Früher war noch mehr Lametta - Hinterhältige Weihnachtsgeschichten

Früher war noch mehr Lametta

Hinterhältige Weihnachtsgeschichten

von Loriot, Ingrid Noll, Friedrich Dürrenmatt, Doris Dörrie, Jonathan Franzen, Martin Suter, Raymond Carver und anderen

Zürich ; Diogenes ; 2006 ; 298 Seiten ; ISBN: 3-257-23588-7


Nach den hinterhältigen Weihnachtsgeschichten in Früher war mehr Lametta nun Früher war noch mehr Lametta ...


Gleich zu Anfang des Buches kommt die Geschichte der Weihnacht bei Familie Hoppenstedt. Ein Klassiker des genialen Loriot! Wie hat Opa Hoppenstedt so sinnig bemerkt: „Weihnachten kann auch das Gegenteil von einem Fest der Freude sein!“ Dies zieht sich durch die gesamte Sammlung dieser wirklich hinterhältigen und ganz und gar unheiligen Weihnachtsgeschichten, die Daniel Kampa gesammelt und herausgegeben hat.

 

Es wäre zu umfassend, hier auf alle einzelnen Geschichten oder Gedichte einzugehen, die allesamt von hochkarätigen Autoren verfasst worden sind. Um nur ein paar zu nennen: Doris Dörrie, Jonathan Franzen, John Updike, Siegfried Lenz, Robert Gernhardt, David Sedaris, Alice Munro.

 

Neben Loriots Klassiker finden sich noch mehrere weitere humorvolle Geschichten, wie zum Beispiel der Text von Ingrid Noll, die die biblische Weihnachtsgeschichte aus Sicht der Jungfrau Maria erzählt oder Axel Hackes Beschreibung der Not des Ehemannes, der kein Geschenk für seine Frau findet. Ebenso witzig sind Topors „Zwölf Möglichkeiten, Weihnachten zu entgehen“.

 

Auf der anderen Seite enthält die Sammlung aber die eine oder andere Geschichte, die nachkenklich stimmen und auch in gewisser Weise verstören können. So findet sich in Anton Cechovs „Ein Traum“ ein Leihhaustaxator, der die Waren an die Armen verschenkt und dafür im Straflager landet. In Dürrenmatts desaströsem „Durcheinandertal“ endet die Heilige Nacht in einem Flammeninferno. Tragisch ist auch Reiner Zimniks Gsangl, der sich als Nikolaus auf der Betriebsweihnachtsfeier seinen gesamten Frust über Kollegen und Vorgesetzte von der Seele redet. In Fjodor Dostojewskis trauriger Geschichte „Weihnacht und Hochzeit“ wird ein kaum sechzehnjähriges Mädchen aufgrund der üppigen Mitgift mit einem wesentlich älteren Mann zwangsverheiratet.

 

Wer ein erklärter Weihnachtsromantiker ist, dem dürften manche dieser Geschichten nicht unbedingt die Weihnachtszeit versüßen. Es ist sehr unterhaltend, in diesem Lesebuch zu schmökern, man darf aber keinesfalls kitschige Weihnachtsstimmung mit Glockenklang und Stiller Nacht im trauten, harmonischen Familienkreis erwarten. Trotzdem wird jeder darin etwas für sich finden, worüber er lachen oder nachsinnen kann. Ein absolutes Muss ist das Buch in jedem Fall für Weihnachtsmuffel, da die Geschichten so manchen Schrecken oder Irrsinn der Weihnacht mit all ihren Ritualen darstellen.

 

Fazit: Mit diesem Buch kann man prima sich selbst und seine Lieben beschenken!

 

Tanja Lentner

4 Sterne
4 von 5

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© 2007 Tanja Lentner, Harald Kloth