Thordis Elva: Ich will dir in die Augen sehen

Thordis Elva / Tom Stranger

Ich will dir in die Augen sehen

Eine Frau trifft den Mann, der sie vergewaltigt hat

München ; Knaur ; 2017 ; 345 Seiten ; ISBN 3-426-21412-1

Im Buch „Ich will dir in die Augen sehen: Eine Frau trifft den Mann der sie vergewaltigt hat“ erzählen die Isländerin Thordis Elva und der Australier Tom Stranger von der mühsamen Aufarbeitung der Vergewaltigung der zur Tatzeit erst 16-jährigen durch ihren damaligen Freund Tom.


Erst Jahre nach der Vergewaltigung begreift Thordis, dass nicht sie schuld daran ist und beginnt ihrem Ex-Freund, der inzwischen wieder in Australien lebt, E-mails zu schreiben. Tom Stranger, der von Schuldgefühlen geplagt wird, und in einer Art von innerem Gefängnis gefangen ist, antwortet auf diese E-mails und so entsteht ein jahrelanger Mailwechsel. Allerdings müssen beide feststellen, dass es nicht reicht und für die endgültige Aufarbeitung eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht nötig ist. Dazu treffen sich beide 20 Jahre nach der Tat in Kapstadt, verbringen mehrere Tage miteinander und sprechen sich aus, um die Vergewaltigung endlich hinter sich zu lassen.


Der Großteil des Buches wird aus der Sicht von Thordis Elva geschildert, die obwohl sie inzwischen Mutter eines kleinen Sohnes ist und in einer glücklichen Beziehung lebt, die Tat nicht hinter sich lassen kann.


Nach einigen Kapiteln sind auch Auszüge aus Toms Tagebuch in Kapstadt aufgeführt, so dass man auch seine Sicht und seine Gefühle besser erfährt.
Mit jedem Tag und trotz Rückschlägen gelingt es Thordis und Tom besser die Tat aufzuarbeiten und ihre Gefühle in den Griff zu bekommen. Wird es Thordis am Ende gelingen ihrem Vergewaltiger zu vergeben?

Der Schreibstil von Thordis Elva ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Die Tagebuchauszüge von Tom sind stilistisch nicht so gut geschrieben. Dennoch besticht dieses Buch durch die Offenheit und Ehrlichkeit von Opfer und Täter.

Thordis Elva ist eine erstaunliche und mutige Frau, die mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit ging, um anderen Opfern von sexueller Gewalt Mut zu machen und Hoffnung zu geben, dass man auch nach einer solchen Tat sein Glück finden kann.


Ebenfalls bewundernswert ist das Verhalten von Tom Stranger, der sich mit diesem Buch einer großen Öffentlichkeit stellt und zu seiner Verantwortung steht.

Fazit: Ein lesenswertes Buch, das das Tabuthema Vergewaltigung durch den eigenen Partner, thematisiert.

 

Katrin Hildenbrand

4 Sterne
4 von 5

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© 2017 Katrin Hildenbrand, Harald Kloth