Zweite Weltkrieg

Antony Beevor

Der Zweite Weltkrieg

100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges erschienen unzählige Publikationen über die „Urkatastrohe des 20. Jahrhunderts.“ Da überrascht es, dass fast zeitgleich die deutsche Ausgabe eines bereits 2012 fertiggestellten Buches von Anthony Beevor über den Zweiten Weltkrieg erschien. Einmal mehr beweist der britische Kriegshistoriker in diesem Werk seine Fähigkeit, die weitläufigen und sehr komplexen Zusammenhänge einzelner Schauplätze, Entscheidungen und Maßnahmen in verständlicher Art und Weise zu verknüpfen und so dem Leser eine hervorragende Gesamtschau des Zweiten Weltkriegs zu liefern.


Beevor beeindruckte bereits in der Vergangenheit mit hochspannend zu lesenden Büchern wie Berlin 1945: Das Ende, Stalingrad sowie D-Day: Die Schlacht um die Normandie und gilt zu den herausragenden Autoren über den Zweiten Weltkrieg. Da war es nur konsequent nun ein Gesamtwerk über diesen weltumspannenden Krieg zu schreiben – und wie er zugibt, er wurde von seinen Lesern auch nachhaltig dazu „gedrängt“. Und es ist wirklich beeindruckend, wie er den Leser über alle Kriegsschauplätze hetzt, vom Atlantik, über Europa und Afrika bis in den Pazifik und uns dazu auch noch an allen wesentlichen bi- und multilateralen Gesprächen und Konferenzen teilnehmen lässt.


In Insgesamt 50 Kapiteln zeigt er Zusammenhänge, gemeinsame Vorgeschichten, gegenseitige Dependenzen und „Wirk-Ursache-Prinzipien“ auf und verliert trotz zeitlicher und räumlicher Sprünge quer durch alle Kontinente, zu keiner Zeit den Leser. Die Ursachen des Zweiten Weltkrieges dürfen natürlich in einer derartigen Gesamtschau nicht fehlen. Obwohl alleine darüber mehrbändige Bücher geschrieben wurden, bringt es der Autor auf wenigen Seiten komprimiert auf den Punkt: Großbritannien dämmte das Deutsche Reich nicht ein, um den Status Quo auf dem europäischen Kontinent zu erhalten und Frankreich war 1938, auch psychologisch, noch nicht bereit für einen neuen „Grande Guerre“ In beiden Ländern wurden Hitlers Pläne nicht für Ernst genommen und jeder anderslautende Meinung als Kriegshetze abgekanzelt. Der Nichtangriffspakt der Sowjetunion mit Nazideutschland war ein weiterer wesentlicher Grund für den Kriegsausbruch. Letztendlich führte die Agitation Hitlers dazu, dass er ein ganzes Volk fast widerspruchslos hinter sich scharen konnte. Dabei hätte man nur lesen und hören und vor allem auch glauben müssen, was Hitler geschrieben und bei seinen Reden verkündet hat: Die Herrschaft zumindest über Europa in kürzester Zeit. Am 1. September lieferte ein von der SS inszenierter Überfall Polens auf eine deutsche Zollstation nicht nur den Auslöser für den „Fall Weiß“, die Invasion in Polen, sondern die ersten Toten waren makabrer Weise Häftlinge eines Konzentrationslagers in polnischen Uniformen. Der Polenfeldzug als „Probelauf für Hitler‘s späteren Rassenkrieg gegen die Sowjetunion“ hatte begonnen.


