Regine Rompa: Unser Hof in der Bretagne

Neuanfang zwischen Beeten, Bienen und Bretonen

 

Hamburg ; Rowohlt Polaris ; 2019 ; 255 Seiten ; 978-3-499-63426-0  

 

Die beiden Mitdreißiger Regine Rompa und ihr Freund Anton haben das Großstadtleben in Berlin satt. Zu laut, zu voll, zu viel Stress und zu wenig Zeit für Dinge, die glücklich machen. Sie wollen endlich ein sinnvolles Leben führen und bewusster leben. Als freie Autorin und Programmierer können die beiden eigentlich von überall arbeiten – vorausgesetzt es gibt eine gute Internetverbindung. Sie verkaufen ihre Eigentumswohnung und machen sich auf die Suche nach einer neuen Heimat. Als sie einen alten Hof in einem kleinen Dorf in der Bretagne entdecken, reisen die beiden dorthin.

Und das obwohl die beiden so gut wie kein Französisch sprechen. Im Dorf Kerjégu leben dauerhaft nur noch zwei alte Damen, andere Häuser werden lediglich als Feriendomizile genutzt und sind nur wenige Wochen im Jahr bewohnt. Als Regine und Anton das reetgedeckte Häuschen und die dazugehörigen 13.000 Quadratmeter Land sehen, verlieben sie sich sofort und bekommen zum Glück auch den Zuschlag. Der Wechsel vom Überangebot der Großstadt Berlin in ein winziges Dorf ohne öffentlichen Nahverkehr, ohne Lieferdienste oder Abendgestaltungsmöglichkeiten wie Kino und Theater macht den beiden aber nichts aus.

Im Gegenteil - nun kommt ihnen zugute, dass sie bereits in Berlin immer schon Sehnsucht nach dem Landleben hatten – sie haben sich haufenweise Bücher zu den Themen Landleben und Selbstversorgung gekauft von denen sie jetzt profitieren können. Denn das ist ein Ziel der beiden – sich möglichst selbst zu versorgen und mehr im Einklang mit der Natur zu leben.

Zumindest im Hinblick auf das Essen stellt das für die beiden Vegetarier kein Problem dar. Sie legen Gemüsebeete an und obwohl ein unerwarteter Kälteeinbruch viele Setzlinge zerstört, können die beiden im Laufe des ersten Jahres schon eine ganze Menge an Gemüse ernten. Nach und nach lernen Regine und ihr Freund auch andere Auswanderer in der Gegend kennen. Und da gibt es einige, die auch auf der Suche nach dem einfachen Leben auf dem Land aus den unterschiedlichsten Gegenden in die Bretagne gezogen sind.

Dieser Austausch bereichert auch Regines und Antons Leben und man hilft sich gegenseitig. Schon bald entschließen sich die beiden zur Hühnerhaltung, ein zweiter Hund wird aufgenommen und sie erreichen, dass ihr Land zum Wildtierschutzgebiet erklärt wird, was bedeutet, dass künftig auf dem Gelände nicht mehr gejagt werden darf.

Die Autorin Regine Rompa schildert in ihrem Buch, wie sie zusammen mit ihrem Partner Anton die Zelte in der Großstadt Berlin abgebrochen und in einem kleinen Dorf in der Bretagne - mittendrin im Nirgendwo  – einen Neuanfang gewagt hat. Manchmal hat man zwar das Gefühl, die unangenehmen Erlebnisse wurden für das Buch im Nachhinein etwas weichgespült, aber an sich schadet das dem Buch auch nicht sonderlich. Im Zentrum steht die Frage, wie man heute leben will.

Ob man verantwortungsbewusst mit der Natur umgeht, wie Konsum (auch Fleischkonsum) hinterfragt werden kann und was man eigentlich braucht, um ein glückliches und erfülltes Leben zu führen.

Fazit: Unterhaltsamer Aussteigerbericht.

Sonja Kraus

4 Sterne
4 von 5

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© 2019 Sonja Kraus, Harald Kloth