Simon Braund: Die besten Filme, die Sie nie sehen werden

Die unveröffentlichten Meisterwerke der Starregisseure

 

Oetwil am See ; Edition Olms ; 2014 ; 256 Seiten ; ISBN 978-3-283-01174-1

 

Kennen Sie den Film Gladiator II von Ridley Scott mit Russel Crowe? Oder Ronnie Rocket von David Lynch? Oder Leningrad von Sergio Leone? Nein? Kein Wunder, denn diese Filme haben leider nie das Licht der Kinoleinwand erblickt! Sie gehören zu den Projekten, die nie das Stadium von Storyentwürfen, unfertigen Drehbüchern, Storyboards oder Konzeptentwürfen verlassen haben.

 

Die Gründe für das Scheitern von Filmprojekten sind unterschiedlich. Finanzierungssorgen, kreative Differenzen mit Studios und Produzenten, merkwürdige Drehbuchideen oder gar der Tod von Filmemachern und Darstellern können zum Ende von Filmideen führen.

 

Herausgeber Simon Braund teilt dieses 256seitige Hardcoverbuch in sechs Kapitel auf. Einige Beispiele der über 50 unvollendeten Filmprojekte, die in diesem wunderbaren Buch von verschiedenen Filmredakteuren und Journalisten besprochen werden:

  • Die 20er bis 50er Jahre

Nichterscheinungsjahr 1936: Fast wäre mit A Princess of Mars der erste Kino-Zeichentrickfilm entstanden. Stattdessen wurde das Mars-Abenteuer von Edgar Rice Burroghs erst 2012 als Realfilm mit mäßigem Erfolg adaptiert.

  • Die 60er Jahre

Nichterscheinungsjahr 1967: Mit dem expliziten Thriller Kaleidoscope wollte Alfred Hitchcock wieder an den Erfolg früherer Filme anknüpfen. Doch Universal/MCA fürchteten um die Marke Hitchcock. Dieser dreht schließlich 1972 Frenzy.

  • Die 70er Jahre

Nichterscheinungsjahr 1972: Der Komiker Jerry Lewis wollte die Greultaten der Nazis mit Ironie entlarven und drehte The Day the Clown cried. Obwohl eine Rohfassung existiert, wird sie wegen Rechtsstreitigkeiten unter Verschluss gehalten.

  • Die 80er Jahre

Nichterscheinungsjahr 1981: Drei Jahre vor seinem viel zu frühen Tod stellte Sam Peckinpah ein Drehbuch namens The Texans fertig. Das überlange Skript wurde zum Streitfall, den die Autorenvereinigung schlichten musste.

  • Die 90er Jahre

Nichterscheinungsjahr 1995: Paul Verhoeven und Arnold Schwarzenegger hatten schon bei Total Recall prächtig zusammgearbeitet. In Crusade sollte die Grausamkeit der Kreuzritter gezeigt werden. Dem Studio Carolco waren 130 Millionen Dollar zu teuer.

  • Die 2000er Jahre

Nichterscheinungsjahr 2001: Hunderte von Matrosen ertranken 1945 nach einem japanischen U-Boot-Angriff. The Captain an the Shark wandert seit vielen Jahren durch die Studios. Doch Wasser- und Hai-Filme sind immer hochproblematisch.

 

Zwei schöne Besonderheiten dieses ausgezeichneten Buches für Cineasten:

Zu jedem Filmprojekt wurden von namhaften Designern ein (fiktives) der Zeit entsprechendes Filmplakat entworfen, das ganzseitig abgebildet ist. Das Schönste ist vielleicht The Lady from Shanghai mit Nicole Kidman des chinesischen Regisseurs Wong Kar-Wai.

Ausserdem endet jeder Artikel mit einer Prognose: Wie stehen die Chancen?

 

Ein Quellenverzeichnis verweist auf Bücher und Webseiten, die als Informationsquellen dienten. Das Personen- und Filmregister dient dem schnellen Zugriff zum Nachschlagen.

 

Fazit: Ein Pflichtwerk für alle Filmliebhaber, informativ und kurzweilig geschrieben, grafisch ein Genuß!

 

Harald Kloth

5 Sterne
5 von 5

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© 2014 Harald Kloth