gemeinsam mit dem Führungsbeamten Adrian Brattenbury wird die Legende von Fiona Grey entwickelt und Fionas Ermittlungen im früheren Betrugsfall eignen sich hervorragend für einen ersten Einsatz als Undercoverermittlerin.

 

Schnell gelingt es Fiona das Vertrauen der Verantwortlichen zu erlangen. Sie dringt immer tiefer in die kriminellen Machenschaften ein und merkt, dass es auch für sie immer gefährlicher wird. Adrian versichert ihr, dass das Spezialkommando immer in ihrer Nähe ist, aber dann ändert sich der Plan und sie ist auf sich alleine gestellt. Wobei alleine der falsche Ausdruck ist, denn Fiona weiß nicht immer wer sie ist.
 
„Fiona- Als ich tot war“ ist ein solider Krimi, der aufzeigt, wie eine Undercoverermittlung ablaufen kann. Fiona entwickelt sich als eine taffe Ermittlerin. Die Aussage der USA Today auf dem Umschlag „Eine Ermittlerin, die Lisbeth Salander in Mut und Entschiedenheit in den Schatten stellt“, ist aber dann doch etwas hochgegriffen.
 
Fazit: Ein Krimi mit einer tollen weiblichen Hauptdarstellerin

 

Matthias Wagner

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2017 Matthias Wagner, Harald Kloth

Barbara Stollberg-Rilinger: Maria Theresia - Die Kaiserin in ihrer Zeit

Eine Biographie

 

München ; C.H. Beck ; 2017 ; 1083 Seiten ; ISBN 3-406-69748-8

 

Vor 300 Jahren wurde Maria Theresia geboren, ebenso lang wurde sie in unzähligen Büchern, Aufzeichnungen und Gemälden verherrlicht. Schönheit, Ausstrahlung, Liebeswürdigkeit und eine außergewöhnliche Fähigkeit zur Staatsführung waren bei ihr einzigartig vereint, so die landläufige Meinung. Zu dieser Verehrung trugen nicht zuletzt auch unzählige Gemälde bei, so zum Beispiel von Bernhard Rode, der gleich zu Beginn ihrer Regierungszeit eine hell erleuchtete und zielstrebig erscheinende Maria Theresia mit Baby auf dem Arm als Radierung malte, als sie die ungarischen Reichsstände zur Unterstützung gegen die Feinde aufruft.

 

Das dem bei weitem nicht so war, stellt nun die Münsteraner Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger in ihrer anlässlich des 300. Geburtstages von Mara Theresia erschienenen Biografie klar. Und um es Vorwegzunehmen, nachdem die letzte wirkliche Biografie über die Königin und Kaiserin fast 200 Jahre alt war, setzt das Buch Maßstäbe nicht nur über die Person sondern auch hinsichtlich seiner Beschreibungen der politischen Rahmenbedingungen und Lebensumstände im 18. Jahrhundert.

Als Maria Theresia mit nicht einmal 23 Jahren die Nachfolge ihres Vaters Kaiser Karl VI. antrat, blieb ihr nicht viel Zeit, sich in die Regierungsgeschäfte einzuarbeiten und sich vor allem mit den Herausforderungen der komplexen europäischen Mächtekonstellationen vertraut zu machen. Sofort mit einem erbitterten Erbfolgekrieg konfrontiert, musste sie sich früh bewähren und das riesige Reich halbwegs zusammenhalten. Einzig Schlesien ging an die aufstrebende Macht Preußen verloren. Während also der spätere Siebenjährige Krieg, als sich  Friedrich II. von Preußen einer großen Übermacht erwehrte, für den preußisch-deutschen Mythos eine zentrale Rolle spielte, war es dieser Erbfolgekrieg, der den österreichischen Nationalmythos und auch schon früh den Mythos seiner Kaiserin prägte.

