Rita Falk

Schweinskopf al dente

Franz Eberhofer, Band 3

Ein Provinzkrimi

„Es ist der Pate“, mit diesen Worten empfängt der Richter Moratschek unseren Eberhofer Franz völlig aufgelöst in seinem Haus. Dabei ist es ja eh nur ein blutiger Schweinskopf, der auf dem Bett von selbigem Richter thront. Und beim Paten war´s noch dazu nur ein Pferdekopf! Jedenfalls findet´s der Richter grauenvoll. Besonders für die Sau - findet der Franz! Doch so ganz lässt ihn diese Sache dann doch nicht los, denn der Dr. Küstner, ein Psychologe (oder war´s doch Psychopath? Oder beides? Egal.), den der Richter Moratschek wegen Mordes an seiner Freundin zu 15 Jahren verknackt hat, ist ausgebrochen und hat eben dem Richter ewige Rache geschworen - und halt leider nicht nur dem; bei der Überführung des Dr. Küstner durch den Eberhofer Franz und seinem damaligen Kollegen und Freund, den Birkenberger Rudi haben sich die beiden halt ein paar kleine Späße erlaubt, die der frisch Verurteilte halt auch nicht vergessen hat ...

 

Und so macht sich unser frisch beförderter Franz Eberhofer dann halt auf die Suche von dem Psycho-Irgendwas-Killer. Halt, ganz nebenbei: Glückwunsch. Von uns allen. Denn der Franz ist jetzt ein echter Kommissar, mit einem schönen, silberfunkelnden Stern auf seiner Schulterklappe. Und wir? Wir machen uns holterdiepolter mit auf die Jagd: nach Verbrechern, nach Schnäppchen mit der stocktauben Oma und nach der Liebe und/oder der Susi (oder beidem?). Aber eigentlich ist es wie immer in Niederkaltenkirchen: Die Oma kocht zum reinknien, die Susi kocht auch, aber vor Wut und das am Gardasee bei ihrem Luca-Toni-Verschnitt und der Beatles-Papa dreht sich noch immer seine Joints. Aber leider schaut ab und zu dann auch noch der Leopold, seines Zeichens Schleimsau und Bruder in diesem mikrokosmologischen Idyll zwischen Landshut und niederbayrisch-Kongo vorbei. Wenigstens ist seine vietnamesische Frau Panida eine ganz eine Nette und von seiner Nicht, der kleinen Sushi ganz zu schweigen. Aber immerhin geht es bei beim Umbau seiner Behausung, dem ehemaligen Saustall zügig voran: es fehlen nur noch der Putz und die Fenster könnte man auch noch streichen – irgendwann, vielleicht. Gut dass unser Franz zur Erholung seinen Ludwig hat; mit dem dreht er seine Runden und ab und zu schaut er beim Wolfi auf ein Bier mit dem Metzger Simmerl und dem Heizungs-Pfuscher Flötzinger vorbei.

 

Rita Falk ist ihrer Linie treu geblieben und hat auch beim dritten Band ihren authentischen Schreibstil beibehalten. Zudem hält sie uns mit vielen überfallartigen Überraschungsmomenten auf Trab. Trefflich skizziert sie mit wenigen Worten Personen und Begebenheiten. Vor allem ihre Gabe, mit einigen wenigen Andeutungen mehr zu sagen als mit einem ganzen Kapitel, begeistert noch mehr, als in den beiden Vorgänger-Krimis. Bei den Personenbeschreibungen hält sich die Autorin dieses Mal dezent zurück, was aber nichts ausmacht, ganz im Gegenteil! Durch die beiden ersten Bücher kennen wir unsere Pappenheimer ziemlich gut und so können wir uns voll und ganz auf die wesentlichen Dinge konzentrieren: Die wunderbaren intensiven niederbayerischen Dialoge (wobei hier bei uns ein Wort schon eine ganze Rede sein kann) und die für einen Regionalkrimi überproportional enthaltene Spannung.

 

Mehr Regionalkrimis.

 

Fazit: Freuen sie sich auf einen wirklich unterhaltsamen, intensiven und kurzweiligen Regional-Krimi, der im Gegensatz zu anderen Romanen dieses Genres nicht mit der vorhandenen Spannung hinterm Berg hält. Unser Franz würde zu Schweinskopf al dente wahrscheinlich folgendes sagen: „Alles ganz einwandfrei. Fast schon erstklassig. Eigentlich hammermäßig“. Dem haben wir nichts hinzuzufügen!

 

Wolfgang Gonsch

4/5 Sterne
4/5 von 5

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© 2011 Wolfgang Gonsch, Harald Kloth