Im Folgenden springt Beevor einmal um die ganze Welt und zurück, beleuchtet scheinbar Bekanntes aus einem anderen Blickwinkel und fesselt so den Leser. Geschickt bindet er Charakterstudien sowie Handlungs- und Denkweisen bekannter Protagonisten wie Churchill, Rommel oder Schukow in seinen Beschreibungen mit ein. Er behandelt die Eifersüchteleien und Eitelkeiten der Oberbefehlshaber an den unterschiedlichen Kriegsschauplätzen mit der Konsequenz unnötigen Blutvergießens durch mangelhafte Koordination und widerlegt ganz nebenbei die „Blitzkriegsstrategie“ in der er die anfänglichen Erfolge der Deutschen Wehrmacht eher der Improvisation und dem Können der Kommandeure vor Ort als einer klaren Strategie Hitlers oder seiner führenden Generäle im Oberkommando der Wehrmacht zuspricht. Faszinierend fesselnde Geschichten des „kleinen Mannes“, sei es als Zivilist oder in Uniform runden dieses monumentale Werk ab. Hitler und Stalin gaben sich nichts in ihrem Wahnsinn, eine ganze Armee, wenn nicht ein ganzes Volk für ihre Zwecke zu missbrauchen und zig-Millionen in den Tod zu führen. Dem Rat der Militärs misstrauend, wurden falsche und unzweckmäßige Befehle gegeben, die für die Umsetzung notwendigen Mittel und materielle Vorbereitung gar nicht oder nur unzureichend zur Verfügung bzw. sichergestellt. So hat Stalin hat mit seinem berüchtigten Befehl Nr. 227 („Keinen Schritt zurück“) am 28.07.1942 den sinnlosen Tod Hunderttausender seiner Soldaten verursacht. Viele davon fielen nicht im Kampf, sondern wurden wegen „Feigheit“ von eigenen Soldaten erschossen.


Aber auch an den anderen Protagonisten wie Churchill, Roosevelt, Montgomery, McArthur, Schukow und sogar an Rommel lässt er kein gutes Haar. Entweder zu manipulativ, zu übervorsichtig, zu leichtsinnig, zu arrogant oder zu egoistisch. Keiner, so der Autor, hatte wirklich das Zeug zu Helden. Hitler ist für Beevor die Versinnbildlichung eines eitlen, jähzornigen und unfähigen Politikers und Militärstrategen, noch mehr, als bisher bereits angenommen. Die Befehle Hitlers machten in jeder Phase die Widersinnigkeit des Krieges und die Fehlplanungen des „GröFaZ“ (Größter Feldherr aller Zeiten) deutlich, der aus militärischer Sicht eher wie ein „Gefreiter“ handelte, der er de facto auch war. Den Zerfall der Deutschen Wehrmacht hat er an der obersten Spitze ohne Zweifel bewirkt. Die Art und Weise, wie Hitler seine Macht militärisch missbrauchte wurde zum zerstörerischen Element für die kämpfenden Verbände. Hitlers Sinn im Kriege lag spätestens ab 1943 auch im Untergang des deutschen Volk, hat es sich doch als das Schwächere im Kampf auf Leben und Tod erwiesen. Der Krieg der „Verbrannten Erde“ (manifestiert in dem späteren sogenannten „Nero-Befehl“), sollte im eigenen Land fortgeführt werden. Allerdings war Hitler bei aller Sturheit und Beratungsresistenz auf der militär-politischen und militär-strategischen Ebene sowie bezüglich der Führung eines gesamtheitlichen Krieges den meisten seiner Generalen voraus, die sich eher im „klein-klein“ verstrickten. So ist heute unbestreitbar, dass es nicht nur die Fehler Hitlers waren, sondern insbesondere auch unfähige, vom Ehrgeiz getriebene völlig an der Realität vorbei handelnden und die Realität verkennende, meist auch amtsmüde Generale die das Dritte Reich in den Untergang trieben.


Beevor will mit seiner Gesamtschau über den Zweiten Weltkrieg Aspekte aufzeigen, die gerade bei den Geschichtsinteressierten im europäischen Raum bisher kaum oder weniger bekannt sind oder nur unzureichend untersucht wurden, gerade auch deren Implikationen auf die mitteleuropäischen Gefechtsfeldern. Was zum Beispiel allgemein weniger bekannt ist, bereits einige Tage vor dem (offiziellen) Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 kam es zu einem schicksalshaften Gefecht: Die Schlacht am Chalchin Gol an der chinesisch-mongolischen Grenze zwischen Russland und Japan, in der sich der russische General Schukov seine ersten Meriten verdiente. Nach anfänglichen japanischen Erfolgen gelang es der russischen Armee seinen Gegner fast vollständig aufzureiben. In einem ersten Waffenstillstandsabkommen wurde der Status quo wieder hergestellt. Entscheidenden Einfluss auf den weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs hatte jedoch der 1941 folgende Nichtangriffspakt zwischen Russland und Japan, da beide Länder so ihre Ressourcen auf andere Schauplätze konzentrieren konnten. Auch im Weiteren widmet sich Beevor intensiv den kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten, im pazifischen Raum. Wie er richtig anmerkt, war im Vorfeld gerade der japanisch-chinesische Konflikt lange Zeit in seiner Bedeutung für den Zweiten Weltkrieg unterschätzt oder gar ausgeblendet worden. Dabei kam es in China zu den massivsten Truppenzusammenziehungen der Japaner im gesamten Fernen Osten und bald wurden auch die Sowjetunion und die USA in diesen weitläufigen Kriegsschauplatz mit einbezogen. Mit der Eroberung Burmas im April 1942 war Japan mit der Besetzung von nun fast ganz Südostasiens am Zenit seines Machtstrebens.


