Di

09

Sep

2014

Kaffee in Wien

Kaffee in Wien

Folgende Fragen kennt so ziemlich jeder Wien-Tourist, wenn er wieder nach Hause kommt: Mensch toll, warst du auch auf dem Steffel, in Schönbrunn, in der Hofburg, in der Spanischen Hofreitschule, auf der Gloriette oder beim Heurigen? Aber eine noch viel wichtigere Frage wird selten gestellt: Warst du im Imperial, im Prückel, im Mozart, im Jelinek, im Freud oder gar im Hawelka? Sollte man hier von seinem Gegenüber einen fragenden Blick ernten, dann war er garantiert nicht in Wien, zumindest nicht so richtig! Denn das ist Kultur bzw. Wien pur: das Wiener Kaffeehaus!

 

Schon bei der Aussprache dieses herrlichen Wortes Kaffee, dem nicht nur Peter Cornelius ein musikalisches und Robert Musil oder Helmut Qualtinger ein literarisches Denkmal setzten, gehört nicht wie im Deutschen das A oder das F betont, sondern das A ganz kurz gehalten, ein leicht scharfes Übergangs-F betont und schließlich das Doppel-E ganz zärtlich, ganz liebevoll heraus gehaucht. Und ganz allein durch die Art der Aussprache bringt einen doch das Wort Kaffee schon zum Dahinschmelzen!

 

Aber in diesem kleinen City-Guide aus dem Holzbaum-Verlag geht es nicht nur um die klassischen Wiener Kaffee-Häuser, schließlich ist auch in Wien alles einer ständigen Entwicklung unterworfen. Es werden auch ganz neue „In“-Kaffees präsentiert, und selbst solche fanden in diesem kleinen Führer ihren Platz, die dem neumodischen „Cofe to go“ oder „Cafe 2 go“ verfallen sind. Für viele ist das jedoch das Ende der Kaffehaus-Kultur, ein richtiggehender Frevel! Denn zu einem guten Kaffee gehört nicht nur der Genuss des Getränks an sich, sondern auch der Flair des Ortes, das leise rascheln der Tageszeitung, der Duft der Torte oder des Gebäcks dazu, die gedämpft herüber schwebenden Gesprächsfetzen vom Nachbartisch und vor allem natürlich: Zeit und Muße! Und dazu passt der Geschmack eines Papp- oder Plastikbechers mit der Ausstrahlung einer Bahnhofs-Toilette so überhaupt nicht!

 

In dem informativen Büchlein gibt es aber noch vieles mehr: in sieben Kapiteln erfährt man u.a. auch den Weg der Bohne vom Strauch bis in die Tasse, lernt einiges über die Kaffeezubereitung, bekommt einen sehr schönen Einblick in das Wiener Kaffeehaus an sich und liest sich auch durch einiges Skurriles rund um den Kaffee.

 

Abgerundet wird das Ganze von einer Aufzählung und kurzen Einführung in die jeweiligen guten alten Kaffeehäuser und auch jungen Hippen sowie was man sich alles zu einem richtig guten Kaffee dazu servieren lassen sollte. 

 

Kaffee ist halt mehr als nur ein Getränk, es ist ein Stück Kultur - nicht nur, aber vor allem in Wien!

 

Fazit: Hoch die Tassen und den Einspänner, Verlängerten, die Melange oder das Kaffeetscherl genießen – am Besten in Wien und mit diesem kleinen, liebevoll zusammen gestellten Kaffeehaus-Führer.

 

 

Wolfgang Gonsch

5 Sterne
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© 2014 Wolfgang Gonsch, Harald Kloth

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