Wargames - Kriegsspiele

(1983)

 

In den 1980er Jahren wurde die Gefahr eines Atomkriegs wieder so groß, wie seit der Kubakrise 1962 nicht mehr. Verschiedene Spielfilme setzten sich mit dem Thema ernsthaft auseinander. Richteten sich us-amerikanische Filme wie "The Day After" oder "Testament" vor allem an ein erwachsenes Publikum, so wurde mit "Wargames" vor allem ein jugendliches Publikum angesprochen.

 

In diesem nun schon über 35 Jahre alten Thriller des Spannungsspezialisten John Badham ("Das fliegende Auge/Blue Thunder", "Gegen die Zeit/Nick of Time") löst ein jugendlicher Hacker aus Versehen fast den Dritten Weltkrieg aus. Er kommuniziert dabei mit dem Supercomputer "W.O.P.R." und spielt das (für ihn vermeintliche) Spiel "Weltweiter Thermonuklearer Krieg".

 

Wer die 1980er mochte, der wird auch heute noch mit "Wargames" gut unterhalten. Matthew Broderick als Hacker Lightman nebst Freundin (Ally Sheedy) sind perfekt besetzt. Naturgemäß sind die technischen Aspekte eher schlecht gealtert. Das Internet, wie wir es heute kennen, lag erst in den Anfängen. Aber "Wargames" war einer der ersten Filme, in denen Hacker überhaupt dargestellt wurden.

 

Der eigentliche Hauptdarsteller im Film ist aber keine Person, sondern ein Ort. Das Kontrollzentrum NORAD (Nordamerikanisches Luft- und Weltraum-Verteidigungskommando) wurde mit hohem Aufwand in einer riesigen Studiokulisse dargestellt. Dies entsprach zwar so nicht der Realität, wirkt im Film aber sehr effektiv.

 

Die bemerkenswerteste Szene des Films ist vielleicht am Anfang zu sehen. Ein Offizier im Raketensilo verweigert sich dem Befehl zum Start der Atomwaffen. Letztendlich wird diese Handlung aber als Übung entlarvt. Die menschliche Dramatik und die Irrationalität der gegenseitigen Vernichtung verpuffen damit leider schon bei Beginn. Was bleibt ist ein Film, der der Faszination für Computerspiele völlig erliegt. Kritik am Militarismus oder an Atomwaffen wird man hier nicht finden.

 

Die 2012 erschienene Blu-ray enthält als Sonderausstattung einen Audiokommentar von Regisseur John Badham und den Drehbuchautoren. Außerdem enthalten ist ein Making Of, ein Bericht über Hacker, die Geschichte von NORAD und ein sehr witziges Filmchen über das Spiel Tic Tac Toe (das im Film eine eminent wichtige Rolle spielt).

 

Siehe auch: "Die Atombombe" im utopischen Fernseh- und Spielfilm.

 

Fazit: Auch heute noch spannender 80er Jahre-Thriller, der sich vornehmlich an computeraffine Teenies richtete und mit seiner Mischung aus Thriller und Atomkriegsangst den Nerv seiner Zeit traf. Technisch allerdings arg angestaubt. Fragwürdig erscheint aus heutiger Sicht das fehlende Aufzeigen der fürchterlichen Folgen von Atomwaffen.

 

Harald Kloth

3/4 Sterne
3/4 von 5

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© 2019 Harald Kloth