Donna Leon: Zwei Fälle für Commissario Brunetti

Donna Leon

Zwei Fälle für Commissario Brunetti

In Sachen Signora Brunetti / Feine Freunde

Gelesen von Christoph Lindert

 

Der erste Fall des Commissario In Sachen Signora Brunetti soll gleichzeitig sein schwierigster Fall überhaupt werden: Es beginnt mit einem Telefonanruf am frühen Morgen in der Questura. Im kühlen venezianischen Frühdunst ist ein Akt von Vandalismus verübt worden. Bald allerdings muss Commissario Brunetti feststellen, dass der Täter kein kleiner Ganove und keiner der üblichen Verdächtigen ist. Am Tatort wartet auf die Festnahme keine geringere als seine Frau Paola.

 

Im zweiten Fall dieses Diogenes-Doppel-Hörbuchs, Feine Freunde versinkt unser Commissario wieder mal in seinem unvermeidlichen Xenophon, als es an der Tür klingelt. Paolo Rossi, ein Beamter des Katasteramtes, eröffnet den verdutzten Brunettis, dass ihre geliebte Wohnung laut Bebauungsplan nicht existiert und daher abgerissen werden könnte. Vier Monate später fällt Rossi von einem Baugerüst und stirbt. War es ein Arbeitsunfall? Eine Woche später stirbt im selben Haus ein HIV-infiziertes Liebespärchen einen gewaltsamen Tod. Warum? Auf dem Festland stirbt ein Rechtsanwalt durch eine verirrte Kugel, die seinem Kompagnon gilt. War es wirklich ein Versehen?

 

Brunetti beginnt in beiden Fällen (dem achten bzw. neunten der Reihe) auf seine unvergleichlich ruhige, beharrliche Art und Weise, Fakten zu sammeln und zu sortieren. Seine Ermittlungen ziehen ihn diesmal in den venezianischen Sumpf von Korruption und Vetternwirtschaft, dorthin, wo ihm seine feinen Freunde nicht immer helfen können helfen und in die tiefsten Niederungen von grausamen Menschenhandel und brutaler Zwangs-Prostitution ...

 

Obwohl die Handlungen ziemlich platt und oberflächlich erscheinen, kommen wahre Brunetti-Liebhaber schon allein wegen der Beschreibung der italienischen Küche und der vielen liebevollen Details voll auf ihre Kosten. Donna Leon entführt uns meisterhaft in die vertraute, venezianische Welt der Brunettis; sie vermittelt uns Lesern das Gefühl, ein Teil der lieb gewonnenen Familie zu sein.

 

Liebevolle Details der Essenszubereitung echter venezianischer Küche wechseln sich immer wieder mit spitzen, feingesponnenen Wortgefechten in leidlich spannenden Kriminalfällen ab. Man freut sich auf die Temperamentsausbrüche seiner Frau Paola, die Tischgespräche mit seiner ganzen Familie oder die witzigen, Pointen reichen Wortgefechte mit seinem Chef Vice-Questore Patta.

 

Trotz der schwachen Rahmenhandlungen kommen Brunetti-Fans bei beiden Plots auf ihre Kosten - auch und vor allem aufgrund der zurückhaltenden Rezitation von Christoph Lindert. Er versteht es blendend, dem Plot genügend Raum zur eigenen Entfaltung zu geben, indem er sich selbst vornehm zurück nimmt und 16 Stunden lang still, leise und gefühlvoll erzählt.

 

Fazit: Die Fälle von Commissario Guido Brunetti sind einfach mehr als nur Krimis!

 

Wolfgang Gonsch

4 Sterne
4 von 5

© 2009 Wolfgang Gonsch, Harald Kloth