Besonderer Aufmerksamkeit widmet Beevor auch dem unzähligen Kriegsverbrechen der japanischen Soldaten. Japan war mit seiner „Großasiatischen Sphäre gemeinsamen Wohlstands“ Hitler‘s Manie nach einem großgermanischen 1000-jährigen Reich sehr ähnlich und verübte Verbrechern nicht nur in den besetzten Gebieten, sondern auch gegenüber der eigenen Armee, dem eigenen Volk. Beispiele gibt es dazu bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, als in den Schlachten um Shanghai und Nanjing im Jahr 1937 die /Furia Japonica/ mit unglaublicher Brutalität gegen die Bevölkerung vorging und die abscheuliche Massaker und Massenvergewaltigungen verübte. Die Soldaten, so Beevor, kämpften nicht für den Kaiser, sondern für Familie und Gemeinschaft und wurden in ihren Tötungsorgien zu entmoralisierten Kampfmaschinen, für die das eigene und das Leben anderer nichts Wert war. Diese Entmenschlichung des Militärs fand man selbst bei der deutschen SS nicht. Aber Beevor beschreibt auch und mit nicht minderer Hingabe die sukzessive Zurückeroberung der pazifischen Inseln durch die USA und ihrer Verbündeten. Wendepunkt im Pazifikkrieg war hier die Schlacht um Midway im Mai 1942, als es Japan trotz aller Anstrengungen nicht gelang, die US-Pazifikflotte zu zerschlagen. Im Gegenteil, vier japanische Flugzeugträger und ein Kreuzer wurden versenkt (einem größeren Publikum bekannt ist jedoch die Rückeroberung der Insel Iwo Jima im Februar/März 1945, bekannt auch durch den preisgekrönten Film von Clint Eastwood). Trotz Tonnen von Bomben und Granaten zu Beginn des Angriffs wurden die japanischen Verteidigungsanlagen, darunter ein 25km langes Tunnelsystem, nur minimal beschädigt und die amerikanischen Soldaten mussten sich quasi zentimeterweise und mit großen Verlusten voran arbeiten. Am 23. Februar 1945 wurde schließlich der Vulkan Suribachi erobert und der Sternenbanner auf dessen Gipfel gepflanzt, bald ersetzt durch eine weitaus größere Flagge. Dieses Bild ging um die Welt. Sehr zu schaffen machten den Alliierten die japanischen Selbstmordkommandos, die Kamikaze-Flieger. Dabei den nur unzureichend gepanzerten Schiffen der US Navy deutlich mehr als der Royal Navy Großbritanniens. Die Aussage „Wenn ein Kamikaze auf einen US-Flugzeugträgerstürzt, bedeutet das 6 Monate Reparatur ... Auf einem Träger der Tommys heißt es in dem Fall nur: Kehrer, an die Besen!“ sagt alles. Trotz sukzessivem Zurückdrängen der kaiserlichen Armee lief lange nicht alles nach Plan für die USA. Schuld war die uneinige Strategie zwischen den Teilstreitkräfte. Insbesondere zwischen dem Befehlshaber der alliierten Truppen im Pazifik, General MacArthur und der US Navy kam es immer wieder zu Streitigkeiten und persönlichen Befindlichkeiten und Eitelkeiten bezüglich des weiteren Vorgehens. Nur der Rückgriff auf und der Einsatz von immensen Ressourcen (übrigens ein Umstand, der auch heute noch den USA einzig zu militärischen Erfolgen verhilft), führte zum Erfolgt. Aufgrund des Willens der japanischen kaiserlichen Armee, bis zum letzten Mann zu kämpfen, deren Fähigkeit zur biologischen Kampfführung, den unverändert intensiven Kamikaze Angriffen sowie der japanischen Weigerung, die Niederlage einzugestehen, entschied sich die amerikanische Administration nach zähem Ringen zum Einsatz zweier Atombomben, am 6. August auf Hiroshima und am 9. August 1945 auf Nagasaki. In Folge dessen rief der japanische Kaiser am 15. August zur Kapitulation auf, am 30. August landeten amerikanische Truppen auf japanischen Boden und am 2. September kapitulierte Japan offiziell an Deck des Schlachtschiffes „USS Missouri“.


