Birgit Vanderbeke

Geld oder Leben

Roman

 

Kaum erschienen, hat man ihn auch schon wieder verschlungen, den neuen Roman von Birgit Vanderbeke. Auf leider wieder nur knapp 140 Seiten geht es der Autorin diesmal darum, woran ein Mensch glauben kann und soll. Um Werte, um Glück und um die Schnelllebigkeit unserer heutigen Zeit.

 

Anknüpfend an ihre Erfolgsromane Alberta empfängt einen Liebhaber oder Muschelessen besticht die Autorin abermals mit ihrer leichten Sprache und ihrem unverwechselbaren Stil nach Art des inneren Monologs, mit diesen langen Sätze und ihrer herrlichen Detailverliebtheit.

 

Die Ich-Erzählerin wächst im Osten auf, bei ihrer Oma, die an Hüte und im Herbst an Pfifferlinge glaubt. Doch die Eltern beginnen, an die Freiheit zu glauben und gehen in den Westen. In das Haus der Oma kommt die Erzählerin erst wieder, als diese gestorben ist. Sorglose Verwandte werfen die Gläser mit den eingemachten Pfifferlingen weg. Die Erzählerin nimmt einige mit zu sich nach Hause.

 

Im Westen lernt das heranwachsende Mädchen, dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt. Die vielen PS und die viele Freiheit, die neu erfundene Sprühsahne - alles hat letztlich negative Folgen und der einstige Glanz ist bald verblasst. Die Ehe der Eltern zerbricht, der Bruder Matz wächst zu einem markengläubigen und geldverliebten Jüngling heran, die Wirtschaft boomt durch Betrug, bevor sie zusammenbricht. Selbst das Studium, das die Erzählerin macht, funktioniert nach einem Schema, das lediglich durchschaut werden muss.

 

Doch die Erzählerin bleibt kritisch und sicherheitshalber sich selbst treu. Lässt sich nicht durch Fernsehen und Werbung beeinflussen und merkt, dass vieles, woran die meisten glauben, weniger Bedeutung hat als Luft, die ja immerhin zu etwas nütze ist. Sie bleibt bei Pilzen und Hüten, die sie selber sammelt und näht, auch wenn sie anderweitig machtlos ist, etwa bei ihrem Sohn, der Fersehen und Schokoriegel liebt. So ist sie eben, unsere Welt.

 

Fazit: Birgit Vanderbeke hinterfragt kindlich-humorvoll und dennoch so pointiert, dass man sich berechtigterweise über den Sinn und Unsinn unserer Zeit Gedanken machen muss. Sehr empfehlenswert.

 

Christa Roßmann

5 Sterne
5 von 5

© 2003 Christa Roßmann, Harald Kloth