Eugene McCabe

Tod und Nachtigallen

Roman

Eine dem Tod geweihte und doch gerettete Kuh zu Beginn, eine zunächst mühevoll gerettete, dann aber doch tote Kuh in der Mitte und ein heimtückischer Mord am Ende des Romans, so einfach lässt sich das Buch Tod und Nachtigallen von Eugene McCabe beschreiben. Fast 16 Jahre nach der Herausgabe des Originals, liegt nun endlich die deutsche Übersetzung des Meisterwerks vor. Und das ist es unzweifelhaft.

 

Der Roman spielt Ende des 19. Jahrhunderts in dem kleinen irischen Dorf Clonoula in der Nähe von Clones, genauer gesagt deckt die Geschichte einen Zeitraum von gerade mal 24 Stunden von 3. auf 4. Mai 1883 ab.

 

Nun mag sich mancher fragen, wie man über 280 Seiten über einen Tag schreiben kann. Und das ist das Außergewöhnliche an diesem Roman, in Rückblicken die anfänglich teils verwirrenden Handlungsstränge nach und nach miteinander zu verweben, aufzudecken und so den Spannungsbogen nach und nach aufzubauen, bis zu seinem schockierenden Ende.

 

Die Geschichte handelt von Beth, einem „Kuckucksei“, was nach dem Tod ihrer Mutter bei ihrem Stiefvater wohnt, lebt und so was wie seine zweite Frau geworden ist, ja werden musste. Kochen, bügeln, putzen, das Vieh versorgen ist ihr Alltag, ihr Leben. Dass sich der fast ständig besoffene Stiefvater auch ab und an sie vergreift, macht die Situation schließlich für sie unerträglich. „Ein Dach über dem Kopf, immer was zu beißen und ein anständiges Taschengeld. Was mehr könnte eine Frau wollen?“ schreibt sie ironisch in ihrem Abschiedsbrief an ihren Peiniger, ein Peiniger, den sie schon mehrmals im Traum umbringen wollte. So fällt sie den Entschluss, diesem tristen Dasein ein Ende zu bereiten und mit ihrem Liebhaber Liam Ward, einem Pächter ihres Stiefvaters, ein neues Leben anzufangen und endlich glücklich zu werden. Dies, obwohl sie ihren Stiefvater „gegen allen gesunden Menschenverstand“ auf gewisse Art stets geliebt hat. Diese lange geplante heimliche Flucht sollte am frühen Morgen des 4. Mai, am Tag ihres 25. Geburtstags, in die Tat umgesetzt werden.

 

Dazu wollte sie ihren Stiefvater um all seine Goldmünzen erleichtern, um dann auf Basis einer gesunden finanziellen Ausstattung ihre Lebensträume zu verwirklichen. Vom Opfer wird sie nun zunehmend zum Täter. Doch, sie werden es bereits vermuten, erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Insbesondere als sie herausfindet, dass der vermeintliche Freund, der zukünftige Lebensgefährte und Vater ihres Kindes nur am Geld interessiert ist und dazu sogar ihre Ermordung plant, dreht sie den Spieß um und … Man will ja nicht zu viel verraten.

 

Dem Autor gelingt es, den inneren Konflikt von Beth mit den Lebensbedingungen in Irland in eine absolut spannende Geschichte zu verpacken, die einen von der ersten Minute an fesselt und nicht mehr loslässt. Dies liegt auch an der hervorragenden deutschen Übersetzung von Hans-Christian Oser.

 

Gerade der Wechsel zwischen den aktuellen Geschehnissen, der Gedankenwelt der Hauptperson und den Rückblenden fügt nach und nach mosaikartig die Einzelteile zusammen. Einerseits das teils leichte und unbeschwerte Leben, die Liebe, ja geradezu poesieartig dargestellt, und dann wird der Leser wieder aus jeglicher Gefühlsduselei gerissen, wenn der brutale Stiefvater auftritt oder der Tod sich nach und nach Platz in der Geschichte macht.

 

Der durchgehend düstere Roman ist auch sprachlich eine „Augenweide“. Dies Umschreibungen McCabes veranschaulichen die gesamte Tristesse des Lebens, der Lebensbedingungen der Charaktere. Durch die detailgenaue Beschreibung der jeweiligen Situation, fühlt man sich mit in die Geschichte hineingezogen, man fühlt sich quasi als der gute oder am Ende als der böse Geist von Beth, möchte ihr immer wieder einreden, zuflüstern, was zu tun ist, ihr Ratschläge geben, damit die Geschichte nicht dort endet, wo sie zu Enden scheint und letztendlich auch enden muss.

 

Fazit: Insgesamt ein sehr empfehlenswertes und lesenswertes Buch.

 

Andreas Pickel

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2011 Andreas Pickel Harald Kloth