Celeste Ng: Kleine Feuer überall

Roman

 

München ; dtv ; 2018 ; 384 Seiten ; ISBN 978-3-423-28156-0  

 

Elena Richardson lebt ein Bilderbuchleben im kleinen Städtchen Shaker Heights, einem Vorort von Cleveland. Ein tolles Haus, ein als Anwalt erfolgreicher Ehemann und vier ganz unterschiedlich begabte Kinder. Noch dazu keinerlei finanzielle Nöte, denn neben ihrem Job als Journalistin vermietet Mrs Richardson das von den Eltern geerbte Haus an der Winslow Road. Doch das Vermieten ist eher ein wohltätiger Akt, da die Familie das Geld nicht wirklich benötigt. Die Mieter werden sehr sorgsam ausgewählt. Stets nimmt Mrs Richardson diejenigen, bei denen sie das gute Gefühl hat, diese seien besonders bedürftig und sie, Elena Richardson, tue damit etwas Gutes.

 

Als die alleinerziehende Fotokünstlerin Mia Warren und deren Teenagertochter Pearl als potentielle Mieter vor der Tür stehen, ist die Sache gleich klar - sie erhalten die Wohnung. Die beiden wollen sich nach dem nomandenhaften Leben, das sie bisher führten in Shaker Heights niederlassen und sesshaft werden.

 

Nicht zuletzt Mrs Richardson selbst leistet einen enormen Beitrag dazu, dass sich Pearl mit ihren Kindern anfreundet. Zwischen dem Sohn Moody und Pearl entwickelt sich bald eine innige Freundschaft und auch die Tochter Lexie nimmt die jüngere Pearl unter ihre Fittiche. Deren Bruder Trip, der auf cooler Typ macht, bleibt Pearl gegenüber vorerst reserviert und Izzy ist vielmehr von Pearls Mutter Mia Warren und ihrer künstlerischen Arbeit fasziniert und möchte gar nicht mehr von ihrer Seite weichen.

 

Das was Pearl bisher fremd war - ein normales Teenagerleben - wird von Tag zu Tag selbstverständlicher. Pearl muss aber auch bald die Schattenseiten des Teenagerseins erleben. Aufgrund der starken Anziehungskraft, die das Mutter-Tochter-Gespann auf ihre Kinder ausübt, erwacht der journalistische Eifer in Mrs Richardson und sie beginnt, in der Vergangenheit zu wühlen um mehr über ihre Mieterinnen herauszufinden. Dabei erfährt sie Dinge, die sie vorerst aber für sich behält. Innerhalb der Familie Richardson behält ohnehin fast jeder gerne gewisse Dinge für sich und verheimlicht sie vor den anderen.  

 

Diese Heimlichkeiten sind es dann letztlich auch, die das ganz heile Leben ins Wanken bringen. Wie kleine Feuer breiten sie sich überall aus. Sie entfalten ihre zerstörerischen Kräfte ausgerechnet dann, als es keiner erwartet - mit erschreckenden Folgen für alle Beteiligten. 

 

Nach "Was ich euch nicht erzählte" hat die Bestsellerautorin Celeste Ng mit "Kleine Feier überall" erneut einen sehr mitreißenden Familienroman geschaffen. Im Laufe der vielschichtigen Erzählung erhält man einen tiefen Einblick in die Abgründe der menschlichen Existenz. Im Mittelpunkt steht immer die Frage danach, wie die Menschen zu denen wurden, die sie sind.   

 

Fazit: Ein grandios konstruierter Roman, der einen ab und an erschaudern lässt, weil er die menschlichen Abgründe so gut darzustellen vermag.

 

Sonja Kraus

5 Sterne
5 von 5

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© 2018 Sonja Kraus, Harald Kloth