Witwe

Fiona Barton

Die Witwe

Reinbek bei Hamburg ; Wunderlich ; 2016 ; 426 Seiten ; ISBN 978-3-8052-5097-9

 

Der Debütroman der früheren Gerichtsreporterin Fiona Barton handelt von Jean Taylor deren vermeintliches häusliches Glück mit ihrem Ehemann Glenn zusammenbricht, als ein kleines Mädchen namens Bella verschwindet und plötzlich Polizei und Presse vor ihrer Haustür stehen. Auch nach dem Tod von Glenn kehrt bei Jean keine Ruhe ein, denn Bellas Mutter, die Polizei und die Presse suchen weiter nach Bella und sind sicher, dass Jean mehr weiß als sie vorgibt…

Der Roman beginnt mit der Schilderung aus der Ich-Perspektive der Witwe wie sie von einer Journalistin Kate Waters kurz nach Glenns tödlichen Unfall in ihrem eigenen Haus überfallartig zu einem Interview über ihren Ehemann und die Geschichte um die verschwundene Bella gedrängt wird. Die Erzählperspektive wechselt in jedem Kapitel mal zur Journalistin, mal zum Detective Bob Sparkes, der den Fall Bella um jeden Preis aufklären möchte. Die Autorin führt mit Rückblenden seit Bellas Verschwinden und zu den frühen Jahren der Ehe von Jean und Glenn den Hintergrund der Geschichte aus. Hauptsächlich ist das Buch jedoch aus Sicht von Jean Taylor geschrieben. So wird ihr Innenleben und Gefühlschaos deutlich beschrieben.


Jean, die „ihren“ Glenn jung geheiratet hat, und immer zu dem gutverdienenden Bankmitarbeiter aufgeschaut hat, muss im Laufe der Zeit erkennen, dass sie viel zu lange weggesehen hat und ihre kinderlose Ehe in den letzten Jahren sehr unglücklich war. Als ihm der Prozess wegen des Besitzes von kinderpornographischem Material gemacht wird, hält Jean noch zu ihm. Langsam bröckelt jedoch das Vertrauen in „ihren“ Glenn und sie zweifelt an seiner Unschuld. Auch die anderen Personen sind sehr authentisch beschrieben:

Dawn, die etwas leichtsinnige alleinerziehende Mutter von Bella, die alle Möglichkeiten in den Medien ausschöpft, ihre Tochter wiederzufinden. Kate Waters, die Journalistin, die zwar anfangs noch sympathisch wirkt, später jedoch ihr wahres Ich zeigt. Detective Bob Sparkes dagegen, der am Fall Bella fast zerbricht, weil er sich so sehr in Fall hineinsteigert.

Erschreckend wird die Rolle der Medien beschrieben, die um jeden Preis ihre Story bekommen möchten und dafür die Privatsphäre ihrer „Opfer“ völlig ignorieren. In diesem Buch wird deutlich was passiert, wenn man einmal in den Fängen der Medien ist.

Erst auf den letzten Seiten wird klar, was vier Jahre zuvor mit Bella tatsächlich passiert ist. Die Autorin schafft es mit ihrem packenden Erzählstil, dass sich dieses Buch nur schwer aus der Hand legen lässt. 

Fazit: Dieser Psychothriller ist ein echter Pageturner, der behutsam und voller Wendungen die Geheimnisse einer unglücklichen Ehe enthüllt.

 

Katrin Scharf

5 Sterne
5 von 5

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© 2016 Katrin Scharf, Harald Kloth