Martin Walker: Reiner Wein

Martin Walker

Reiner Wein

Der sechste Fall für Bruno, Chef de police

Dass Martin Walker in seinen Romanen gerne über schwarze Trüffel, Foie gras oder die sehr süffigen Bergerac-Weine schreibt, ist kein Geheimnis und seine Fangemeinde liebt es. Also verwundert es einen auch keineswegs, dass in seinem sechsten Bruno-Krimi das Kulinarische nicht zu kurz kommt. Und auch dieses Mal stehen wieder Geschichte und Politik, also Krieg und Korruption im Focus des Falles.

 

Hierzu rührt er wieder einiges zusammen: In der Hand eines alten Résistance-Kämpfers findet sich ein alter Geldschein, tausend Franc. Allerdings eine, die Bruno, Chef de police von Saint-Denis, noch nie zuvor gesehen hat. Sie wurde im Dezember 1940 gedruckt, ist also eine Vichy-Banknote. Der Verdacht liegt nahe, dass sie von dem legendären Zugüberfall stammen, den die franz. Wiederstands-Bewegung im Jahre 1944 hier in dieser Gegend begangen hat. Es geht hierbei um eine gigantische Summe, die umgerechnet in die heutige Währung in etwa 300 Millionen Euro betragen würde. Es geht auch um Schmiergelder, die im Rahmen des Marshall-Plans eingesetzt wurden und um das französische Nuklearprogramm, das in den 1970er Jahren massiv von den USA unterstützt wurde.

 

Außerdem geht es in diesem Fall noch um eine Serie von Raubüberfällen, in denen alleinstehende, feudale Ferienhäuser ausgeraubt werden. Bei einem der Bestohlenen handelt es sich um einen ehemaligen Geheimdienst-Chef, was wiederrum Brunos alte Flamme Isabelle auf den Plan und zurück nach St. Denis bringt.

 

Und natürlich menschelt es bei Martin Walker auch wieder gehörig; Bruno muss sich – was ihm durchaus schwer fällt - zwischen zwei Frauen entscheiden: Isabelle oder seine „verrückte“ Engländerin Pamela. Und auch hier gibt es einschneidende Ereignisse und Neuigkeiten, die vieles in einem neuen Licht erscheinen lassen und alles zusätzlich verkomplizieren.

 

Das Historische sowie alle Fakten und Begebenheiten sind wie immer bei Martin Walker hervorragend recherchiert und gefühlvoll in den Plot eingearbeitet. Sogar Bruno entwickelt sich dieses Mal spürbar weiter, er mutiert vom alles könnenden Supermann zu einem sympathischen, sich nach einer Familie sehnenden Mann, mit Fehlern, Träumen und auch Tränen.

 

Alles in allem ist dieser sechste Band jedoch ganz schlicht und einfach gesagt: normale Unterhaltungsliteratur. Leider geht der geniale Erzähler Martin Walker wieder konsequent nach Schema F vor und scheut sich erneut Unvorhersehbares bzw. Überraschendes einzubauen.

 

Fazit: Alles wie immer, man freut sich auf den nächsten und ist doch etwas enttäuscht.

 

Wolfgang Gonsch

3 Sterne
3 von 5

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© 2014 Wolfgang Gonsch, Harald Kloth

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