Während in Deutschland nach Kriegsenden die verübten Kriegsverbrechen in unzähligen Prozessen zumindest teilweise gesühnt wurden, die Geschehnisse nach und nach aufgearbeitet wurden und man den Deutschen dafür sogar von der jüdischen Weltgemeinschaft auch heute noch hohen Respekt zollt, wurde und wird stattdessen in Japan bis in die heutigen Zeit ein Mantel des Schweigens über die Verbrechen der japanischen Führung gestülpt. Dies insbesondere auch an den eigenen Soldaten, die sich allein gelassen mancherorts sogar selbst auffraßen. Beevor räumt natürlich auch dem Holocaust ausreichend Raum ein, der unsäglich mit dem Krieg der Deutschen Wehrmacht verknüpft ist. Der Genozid am jüdischen Volk wurde, so der Autor, so geheim wie möglich gehalten, band aber groteskerweise Zehntausende zur grausamen Umsetzung ein. Quer durch alle Berufsgruppen und Gesellschaftsschichten wurden bis dato unbescholtene Bürger zu Tätern, eine Tatsache, deren Eingeständnis erst viele Jahre nach der Kapitulation erfolgte. Auf der anderen Seite stand die zumindest moralisch sehr fragwürdige Massenbombardierung deutscher Innenstädte und somit wehrloser Alter, Frauen und Kinder durch Großbritannien. Dies teils aus Rache gegen das Wüten der Deutschen Wehrmacht, so der Autor, aber auch aus blanker Hilflosigkeit der Briten, auf andere Art und Weise das Hitler Regime einzudämmen.


Der Schwerpunkt von Beevor liegt aber eindeutig auf die Gefechte und Schlachten und das kann Beevor wie kein Zweiter erzählen. Mehrmals betont er auch das unvorstellbare Durchhaltevermögen der deutschen Soldaten. Deren Zähheit und unbändigen Willen haben die Gegner stets unterschätzt, so dass sich die Deutsche Wehrmacht nach einer vermeintlichen Katastrophe immer wieder erholte. Schlecht bekleidet gerade für den Winterkampf, unrasiert, durchsetzt von Läusen, vom Durchfall und gefrorenen Gliedmaßen geplagt sowie vor allem auch unterernährt waren sie trotz allem immer noch zu Höchstleistungen in der Lage. Manche Berichte Beevors dazu lassen einem das Blut in den Adern gefrieren, auch „Kannibalismus“ und sogar „Menschenfresserei“ bleibt uns nicht erspart. Besonders erschaudernd ist die Beschreibung eines Stilllebens eines kleinen Mädchens: „Eine riesige Fläche bis zum Horizont voll von Panzern, unseren und deutschen. Dazwischen Tausende Russen und Deutsche, die sitzend, stehend oder kriechend steifgefroren waren. Manche lehnten aneinander, andere waren wie in einer Umarmung erstarrt ... viele fehlten die Beine. Die hatten ihnen unsere Infanteristen abgenommen, die den Fritzen die Schuhe ausziehen wollten…“ – ohne Worte. Hitler jedoch von derartigen Massentötungen und menschlichen Leiden in den Gefechten nichts hören - Genauso wie bei der Vernichtung der Juden.