 

Obwohl oder vielleicht auch gerade weil sie eine Frau war, stellte sie sich mit großer Kühnheit ihren mächtigen Gegenspielern und ihre Standhaftigkeit sowie Widerstandswillen blieben nicht ohne Eindruck. Mit Willenskraft gelang es ihr so, das von Zerfall und Überfall bedrohte Reich vor dem Schlimmsten zu bewahren. Und das trotz 16 Kinder (von den 11 Töchtern und 5 Söhnen erreichten zehn das Erwachsenenalter), die sie bis 1756 gebar, das heißt gerade in der Phase der Erbfolgekriege war sie ständig schwanger. Keine geringere als sie selbst empfand das als lästig oder gar unerträglich, konnte sie doch im Gegensatz zu ihrem großen Widersacher Friedrich II. von Preußen nicht selbst hoch zu Ross als Feldherr ihre Armee an vorderster Front führen. So blieb ihr nur, sich beim regelmäßigen und durch sie selbst ins Leben gerufenen „Damen-Carrousel“ (ein Wettbewerb mit Waffen zu Pferde, nur für Frauen, also Amazonen) als weibliche Kriegerin zu präsentieren. In diesem Zusammenhang bietet Stollberg-Rilinger auch detaillierte Beschreibungen der Auswirkungen der Kriege. Zu der damaligen Zeit resultierte nur die Hälfte der Toten aus Kriegshandlungen selbst, die andere Hälfte starb bereits auf dem Marsch zur Schlacht und in den ärmlichen Lagern. Der Teufelskreis aus Krieg, Hunger und Pestilenz war kaum zu durchbrechen. Sieger und Verlierer nach einer Schlacht festzustellen war auch immer nicht einfach, umso wichtiger war es, so Stollberg-Rilinger, Informationsüberlegenheit und Deutungshoheit zu haben, um so den Gegner und dessen Heimatfront nach gewonnener Schlacht endgültig zu demoralisieren.

„Der König ist der schönste Mann, die Königin die schönste Frau und sie müssen es sein, weil sie König und Königin sind“, heißt ein schöner Spruch. Aber die junge Maria Theresia war wohl wirklich eine sehr hübsche Frau, das bezeugten sogar ihre Feinde. So gelang ihr nichtsdestotrotz der Balanceakt zwischen liebender Mutter und Erzieherin auf der einen Seite und die Leitung der Staatsgeschäfte in einem komplexen Vielvölkerstaat auf der anderen Seite in heutzutage kaum vorstellbarer Weise (siehe die Diskussionen zu dem Thema „entweder Mutter oder Karriere“). Manche Historiker sprechen deshalb nicht umsonst von einer Person, die einen Tag „Mann“, also Kriegsherr und Staatsführer, am anderen Tag „Frau“, also Mutter und Ehefrau war. De facto wechselte sie quasi stündlich die Rollen. Für die Autorin war Maria Theresia`s Regierungsstil dabei von drei Faktoren geprägt: Erstens die Politik das Heilige Römische Reich betreffend war primär immer habsburgische Hauspolitik, zweitens bestimmte sie alleine die Richtung, ihr Ehemann, eigentlich der Kaiser, hatte dem zu folgen und drittens bevorzugte sie jeden Aristokraten oder Verwandten und Verschwägerten vor jeden noch so geeigneten, talentierten und aufopferungsvoll arbeitenden Bürgerlichen. Ein (Un-)tugend, die ihr im Zeitalter der Aufklärung zunehmend hinderlich wurde.

Gerade „Do ut des“ („Ich gebe, damit Du gibst“) war das Herrscherprinzip der Zeit und vor allem der Habsburger Dynastie. Die standesgemäße Besetzung aller wichtigen Posten in Gesellschaft und Militär für Familienmitglieder, die Verflechtung von Adel und Herrscherdynastie, stand im Mittelpunkt des  Handeln und nicht irgendwelche Staatszwecke. Einfach gesagt, der noch so dumme Neffe wurde dem intelligenten Untertanen stets vorgezogen. Wie schreibt die Autorin so treffend: Es galt Ämter für Personen zu finden und nicht Personen für Ämter! Dies galt auch für die Namen ihrer Kinder, die aus demselben beschränkten Reservoir von Heiligen ausgewählt wurden. Es ging dabei also nicht um Individualität, sondern auch hier um das Zeigen von dynastischer Identität und Kontinuität.

