Brian Azzarello / Jim Lee

Superman - Die Rückkehr

Band 1

Bei dem völlig überraschten Pater Leone in Metropolis taucht ER auf - Superman. Der ehemals strahlende, makellose Held und Prototyp aller Superhelden wird von seinem Gewissen gequält. Eine Katastrophe hat die Welt verändert: eine Million Menschen, einschließlich Supermans Frau Lois, sind spurlos verschwunden. In Rückblenden erzählt er dem jungen Priester die Geschichte seines Versagens. Den kaum hörbaren galaktischen Hilferuf von Green Lantern, die Beendigung eines grausamen Bürgerkrieges in einem Wüstenstaat auf Erden und den Kampf gegen einen Supersöldner namens Equus. Derweil scheint sich die Justice League of America (JLA) gegen Superman zu stellen.


Der in den 30er Jahren von Jerry Siegel und Joe Shuster geschaffene Superman ist einer der bekanntesten Comic-Charaktere weltweit. Zutiefst mit den amerikanischen Werten verwurzelt, war Superman immer eine positive Identifikationsfigur, kämpfte sogar im zweiten Weltkrieg auf Seiten der Allierten. Der (fast) unbesiegbare Weltenretter als außerirdische Lichtgestalt - aber ohne charakterliche Ecken und Kanten?


Autor Brian Azzarello (100 Bullets) und die Zeichner Jim Lee und Scott Williams (Batman - Die neuen Abenteuer: Hush) erschaffen die Superman-Figur in einem visuell aufregenden Stil. Einer der schönsten Panels findet sich gleich am Anfang: engelsgleich schwebt Superman in der Kirche herab - beeindruckend und furchterregend zugleich. Während der Geschichte ist sein Kopf meist gesenkt, viele Schatten geben seiner Gestalt eine Finsternis, wie man sie bisher nur bei Batman vermutete. In Batman: Hush hatte Lee bereits die Figur des dunklen Detektivs neu interpretiert und zeichnerisch großartiges geleistet.


Als Extra finden sich neben einer zweiseitigen Einleitung durch Brian Azzarello, sieben Titelblätter der DC-Superman-Comics 204 bis 209 und fünf Seiten Skizzen und Gedanken des koreanischen Zeichners Jim Lee.


Siehe auch Superman - Die Rückkehr: Band 2.


Fazit: Eine gelungene, mutige Neuinterpretation, die dem Superman-Mythos neue und vor allem düstere Facetten abgewinnt. Gut und Böse verschwimmen auch für Superhelden in einer komplizierter gewordenen Welt - ein Hinweis auf die Realität des 21. Jahrhunderts.


Harald Kloth

4 Sterne
4 von 5

© 2006 Harald Kloth