Sabine Friedrich: Die wunderbare Imbissbude

Ein Roman mit Mordabsichten

München ; Piper ; 1999 ; 168 Seiten ; ISBN 3-492-22772-4

 

Der Mikrokosmos „Imbissbude“ steht im Mittelpunkt dieses turbulenten und hinreißenden Romans von Sabine Friedrich. Obwohl bereits im Jahre 1999 bei Piper erschienen, passt er mehr denn je in unsere, immer schnelllebiger werdende Welt, in der augenscheinlich nur noch Erfolg, Schönheit, Jugend und schnöder Mammon zählen.

 

Gut dass es Yvonne Bartsch gibt: Sie ist stolze, überzeugte Imbissbuden-Besitzerin und ist immer und jederzeit für ihre, meist männlichen Kunden da. Damit sind jedoch nicht nur Imbissbuden-Leckereien wie Bratwurstsemmel, Currywurst, Veggie-Burger oder das kühle Blonde gemeint; sie stillt ihren Kunden in ihrer Würstchenbude noch ganz andere, sehr „fleischliche„ Gelüste. Völlig klar, dass diese Situation ihrem Ehemann Gerd auf die Palme bringt. Dabei sieht sich Yvonne keinesfalls als ausgenutzt oder Lustobjekt - nein, sie sieht sich als Sozialarbeiterin, die das nützliche mit dem genüsslichen verbindet.

 

Als Gerd jedoch beginnt, ihre Imbissbude und damit ihr Heiligtum, ihr Ein und Alles zu bedrohen, schmiedet sie zusammen mit ihrer Freundin Laila einen perfiden, mörderischen Plan nach dem anderen, um ihren Ehemann zu beseitigen.

 

Die Autorin entwickelt aus diesem wunderbaren Stoff eine herrlich schräge, nicht ganz ernst gemeinte, leicht erotisch angehauchte Komödie, in einer eher selten literarisch gebrauchten, hier jedoch absolut passenden Sprache, die die Protagonisten herrlich plastisch, glaubhaft und dem sozialen Milieu entsprechend erscheinen lässt. Oft sind es jedoch nur kleine Andeutungen, humorvolle Auslassungen, frivole Wortspielerein oder einfach nur ganz und gar nicht geschriebenes, mit dem es Sabine Friedrich schafft, unsere Phantasie (vor allem die der männlichen Leser!?) blühen zu lassen.

 

Wer tiefschürfende oder lehrreiche Unterhaltung sucht, ist mit diesem Roman nicht gut beraten. Diese wirklich gelungene Edel:eBook-Ausgabe von Sabine Friedrich besticht durch ihre einfache, klare Sprache, überzeichnete und trotzdem glaubhafte Protagonisten und viele, teils spritzige, teils süffisante Episoden und Kleinigkeiten. Mein Tipp: sofort auf den Reader laden, lesen und lächeln!

 

Fazit: Dieser fast 15 Jahre alte Roman kommt so modern, spritzig, unterhaltsam und flott rüber, dass man dieses Buch als gute, humorvolle Unterhaltungs-Literatur einfach nur empfehlen kann.

 

Wolfgang Gonsch

 

4 Sterne
4 von 5

© 2013 Wolfgang Gonsch, Harald Kloth