Stollberg-Rilinger hat ein beeindruckendes Quellenstudium betrieben. Eine der besten Quellen über das Leben der Kaiserin überhaut sind die Aufzeichnungen von Johann Joseph Graf – später Fürst – Khevenhüller, jahrzehntelang als Obersthofmeister einer der einflussreichsten Amtsträger des Hofes und DER vertraute Maria Theresia. Sein achtbändiges Tagebuch ist eine beeindruckende Chronik des Kaiserhofes seiner Zeit. Dieses Tagebuch nutzend, bringt uns Stollberg-Rilinger neben politischen Themen auch detailgetreu die Rituale und das Leben am Hof näher. Sei es generell der diszipliniert eingehaltene Tagesablauf, die Erziehung der Kinder, Frömmigkeitsübungen, Glückspiel, die Frage nach dem warum der Nutzung unterschiedlichster Sprachen in Schriftverkehr, Gesprächen und Reden, die Bedeutung von den sogenannten Galatagen als
Demonstration der Kleidung von Reichtum und Magnifizenz, mühsam hat die Autorin aus all den zugänglichen Quellen einige sehr informative und interessante Kapitel über das Innenleben am Hofe zusammengetragen. Gerade Zitate aus den Aufzeichnungen von von Khevenhüller geben tiefe und oftmals auch humorvolle Einblicke in das Hofleben. Besonders markant war bei ihr offensichtlich die Obsession nach ständiger Kontrolle der politischen Mit- und Gegenspieler. Aber selbst in Wien war es übliche Praxis, dass die Damen von hohem Stand zwei Männer hatten, einen für den Namen und einen für das Bett. Ein Umstand, der Maria Theresia neben ihrer permanenten Eifersucht einen „Keuschheitskommission“ einführen ließ, die u.a. Kutschen und Privatwohnungen kontrollierte. Dies ging selbst ihren engsten Vertrauten zu weit. Kontrolle betraf aber vor allem die Familie. Kaum ein Kind verließ den elterlichen Hof ohne Spitzel und Aufpasser.

 

Von der Fortpflanzung hing die Stabilität der gesamten herrschaftlichen Ordnung ab, die Weitergabe von Stamm, Rang, Namen, Gütern und Privilegien galt als Rechtfertigung für die Kontrolle der Sexualität. Aber wie sich gerade am Ende ihrer Regierungszeit zeigte scheiterte sie daran, alles und jeden zu kontrollieren. Stollberg-Rilinger beschreibt es als Ironie, dass sie ihren Kindern am wenigsten Vertraute, diese sogar gegeneinander  ausspielte, aber von denjenigen, denen sie am meisten Vertrauen schenkte, z.B. Kaunitz, am perfektesten hintergangen wurde.

Im Verständnis höchster Richter und Gesetzgeber zu sein, wählte sie "Iustitia et clementia" als Motiv ihrer Herrschaft, also im weitesten Sinne Gnade vor Recht ergehen lassen. Unveränderlich in ihrem Leben blieb aber der Bezug zur Religion. Sie war aufgrund des dynastischen Erbrechts von Gott zur Herrschaft beauftragt. Der Schutz der katholischen Länder, die Ehre der Dynastie und das Wohl der Erbländer waren für sie nicht zu trennen und sie trug einzig vor Gott – und nicht mittels des Papstes - Verantwortung für die Religion ihrer Untertanen. Ihre Anhängerschaft für den Jansenismus, eine Bewegung der katholischen Kirche mit dem Ziel der Rückbesinnung auf die ursprüngliche christliche Lehre, bildete immer wieder Konfliktstoff nicht nur mit dem Papst sondern auch mit ihren der Aufklärung gegenüber offenen Kindern.

Trotz eines unbändigen Willens und Kraft wurde es mit der Zeit immer schwieriger, an allen „Baustellen“ des Reichs und interfamiliär erfolgreich zu handeln. Sie arbeitete unermüdlich, ließ sich alles vorlegen, wollte alles prüfen oder lesen, ob nun Gerichtsurteile, Depeschen, Briefe oder auch Berichte über ihre Kinder. Dies wurde irgendwann zu viel, Quantität statt Qualität. Dies als sie insbesondere von der Aufklärung mit ihrem neuen Zeitgeist eingekreist wurde, mit dem sie überhaupt nichts anfangen konnte. Zwar hat auch sie Reformen eingeführt, die aber werde systematisch noch mit einem klaren Ziel versehen und deren Folgen für die Bevölkerung kaum nachweisbar waren. Die Kritik spürend, hat sie in ihrer Regierungszeit (1750/51 und 1755/56) zwei bedeutende Rechtfertigungsschreiben verfasst, die man später „Politische Testamente“
nannte. Ziel beider Schriften war es, bei ihren Nachkommen Verständnis für ihr Handeln zu finden.

