Rita Falk

Winterkartoffelknödel

Franz Eberhofer, Band 1

Ein Provinzkrimi

Eine fast schon unüberschaubare Menge von Provinz-Krimis überzieht derzeit die deutschsprachige literarische Landschaft. Vom Allgäu bis zur Waterkant, vom Salzkammergut bis zum Saarland und vom Elsass bis in die tiefste Lausitz ermitteln und schnüffeln die verschiedensten Typen von KommissarInnen auf Teufel komm raus.

 

Haben wir da den schon mehr als nur schrullig zu bezeichnenden Ermittler Franz Eberhofer aus dem niederbayrischen Niederkaltenkirchen auch noch gebraucht? Die Antwort fällt in diesem Fall schon ziemlich eindeutig aus: Ja!

 

Rita Falk siedelt ihren herrlichen Erstling in der tiefsten niederbayerischen Provinz, ihrer Heimat an. Dort, wo eigentlich nie nix passiert, dort, irgendwo im Nirwana zwischen Landshut und dem Ende der Welt leben hogelbuachane (herzensgute und kernige), gstand´ne (im Leben stehende) Menschen wie eben der schrullige, aus München in seine Heimat strafversetzte Polizist Franz Eberhofer, der ausgschamde (unverschämt teure) Gschaftlhuber (Wichtigtuer) Flötzinger, seines Zeichens Gas-Wasser-Heizung-Pfuscher, der schon mal gern das eine oder andere Rohr bei seinen Kundinnen verlegt, oder der Papa, ein Tag und Nacht Beatles-beschallter und Joint-rauchender Alt-68er, und auch der Bruder, die alte Schleimsau, verheiratet mit der ständig notgeilen Roxana, die nicht nur dem Franz ständig mehr als nur an die Wäsche will, und auch die Susi, Gemeindeangestellte und dem Franz sein Teilzeit-Gspusi, sowie der Birkeneder Rudi, sein Freund und Ex-Kollege aus München, hat was vom Monaco-Franze und ist und bleibt ein ewiger Stenz und allen voran, der heimliche Star des Plots, die Oma, ihres Zeichens göttliche Köchin, stocktaube Rabatt-, Schnäppchen- und Gutscheinjägerin, Archivarin von Angebotsprospekten der gefühlt letzten 250 Jahre, sieht, weiß und kennt alles und jeden und ist gesegnet mit einem elefantösen Gedächtnis.

 

Und wie es halt so ist, in unserer niederbayerischen Heimat Niederbayern, kennt halt jeder jeden, jede und jeder traut jedem alles und andersrum wieder überhaupt nix zu. Hauptsache es ist einer von uns, und kein so ein Zuagroaster (ein nach Bayern immigrierter Deutscher, oder noch schlimmer: "a Preiss"), außer sie ist eine blauäugige, zum Ferrari mutierte braunhaarige Sahneschnitte und man(n) kommt zum Schuss!

 

Inmitten dieser von Rita Falk liebevoll und mit dem gewissen Augenzwinkern beschriebenen ländlichen Idylle wird unser zwischen Gspusi, Schleimsau und stocktauber Oma hin- und hergerissener Franz nun zum Sonnleitnergut gerufen, weil sich die dort lebende Sahneschnitte mitten in der Nacht belästigt fühlt. Und dann ist auch noch die komische Geschichte mit den Neuhofers: die haben ein Haus an der Hauptstraße, beste Lage und die sterben schon wirklich an den merkwürdigsten Dingen und das auch noch ganz narrisch schnell hintereinander. Alles scheint so offensichtlich, aber ist es auch wirklich so einfach? Ja, alles nur Zufall! Aber nur halt für den Eberhofer Franz nicht …

 

Rita Falk schreibt diesen keineswegs provinziellen Provinz-Krimi nicht in Deutsch, sondern auf Niederbairisch, und schon ist man mit dem allerersten Satz mittendrin statt nur dabei. Selbst für einen Niederbayern sind die ersten Seiten schon ein bisserl merkwürdig, außergewöhnlich. Die zumindest anfangs fast derb wirkende Schreibe, die alles in kürzester Zeit auf den Punkt bringt, ist zumindest anfangs schon ein bisserl gewöhnungsbedürftig, und das, obwohl wir eigentlich selbst genau so reden, zumindest unter uns - männlich prägnant halt! Kein Wort ist zu viel, die Autorin beschränkt sich von Anfang an auf das Wesentliche. Das zwischen den Zeilen immer wieder spürbare selbst Derblecken, mit dem Rita Falk den niederbairischen Way-of-Life immer wieder liebevoll ins Visier nimmt, macht diesen ganz besonderen Heimatkrimi zu etwas ganz Speziellem! Man(n) fühlt sich halt sofort verstanden und ist schlicht und einfach dahoam (zu Hause) in dieser Geschichte, in der die wunderbar entwickelten Protagonisten mindestens genauso wichtig sind wie der Kriminalfall drum herum, oder anders herum – einfach herrlich!

 

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Fazit: Authentische, liebevoll gezeichnete Charaktere, eine prägnante, knackige und bodenständige Sprache, ein spannender und nachvollziehbarer kriminalistischer Plot und immer wieder was g´scheites zum Essen, dass einem beim Lesen schon das Wasser im Mund zusammen läuft: das sind die Zutaten für niederbayerische Krimi-Kost vom Feinsten, der einem beim Lesen immer wieder ein Lachen hervorzaubert!

 

Wolfgang Gonsch

4 Sterne
4 von 5

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© 2011 Wolfgang Gonsch, Harald Kloth