Gewaltvorstellungen sollten möglichst abstrakt gehalten werden, was, so Beevor, ein bedeutsames psychologisches Paradox einer Person darstellte, die mehr als jede andere dafür tat, Gewalt zu fördern. Gegen Ende schließt Beevor etwas zu abrupt. Ein eigenes Kapitel über die Folgen des Krieges wäre wünschenswert gewesen. 60 bis 70 Millionen Tote, dazu unzählige Millionen von Verwundeten, Verstümmelten, körperlich wie seelisch, alleine dadurch beeinflusste dieser Krieg die folgenden Generationen wie kein Zweiter Die Nachkriegsordnung ist für Beevor auf einen einfachen Nenner zu bringen: Die Befreiung der einen Hälfte Europas kostete die Versklavung der anderen Hälfte, der Überlassung der stalinistischen Sowjetunion. Aus der Zerschlagung des nationalsozialistischen Deutschlands und Japans folgte so kein langanhaltender Friede. Insbesondere viele Bürgerkriege und innerstaatliche Konflikte folgten.


Beevor liefert detailversessen Fakten, hält sich aber mit einer subjektiven Meinung zurück. Dieses Urteil überlässt er dem Leser. Er fragt auch nicht nach dem „war wäre gewesen, wenn ...“, aber auch er sieht die Kriegserklärung an die USA im Dezember 1941 als den Wendepunkt des Krieges. Selbst Hitlerloyale Offiziere, die Generale im Führerhauptquartier wurden übrigens überhaupt nicht um ihren Ratschlag befragt, mit etwas mehr Weitblick erkannten nun, dass ein gleichzeitiger Krieg gegen Großbritannien, die Sowjetunion und den USA nicht gewonnen werden konnte. Da konnte Ribbentrop noch so großspurig tönen: „Eine Großmacht lässt sich nicht den Krieg erklären, sie erklärt ihn selbst“. Aber das Ende des Jahres 1941 war auf allen Kriegsschauplätzen der Wendepunkt, sei es im Pazifik, das Scheitern der deutschen Wehrmacht vor Moskau, sei es im Atlantik oder auch in Afrika (siehe dazu auch Ian Kershaw, Wendepunkte - Schlüsselentscheidungen im Zweiten Weltkrieg). Danach wurden zwar noch einzelne (taktische) Schlachten gewonnen, aber die strategisch wichtigen Siege verbuchten von nun an nur noch die Alliierten.


Beevor liefert nicht immer Neues, zu viel ist über diesen Krieg schon geschrieben worden, zu intensiv fast jedes Detail untersucht worden. Aber er liefert neue Perspektiven, erzählt die Geschichte z. B. Stalingrad mal nicht aus Sicht der Deutschen, sondern aus der der noch wesentlich mehr Leid geplagten Russen und eröffnet so einen ganz neuen Blickwinkel auf die Schlacht. Ebenso zeigt er Zusammenhänge des Krieges im Pazifik auf den mitteleuropäischen Raum auf, der so einer größeren Leserschaft noch nicht bekannt war. Lange genug schienen der Krieg im Pazifik und der Expansionskrieg Hitlers zwei separate Kriege zu sein. Doch die Schlacht am Chalchin Gol ließ Japan seinen Hauptangriff nach Süden führen, was den Kriegseintritt der USA provozierte und andererseits hatte Stalin so genügend freie Ressourcen für die Schlacht im Westen gegen Hitler. Wer weiß, wie die Geschichte sonst geendet wäre.


Auch wenn Beevor bei seiner Darstellung einen ganzheitlichen Ansatz wählt, muss er seinen Gesamtblick immer wieder in einzelne Puzzelteile aufbrechen, zeitlich wie räumlich, um sie dann wieder, teils neu sortiert, zusammenzusetzen. Der Nachweis, dass es sich um nur den einen Zweiten Weltkrieg und nicht um zwei oder mehrere getrennte Konflikte handelte, gelingt ihm exzellent. Jedes seiner 50 Kapitel liefert genügend Stoff, um eine eigenes Buch zu füllen. Es bleiben Beevor also noch 47 Bücher zu schreiben ...


Fazit: Beevor gelingt eine wahrlich beeindruckende Gesamtansicht über den Zweite Weltkrieg.


Andreas Pickel

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2014 Andreas Pickel, Harald Kloth