Auch wenn das Buch über 850 (mit Anmerkungen, Bibliografien, Literaturverzeichnis etc. über 1.000) Seiten dick ist, ist es unheimlich kurzweilig. Trotz 300 Jahre zwischen dem heute und dem damals ist es gespickt mit Anekdoten und detaillierten Beschreibungen des Lebens an einem kaiserlich-königlichen Hof mit all seinen Ritualen und Besonderheiten. Viele Historiker schwelgen geradezu, Maria Theresia liebte ihre Untertanen und wurde von ihren Untertanen geliebt, ja angebetet. Voltaire nannte sie die „Herrscherin aller Herzen“, eine Art „Diana des 18. Jahrhunderts“ also. Aber neben der Darstellung von Maria Theresia und ihrer Entourage liefert das Buch, insbesondere im Rahmen der Erzählungen über ihre Töchter und Söhne, auch einen exzellenten Blick in die anderen europäischen Königshäuser und wer mit wem, wann, wie und wieso verknüpft und verbandelt war oder es – sehr zum Leidwesen der betroffenen Kinder - werden  musste (so z.B. die jüngste Tochter Antonia, die den französischen  Thronfolger Ludwig XVI. ehelichen musste und als Marie Antoinette Madame La Dauphine eine eigene historisch bemerkenswerte Persönlichkeit wurde).

Treu blieb sie aber nicht nur ihren Prinzipien und der alten Ordnung, treu blieb sie vor allem ihrem Mann, Kaiser Franz Stephan, und dies wirklich von Kindheit an bis zu dessen Tod am 18. Augst 1765, also 15 Jahre vor ihrem eigenen Ableben Dabei übersah sie wohl auch den einen oder anderen Seitensprung ihres Gemahls und akzeptierte, dass er ein schlechter Feldherr und Reichsführer war. Dieser hatte in der Politik nicht viel zu melden. Obwohl als Franz I. Stephan zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt, Maria Teresia war dies als Frau nicht möglich, hatte sie in allen Angelegenheiten „die Hosen an“ und er war nur schmückendes Beiwerk. Als Königin von Böhmen und Ungarn war sie mit Böhmen Teil, mit Ungarn außerhalb des Heiligen Römischen Reiches. Ich glaube, es gibt angenehmere Konstellationen für Ehepaare. Nach dem Tod ihres Gatten in tiefem Trauer, verstärkte sich mit der Übernahme der Kaiserkrone durch ihren Sohn Joseph sich ihre zunehmende (Lebens-)Unzufriedenheit. Es kam zu massiven Rollenkonflikten aufgrund gegensätzlicher Temperamente, Prinzipien, Denkrichtungen und Reformwilligkeit. Der Starrsinn beider Protagonisten, die Autorin spricht hier sehr treffend von einem kommunikativen Labyrinth“, führte dazu, dass sie sich mehr und mehr aus dem Wege gingen und auch für die Untertanen spürbar teils konträr und gegensätzlich regierten. Der 29. November 1780, der Todestag Maria Theresias, an dem Joseph sofort begann all die bisher durch seine Mutter blockierten Reformen in die Tat umzusetzen, war so gesehen für viele das Ende einer Epoche, aber für andere auch ein notwendiger Neubeginn, der Beginn einer neuen Ära.

Insgesamt also gleichermaßen ein Buch über die Königin wie über das Mitteleuropa im 18. Jahrhundert und über die Geschichte des Hauses Habsburg. Stollberg-Rilinger gelingt es unter sorgfältiger Auswahl und Verwendung all der Quellen und dem Wechsel von Prosa, Analyse und Zitaten meisterhaft, Maria Theresia so darzustellen, wie sie in ihrer damaligen Zeit wahrgenommen wurde. Mit der Weisheit des Rückblicks ist man immer schlauer, hilft aber meist nicht, die Entscheidungen der Zeit zu rechtfertigen oder zu verteufeln. Deshalb ist die Perspektive aus dem damals so wichtig. Die Autorin entmythologisiert sicherlich nicht Maria Theresia, dazu besteht auch kein Anlass. Unter dem Strich hat sie aus einem übernommenen Trümmerhaufen ein solides Haus hinterlassen. Aber sie geht trotzdem sehr kritisch mit ihrem Erbe um und rückt ihre jahrhundertlange Glorifizierung ins rechte Licht. Gerade ihr Widerstand gegen wirkliche Reformen und, im Gegensatz zu ihrem Sohn und späterem Kaiser Joseph II., gegen die Aufklärung, hinterlassen doch den Eindruck einer dem Traditionalismus zu sehr verfallenen und somit 100 Jahre zu spät geborenen Monarchin. Fortschritte in Wissenschaft und Technik sowie der aufkommende Freiheits- und Gleichheitsgedanken überspülten schließlich ihre Form von Regieren.

