Krieg der Sänger

Robert Löhr

Krieg der Sänger

Roman

München ; Zürich : Piper, 2013. - ISBN: 978-3-492-30289-0

Der Sängerkrieg auf der Wartburg gehört zu den bekanntesten Themen mittelhochdeutscher Spruchdichtung des 13. Jahrhunderts. Am Hof des Landgrafen von Thüringen sollen um 1200 die damals besten Minnesänger ihrer Zeit um die Dichterkrone gekämpft haben. Der Verlierer sollte seinen Kopf einbüßen. Ob es diesen Wettstreit wirklich gab, ist nicht belegt.


Das nimmt Robert Löhr zum Anlass seine eigene Version zu verfassen. Wer hier eine Geschichte mit umfangreichen Wortgefechten in mittelalterlicher Minne erwartet, wird enttäuscht. Der Autor legt sein Hauptaugenmerk auf die Sänger und deren Hintergrund, Charaktere und Befindlichkeiten. Dabei orientiert er sich ein wenig an den spärlichen Überlieferungen und füllt den Rest mit Erfundenem aus. Die Kontrahenten bestehen teils aus realen Figuren wie Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach, aber auch aus historisch nicht belegten Sängern wie Biterolf von Stillaha und Heinrich von Ofterdingen.

Der Teufel tritt als Erzähler auf. Sein Zuhörer ist kein Geringerer als Martin Luther. Ihm will er mit seiner Version der „wahren“ Geschichte um den Sängerwettstreit die Übersetzung der Bibel ins Deutsche ausreden. Der erste Teil wartet mit wenigen Highlights auf. Die Protagonisten werden vorgestellt, Grund der Zusammenkunft und Zustandekommen des obskuren Wettstreits werden beschrieben. Die Hauptfigur, Biterolf von Stillaha, aus dessen Sicht die Erzählung beschrieben wird, wirkt blass und langweilig. Lediglich der Ofterdinger sorgt mit seinem Erscheinen und provokantem Handeln für Abwechslung. Soviel zur offiziellen Geschichte.

Im zweiten Teil wird es spannender. Biterolf deckt hinter dem Wettstreit ein Komplott des Landgrafen auf. Der Verlierer des Sängerstreits kämpft um sein Leben. Auch den anderen Sängern haucht Löhr nun mehr Leben ein. Nun beginnt der wahre Wettkampf in Form eines blutigen und verlustreichen Gefechts.

Fazit: Mit viel Fantasie peppt Robert Löhr die Geschichte auf, entfernt magische Elemente und macht sie um einiges blutrünstiger. Damit scheint er sie an die Unterhaltungsbedürfnisse unserer Gesellschaft anpassen zu wollen. Die Handlung erscheint somit auch realistischer. Löhr legt das menschliche Wesen mit seinen Stärken und Schwächen gnadenlos offen indem er Falschheit, Einfalt, Bestechlichkeit aber auch Treue und Ehre in seinen Roman hinein packt. Der Schreibstiel gefällt mir sehr gut. Trotzdem hat die Geschichte nicht von Anfang bis Ende gefesselt.


Cornelia Krellner

3 Sterne
3 von 5

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© 2015 Cornelia Krellner, Harald Kloth