John Strelecky: Café am Rande der Welt

John Strelecky

Das Café am Rande der Welt

Eine Erzählung über den Sinn des Lebens

Bereits in 8. Auflage 2011 im dtv erschienen mit auflockernden Illustrationen in warmen Tönen von Root Leeb und aus dem Englischen gekonnt übersetzt von Bettina Lemke.

 

Allein das dreiseitige Vorwort macht neugierig: In wenigen Sätzen umreißt John – die Leitfigur des Buches – die aktuelle Momentaufnahme seines Lebens, Gedanken kreisen um die Orientierungslosigkeit im Privaten wie im Beruf. Ein Großteil der Leser wird sich darin wiederfinden und gespannt Johns Erlebnis im Café der Fragen verfolgen – sich der Hoffnung hingebend, etwas für sich selbst daraus zu gewinnen.

 

Die Begebenheit fängt mit einer ganz normalen Autofahrt in den Urlaub an, die durch einen Unfall auf dem Highway zum Erliegen kommt. John versucht auf Umwegen ans Ziel zu gelangen, verfährt sich hoffnungslos und landet im Kampf mit der immer näher rückenden nächtlichen Dunkelheit auf der Suche nach einer Tankstelle unverhofft im Café der Fragen. John, von großem Hunger geplagt und todmüde, kehrt erschöpft ein.

Als Casey, die Bedienung ihm die Speisekarte überreicht stolpert John auf der Kartenrückseite über folgende Sätze: „Dinge, über die Sie nachdenken können, während Sie warten. Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltes Leben?“

 

„Warum bin ich hier?“ wird zur zentralen Frage der unzähligen Dialoge zwischen Casey und John. Verschiedene Aspekte beleuchten die Fragestellung. In langen Diskussionen erarbeitet er Antworten, die zu immer neuen Überlegungen führen. Während des Essens schildert Casey ihre Begegnung mit einer grünen Meeresschildkröte und verhilft John so zu einer völlig neuen Lebenserkenntnis.

 

John lernt auch Mike - Cafebesitzer und Koch - kennen.Dieser bereichert den Aufenthalt seines Gastes durch die Geschichte vom Fischer und dessen Zusammentreffen mit einem Geschäftsmann der in Urlaub fuhr.

 

„Warum verbringen wir so viel Zeit damit, uns auf den Zeitpunkt vorzubereiten, zu dem wir tun können, was wir möchten, anstatt es einfach sofort zu tun?“

Doch damit nicht genug: Es folgt eine weitere, tiefgründige Diskussion mit Mikes Freundin Anna, eine hochintelligente, ehemalige Führungskraft aus der Werbebranche. Sie weiht John in die zielführenden Geheimnisse und Taktiken der Werbeindustrie ein, schildert ihren eigenen „Aha-Effekt“, welcher zur Wende in ihrem Leben führte.

 

Dieses Buch ist ein absoluter Gewinn für alle Zeitgenossen, die bereit sind sich zu öffnen und auf die Gedankengänge von John Streleckys Ausführungen einzulassen. Zwängen zu entfliehen, Einfachheit zu leben und das Bedürfnis „weg zu kommen“ oder „abzuschalten“ sind die Grundlagen eines lebenswerten Daseins. Eine scheinbar unscheinbare Speisekarte verändert die Sichtweise auf das Leben und auf die Art dieses zu leben – wirklich ein origineller Aufhänger für eine ungewöhnliche Geschichte mit Tiefgang.

 

Fazit: Ein sehr philosophisches und beeindruckendes Buch. Es formuliert die Sehnsucht der Menschen unserer Gesellschaft nach Erfüllung und Glück auf den Punkt genau. Es ist nicht nur eine flüssig zu lesende Erzählung – vorwiegend aus Dialogen zusammengesetzt – sondern vielmehr ein Plädoyer an uns, das Leben zu überdenken, sich neue Maßstäbe und Ziele zu setzen und in sich hinein zu horchen. Welche Dinge sind wirklich wichtig und erstrebenswert?

 

Elisabeth Gonsch

5 Sterne
5 von 5

  Das Café am Rande der Welt bei amazon.de

 

  John Strelecky bei amazon.de

 

 

© 2012 Elisabeth Gonsch, Harald Kloth