Max Annas: Morduntersuchungskommission

Roman

 

Hamburg ; Rowohlt ; 2019 ; 345 Seiten ; ISBN: 978-3-498-00103-2

Otto Castrop, 32 Jahre alt, lebt mit seiner Frau Birgit und den drei Kindern Kathrin, Mike und Ruth in Gera und arbeitet dort bei der Polizei in der Sondereinheit Morduntersuchungskommission (MUK). Dort ist er Teil eines ausschließlich männlichen Teams. Neben ihm gehören noch dazu: Heinz Thiel, Günther Cierpinski, Rolf Reim und Konnie Krumbach. Bei jedem Todesfall, der nur den Anschein erweckt, dass es sich nicht um eine natürliche Todesursache handelt, wird die Sondereinheit aktiv. So werden sie tätig, nachdem Frau Radunek die Treppe runterfiel.

Die Ermittlungen ergeben schnell, dass sie nicht von selbst gefallen ist und ihr Ehemann gerät unter Verdacht. Als der sich dann in der Untersuchungshaft umbringt, wird der Tod von Frau Radunek als Selbstmord deklariert. Otto hat so seine Schwierigkeit mit diesen Praktiken. Als dann neben den Bahngleisen eine dunkelhäutige Leiche gefunden wird laufen die Ermittlungen fast rund um die Uhr und schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem Toten um Teo Macamo, einen mosambikischen Staatsbürger handelt, der in den WEMA-Werken tätig war.

Die Ermittler finden so manche Zusammenhänge, doch eines Morgens verkündet der Leiter der MUK, dass die Sache nicht weiter verfolgt wird. Otto kann es nicht fassen, vor allem weil er ja weiss, wie bestialisch die Tötung stattgefunden hat. Er macht, was im Verborgenen bleiben muss: Ermittlungen auf eigene Faust, ohne weiterem Partner.

Er setzt dabei nicht nur seine Karriere aufs Spiel, sondern gefährdet damit auch seine ganze Familie, denn er ist für den Familienunterhalt zuständig. Durch akribische Raffinesse findet er Josefa Krahmer, eine ältere Frau, die gesehen hat, wer für den Tod von Teo verantwortlich ist. Otto wäre ein schlechter Ermittler hätte er nicht den Namen eines Täters gefunden: Heiko Silber. Aber wie kann er den bzw. die Täter festmachen, wenn das System alles daran setzt, dass keine Ermittlungen erfolgen?

Mit wem kann Otto über seine Ermittlungsergebnisse reden? Da gäbe es durchaus Möglichkeiten: sein Bruder Bodo, Mitarbeiter beim Ministerium für Staatssicherheit oder Marion, Ottos Geliebte, von der keiner weiß, dass es sie gibt. Max Annas lässt seinen Roman im Jahr 1983 spielen. Die DDR existiert und es sind noch keine Erosionserscheinungen des Systems erkennbar.

Das kleinbürgerliche Milieu der 80er Jahre in der Ostrepublik ist ein gelungener Schauplatz für die Geschichte um den Ermittler Otto Castrop. Sehr detailgenau lässt Max Annas die DDR wiederauferleben. Beim Lesen entsteht der Eindruck, als ob die Serie "Weissensee" als Vorbild fungiert hat.

Man kann gespannt sein, wie die Sache weitergeht, denn das Buch wurde als Auftakt einer Reihe vorgestellt.

Fazit: DDR-Nostalgie im Spitzenformat.

 

Matthias Wagner

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2019 Matthias Wagner, Harald Kloth