 

Fazit: Insgesamt ein Buch, das völlig zu Recht den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten hat und man geschichtsinteressierten Verwandten und Bekannten unbedingt unter dem Weihnachtsbaum legen sollte.

 

Andreas Pickel

5 Sterne
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© 2017 Andreas Pickel, Harald Kloth

Jojo Moyes: Kleine Fluchten

Geschichten vom Hoffen und Wünschen

 

Reinbek ; Wunderlich ; 2017 ; 136 Seiten ; ISBN 978-3-8052-0017-2

Dieses kleine hochwertige Büchlein enthält neun Kurzgeschichten der Bestsellerautorin Jojo Moyes.

Im Kern jeder Geschichte geht es um große Lebensthemen, um Schein oder Sein. Ist das Leben, das man führt auch wirklich so, wie man es sich vorgestellt hat? Oder könnte es ganz anders verlaufen, wenn die Weichen an bestimmten Stellen neu gestellt werden?

In jeder Geschichte lösen banale Dinge wie ein gefundenes fremdes Handy solche Was-wäre-wenn-Überlegungen aus und wirbeln das Leben der Protagonisten durcheinander. Kann die Erfüllung eines Herzenswunsches  – und sei es nur ein ganz bestimmter Mantel – wichtiger sein, als finanzielle Sorgen und Nöte?

Da führt die im Fitnessstudio vertauschte Tasche mit den darin enthaltenen tollen Schuhen plötzlich zu erfolgreichen Vertragsabschlüssen inklusive Sonderzahlung und gibt dem Leben eine neue Wendung.

Und kann es sein, dass ein Raubüberfall in einem Juweliergeschäft für zwei der Beteiligten in einer wunderschönen Erfahrung mündet? Am Ende geht es oft auch um die Erkenntnis, dass das Leben so wie man es führt eigentlich ganz in Ordnung ist.

Die wundervollen Illustrationen von Daniela Terrazzini geben jeder Geschichte dabei noch eine ganz besondere Note.

Für treue Leser von Jojo Moyes ist diese Kurzgeschichtensammlung ganz gut geeignet, die Zeit bis zum Erscheinen des neuen Romans zu überbrücken. Und Neulinge werden feststellen, welch grandiose Geschichtenerzählerin Jojo Moyes ist.

Fazit: Eine schöne Kurzgeschichtensammlung, die sich aufgrund der hochwertigen Ausstattung auch zum Verschenken eignet.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

Marie Tourell Søderberg : Hygge

Das große Glück liegt in den kleinen Dingen

 

München ; mvg ; 2017 ; 224 Seiten ; ISBN 978-3-86882-820-7

 

Die zufriedensten Menschen der Welt leben in Dänemark.

Das mag vielleicht daran liegen, dass die Dänen das Rezept zum Glücklichsein kennen. Die Hauptzutat dabei heißt Hygge.
Das Wort Hygge bedeutet im Kern Gemütlichkeit, steht aber für sehr viel mehr – beispielsweise auch dafür, sich an den kleinen Dingen im Leben zu erfreuen.

Mit diesem Buch möchte die dänische Schauspielerin Marie Tourell Søderberg ihren Leserinnen und Lesern das Konzept von Hygge nahebringen.

 

In dem schön bebilderten Buch kommen sehr viele Menschen zu Wort, die erklären, welchen Stellenwert Hygge in ihrem Leben einnimmt und wie sie am liebsten hyggeln. Neben diesen sehr persönlichen Erfahrungen gibt es auch zahlreiche praktische Tipps und Rezepte für viele hyggelige Momente im Alltag.

