Julius Fischer / Micha Ebeling / Michael Bittner / Marc-Uwe Kling

Das Lesebühnen-eBook

Texte

Das Vorlesen erlebt in Deutschland wieder mal eine Renaissance. Aber nicht nur das Vorlesen einer Gute-Nacht-Geschichte steht nach wie vor hoch im Kurs bei Groß und Klein, sondern auch das Hörbuch bzw. das Hörspiel erleben einen neuen Frühling. Seit einigen Jahren kann man nun vor allem in Großstädten ein neue, interessante Form der Kleinkunst erleben: das Lesebühnen-Vorlesen.

 

Dieses Vorlesen auf der Bühne unterscheidet sich jedoch grundlegend von den altbekannten Literatur-Lesungen, wie sie häufig von Büchereien, Bibliotheken, Literatur-Magazinen oder Buchhandlungen angeboten werden, in denen die AutorInnen aus ihrem neuesten Werk rezitieren, in der anschließenden Fragestunde Rede und Antwort stehen und schließlich ihre Bücher signieren. Man darf und kann jedoch diese verschieden artigen, literarischen Darbietungen nicht miteinander vergleichen, sie ergänzen sich!

 

Auf den Lesebühnen geht es zumeist moderner, pfiffiger, „Event“-mäßiger zu, diese Geschichten leben auch von der schauspielerischen Leistung der Autoren; oft sind diese Kurzgeschichten skurril oder kabarettistisch, nachdenklich oder traurig, lehrreich oder lustig aber immer sehr unterhaltsam und nicht selten enden sie mit einem herzhaften Lacher oder einem wie–auch-immer gearteten Aha-Erlebnis. Schließlich sind diese Vorlese-Geschichten in aller Regel ja auch extra für ein Live-Publikum, für die Bühne geschrieben worden und erzielen dadurch durchwegs eine andere Wirkung als „normale“ Literatur.

 

Der Berliner Marc-Uwe Kling ist einer der bekanntesten Vertreter dieses noch jungen Genres; er hat mit seinen Känguru-Geschichten mittlerweile Meilensteine gesetzt und so nimmt es nicht wunder, dass gleich die erste Kurzgeschichte aus seiner Feder stammt. Doch auch die Kurzgeschichten von „Ahne“, Volker Strübing, Julius Fischer, Kirsten Fuchs, Uli Hannemann, Micha Ebeling und allen anderen beteiligten Autorinnen und Autoren begeistern durchwegs, ob ihrer Kreativität, ihrer unbekümmerten Sprache und pfiffigen Wortspielereien und ihrer interessanten literarischen Wendungen.

 

Auch in dieser Anthologie erreichen nicht alle Werke ein gleich hohes Niveau, doch in diesem Lesebühnen-eBook fällt keine der Geschichten so richtig ab. Das einzige, was einen noch mehr als dieses sogar kostenlos angebotene eBook begeistern wird ist, die Autoren wirklich live auf der Bühne zu erleben! Wer diese Möglichkeit nicht oder nur selten hat, ist mit der gelungenen, interessanten Mischung des „Lesebühnen-eBooks“ von Voland & Quist bestens versorgt. Diese moderne, spritzige Form der Literatur hat allemal das Zeug dazu, die „Generation IMM“ (Irgendwas mit Medien) wieder zum Lesen zu verführen!

 

Fazit: Jung, modern, spritzig - kostenlos!

 

Wolfgang Gonsch

4 Sterne
4 von 5

© 2013 Wolfgang Gonsch, Harald Kloth