Damit sich Hygge einstellen kann, müssen die persönliche Einstellung und auch die Atmosphäre stimmen. Erzwingen lässt sich dabei nichts. Wenn es im Herbst von Tag zu Tag grauer und dunkler wird, sehnt man sich auch außerhalb Dänemarks nach Wärme und gemütlicher Atmosphäre.

 

Aber wie die Autorin sehr schön verdeutlicht, ist in jeder Jahreszeit Platz für Hygge. Ob man nun die ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling genießt oder den Duft des Sommers in Form von Marmelade in Gläsern konserviert – zu jeder Zeit gibt es die kleinen Momente, die das Leben noch ein wenig lebenswerter machen.
Man muss sie nur erkennen und zu nutzen wissen.

 

Und weil sich wahre Freude nur auskosten lässt, wenn sich jemand anderes mitfreut, macht zusammen hyggeln natürlich am meisten Spaß.

Dieser wunderbare Ratgeber, der sehr persönliche Erfahrungen mit allgemeinen Tipps und Informationen kombiniert, transportiert mit jeder Zeile und jedem Bild die unaufgeregte dänische Lebensart.

Einziger Kritikpunkt an dem Buch ist die viel zu kleine Schriftgröße des Textes. Diese hätte ruhig größer ausfallen dürfen. So wirken die Texte leider stets etwas verloren auf dem weißen Grund.

Fazit: Dieses Buch ist für alle, die Lebensfreude à la Dänemark kennenlernen oder verschenken möchten und sollte wirklich in jedem Bücherregal stehen.

 

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Sonja Kraus, Harald Kloth

Dora Heldt: Im Grunde ist alles ganz einfach

Vom Weltuntergang, von freien Gehirnzellen und Frauenparkplätzen

 

München ; dtv ; 2017 ; 214 Seiten ; ISBN 3-423-25389-4

 

Auf 215 Seiten widmet sich die Autorin Situationen, Begebenheiten und Gedankengängen, die dem Großteil der Leserinnen und Leser bekannt vorkommen dürften. Dabei handelt es sich nicht um die großen Katastrophen im Leben, die uns aus der Bahn werfen. Es sind vielmehr die kleinen Schikanen des Alltags, die Dora Heldt gekonnt und auf amüsante Art und Weise präsentiert.

Das Buch ist eine wahre Fundgrube: Beziehungsprobleme, Einkaufen, Familie, Urlaub, die beste Freundin und viele weitere Themen bieten ein schier unerschöpfliches Repertoire an menschlichen Kuriositäten. Keineswegs übertrieben jedoch schonungslos offen setzt sich die Autorin in kurzen Geschichten von meist drei bis vier Seiten Umfang damit auseinander.

Das Taschenbuch eignet sich hervorragend zum Überbrücken lästiger Wartezeiten, als kurzweiliger kleiner Schmöker für zwischendurch oder als 'Schmunzeltablette' im Alltag. Die erfrischende Situationskomik ist Garant für spontane Lacher und gute Laune.

 

Dieses Taschenbuch erschien als ungekürzte Ausgabe 2017 bei dtv Großdruck, ist aber auch in Normaldruck erhältlich.

Fazit: Kurzweilig, amüsant, geschenktauglich.

 

Elisabeth Gonsch

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth

Oliver Pötzsch: Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf

Die Henkerstochter-Saga, Band 7

Historischer Roman

 

Berlin ; Ullstein ; 2017 ; 681 Seiten ; ISBN: 978-3-548-28837-6

 

Vorgängerband: Die Henkerstochter und das Spiel des Todes

 

Der Schongauer Henker wurde in den Rat der zwölf – eine zunftähnliche Vereinigung der besten bayerischen Henker – berufen. Zusammen mit seiner Familie macht sich Jakob Kuisl auf den Weg nach München. Dort angekommen, bekommt er es gleich mit einigen Leichenfunden zu tun. Mehrere junge Frauen wurden offensichtlich vom selben Täter umgebracht. Da die Morde an Hinrichtungen erinnern, wird man schnell auf die Gruppe der Henker aufmerksam. Als auch noch einer von ihnen getötet wird, und Kuisl selber einem Mordversuch entgeht, sieht er sich zum Handeln gezwungen.

Wie immer mischen alle Kuisls, mehr oder weniger freiwillig und tatkräftig, im Geschehen mit und tragen somit ihren Teil zur Aufklärung bei. Denn neben dem Treffen der Henker, das schnell in den Hintergrund gerät, haben einige Familienmitglieder ganz eigene Beweggründe für ihren Aufenthalt in der aufstrebenden, Bayerischen Residenzstadt an der Isar.

Im nunmehr siebten Band seiner Henkerstochter-Saga gelingt es dem Autor spielend verschiedene, voneinander scheinbar unabhängige, Ereignisse zu einem großen Ganzen zusammen zu führen. Er stellt Beziehungen zwischen Täter und Opfern her, die sich am Ende als schlüssig und stimmig herausstellen. Durch überraschende Wendungen kommt keine Langeweile auf. In manchem trostlosen Szenario finden sich sogar humorvolle Momente, die die Geschichte auflockern. Oliver Pötsch bindet auch konkrete historische Ereignisse und Persönlichkeiten in seine Erzählung ein. So lässt er in der Beschreibung Münchens die besondere architektonische Entwicklung unter dem Einfluss der Kurfürstin Henriette Adelaide anklingen. Die Bildsprache gelingt ihm so gut, dass man die Personen in ihrer Umgebung vor Augen hat. Der Schreibstiel ist wie immer flüssig.

Beiläufig skizziert Oliver Pötsch in diesem Historischen Roman auch seine Henker von der illustren Persönlichkeit bis hin zur traurigen Gestalt. Dem Leser wird somit einmal mehr vor Augen geführt, dass Menschen hinter den geächteten Männern standen, die  mehr als  dunkle, grausame Gestalten waren. 

In einem ruhigen aber spannenden Finale offenbart sich ein Täter, dessen Motive durchaus zu denken geben. Hier spricht Oliver Pötsch wieder mal eine zeitlose und schwierige Thematik an.

Für Leser die es genauer wissen wollen, bietet der Band zusätzlich eine Karte des historischen München, ein Personenverzeichnis, und einen Stadtführer mit empfohlenen Touren „Auf den Spuren der Henkerstochter“.

Fazit: Ein sehr gelungener und  lesenswerter historischer Kriminalroman den man auch ohne die Lektüre der vorangegangenen Bände lesen kann.

Cornelia Krellner

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Cornelia Krellner, Harald Kloth

Jérémy Fel: Die Wölfe kommen

Thriller

 

München ; dtv ; 2017 ; 397 Seiten ; ISBN 3-423-26143-9

 

Der Debütroman von Jérémy Fel nimmt seinen Anfang in den siebziger Jahren in Kansas, als ein Teenager sein Elternhaus anzündet und damit seine Eltern ermordet. Es folgen weitere Kapitel, die den Namen des jeweiligen Protagonisten tragen und von abgrundtief bösen Gewalttaten oder Morden handeln. Dadurch erscheint der Roman erst als eine beliebige Aneinanderreihung von Kurzgeschichten, die sich teils in den USA und teils in Europa abspielen. Allerdings merkt man bald, wenn man das Buch aufmerksam liest, dass es Beziehungen zwischen den Protagonisten der einzelnen Kapitel gibt.

 

Diese raffinierte Erzählweise und die Verflechtungen der einzelnen Personen und Handlungen machen diesen Thriller zu einem literarisch sehr interessanten Thrillerdebüt. Jérémy Fel gelingt es die Spannung kontinuierlich zu steigern und lässt uns in menschliche Abgründe blicken. Er beschreibt die teils sehr blutigen und gewalttätigen Szenen in allen Einzelheiten, so dass sich dieses Buch nicht für zartbesaitete Gemüter eignet. Der Schreibstil ist flüssig und der Autor schafft es trotz der ständig wechselnden Hauptpersonen gute Charakterbeschreibungen abzuliefern.

Fazit: Ein sehr interessant konstruierter Thriller, der sich aufgrund seiner ungewöhnlichen Erzählweise von den meisten seines Genres unterscheidet. Aufgrund der sehr detailliert beschriebenen und brutalen Gewaltszenen nichts für schwache Nerven. Auf weitere Werke dieses Autors darf man gespannt sein.

 

Katrin Hildenbrand

5 Sterne
5 von 5

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© 2017 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth